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Gibt es den Leica Look? (3)

Von 10. Januar 2021Ein Kommentar

Gibt es den Leica-Look? – Teil 1
Gibt es den Leica-Look? – Teil 2

Über diese Serie: „Gibt es den Leica-Look?“ Diese Frage beschäftigt mich seit Jahren. Oft schon habe ich (für mich allein oder in aller Öffentlichkeit) entschieden, dass es ihn nicht gibt. Aber he, wenn ich ganz ehrlich bin, war diese Antwort nur das Produkt meiner Selbstschutzmechanismen. Denn eins ist klar – wenn ich am Ende dieser neuen Blogserie ein „JA“ als Antwort in die Welt schreie, wird es sehr teuer. Grad als Soloselbstständiger zu Coronazeiten nicht die beste Aussicht. Aber sie fühlt sich richtig an! Ich bin neugierig! Du auch? Herzlich Willkommen! 

Mein erstes Rendezvous mit der Leica M 240

Was eine ungerechte und materialistische Überschrift! Sorry, lieber Mo (aka. Der PhotoMo), denn eigentlich war es ja ein (weiteres) Rendezvous mit Dir! Diese Überschrift zielt aber ganz gut auf den Eindruck, den ich (über meiner unterdrückten Sehnsucht liegend) jahrelang von der M hatte:

„Was ein materialistischer Quatsch!“

Diese Denke ergab sich ganz kühl aus Kaufpreis uns Nutzen. Heute halte ich das für sehr oberflächlich und kurz gedacht. Aber bevor ich da tiefer eintauche, möchte ich eine treffendere Überschrift wählen:

„Nimm sie halt ein paar Wochen mit und verlieb´Dich in aller Ruhe in die alte Lady!“

sagte der liebe Mo und hielt mir seine alte Lady hin. Moritz und und ich haben uns irgendwann nach der Jahrtausendwende in der guten alten fotocommunity.de kennengelernt. Seither halten wir in schwankender Intensität Kontakt zueinander. Mo tut mir gut, er ist einer der positivsten Typen, die da draußen herumrennen – genau mein Mann quasi. Aber dass er mir einfach seine Leica in die Hand drückt und sagt „Nimm mit!“… Chapeau!

Aber warum „alte Lady“?

Was genau heisst eigentlich „M240“?

„M240“ wir die „Leica M (Typ 240)“ im Volksmund genannt. Da es die M des Traditionsherstellers Leica (Made in Germany) bereits seit 1954 gibt, braucht es für jede Überarbeitung dieses Modells quasi einen zweiten Vornamen. Wer versucht mit Logik an diese Bezeichnungen zu gehen, ohne vorab etwas tiefer zu forschen, der wird schnell scheitern. So hieß 1954 die erste Leica M eben nicht M1, wie es auf den ersten Blick logisch erscheinen würde. Die erste M war die Leica M3. Die M1 kam erst 1959 auf den Markt. Solltest Du Lust auf mehr Hintergründe und die Geschichte(n) der Leica-M haben, schau Dir doch mal dieses Video dazu von Patrick Ludolf und Ralf Bertram an!

Wir springen hier im Text derweil in die Welt der Digitalfotografie. Die erste Leica M mit einem digitalen Sensor war die Leica M8. Sie wurde im Jahr 2006 vorgestellt und kam mit einem noch etwas „halbwüchsigen“ CCD-Sensor mit einem Cropfaktor 1,3. Drei Jahre später (2009) folgte die M9 mit dem ersten CCD-Kleinbildsensor (Umgangssprachlich „Vollformat“) in einer Leica M. Also wäre die nächste Kamera ja die M10, oder?
Natürlich nicht. 🙂

2012 setzte man die Zahlenpolitik aus, und begrenzte den Namen der M auf das Wesentliche: – M –

Um dennoch Unterscheidungen zwischen den weiteren Entwicklungsstufen treffen zu können, wurden nun die internen Typcodes zur Hilfe gezogen. Und das war bei der ersten „M“ im Jahr 2012 der „Typ 240“. Schnell wurde das den Meisten vor und hinter den Verkaufstheken zu anstrengend und so hieß sie binnen kürzester Zeit im Volksmund einfach Leica M240. Bis heute.

Sie löst mit 24MP auf, verfügt über einen (aus heutiger Sicht) erfrischend niedrigen Dynamikumfang und eine herrlich unpräzise Belichtungsmessung. In Lightroom finden sich (auch mit originalen Leica-Objektiven) fantasievoll gewürfelte Blendenwerte, die mit der Aufnahmesituation nicht viel gemein haben. Was wie ein vernichtendes Urteil klingt, ist eine erste Liebeserklärung. Sie vereint Perfektion und Imperfektion auf eine faszinierende Art und Weise. Wenn Du Dich jetzt beim Lesen wunderst, bin ich voll bei Dir! Ich fand diese Art über eine „schlechte“ Kamera zu sprechen auch albern. Aber das war bevor ich sie selbst in die Hand genommen und benutzt habe.

