„Was kostet ein Shooting bei Ihnen?“ Wenn diese Frage fällt, bevor du überhaupt weißt, ob der Kunde zwei Porträts oder eine komplette Image-Kampagne braucht, geraten viele Fotografen ins Schwimmen.
Die Wahrheit ist: Ein Telefonat mit einem Interessenten ist kein Verhör, sondern dein erstes Beratungsgespräch. Wer hier die richtigen Fragen stellt, sichert sich nicht nur den Auftrag, sondern sorgt auch dafür, dass die Kalkulation am Ende stimmt.
Mein Tipp vorab: Ruf immer an. Auch wenn die Anfrage per E-Mail kommt. Ein kurzes Telefonat baut mehr Vertrauen auf als zehn E-Mails. Du bist kein reiner Dienstleister, du bist Problemlöser.
Hier ist dein Leitfaden für ein professionelles Briefing-Gespräch in drei Phasen.
Phase 1: Die Psychologie: Das „Warum“ verstehen
Bevor du die Fakten abfragst, musst du verstehen, was der Kunde eigentlich erreichen will. Das unterscheidet den Profi vom Knipser.
- Der Anlass: „Erzählen Sie mal: Was ist der aktuelle Impuls für das Shooting?“ (Braucht die Firma einen neuen Look? Gibt es einen Website-Relaunch?)
- Die Zielgruppe: „Wen wollen Sie mit den Bildern erreichen?“
- Das Gefühl: „Welche Stimmung soll das fertige Bild transportieren? Eher nahbar und sympathisch oder extrem clean und autoritär?“
Phase 2: Die Fakten-Checkliste (Struktur für dein Angebot)
Wenn du das „Warum“ geklärt hast, geht es an die harten Fakten. Diese Punkte entscheiden darüber, ob du am Ende Gewinn machst oder draufzahlst.
1. Das Motiv & der Umfang
- Wer/Was: Personen, Produkte, Architektur oder Reportage?
- Menge: Wie viele fertige, bearbeitete Fotos werden am Ende für das Projekt benötigt?
- Hintergrund: On-Location im Büro, im Studio oder vor einer spezifischen Farbwelt?
2. Nutzung & Lizenzen (Der Wert der Arbeit)
Frag nicht: „Welche Rechte wollen Sie?“, sondern:
- Einsatzzweck: „Wo werden die Bilder überall zu sehen sein? (Website, Social Media, Print-Anzeigen, Geschäftsbericht?)“
- Dauer & Region: „Sollen die Bilder zeitlich unbegrenzt genutzt werden? Nur in DACH oder weltweit?“
3. Logistik & Location
- Termine: Wann ist der geplante Shooting-Tag? Gibt es eine harte Deadline für die Abgabe?
- Ort: Wo findet das Shooting statt? (Anfahrt, Parkmöglichkeiten für Equipment, Genehmigungen).
- Zusatz-Personal: Brauchen wir Visagisten oder Assistenten? Pro-Tipp: Frag den Kunden nicht, ob er einen Assistenten will. Entscheide du als Experte anhand der Infos, ob du einen brauchst, und kalkuliere ihn ein.
4. Vorbereitung
- Briefing: Gibt es ein Moodboard oder ein Agentur-Layout, an das wir uns halten müssen?
- Referenzen: Gibt es bestehende Fotos, zu denen die neuen Bilder passen müssen?
Phase 3: Das Closing – Den Sack zumachen
Der kritischste Moment: Das Thema Geld.
Die goldene Regel: Kein Preis am Telefon
Lass dich niemals zu einem Pauschalpreis („Das macht 800 Euro“) drängen. Ohne die Details sacken zu lassen, verkalkulierst du dich fast immer.
Die Profi-Reaktion:
„Das klingt nach einem spannenden Projekt. Damit ich Ihnen eine faire und präzise Kalkulation erstellen kann, fasse ich unsere Punkte kurz zusammen. Sie erhalten das maßgeschneiderte Angebot innerhalb der nächsten zwei Stunden per E-Mail.“
Die Abschluss-Frage
Bevor du auflegst, stelle diese eine Frage:
- „Gibt es etwas, das Ihnen bei der Auswahl Ihres Fotografen für dieses Projekt besonders wichtig ist?“ Die Antwort verrät dir genau, worauf du im Angebot den Fokus legen musst (z. B. Schnelligkeit, spezieller Look oder Zuverlässigkeit).
