Briefing-Fotoauftrag

Briefing für Fotografen

In einem Briefing für Fotografen werden die wesentlichen Randbedingungen und Details festgehalten. Es bildet damit die Grundlagen für die durchzuführenden Fotoaufnahmen.

Ziel ist, die richtigen Ergebnisse zu erreichen und weder Zeit noch Geld zu verschwenden.

Erwartungen des Kunden

Ausgangspunkt sind die Erwartungen des Kunden. Dazu gehört nicht nur, welche konkreten Ergebnisse in welcher Form gewünscht werden. Sondern auch, welche Ziele mit den fertigen Fotos erreicht werden sollen.

Dadurch kannst du konstruktive und kreative Vorschläge machen und zusätzliche Leistungen anzubieten.

Termine

Dazu gehören Informationen wie

  • Wann sollen die Aufnahmen gemacht werden?
  • Wann werden die fertigen Aufnahmen gebraucht?
  • Wann fällt die Entscheidung für den Fotografen?
  • Gibt es harte Eck-Termine (Redaktionsschluss etc.)?

Für welchen Einsatz sind die Bilder geplant?

Im Briefing des Fotografen wird ebenfalls festgehalten, für welchen Einsatz die Bilder geplant sind.

Aus der Abbildungsgröße lässt sich beispielsweise ableiten, in welcher Auflösung die Bilder vorliegen müssen und welche Kamera genutzt werden kann.

Eine Plakatwand in 3,60 x 2,50 m stellt andere Anforderungen an die Technik als ein Foto, das auf einer Website gezeigt werden soll oder als 1/8 Seite in einer Broschüre.

Bilder für die Selbstvermarktung eines Immobilienmaklers werden anders aussehen als Fotos für eine Mitarbeiterzeitschrift oder für die Erstellung einer Website.

Nutzungsrechte

Ebenfalls im Vorfeld wird besprochen, welche Nutzungsrechte der Kunde benötigt. Davon abhängig ist auch die Preisgestaltung.

Format und Freiraum

In der heutigen Zeit werden Bilder viel für Webseiten-Nutzung und dadurch im Querformat oder sogar im extremen Querformat erforderlich.

Soll in der Nutzung Text über die Bilder gelegt werden, muss entsprechender Freiraum mit ruhigem Hintergrund im Motiv vorhanden sein. Ein häufiger Fehler ist, dass die Fotos schon bei der Aufnahme zu eng beschnitten werden und für die Layout-Nutzung dann nicht verwendbar sind.

Style Guide

Professionell arbeitende Marketing Abteilungen großer Firmen und Werbeagenturen haben für das Briefing des Fotografen einen Visual Style Guide.

Darin sind Festlegungen wie zu verwendende Farben, Bildsprache, Motive, Formate und zu vermeidende Themen.

Vergiss nicht, frühzeitig danach zu fragen und die Inhalte zu berücksichtigen.

Mood Board

Wenn eine Werbeagentur beteiligt ist, wird vor Durchführung der Aufnahmen in der Regel ein Mood Board angelegt, um die fertigen Aufnahmen zu visualisieren.

Dazu werden Scribbles, Stockfotos oder Ergebnisse der Google Bildersuche verwendet. Aufgabe des Fotografen ist, diese Platzhalter durch die realen Fotos zu ersetzen.

Call Sheet

Alle relevanten Informationen zur Durchführung des Fotoshootings werden in einem Call Sheet festgehalten, das allen Mitgliedern deines Teams im Vorfeld zur Verfügung gestellt wird.

Zu den Informationen im Call Sheet gehören:

  • Beispielbilder, Moods
  • Termin und Uhrzeit
  • Anschrift, Anfahrtsskizze, Parkmöglichkeit
  • Ansprechpartner vor Ort, Entscheider
  • Namen, Telefonnummern und Aufgaben aller Beteiligten
  • Informationen zur Verpflegung
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Das Wetter hat sich hier leider nicht an das Briefing gehalten: Es regnete. Foto: Andreas Pöhlandt

Mitwirkungspflichten des Kunden

Sehr hilfreich ist, mit dem Kunden sehr klar die Mitwirkungspflichten zu vereinbaren.

