Leica

Gibt es den Leica-Look? (1)

Von 22. November 20203 Kommentare

Diese Frage beschäftigt mich seit Jahren. Oft schon habe ich (für mich allein oder in aller Öffentlichkeit) entschieden, dass es ihn nicht gibt. Aber he, wenn ich ganz ehrlich bin, war diese Antwort nur das Produkt meiner Selbstschutzmechanismen. Denn eins ist klar – wenn am Ende dieser neuen Blogserie ein „JA“ als Antwort in die Welt schreie, wird es sehr teuer. Grad als Soloselbstständiger zu Coronazeiten nicht die beste Aussicht. Aber sie fühlt sich richtig an! Ich bin neugierig! Du auch? Herzlich Willkommen! 🙂

Die wesentlichen Fragen

Mal ehrlich, wie oft bleibst Du in der Fußgängerzone (oder im Internet) am Schaufenster Deines bevorzugten Fotodealers stehen? Und wie viele Witze machst Du über das unter Fotografen so verbreitete G.A.S.? (Anm.: „Gear Acquisition Syndrome“ – beschreibt die Sucht, immer wieder Neues kaufen zu müssen) Das geht selten ohne ein Lächeln über die Lippen. Und dahinter ist er dennoch immer zu sehen: Der gute alte Ernst. 🙂

Der erinnert an den Kontostand, an drohende Beziehungskrisen oder einfach an die kurze Halbwertszeit dieser Neuanschaffung da in Deinem Traum. Aber was machen wir da eigentlich? Warum wollen wir immer mehr Technik kaufen? Ist das wirklich ein Problem oder gar eine Sucht? Oder ist es einfach eine Leidenschaft? Eine Suche? Der Weg IST doch das Ziel – oder? Reisende suchen auch nicht das Ende, sondern den schönsten Weg. Was, wenn der Weg das Ziel UND das Ziel der weitere Weg sein kann? 

Diese Fragen haben sich in den letzten Jahren immer breiter gemacht in meiner Gedankenwelt. Nun werde ich mich auf den Weg machen, diese Fragen und Gedanken tiefer zu ergründen und Dir als Leser regelmäßig von meinem Weg berichten.

Vorab nehmen wir das ganze Ding mit dem G.A.S. aber mal etwas auseinander, als erste Reisevorbereitung sozusagen:

Warum suchen wir Menschen nach Veränderung?

Die Gründe dafür sind so vielfältig wie der Mensch selbst – auch wenn wir versuchen, uns mit dieser Frage nur auf die Fotografinnen und Fotografen zu konzentrieren. Was uns aber fast alle eint, ist ein ständiges hin und her zwischen Veränderungswunsch und Beständigkeit. Das kennen wir gut aus unseren Partnerschaften, zumindest wenn wir ehrlich genug zu uns selbst sind und dabei ganz genau hinschauen. Eine große Herausforderung! Vielleicht sogar die Größte.

Wenn die Fotografie uns bewegt und einen Teil unseres Lebens geworden ist, ist sie auch sowas wie eine Partnerschaft. Deren Funktionalität ist unserer Liebe manchmal erschreckend ähnlich…

Wir suchen also sowas wie das gesunde Maß, das angenehme Gleichgewicht zwischen Erneuerung und der Beständigkeit. Passt ganz gut in meine Erlebniswelt der letzten Jahre. Inklusive einer Maßlosigkeit, gefolgt von zu stoischer Beständigkeit. Es scheint nicht so einfach zu sein. 

Wie finden wir das -für uns- richtige Maß?

Liebe Singles, es tut mir leid! 😉 Der Vergleich mit der Partnerschaft ist einfach zu treffend:

Idealerweise finden wir eine Partnerin oder einen Partner, der mit uns durch dick und dünn geht und uns sieht, wie wir wirklich sind. Zugleich hilft er uns aber hinaus in die Welt zu blicken und in dieser Welt, möglichst gemeinsam, immer wieder tolle und neue Dinge zu erleben. So lebt die Leidenschaft immer wieder auf – ohne dass wir den Partner wechseln, denn der ist für uns das Wesentliche.
(Leica-Freunde haben vermutlich schon durch meine Wortwahl erkannt wo ich inhaltlich hin möchte.)

Auf die Technik übertragen hieße das also, dass wir auch in der fotografischen Welt einen solchen Partner gebrauchten könnten. Zumindest, wenn uns dieses oben beschriebene Beziehungsmodell zusagt. Einen Partner, der uns klar sehen lässt, der mit uns durch dick und dünn geht und uns immer wieder inspiriert, neue Leidenschaften und Abenteuer zu erleben. Gemeinsam!