Die Patina erzählt Geschichten vergangener Tage

Definitionsversuch eines guten und viel zu schlauen Freundes: „Als Patina wird eine dünne Verwitterungsschicht auf oder in einer Oberfläche benannt. Diese Verwitterungsschicht kann natürlichen Ursprungs sein oder künstlich (und somit beabsichtigt) erzeugt werden. Ferner kann sie sich entwickeln, nachdem sich eine Schutz- oder Lackschicht im natürlichen Alterungs- oder Gebrauchsprozess abgelöst hat und das darunterliegende Material den Umwelteinflüssen ausgesetzt ist.“

„Sie ist halt alt und verschrammt – was hat das bitte mit den Geschichten vergangener Tage zu tun?“

Das ist eine alte Diskussion. So alt, dass sie die Jüngeren oft schon nicht mehr verstehen. Die Einen lieben Patina, die Anderen sehen einfach nur einen Defekt. Neuartige Gehäusematerialien, kurze Produktionszyklen, und häufig (vergleichsweise) günstige Anschaffungspreise sorgen dafür, dass nur noch wenige Kameras noch so „alt“ werden, dass sie so aussehen wie diese Leica hier. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass das Gehäuse der Leica M (insbesondere in der schwarzen Ausführung) anfälliger dafür ist, als die „Kassenmodelle“ von Nikon, Canon und Sony. Mit Absicht.

Diese Patina ist also keine Üblichkeit der heutigen Fotoindustrie, sondern erinnert an die Kameras der alten Foto-Pioniere der ersten 80 Jahre des letzten Jahrhunderts. Diese zogen, anfangs nur mit Schwarzweissfilmen bewaffnet, durch entlegene und für den Otto-Normalverbraucher nahezu unerreichbare Gegenden dieser Erde. Die Gehäuse hielten viele Jahre und hatten viele Abenteuer hinter sich. Sowohl nach abenteuerlichen Monaten in Südamerika wie auch in der örtlichen Lokalredaktion der Zeitung bekamen diese Kameras bald eine Patina, wie auch meine Leica hier zeigt. So erzähl(t)en sie ihre Geschichten.

Während manche Fotografinnen und Fotografen genau diese Geschichten gern wahrnehmen, schütteln Andere mit dem Kopf und kaufen sich lieber eine neue Kamera. Das ist quasi genauso wie auch sonst im Leben. 😉

Eine Reportagekamera! Wirklich?

Die Leica M ist eine klassische Reportagekamera. Konzipiert in den 50ern, eben für die Fotoreporter und Reisenden dieser Zeit. Aber ist das heute noch aktuell?

Diese Frage werde ich mir noch intensiver stellen! Insbesondere mit Blick auf das etwas gewöhnungsbedürftige, manuelle Fokussieren spricht heutzutage eigentlich gegen diese Einordnung. Aber wir werden sehen…

Während unseres Spazierganges durch die Wahner Heide jedenfalls habe ich mich erstaunlich schnell an diese Art des Fokussierens gewöhnt. Vor einigen Wochen habe ich mit meiner Canon EOS R versucht die Bedienung Leica M schonmal ein wenig zu spüren. Das bildete ich mir ein dadurch zu erreichen, dass ich die Automatiken ausschaltete. Da hatte ich noch keine Vorstellung davon, wieviel Freude es macht mit der Leica M zu fokussieren!

Auffällig war auch meine achtsamere Art des Fotografierens. Instagram und Wettbewerb waren vergessen und ich ließ mich auf kleine Kästchen und Lichtstrahlen ein, anstatt nach Superlativen zu suchen. Bereits auf diesen ersten Metern schien ich tiefer im fotografischen Prozess zu sein, als mit meiner EOS. Spannenderweise gelang das, ohne zu sehr von der Kameratechnik abgelenkt zu werden.

Dabei war nicht nur sofort klar, was die Kamera mir bringen wird (Entschleunigung!), sondern auch, was sie mir nicht bringen wird: Geschwindigkeit, Durchzeichnung, Dynamikumfang. Wie anfangs schon angedeutet, fühlt sich aber auch das gut an. Warum? Ich habe noch keinen Schimmer. Genau das gilt es in den kommenden Wochen herauszufinden. Darauf freue ich mich diebisch!

Eine letzte Lanze

möchte ich zum Ende für die umstrittenen Leica-Selfies brechen: „So´n komisches Guck-mal-ich-hab-ne-Leica-Foto wirst´von mir nicht sehen!“ sagte ich zu Anfang voller Überzeugung! Nun, was soll ich sagen…

Vielleicht „Bis bald!“?

Bis bald! 🙂 Bleibt bitte gesund!

Falk

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Inspiration Leica Akademie: Inspirierende Bilder von 76 Fotografen der Leica Akademien
  • Mertens, Heidi (Autor)
  • 343 Seiten - 20.03.2020 (Veröffentlichungsdatum) - Rheinwerk Fotografie (Herausgeber)

Über Falk Gustav Frassa

Die spürbare Fotografie ist meine Lebensleidenschaft, mein Therapeut und manchmal auch einfach nur mein Job. Neben der Fotografie erstelle und betreibe ich verschiedene Podcast-Formate und arbeite für meine Kunden als Mentor und Coach. Mein Berufsleben startete ich vor vielen Jahren im Rettungsdienst und der (Psychiatrie-) Pflege. Nach und nach packte ich dort Wissen und Erfahrung ein und nahm es mit in den Kreativbereich. Mehr erfährst Du auf der über uns - Seite!

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