Das können Dinge sein wie

  • Vorarbeiten leisten wie Moods erstellen oder Styleguide liefern
  • Werden Mitarbeiter in einem Unternehmen fotografiert, müssen diese vorab über die Aufnahmen informiert werden und eine Vereinbarung über die Bildrechte (Modelrelease) geschlossen werden.
  • Die Location aufräumen und herrichten. Das betrifft bei Aufnahmen vor Ort (zum Beispiel im Büro) Dinge wie den Kabelsalat hinter den Monitoren, die verwelkten Büropflanzen und so weiter.
  • In der Industriefotografie ist es wichtig, Arbeitssicherheit und weitere gesetzliche und betriebliche Vorgaben einzuhalten.
  • Einen Ansprechpartner / Entscheider zum Zeitpunkt der Aufnahmen definieren. Oft müssen kurzfristig Entscheidungen getroffen werden und dann ist der Fotograf über eine eindeutig geklärte Verantwortung dankbar.
  • Wenn bei Mitarbeiterfotos keine Make Up Artistin gebucht wird, ist der Kunde für das Styling der Mitarbeiter verantwortlich. Das vereinbaren wir mit dem Kunden. Darüber hinaus hat es sich bewährt, einen Dresscode zu festzulegen (Krawatte ja / nein etc.). Auch das liegt in der Verantwortung des Kunden.
  • Dinge, die dem Fotografen die Arbeit erleichtern (Parkplatz, Zugang zum Gebäude, Mittagessen, …)

Kommunikation

Missverständnisse und Fehler in der Kommunikation fallen gerne auf den Fotografen zurück. Das können wir vermeiden.

Den Satz

„Ich bin davon ausgegangen, dass …“

sollten wir gleich aus unserem Kopf streichen. Wir sind als Fotograf die Profis, die den Kunden aufgrund unserer Erfahrung durch den Prozess begleiten. Genau das wird von uns erwartet.

Auch Top-Entscheider wie Vorstände etc. erwarten übrigens deutliche Ansagen und Entscheidungen von uns. Die Autorität und Verantwortung liegt ganz klar beim Fotografen.

Abwicklung des Fotoshootings

Es ist für den Fotografen immer sinnvoll, den Entscheider direkt beim Shooting einzubinden und regelmäßig eine Freigabe einzuholen.

Es darf nicht passieren, dass am Ende des anstrengenden Aufnahmetags der Entscheider dazustößt und feststellt, dass er sich das alles ganz anders vorgestellt hat.

Tethered Shooting

Daher führt auch kein Weg an einem Tethered Shooting vorbei. Neben der technischen Beurteilung der Fotos dient das vor allem dazu, die produzierten Bildmotive vom Kunden freigeben zu lassen.

Darüber hinaus können so kritische Bildinhalte besprochen werden. Ich kann mich an ein Gefahrstoffregal im Hintergrund bei einem Industrieshooting erinnern, das nicht ganz den Vorschriften entsprach.

Oder den Labormediziner, der vorschriftswidrig in Labor eine Armbanduhr trug. Die Bilder, auf denen diese Uhr zu sehen war, durften wir dann beim nächsten Shooting-Termin wiederholen.

Briefing für Fotografen im Podcast

Ich habe im Fotografie Business Podcast mit dem Fotografen Thomas Jones über unsere Erfahrungen mit dem Briefing für Fotografen gesprochen:

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Jetzt anhören:

Häufige Fragen

Was gehört alles in ein professionelles Fotografen-Briefing?

Ein professionelles Briefing umfasst zunächst die konkreten Erwartungen und Ziele des Kunden. Du solltest klären, welche Motive gewünscht werden, in welchem Format die Bilder geliefert werden sollen und wofür sie eingesetzt werden. Darüber hinaus gehören technische Details wie Bildauflösung, Farbraum und Dateiformate dazu.

Auch organisatorische Aspekte sind wichtig: Wer ist der Entscheider vor Ort? Welche Mitwirkungspflichten hat der Kunde? Gibt es einen Style Guide oder Mood Board? Je detaillierter dein Briefing ist, desto reibungsloser wird die Zusammenarbeit verlaufen und desto zufriedener wird deine Kundin am Ende sein.

Warum ist ein Mood Board so wichtig für Fotoshootings?

Ein Mood Board visualisiert die gewünschte Bildsprache und schafft ein gemeinsames Verständnis zwischen dir und deinem Kunden. Es besteht meist aus Scribbles, Stockfotos oder inspirierende Beispielbilder, die die Atmosphäre und den gewünschten Look zeigen. So weiß der Fotograf genau, in welche Richtung die Aufnahmen gehen sollen.

Ohne Mood Board entstehen häufig Missverständnisse, weil beide Seiten unterschiedliche Vorstellungen haben. Mit einem Mood Board kannst du als Fotografin konkret arbeiten und die Platzhalterbilder durch deine professionellen Aufnahmen ersetzen. Das spart Zeit, Nerven und verhindert teure Nachproduktionen.

Welche Mitwirkungspflichten sollte der Kunde erfüllen?

Der Kunde muss aktiv zum Gelingen des Shootings beitragen. Dazu gehört die rechtzeitige Bereitstellung von Informationen wie Style Guides oder Mood Boards. Wenn Mitarbeiter fotografiert werden, muss er diese vorab informieren und Modelrelease-Vereinbarungen einholen.

