Leica

Gibt es den Leica-Look? (1)

Von 22. November 2020November 29th, 202010 Kommentare

Diese Frage beschäftigt mich seit Jahren. Oft schon habe ich (für mich allein oder in aller Öffentlichkeit) entschieden, dass es ihn nicht gibt. Aber he, wenn ich ganz ehrlich bin, war diese Antwort nur das Produkt meiner Selbstschutzmechanismen. Denn eins ist klar – wenn am Ende dieser neuen Blogserie ein „JA“ als Antwort in die Welt schreie, wird es sehr teuer. Grad als Soloselbstständiger zu Coronazeiten nicht die beste Aussicht. Aber sie fühlt sich richtig an! Ich bin neugierig! Du auch? Herzlich Willkommen! 🙂

Die wesentlichen Fragen

Mal ehrlich, wie oft bleibst Du in der Fußgängerzone (oder im Internet) am Schaufenster Deines bevorzugten Fotodealers stehen? Und wie viele Witze machst Du über das unter Fotografen so verbreitete G.A.S.? (Anm.: „Gear Acquisition Syndrome“ – beschreibt die Sucht, immer wieder Neues kaufen zu müssen) Das geht selten ohne ein Lächeln über die Lippen. Und dahinter ist er dennoch immer zu sehen: Der gute alte Ernst. 🙂

Der erinnert an den Kontostand, an drohende Beziehungskrisen oder einfach an die kurze Halbwertszeit dieser Neuanschaffung da in Deinem Traum. Aber was machen wir da eigentlich? Warum wollen wir immer mehr Technik kaufen? Ist das wirklich ein Problem oder gar eine Sucht? Oder ist es einfach eine Leidenschaft? Eine Suche? Der Weg IST doch das Ziel – oder? Reisende suchen auch nicht das Ende, sondern den schönsten Weg. Was, wenn der Weg das Ziel UND das Ziel der weitere Weg sein kann? 

Diese Fragen haben sich in den letzten Jahren immer breiter gemacht in meiner Gedankenwelt. Nun werde ich mich auf den Weg machen, diese Fragen und Gedanken tiefer zu ergründen und Dir als Leser regelmäßig von meinem Weg berichten.

Vorab nehmen wir das ganze Ding mit dem G.A.S. aber mal etwas auseinander, als erste Reisevorbereitung sozusagen:

Warum suchen wir Menschen nach Veränderung?

Die Gründe dafür sind so vielfältig wie der Mensch selbst – auch wenn wir versuchen, uns mit dieser Frage nur auf die Fotografinnen und Fotografen zu konzentrieren. Was uns aber fast alle eint, ist ein ständiges hin und her zwischen Veränderungswunsch und Beständigkeit. Das kennen wir gut aus unseren Partnerschaften, zumindest wenn wir ehrlich genug zu uns selbst sind und dabei ganz genau hinschauen. Eine große Herausforderung! Vielleicht sogar die Größte.

Wenn die Fotografie uns bewegt und einen Teil unseres Lebens geworden ist, ist sie auch sowas wie eine Partnerschaft. Deren Funktionalität ist unserer Liebe manchmal erschreckend ähnlich…

Wir suchen also sowas wie das gesunde Maß, das angenehme Gleichgewicht zwischen Erneuerung und der Beständigkeit. Passt ganz gut in meine Erlebniswelt der letzten Jahre. Inklusive einer Maßlosigkeit, gefolgt von zu stoischer Beständigkeit. Es scheint nicht so einfach zu sein. 

Wie finden wir das -für uns- richtige Maß?

Liebe Singles, es tut mir leid! 😉 Der Vergleich mit der Partnerschaft ist einfach zu treffend:

Idealerweise finden wir eine Partnerin oder einen Partner, der mit uns durch dick und dünn geht und uns sieht, wie wir wirklich sind. Zugleich hilft er uns aber hinaus in die Welt zu blicken und in dieser Welt, möglichst gemeinsam, immer wieder tolle und neue Dinge zu erleben. So lebt die Leidenschaft immer wieder auf – ohne dass wir den Partner wechseln, denn der ist für uns das Wesentliche.
(Leica-Freunde haben vermutlich schon durch meine Wortwahl erkannt wo ich inhaltlich hin möchte.)

Auf die Technik übertragen hieße das also, dass wir auch in der fotografischen Welt einen solchen Partner gebrauchten könnten. Zumindest, wenn uns dieses oben beschriebene Beziehungsmodell zusagt. Einen Partner, der uns klar sehen lässt, der mit uns durch dick und dünn geht und uns immer wieder inspiriert, neue Leidenschaften und Abenteuer zu erleben. Gemeinsam!

