Portraitfotografie

Leni Moretti Familienfotografie

Von 12. März 2015 11 Kommentare

Familienfotografie: So bekommst Du scharfe Fotos von lebhaften Kindern

Von Leni Moretti

In meinem letzten FotografR-Artikel „Wie macht man natürliche und emotionale Familienbilder“ habe ich über meine Heransgehensweise als Familienfotografin geschrieben und darüber, wie man es schafft, mit kreativen Anleitungen natürliche, emotionale Familienbilder zu machen.

Viele werden aus eigener Erfahrung wissen, dass es kein Spaziergang ist, Kleinkinder zu fotografieren. Man braucht nicht nur Ideen, um die Kleinen bei Laune zu halten, sondern auch viel Sicherheit im Umgang mit der eigenen Ausrüstung. Meistens hat man nur eine Gelegenheit, einen besonderen Moment festzuhalten, nur eine Sekunde, die das Kind in die Kamera schaut. “Das machen wir jetzt nochmal,” gibt es selten.

Daher werde ich in diesem Beitrag noch konkreter auf das “Wie” und die technische Seite meiner Familienfotografie eingehen:

Mit welcher Ausrüstung arbeite ich?

Ich arbeite mit einer Nikon D800 und fotografiere ausschließlich mit Nikon-Festbrennweiten (35 mm f/1.8, 50mm f/1.4 und 85 mm f/1.8), die ich während des Fotoshootings oft wechsele. Mein Lieblingsobjektiv ist definitiv das Nikkor 35 mm f/1.8, aber die anderen beiden kommen auch zum Einsatz, vor allem draussen. Ich höre jetzt schon die Stimmen, die sagen, das 35mm sei kein Portraitobjektiv, aber mir gefällt die Bildwirkung.

Warum Festbrennweiten und kein Zoomobjektiv?

Hauptsächlich wegen der höheren Lichtstärke, da ich gerne mit großen Blenden unter 2.5 fotografiere. Vor allem wenn ich Familie zu Hause porträtiere, bin ich immer wieder dankbar für meine lichtstarken Objektive. Und sie sind kleiner und leichter, als die wuchtigen Zoomgeräte.

Schwangerschaftsshooting zu Hause: 1/125 at f/2.2, ISO 1250, Nikkor 35 mm f/1.8

Schwangerschaftsshooting zu Hause: 1/125 at f/2.2, ISO 1250, Nikkor 35 mm f/1.8

Mit welchen Einstellungen arbeite ich?

Ganz am Anfang habe ich noch mit Blendenautomatik fotografiert, dann aber schnell festgestellt, dass mir manuelles Fotografieren kreativere Möglichkeiten und mehr Kontrolle bietet. Es ist nicht immer einfach, während eines Fotoshootings mit bis zu sechs Personen den Überblick über so viele Dinge zu behalten, die zu einem guten Foto beitragen (Interaktion mit der Familie, Licht, Hintergrund, Bildaufbau, Spontanität, achja – und Kreativität!) und dann noch die Kameraeinstellungen manuell im Blick zu haben.

Aber mittlerweile kann ich das Zusammenspiel zwischen Blende, Verschlusszeit und ISO im Schlaf runterbeten. War auf jeden Fall hilfreich, dass ich das Fotografieren vor 15 Jahren mit einer analogen Kamera gelernt habe.

Wie bekomme ich bei hibbeligen Kindern scharfe Aufnahmen?

Generell wähle ich bei Familienshootings einen höheren ISO-Wert als notwendig, um mehr Spielraum bei der Verschlusszeit zu haben, die bei mir nie unter 1/125 liegt.

Künstliches Licht, wie Blitz oder Softbox, verwende ich übrigens nicht. Sehr selten nehme ich mal einen großen Reflektor mit zum Shooting, der dann meistens aber doch in der Ecke stehen bleibt.

In meiner Kamera verwende ich immer zwei Speicherkarten: eine SD-Speicherkarte als primäre Karte und eine CF-Speicherkarte als “Sicherheitskopie”. Das heißt, jedes Foto wird auf der primären und sekundären Karte gespeichert. Bei mir hat bisher noch keine Speicherkarte versagt, aber wenn dies passieren sollte, habe ich so immer ein Backup.

