Portraitfotografie

Wie macht man natürliche und emotionale Familienbilder?

Von 30. Dezember 2014 15 Kommentare

Gastartikel von Leni Moretti

Ich bin Familienfotografin aus Berlin und immer wieder werde ich gefragt, wie ich es schaffe, so natürliche, emotionale Bilder zu machen. Da dies ein Thema ist, was mir sehr am Herzen liegt, möchte ich Euch dazu gerne ein paar Einblicke geben.

Ich habe mich als Fotografin ausschließlich auf Familien spezialisiert, weil mich die zwischenmenschlichen Momente der Verbundenheit mit anderen Menschen faszinieren und es mich erfüllt, dieses Gefühl in Bildern festzuhalten. Die Familien fotografiere ich entweder bei sich zu Hause oder an einem Ort (draussen), mit dem sie etwas verbinden.

Nach meiner Erfahrung entstehen natürliche Bilder nicht, in dem man der Familie sagt, „Seid einfach Ihr selbst.“ Dann fangen alle erstmal nervös an zu kichern und werden ganz verlegen. Die meisten fühlen sich sehr unwohl und steif vor der Kamera, wissen nicht wohin mit ihren Händen, ob sie reden dürfen, wohin sie schauen sollen und sind dankbar für jede Anleitung. Der Schlüssel zu meinen Fotos ist, dass ich sehr viele konkrete Anleitungen gebe, man dies den Fotos aber letztlich nicht ansieht. Wie genau, erkläre ich gleich ausführlicher.

Leni Moretti Photography

Zunächst noch ein anderer Gedanke. Wodurch entsteht für uns der Wert eines Fotos? Durch das, was wir in dem Moment gefühlt haben und was wir mit dem Foto verbinden – Liebe, Nähe, Miteinander. Wenn die Familie während des Fotoshootings emotionale und fröhliche Momente mit den Kindern erlebt, werden diese Fotos für sie einen höheren Wert haben. Mir als Fotografin ist diese emotionale Komponente sehr wichtig, denn dadurch entstehen authentische Familienbilder.

Vor jedem Familienshooting überlege ich mir, was ich mit dieser jeweiligen Familienkonstellation an Aktivitäten und Interaktion machen kann. Denn eine Fotosession mit einem kleinen zweijährigen Mädchen läuft anders ab, als mit drei kleinen Jungs. Diese Vorbereitung ist für mich sehr wichtig, denn ich sehe es als meine Aufgabe als Fotografin, für eine angenehme, entspannte Atmosphäre während des Fotoshootings zu sorgen.

Wie läuft das also ab? Durch möglichst viel Interaktion!

Da bei 90% meiner Fotoshootings Kinder unter 5 Jahren dabei sind, deren Aufmerksamkeitsspanne relativ gering ist, fotografiere ich zunächst ein paar klassische Gruppenbilder. Wenn alle dort stehen, wo sie stehen (oder sitzen) sollen, ziehe ich unerwartet eine kleine Clownsnase oder lustige Karnevalsbrille aus meiner Tasche und habe – ein fröhliches Familienfoto! Und kleine Kinder lieben solche Accessoires. Wenn diese Dinge mal nicht so gut ankommen sollten (eher selten), habe ich eine ganze Reihe an Kinderwitzen parat, die ich unerwartet zum Besten gebe.

Dann versuche ich die Kinder soviel wie möglich einzubinden. Wenn die Eltern zusammenstehen, lasse ich die Kleinsten ein paarmal zu mir laufen und zurück zu den Eltern, manchmal auch um die Wette. Kinder wollen sich bewegen und ich lasse sie während des Fotoshootings soviel wie möglich laufen, hüpfen, von Bänken springen und sich mit den Eltern austoben. Und wenn sie mal ein Pause brauchen auf Mama’s Schoß, dann wird gekitzelt, geknuddelt und geküßt! Dabei entstehen mit die schönsten Bilder.