Eine erste Erkenntnis

Also hatte mein Bauch doch Recht, wenn ich in Berührung mit der einen oder anderen Leica kam? Waren diese Rufe, ja sogar Schreie in mir echt und richtig? Seit Jahren wehre ich mich mit Argumenten der Vernunft. Komische Sache, denn in der Liebe und Partnerschaft habe ich mich nie von der Vernunft leiten lassen.

Diese Erkenntnis aber ist nur ein erster Schritt. Wie der erste Schritt ins Gate, bevor eine große Reise beginnt. Ich freue mich auf die kommenden Wochen und Monaten voller Fragen und Antworten zum Thema „Macht Leica etwas mit mir? Gibt es den Leica-Look?“ Und wenn es etwas mit mir macht- welche Leica wäre dann am Ehesten meine? Was ist Leica? Ein Kult? Ein Stück Geschichte? Die Lösung? Wer benutzt sie, wie und warum? (…)

Ich freue mich auf diese Reise! Ganz besonders wenn ich weiss, dass Du Dir die Zeit nimmst, immer wieder mal hier vorbeizuschauen um nach mir und dieser Blogserie zu sehen! Hast Du Fragen, Anregungen oder Gedanken dazu? Schreib mir gern eine Mail an falkfrassa@fotografr.de

So, ich muss jetzt erstmal weiterziehen…
Auf bald!

Dein Falk 🙂

Vielen Dank für die Leica-Fotos Ihr Lieben:
Foto & Model oben: Matthias Roemer > Instagram
Foto & Model mitte: Chris Wknd > Instagram
Foto unten: Christof Baumann > Instagram – – – Model unten: Nadja > Instagram



Über Falk Gustav Frassa

Die spürbare Fotografie ist meine Lebensleidenschaft, mein Therapeut und manchmal auch einfach nur mein Job. Neben der Fotografie erstelle und betreibe ich verschiedene Podcast-Formate und arbeite für meine Kunden als Mentor und Coach. Mein Berufsleben startete ich vor vielen Jahren im Rettungsdienst und der (Psychiatrie-) Pflege. Nach und nach packte ich dort Wissen und Erfahrung ein und nahm es mit in den Kreativbereich. Mehr erfährst Du auf der über uns - Seite!

10 Kommentare

  • Marco sagt:

    Ich denke ne Leica ist ne Kamera wie alle anderen. Sie macht Bilder. Mal schön, mal schrecklich. Hängt wie bei jeder anderen vom Fotografen ab.
    Na klar hat sie ein besonderes Image. Liegt wahrscheinlich an den berühmten Fotografen und an ihrem Preis.
    Aber mit dem Look ist es wie mit dem Vollformat-Look. Die einen sehen ihn, die anderen nicht. Ob es ihn gibt ist da eher zweitrangig. Er wird dich anspornen ihn herauszuarbeiten und das führt zu besseren Fotos.

    • Sebastian sagt:

      Hallo Marco,

      wenn es, ganz nüchtern und technisch betrachtet, um das Endprodukt, das Fertige Bild geht, dann gebe ich Dir recht. Aber beim Schaffensprozess unterscheidet sich die Leica (gemeint sind die M Modelle). Natürlich kann man bei fast jeder Kamera den Autofokus ausschalten und bekommt *irgendwie* ein scharfes Bild, aber die Leica ist genau dafür gemacht!
      Auch das Bild, welches man durch den Sucher sieht, ist nachher meist nicht das selbe wie das, welches auf dem Sensor landet. Je nach Brennweite sieht man mehr im Sucher als den Ausschnitt der Sucherrahmen. Der Ausschnitt der Sucherrahmen stimmt, abhängig von der Entfernung, auch nicht immer so 100% und die eingestellte Blende und damit die Schärfentiefe siehst Du im Sucher auch nicht. Auf der anderen Seite lässt sich über den Messsucher sehr präzise fokussieren. Somit steckt in jedem Bild ein gewisser Überraschungseffekt 😀
      Für viele mag das Rückständig sein, aber nicht jeder findet sein Glück (/Freude/Spaß) in technischer Perfektion. Wer sich also darauf einlässt oder eben genau danach sucht, der wird – und davon bin ich überzeugt – sehr viel Freunde daran haben – nicht wahr Frank (-;

      PS: My other camera is a Ricoh GR ^_^

  • Hi,

    der „Look“ ist es gar nicht, um das es geht. Ich glaube auch nicht, dass es ihn gibt. Es dreht sich letztlich immer um die Kraft der Bilder, die Erzählpower einer Serie oder die Ästhetik einer Sammlung. Nichtsdestotrotz kann der „Geist in der Maschine“ schon sehr motivierend, befeuernd, beglückend sein. Warum sich nicht etwas Besonderes gönnen? Je nach Fotograf, Temperament, Vorlieben, Eitelkeiten oder Wahrnehmungsschwerpunkten kann dabei etwas völlig anderes herauskommen. Um welche Leica wird es wohl in Deiner Serie gehen? Bin gespannt!