Fazit: Die Checkliste als Anker
In der ersten Zeit hilft es enorm, diese Liste ausgedruckt neben dem Rechner liegen zu haben. Nach zehn Telefonaten hast du die Struktur im Kopf und das Gespräch fühlt sich natürlich an. Du wirst merken: Kunden lieben es, wenn man ihnen die richtigen Fragen stellt – es gibt ihnen das Gefühl, bei einem echten Experten gelandet zu sein.
Jetzt bist du dran: Welche Frage hat dir schon mal den Hintern gerettet, weil du sie im richtigen Moment gestellt hast? Oder was war dein größter „Fail“, weil ein Detail am Telefon fehlte? Schreib es mir in die Kommentare!
Artikelfoto: Alexey Stiop




Vielen lieben Dank, das ist eine tolle, informative Anregung. Danke für das Teilen!
Danke, Michael. Alles Wichtige schön kompakt zusammengefasst. Auf meiner Liste steht als allererste Frage folgendes:
»Ganz zu Beginn, weil ich einfach neugierig bin: Darf ich Sie fragen, warum Sie ausgerechnet mich anrufen/zu mir kommen?«
Und als letzte Frage: »Gibt es etwas Wichtiges, das bisher nicht zur Sprache kam?«
Danke für die Ergänzung, Michael, das sind zwei sehr gute Fragen.
Noch was, Michael. Häufig frage ich ganz zu Beginn: »Waren Sie bereits auf meiner Website? Ich frage, weil ich mir ganz besonders viel Zeit für meine Kunden nehme. Je nach Angebot, kann das schon ein, zwei Stunden oder länger dauern. Das kommuniziere ich auf meiner Website und wenn Sie das nicht gesehen haben, werden Sie kaum verstehen, dass meine Preise bei yxz € beginnen.«
?
Ja, ich habe damals die „glorreiche“ Idee gehabe, meine Telefonnummer in die Gelben Seiten eintragen zu lassen. Darüber kamen sehr viele Kunden, die gar nicht gepasst haben.
Hallo Michael,
vielen Dank auch von mir für die hilfreiche Anregung zur Telefon-Checkliste! Ich habe sie für meinen Bedarf (Autos 😉 ) angepasst und nutze sie auch. So vergisst man nichts und kann sich die wichtigsten Punkte direkt im Anschluss schriftlich vom Kunden bestätigen lassen. Das gibt Sicherheit auf beiden Seiten und vermittelt Professionalität.
Den Tipp, Interessenten bei E-Mailanfragen direkt anzurufen, finde ich sehr wertvoll. So hat man gleich schon persönlichen Kontakt, bleibt eher im Gedächtnis und man kann alles Wichtige unkompliziert klären.
Danke für die vielen hilfreichen Tipps hier und auch auf deiner anderen Website! 🙂
Herzlichen Gruß aus Karlsruhe,
Alex
vielen Dank für zahlreichen Tips
Hallo Michael,
eine super Liste, vielen Dank dafür.
Ich werde das auf jeden Fall als Grundlage für eine eigene Liste nehmen, die ich an meinen Kundenkreis anpasse.
Ich überlege noch, ob ich die Liste dann ausdrucke oder als Dokument auf dem Rechner speichere, in das ich dann auch die Antworten der Kundinnen und Kunden eintrage. Vielleicht kann man auch nach einiger Zeit noch von den Antworten aus der Vergangenheit für zukünftige Gespräche lernen?!
Ja, gute Idee, Markus. Im Laufe der Zeit wird sich deine persönliche Checkliste verändern bzw. konkretisieren. Und nach einer Zeit brauchst du auch keinen Ausdruck mehr, weil du die Fragen im Kopf hast.
Danke dir Michael für die Telefon-Checkliste!
Hab sie kopiert und werde sie nun immer beim Telefonieren parat haben – sehr hilfreich!