Leni-Moretti-Familienfoto-2

Wenn die Kinder etwas älter sind, mache ich gerne mit allen das Spiel „Sätze beenden“. Nacheinander beendet jeder Sätze wie „Ich bin froh Dich zu kennen, weil …“ oder „Ich wünsche mir, dass …“ Dabei vergessen sie mich und die Kamera und ich kann schöne Momente festhalten. Wenn sie sich später die Fotos anschauen, erinnern sie sich daran, was sie gesagt haben und verbinden nicht mich, sondern sich mit den Fotos.

Sehr oft bitte ich die Eltern, Ihr Kleinkind auf die Hüfte zu nehmen, langsam auf mich zuzukommen und sich dabei leicht anzurempeln. Das ist so absurd, dass sie dabei definitiv anfangen zu lachen und es entstehen natürliche Bilder.

Ich frage die Eltern immer, was die Kinder zum Lachen bringt, sie kennen ihre Kleinen schließlich am besten. Oft ergeben sich auch ganz unerwartet lustige Situationen während des Fotoshootings. Einmal hatten die Eltern ihre beiden Jungs Huckepack genommen und ein kleines Wettrennen gemacht. Das mache ich jetzt auch öfter mit den anderen Familien.

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Dies sind ein paar Beispiele, wie man lockere Familienfotos anleiten kann. Schön ist es natürlich auch, wenn man das Familienshooting um eine Aktivität herum aufbauen kann, mit der die Familie etwas verbindet. Zum Beispiel beim Sonntagsfrühstück, Geschichten vorlesen, Toben mit Mama und Papa oder draussen beim Drachen steigen lassen oder Sackhüpfen. Im Herbst durften mich die Familien bei jedem Shooting mit Laub beschmeißen, das hat richtig Spaß gemacht und gab tolle Fotos.

Leni Moretti Photography

Wenn Ihr selber ein paar schöne Ideen oder Fragen habt, würde ich mich freuen diese in den Kommentaren zu lesen!

Autorin dieses Artikels ist Leni Moretti, die als Familienfotografin in Berlin arbeitet. Auf Facebook könnt ihr sie unter www.facebook.com/LeniMorettiPhotography erreichen.

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15 Kommentare

  • Tolle Inspirationen und Ideen. Danke für den Artikel!

  • Danke für diesen tollen Bericht!!!
    Ich freue mich immer total so berichte zu lesen, die zeigen das es immer mehr Fotografen gibt die weg von diesen spießigen Familienfotos kommen die man früher so machen musste…mit Kratzpullover und Stillsitzen! 😉
    Ich liebe grad die natürliche Fotografie auch total und finde es meist sogar noch schwieriger die Eltern zu lockern als die Kinder. Kinder kann man so gut packen und durch diese muss man einfach auch erreichen das die Eltern ganz locker werden…ich liebe es auch mit den Kindern einfach einen tollen Spaziergang zu machen, sie vllt mal balancieren zu lassen, bringe Accessoires mit, zb Seifenblasen….hab mich einigen Kindern und Familien auch schon Pirat gespielt, mit im Laub gerollt und und und. Oft hilft es auch wenn man zb die Kuscheltiere der Kinder mit einbezieht und diese mal ein Foto machen lässt. Eine Familie hat mal Weihnachtsbilder machen lassen für den Papa und zuhause hat die kleine immer erzählt das ihre „Pippi“ total toll fotografieren kann (ihr Kuscheltier). Papa hat immer nur verdutzt geguckt und immer „jajaaaa“ gesagt und an Weihnachten wurde das geheimnis dann gelüftet, das die kleine doch wohl recht hatte 😀 . Herrlich was man da erlebt.

    Schöner Artikel auf jeden Fall <3 Die Bilder muss ich mir auf jeden Fall merken und verfolgen!!!!

  • Vielen Dank für den klasse Bericht. Daumen hoch für Text und Bilder!