    VG, Christian

  • Detlef sagt:

    Tja, gibt es den Leica Look? Ich meine ja und auch auch meine Frau erkennt meist die Bilder, welche ich mit meiner Leica gemacht habe. Mein Nachbar, welcher sich null für die Fotografie interessiert, würde auf Anhieb keinen Unterschied zu einem Bild sehen welches mit einem Smartphone gemacht wurde. Also doch kein spezieller Look?
    Die Frage lässt sich dahingehend meiner Meinung nach nicht abschließend beantworten.
    Die Diskussion läuft wahrscheinlich in eine ähnliche Richtung wie beim Thema „Vollformat“. Dort dachte ich immer den größeren Sensor an der häufig starken Plastizität der Fotos zu erkennen, bis ich auf Bilder stieß, welche eine ähnliche Wirkung hatten aber mit APS-C oder auch mFt-Kameras gemacht wurden.
    Meine Bilder sind mit der M nicht besser geworden aber sie entstehen mit mehr Freude und Leidenschaft. Als Hobbyfotograf muss ich nicht liefern und kann ganz entspannt fotografieren. Dies ist für mich mittlerweile der reinste Genuss! Bei mir sind schon eine Menge Kameras ein- und wieder ausgezogen. Meine M hat ein lebenslanges Wohnrecht!

  • Eine Leica – und wenn ich von Leica schreibe, dann meine ich die klassische, die so polarisierende Leica, die Leica M. Es ist so schwer vernünftig über diese Kamera zu reden. Eine Leica M fordert den Fotografen, da gibt es keine „moderne“ Unterstützung. Wenn ein technisch schlechtes Bild entsteht, dann ist es einzig und alleine dem Fotografen zuzuschreiben, aber auf der anderen Seite – entsteht ein gutes Bild, dann ist es eben auch einzig und alleine dem Fotografen zuzuschreiben. Schlechter Autofokus, schlechtes Motivprogramm, falsche Einstellung am Stabilisator? Nix da, das gibt es ja gar nicht – und nun passiert etwas ganz magisches. Der Fotograf ist plötzlich wieder ein Fotograf und kein Computeranwender. Und ich möchte – bevor man über mich herfällt gleich dazu sagen – müsst ihr „abliefern“ dann ist die M wohl nicht immer die beste Wahl – ganz klar, ein funktionierender Augenfokus – das hat schon was, ein schneller Autofokus – das hat schon was…
    Aber eine M fordert den Fotografen wesentlich mehr dazu auf – zwingt den Fotografen – sich mit dem Bild zu beschäftigen. Detlef (vom 22.11.) beschreibt es als „Genuss“ – Christian beschreibt es als „Geist in der Maschine“ (na klar als Industriefotograf 🙂 )
    Eine M weckt etwas im Fotografen, da ist dieses Etwas, kaum beschreibbar – vielleicht ist es auch einfach nur das reine Erstellen eines Bildes. Immer wieder ertappe ich mich, dass ich gerne mit meiner M fotografiere – aber das spannende ist, es ist DAS FOTOGRAFIEREN was so viel Spaß macht, wenn am Ende auch noch Bilder entstehen – dann ist das eine schöne Nebensache…
    Leica Look? Darüber kann man vermutlich Bücher schreiben. Aber geht davon aus, dass ein Leica Fotograf oft viel mehr Emotion in seine Fotografie steckt, sich viel mehr mit dem Bild auseinandersetzen muss und oft entstehen dadurch die besseren/überlegteren Bilder. Mal ganz davon abgesehen, dass es schon das eine oder andere Objektiv gibt, dass eine etwas andere Abbildungsleistung hat, schon mal den Schärfetiefenbereich bei Blende 0,95 in 2 m Entfernung gesehen? Oder den 3D-Effekt bei einem schönen 35mm Objektiv?
    Versucht mal ein altes Objektiv aus den vielleicht 60er Jahren, das hat schon was, dieses gewisse Etwas, dass den modernen und perfekten Objektiven etwas fehlt.
    Aber liebe Fotografen – wer will den unperfekte Bilder? Wer will den Bilder, die am Rand nicht knackscharf sind? Wer will schon eine Diva als Linse wenn es um Gegenlicht geht?
    Aber ihr seht, Leica polarisiert, Leica ist Leidenschaft, Leica ist schon fast eine Liebe.
    Und glaubt mir, wer eine Leica M verwendet, nur der wird sich jetzt nicht an den Kopf greifen…
    PS: Marco – eine Leica M ist nicht wie jede andere Kamera 🙂 – und ich rede ganz bewusst von Leica M und nicht SL, Q etc
    Und liebe Freunde der Fotografie – ich spreche hier nicht von so „dummen“ Dingen wie eine Kamera ohne Display oder gar eine die nur Schwarz/Weiß aufnehmen kann (das könnte ich ja auch im JPG-Format erledigen……) und dann noch dazu eine fixe Brennweite von 288mm verbaut hat – wie doof ist das denn, man will ja fotografieren
    In diesem Sinn, bleibt gesund und genießt das Leben!!!