Außerdem sollte die Location vorbereitet sein: aufgeräumte Räume, keine Kabelgewirr, gepflegte Pflanzen. Ein klarer Ansprechpartner und Entscheider muss während der Aufnahmen verfügbar sein. Auch praktische Dinge wie Parkplätze, Zugang zum Gebäude und Verpflegung sollten im Vorfeld geklärt werden.

Als Fotograf solltest du diese Pflichten schriftlich festhalten. So vermeidest du unangenehme Überraschungen am Shooting-Tag und deine Kundin weiß genau, was von ihr erwartet wird.

Was gehört in ein Call Sheet?

Ein Call Sheet ist das zentrale Dokument für alle Beteiligten am Shooting-Tag. Es enthält Datum, Uhrzeit und die genaue Adresse der Location inklusive Anfahrtsskizze und Parkmöglichkeiten. Auch die Kontaktdaten aller Beteiligten mit ihren jeweiligen Aufgaben sind dort aufgeführt.

Zusätzlich findest du im Call Sheet Beispielbilder und Moods, die das gewünschte Ergebnis visualisieren. Informationen zur Verpflegung und zu Pausenzeiten gehören ebenfalls dazu. Der Name des Ansprechpartners und Entscheiders vor Ort muss klar benannt sein.

Du solltest das Call Sheet rechtzeitig an alle Teammitglieder versenden. So können sich Assistentinnen, Make-up Artists und andere Beteiligte optimal vorbereiten und wissen genau, was sie erwartet.

Warum ist Tethered Shooting bei professionellen Aufträgen unverzichtbar?

Beim Tethered Shooting überträgst du die Bilder direkt auf einen Monitor oder Laptop, sodass der Kunde sofort sehen kann, wie die Aufnahmen aussehen. Das ermöglicht eine direkte technische und inhaltliche Beurteilung während des Shootings. Kritische Details können sofort besprochen und korrigiert werden.

Ein großer Vorteil ist die Freigabe durch den Entscheider in Echtzeit. So stellst du sicher, dass die Bildmotive den Erwartungen entsprechen und vermeidest teure Wiederholungen. Auch problematische Details wie Sicherheitsmängel oder unpassende Requisiten fallen sofort auf.

Als Fotografin zeigst du mit Tethered Shooting deine professionelle Arbeitsweise. Der Kunde fühlt sich eingebunden und hat jederzeit die Kontrolle über das Ergebnis. Das schafft Vertrauen und führt zu besseren Resultaten.

Wie kommuniziert man richtig mit dem Kunden während des Shootings?

Als Fotograf trägst du die Verantwortung und solltest den Kunden souverän durch den gesamten Prozess führen. Vermeide Sätze wie „Ich bin davon ausgegangen, dass…“. Stattdessen solltest du klare Ansagen machen und proaktiv kommunizieren.

Binde den Entscheider regelmäßig ein und hole dir Freigaben für die produzierten Motive. Es darf nicht passieren, dass am Ende des Tages jemand feststellt, dass die Ergebnisse nicht den Erwartungen entsprechen. Nutze das Tethered Shooting, um kontinuierlich Feedback einzuholen.

Auch Top-Entscheider erwarten von dir als Fotografin klare Entscheidungen und professionelle Führung. Deine Expertise und Erfahrung sind gefragt. Wenn du selbstsicher auftrittst und die Kommunikation aktiv steuerst, wird das Shooting zum Erfolg.

Welche Fehler sollte man beim Fotografen-Briefing vermeiden?

Ein häufiger Fehler ist, das Briefing zu oberflächlich zu halten. Wenn wichtige Details ungeklärt bleiben, führt das zu Missverständnissen und Enttäuschungen. Du solltest lieber zu viel als zu wenig klären und alle Punkte schriftlich festhalten.

Auch das Vernachlässigen der Mitwirkungspflichten des Kunden ist problematisch. Wenn dieser seine Aufgaben nicht kennt oder nicht erfüllt, kann das den gesamten Shooting-Ablauf gefährden. Vereinbare diese Pflichten daher konkret und verbindlich.

Ein weiterer Fehler ist, technische Details wie Format, Freiraum für Text oder spezielle Anforderungen nicht zu besprechen. Als Fotografin solltest du proaktiv nachfragen und sicherstellen, dass du alle Informationen hast, die du für ein erfolgreiches Ergebnis brauchst.

Fazit

Ein gutes Briefing zeigt unsere Erfahrung und professionelle Arbeitsweise. Der Kunde erwartet, von uns durch den Prozess geführt zu werden.

Von einem guten Briefing und einer guten Vorbereitung hängt ab, wie erfolgreich die Aufnahmen werden.

Artikelfoto: Andreas Pöhlandt

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