  • Bodo sagt:

    Leni, das war ein für mich sehr spannender Beitrag, da ich in der gleichen Sparte unterwegs bin. Ich hoffe auf mehr von Dir. LG

  • Siegfried Masur sagt:

    Das ist ja echt ein absolut toller Artikel. Habe selten auf so wenigen Zeilen so viele gute praktische Hinweise gefunden.
    Die Beispielbilder könnten wohl nicht besser gewählt werden. Bitte noch mehr solche Beiträge! Vielen Dank.

  • Klasse Artikel! Vor einiger Zeit habe ich mal von einem Fotografen Coach gelesen, dass man im privaten Bereich kein Geld verdienen kann. Das mag im Vergleich zur Business Fotografie wohl auch so stimmen. Allerdings bekommt man ungleich mehr an Emotionen und Dankbarkeit für tolle Bilder zurück. Kohle ist nicht alles!

  • Daniel sagt:

    Hallo Leni,
    eigentlich bin ich immer ein stiller Konsument solcher Tips, aber der hier war so aufschlussreich und „Überraschend“. Finde es super, dass du einem einen Einblick in deine Arbeitsweise gibst!
    Bin mir sicher, dass ich einiges davon ausprobieren werden (wenn auch nur privat, hab kommerziel mit der Fotografie nichts am Hut 🙂 )

  • Pascal Hefti sagt:

    Hei, echt klasse Bericht. Solche Berichte sind kurz und knackig, aber sooooooo informativ *__* da werde ich mir eine scheibe abschlagen 🙂 Weiterhin viel Erfolg!!

  • Leni Moretti sagt:

    Ganz lieben Dank für das tolle Feedback! Es freut mich sehr, dass die Hinweise gut ankommen. Da die Resonanz durchweg positiv war, wird es von mir wohl bald einen 2. Teil zu dem Thema geben. Diesmal dann auch mit ein paar technischen Details, die bei herumflitzenden Kindern oft eine Herausforderung sein können. Habt ein erfolgreiches, kreatives, inspiriertes Jahr 2015!

  • Photo.com sagt:

    Die übliche One Woman/Man-Show, dann Klappt es bestimmt. Als Fotograf, der auch damit gutes Geld verdient, ist es eigentlich das Wichtigste, sich einfach supergut zu verkaufen, dann passen dem Kunden auch garantiert die Bilder. Ist so, Entertainment ist heutzutage wichtiger denn Fotokunst!

  • Hallo Leni,
    mir gefällt diese Natürlichkeit in deinen Bildern extrem gut. Hier kann man die Emotionen direkt mitfühlen und es macht große Freude sie zu betrachten. Ich konnte mich gar nicht so richtig auf den Text konzentrieren weil ich immer wieder die Bilder ansehen musste (Mir blieb nichts anders übrig als dich sofort auf FB abonieren um auf dem Laufenden zu bleiben).
    Ich finde, das man an den meisten Bildern sieht, ob ein Fotograf mit seinem Herzen bei der Sache ist und ob er sich in sein Gegenüber versetzt hat. Fotografieren ist nicht immer nur der perfekte Winkel, Farbe, Pose, Licht … und ein paar klicks mit den Finger am Auslöser wie man manchmal annehmen mag. Es ist vielmehr ein denken fühlen, hören und sehen mit dem Herzen. Diesen Fakt liebe ich an der Fotografie.

    Danke für deinen Bericht über deine Erfahrungen. Es wäre sehr schön wenn man noch viel viel mehr von dir lesen darf! LG Mika

  • Danke für die nützlichen Tipps!

  • […] meinem letzten FotografR-Artikel “Wie macht man natürliche und emotionale Familienbilder” habe ich über meine Heransgehensweise als Familienfotografin geschrieben und darüber, wie man es […]

  • Nicole Rhein sagt:

    Danke für den tollen, informativen Bericht und den Einblick in Deine Arbeitsweise!

  • Fabian sagt:

    Der Artikel ist ja schon etwas älter, aber keineswegs veraltet.
    Wir machen Studio und Location Familienshootings. Location wird natürlich sofort viel authentischer. Und das mit der Bewegung ist viel einfacher.
    Wird gleich mit dem Team geteilt. 🙂 Schön geschrieben, danke!

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