  • Rob Cale sagt:

    Immer wieder eine interessante Frage. Und nicht einfach zu beantworten, da die meisten Betrachter eines Fotos genau an dem Punkt „Look“ vermutlich in die subjektive Bewertung wechseln werden. Mein Antwort: „ja“. Aber natürlich nicht ohne einen Erklärungsversuch 😉
    Schärfe, Licht, Bildaufbau – all das lässt sich ja recht gut objektiv und nach vordefinierten Parametern beschreiben und bewerten. Beim „Look“ ist es schon schwerer, einen Maßstab oder besser ein Maßstabsbündel anzulegen. Das bräuchte man aber m.E., um festzustellen, ob ein „Look“ wirklich existiert. Es kommen so viele Parameter in Frage – der offensichtlichste ist die Zeichnung des Bildes in den unscharfen Bereichen und das Zusammenspiel von Schärfe und Unschärfe. Dann natürlich die Zeichnung von Strukturen, Farben und Detailreichtum, die sich hier mit dem oben schon angesprochenen Bokeh überlagern.
    Ich würde den „wissenschaftlichen Ansatz“ aber jetzt mal verlassen und etwas vereinfachen. Zum überwiegenden Anteil sind nach meiner Erfahrung i.E.L. Design und die Qualität des Objektivs für den „Look“ verantwortlich. Vor allem mit extrem geöffneter Blende entsteht der angesprochene „Look“. Je mehr man abblendet, desto austauschbarer ist das Ergebnis und desto mehr geht der „Look“ verloren. Leica Objektive sind meistens so konstruiert, dass sie mit maximal geöffneter Blende oder leicht abgeblendet den „Leica-Look“ erzeugen. So nehme ich das für mich bei meiner Fotografie jedenfalls auch wahr.
    Natürlich ist der „Look“ aber auch ein Marketingwerkzeug und Leica möchte gerne Kameras und Objektive verkaufen. Hier ist es wie mit jedem anderen Gut: man hat einen persönlichen Maßstab, der entscheidet, wie wichtig einem dieser „Look“ ist. Ich möchte jedenfalls diesen „Look“ nicht missen.
    Mobiltelefone mit den aufgesetzten Algorithmen versuchen seit einiger Zeit, diesen „Look“ zu imitieren. Selbst Leica versucht mit Huawei, hier ein wenig mitzumischen. Kann man machen. Aber bisher hat mich das nicht überzeugt. Manchmal aber natürlich besser als nichts, wenn eine „richtige“ Kamera doch nicht dabei war.
    Von 2009 bis 2019 habe ich vier verschieden M-Modelle verwendet. Vorher Nikon, zwischendrin sehr kurz ein Sony A7 und leihweise mal eine Hasselblad X1D. Für mich waren dann aber die SL und vor allem die SL2 die besseren Ms. Das sind meine Kameras, täglich im Einsatz, im Studio und draußen, eine der beiden ist immer dabei, oft beide. Schriftzug und roter Punkt mit schwarzem Duck-Tape abgeklebt, da viel zu auffällig. Sehr oft mit M-Linsen – genau für diesen „Look“.

  • Den Leica Look sehe ich in den Leica Kameras, denn die sehen einfach anders aus: also die Kameras selbst, meine ich. Ansonsten stehen dahinter sicher Fotografen, die durch ihre Herangehensweise den besagten Look kreieren. Ansonsten halte ich nicht viel davon, Fehler alter Objektive als unnachahmliche Zauberformel zu umschreiben.
    Darüber hinaus, als Kamera, ist meine alte Nikon FM2 ganz sicher, Leica Kameras dieser Zeit überlegen. Besonders technisch. Ja und die beschriebene Patina auf Messing hat sie natürlich auch…
    Aber egal, jedem das Seine und Leica ein unfaßbares, also eher emotionales Image.

Hinterlasse eine Antwort