Eine erste Erkenntnis

Also hatte mein Bauch doch Recht, wenn ich in Berührung mit der einen oder anderen Leica kam? Waren diese Rufe, ja sogar Schreie in mir echt und richtig? Seit Jahren wehre ich mich mit Argumenten der Vernunft. Komische Sache, denn in der Liebe und Partnerschaft habe ich mich nie von der Vernunft leiten lassen.

Diese Erkenntnis aber ist nur ein erster Schritt. Wie der erste Schritt ins Gate, bevor eine große Reise beginnt. Ich freue mich auf die kommenden Wochen und Monaten voller Fragen und Antworten zum Thema „Macht Leica etwas mit mir? Gibt es den Leica-Look?“ Und wenn es etwas mit mir macht- welche Leica wäre dann am Ehesten meine? Was ist Leica? Ein Kult? Ein Stück Geschichte? Die Lösung? Wer benutzt sie, wie und warum? (…)

Ich freue mich auf diese Reise! Ganz besonders wenn ich weiss, dass Du Dir die Zeit nimmst, immer wieder mal hier vorbeizuschauen um nach mir und dieser Blogserie zu sehen! Hast Du Fragen, Anregungen oder Gedanken dazu? Schreib mir gern eine Mail an falkfrassa@fotografr.de

So, ich muss jetzt erstmal weiterziehen…
Auf bald!

Dein Falk 🙂

Vielen Dank für die Leica-Fotos Ihr Lieben:
Foto & Model oben: Matthias Roemer > Instagram
Foto & Model mitte: Chris Wknd > Instagram
Foto unten: Christof Baumann > Instagram – – – Model unten: Nadja > Instagram



About Falk Gustav Frassa

Die spürbare Fotografie ist meine Lebensleidenschaft, mein Therapeut und manchmal auch einfach nur mein Job. Neben der Fotografie erstelle und betreibe ich verschiedene Podcast-Formate und arbeite für meine Kunden als Mentor und Coach. Mein Berufsleben startete ich vor vielen Jahren im Rettungsdienst und der (Psychiatrie-) Pflege. Nach und nach packte ich dort Wissen und Erfahrung ein und nahm es mit in den Kreativbereich. Mehr erfährst Du auf der über uns - Seite!

3 Kommentare

  • Marco sagt:

    Ich denke ne Leica ist ne Kamera wie alle anderen. Sie macht Bilder. Mal schön, mal schrecklich. Hängt wie bei jeder anderen vom Fotografen ab.
    Na klar hat sie ein besonderes Image. Liegt wahrscheinlich an den berühmten Fotografen und an ihrem Preis.
    Aber mit dem Look ist es wie mit dem Vollformat-Look. Die einen sehen ihn, die anderen nicht. Ob es ihn gibt ist da eher zweitrangig. Er wird dich anspornen ihn herauszuarbeiten und das führt zu besseren Fotos.

  • Hi,

    der „Look“ ist es gar nicht, um das es geht. Ich glaube auch nicht, dass es ihn gibt. Es dreht sich letztlich immer um die Kraft der Bilder, die Erzählpower einer Serie oder die Ästhetik einer Sammlung. Nichtsdestotrotz kann der „Geist in der Maschine“ schon sehr motivierend, befeuernd, beglückend sein. Warum sich nicht etwas Besonderes gönnen? Je nach Fotograf, Temperament, Vorlieben, Eitelkeiten oder Wahrnehmungsschwerpunkten kann dabei etwas völlig anderes herauskommen. Um welche Leica wird es wohl in Deiner Serie gehen? Bin gespannt!

    VG, Christian

  • Detlef sagt:

    Tja, gibt es den Leica Look? Ich meine ja und auch auch meine Frau erkennt meist die Bilder, welche ich mit meiner Leica gemacht habe. Mein Nachbar, welcher sich null für die Fotografie interessiert, würde auf Anhieb keinen Unterschied zu einem Bild sehen welches mit einem Smartphone gemacht wurde. Also doch kein spezieller Look?
    Die Frage lässt sich dahingehend meiner Meinung nach nicht abschließend beantworten.
    Die Diskussion läuft wahrscheinlich in eine ähnliche Richtung wie beim Thema „Vollformat“. Dort dachte ich immer den größeren Sensor an der häufig starken Plastizität der Fotos zu erkennen, bis ich auf Bilder stieß, welche eine ähnliche Wirkung hatten aber mit APS-C oder auch mFt-Kameras gemacht wurden.
    Meine Bilder sind mit der M nicht besser geworden aber sie entstehen mit mehr Freude und Leidenschaft. Als Hobbyfotograf muss ich nicht liefern und kann ganz entspannt fotografieren. Dies ist für mich mittlerweile der reinste Genuss! Bei mir sind schon eine Menge Kameras ein- und wieder ausgezogen. Meine M hat ein lebenslanges Wohnrecht!

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