Hier lohnt es sich auf jeden Fall, in Speicherkarten mit einer hohen Daten-Übertragungsgeschwindigkeit zu investieren. Ich habe eine ganze Weile mit 30 MB/s SD-Speicherkarten fotografiert und mich gewundert, warum der Auslöser nach schnellen Serienaufnahmen blockiert. Da gab es in der Vergangenheit so einige unangenehme Situationen. Mit der 95 MB/s SD-Speicherkarte passiert mir das nicht mehr.

Noch ein Wort zum Autofokusmodus und dann wird es konkreter!

Ich verwende nicht das mittlere Fokusfeld und wähle anschließend den Bildaufbau nach dem Fokussieren. Das ist mir bei großen Blenden zu ungenau. Die Nikon D800 besitzt 51 Fokusmessfelder und ich nehme die Einzelfeldsteuerung, um zu bestimmen, wo die Schärfe im Bild liegt. Je nach Aufnahmesituation wechsel ich außerdem zwischen Einzelautofokus und kontinuierlichem Autofokus. Dazu aber mehr weiter unten.

Soweit erstmal zu den technischen Ausgangsbedingungen.

Wie sieht das ganze jetzt in Action aus?

Zu Beginn eines Fotoshootings fange ich mit einer höheren Blende um die 3.5 – 6.3 an, da ich zunächst die klassischeren Familienportraits fotografiere und sichergehen will, dass alle scharf sind. In der Regel schaue ich, dass sich alle Familienmitglieder auf einer Schärfenebene befinden, so wie auf diesem Foto.

Familienshooting am Rhein: 1/160 at f/4.5, ISO 200, Nikkor 35 mm f/1.8

Familienshooting am Rhein: 1/160 at f/4.5, ISO 200, Nikkor 35 mm f/1.8

Wenn ich diese Fotos im Kasten habe, gehe ich

  • immer näher ran und
  • mit der Blendenzahl runter.

Die meiste Zeit fotografiere ich dann mit einer Blende zwischen 2.0 und 2.8.

Kinderportraits im Halbprofil fotografiere ich mit einer Blende von 2.2 oder 2.0. Meistens entstehen diese Einzelportraits aus der Situation heraus. Wenn das Kind ein bis zwei Sekunden in die Kamera schaut, gibt mir das genug Zeit, auf die Augen zu fokussieren und ich bekomme ein schönes Portrait mit viel Tiefe.

Soviel Glück hat man aber nicht immer. Viele Kinder schauen nicht gerne in die Kamera. Warum auch? So ein komischer klobiger Apparat mit einem schwarzen Loch in der Mitte. Da gibt es doch interessantere Sachen… Bei sehr quirligen Kindern schalte ich manchmal in den AF-C 3D-Tracking-Modus (Auslösepriorität), fokussiere auf die Augen und mache ein paar Serienaufnahmen.

Kinderportrait von Edda: 1/160 at f/2.2, ISO 1000, Nikkor 35 mm f/1.8

Kinderportrait von Edda: 1/160 at f/2.2, ISO 1000, Nikkor 35 mm f/1.8

Wie schon im letzten Artikel erwähnt, sind meine Familienshootings voller Action und die Kinder meistens ständig in Bewegung, sei es beim Toben mit den Eltern, Seifenblasen hinterherjagen oder kleinen Wettrennen. Bei bewegten Bildern verwende ich fast ausschließlich 3D-Tracking im Fokusmodus AF-C in Kombination mit einer schnellen Verschlusszeit. Diese Autofokus-Steuerung hat sich bisher am besten bewährt, um in diesen Situationen verlässlich scharfe Bilder zu bekommen.

Familienshooting: 1/200 at f/4.0, ISO 200, Nikkor 35 mm f/1.8

Familienshooting: 1/200 at f/4.0, ISO 200, Nikkor 35 mm f/1.8

Schnelle Verschlusszeiten sind bei Aufnahmen in Action natürlich ein Muss, große Blenden nicht unbedingt. Will man ein Fotos mit viel Schärfentiefe haben, sollte man nicht nur auf eine kleine Blende achten, sondern auch darauf, dass man einen “weiten” Hintergrund hat. In diesem Fotos stand ich mit den Beiden auf einem kleinen Hügel, sodass die Bäume in der Ferne schön in der Unschärfe verschwanden.

Mutter-Kind-Shooting: 1/2000 at f/2.2, ISO 500, Nikkor 85 mm f/1.8

Mutter-Kind-Shooting: 1/2000 at f/2.2, ISO 500, Nikkor 85 mm f/1.8

Wenn Ihr Fragen oder selber ein paar Tipps habt, würde ich mich freuen, diese zu lesen!

Autor dieses Artikels ist Leni Moretti, die als Familienfotografin in Berlin und Bonn arbeitet. Auf Facebook könnt ihr sie unter www.facebook.com/LeniMorettiPhotography erreichen.

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11 Kommentare

  • Ehrliche, echte Portraits.
    Danke für die Einblicke und Tipps.

  • Martina Klasen sagt:

    Ich bewundere Deine Fotos schon länger und bin immer wieder begeistert.
    Deine Tipps sind prima. Herzlichen Dank dafür!

  • Dieter Brehm sagt:

    Hallo Leni,
    danke, daß du deine Erfahrungen mit uns teilst. Deine Tipps sind alle eingängig und leicht verständlich. Die Kunst besteht allein darin, sie im Gefecht zu beherrschen – woran ich persönlich noch arbeiten muss. Und du hast recht: wer anaolg gelernt hat, ist klar im Vorteil. Da liegen die Arbeitsspielräume wesentlich enger…

  • Maria sagt:

    Wow – wirklich tolle Fotos und auch sehr gute und detaillierte Infos, wie diese Art der Fotografie von dir realisiert wird.
    Vielen dank, dass du uns daran teilhaben lässt!

  • Björn sagt:

    Du zeigst sehr schöne Fotos und die Tipps gefallen mir sehr gut.

    LG

    Björn

  • Jo Oerter sagt:

    Als praktische technische Ergänzung zu den wie immer fundierten Tipps vielleicht noch eine Ergänzung. Bei der D800(E) zumindest kann man im Menü den Autofokus rein auf die AF-ON-Taste legen (AF-Schalter natürlich auf ON). Damit habe ich bei einmaligem Drücken den AF gesetzt, beim Festhalten aber kontinuierlichen AF. Bei Loslassen dann sozusagen AF-Speicherung. Man muss sich etwas daran gewöhnen die ersten paar Tage, aber zumindest ich will auf diese Funktion nicht mehr verzichten. 3D-Tracking verwende ich eigentlich nie, zumindest nicht bei Kindern.

    Herzliche Grüße aus Wiesbaden
    Jo Oerter

  • Frank Reuter sagt:

    Ein sehr interessanter Beitrag. Immer wieder lese ich gerne über andere Fotografen und über Ihre Vorgehensweise. Da kann man immer etwas dazu lernen.
    Das mit der Arbeit ohne Blitz würde ich mir noch einmal überlegen. Wie viele Situationen gibt es wo selbst das beste Objektiv und die beste Kamera an ihre Grenzen stößt. Da kann das entfesselte blitzen oft entscheidend helfen. In meiner Fototasche habe ich immer einen kleinen Blitz und den dazugehörigen Funkauslöser mit dabei. Wer sich mit dem Thema Kinderfotografie und dem Einsatz von Blitzlicht aus einander setzen möchte, dem möchte ich folgen
    des Buch empfehlen. „Kinder fotografieren“ von Allison Tyler Jones; dpunkt.verlag. Ein Leitfaden für 100% authentische Portraits.

  • Thomas Heinz sagt:

    Ich fotografiere meine Kinder nur mit einem 24-70mm F/2.8. Die Kleinen bewegen sich so schnell, dass ich mit einer Festbrennweite nicht hinterher komme 🙂

  • Tania sagt:

    Der Beitrag hat mir wirklich sehr geholfen. Vielen, vielen Dank!

  • Bea sagt:

    Vielen Dank für Deine tollen (weil so praktischen und konkreten Tipps).
    Was ist denn „3D-Tracking im Fokusmodus AF-C „? Kannst Du das für andere Kamera Modelle (ich habe zB eine Fuji E2) verallgemeinern?

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