Wie macht man natürliche und emotionale Familienbilder?

Gastartikel von Leni Moretti

Ich bin Familienfotografin aus Berlin und immer wieder werde ich gefragt, wie ich es schaffe, so natürliche, emotionale Bilder zu machen. Da dies ein Thema ist, was mir sehr am Herzen liegt, möchte ich Euch dazu gerne ein paar Einblicke geben.

Ich habe mich als Fotografin ausschließlich auf Familien spezialisiert, weil mich die zwischenmenschlichen Momente der Verbundenheit mit anderen Menschen faszinieren und es mich erfüllt, dieses Gefühl in Bildern festzuhalten. Die Familien fotografiere ich entweder bei sich zu Hause oder an einem Ort (draussen), mit dem sie etwas verbinden.

Nach meiner Erfahrung entstehen natürliche Bilder nicht, in dem man der Familie sagt, „Seid einfach Ihr selbst.“ Dann fangen alle erstmal nervös an zu kichern und werden ganz verlegen. Die meisten fühlen sich sehr unwohl und steif vor der Kamera, wissen nicht wohin mit ihren Händen, ob sie reden dürfen, wohin sie schauen sollen und sind dankbar für jede Anleitung. Der Schlüssel zu meinen Fotos ist, dass ich sehr viele konkrete Anleitungen gebe, man dies den Fotos aber letztlich nicht ansieht. Wie genau, erkläre ich gleich ausführlicher.

Leni Moretti Photography

Zunächst noch ein anderer Gedanke. Wodurch entsteht für uns der Wert eines Fotos? Durch das, was wir in dem Moment gefühlt haben und was wir mit dem Foto verbinden – Liebe, Nähe, Miteinander. Wenn die Familie während des Fotoshootings emotionale und fröhliche Momente mit den Kindern erlebt, werden diese Fotos für sie einen höheren Wert haben. Mir als Fotografin ist diese emotionale Komponente sehr wichtig, denn dadurch entstehen authentische Familienbilder.

Vor jedem Familienshooting überlege ich mir, was ich mit dieser jeweiligen Familienkonstellation an Aktivitäten und Interaktion machen kann. Denn eine Fotosession mit einem kleinen zweijährigen Mädchen läuft anders ab, als mit drei kleinen Jungs. Diese Vorbereitung ist für mich sehr wichtig, denn ich sehe es als meine Aufgabe als Fotografin, für eine angenehme, entspannte Atmosphäre während des Fotoshootings zu sorgen.

Wie läuft das also ab? Durch möglichst viel Interaktion!

Da bei 90% meiner Fotoshootings Kinder unter 5 Jahren dabei sind, deren Aufmerksamkeitsspanne relativ gering ist, fotografiere ich zunächst ein paar klassische Gruppenbilder. Wenn alle dort stehen, wo sie stehen (oder sitzen) sollen, ziehe ich unerwartet eine kleine Clownsnase oder lustige Karnevalsbrille aus meiner Tasche und habe – ein fröhliches Familienfoto! Und kleine Kinder lieben solche Accessoires. Wenn diese Dinge mal nicht so gut ankommen sollten (eher selten), habe ich eine ganze Reihe an Kinderwitzen parat, die ich unerwartet zum Besten gebe.

Dann versuche ich die Kinder soviel wie möglich einzubinden. Wenn die Eltern zusammenstehen, lasse ich die Kleinsten ein paarmal zu mir laufen und zurück zu den Eltern, manchmal auch um die Wette. Kinder wollen sich bewegen und ich lasse sie während des Fotoshootings soviel wie möglich laufen, hüpfen, von Bänken springen und sich mit den Eltern austoben. Und wenn sie mal ein Pause brauchen auf Mama’s Schoß, dann wird gekitzelt, geknuddelt und geküßt! Dabei entstehen mit die schönsten Bilder.

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Wenn die Kinder etwas älter sind, mache ich gerne mit allen das Spiel „Sätze beenden“. Nacheinander beendet jeder Sätze wie „Ich bin froh Dich zu kennen, weil …“ oder „Ich wünsche mir, dass …“ Dabei vergessen sie mich und die Kamera und ich kann schöne Momente festhalten. Wenn sie sich später die Fotos anschauen, erinnern sie sich daran, was sie gesagt haben und verbinden nicht mich, sondern sich mit den Fotos.

Sehr oft bitte ich die Eltern, Ihr Kleinkind auf die Hüfte zu nehmen, langsam auf mich zuzukommen und sich dabei leicht anzurempeln. Das ist so absurd, dass sie dabei definitiv anfangen zu lachen und es entstehen natürliche Bilder.

Ich frage die Eltern immer, was die Kinder zum Lachen bringt, sie kennen ihre Kleinen schließlich am besten. Oft ergeben sich auch ganz unerwartet lustige Situationen während des Fotoshootings. Einmal hatten die Eltern ihre beiden Jungs Huckepack genommen und ein kleines Wettrennen gemacht. Das mache ich jetzt auch öfter mit den anderen Familien.

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Dies sind ein paar Beispiele, wie man lockere Familienfotos anleiten kann. Schön ist es natürlich auch, wenn man das Familienshooting um eine Aktivität herum aufbauen kann, mit der die Familie etwas verbindet. Zum Beispiel beim Sonntagsfrühstück, Geschichten vorlesen, Toben mit Mama und Papa oder draussen beim Drachen steigen lassen oder Sackhüpfen. Im Herbst durften mich die Familien bei jedem Shooting mit Laub beschmeißen, das hat richtig Spaß gemacht und gab tolle Fotos.

Leni Moretti Photography

Wenn Ihr selber ein paar schöne Ideen oder Fragen habt, würde ich mich freuen diese in den Kommentaren zu lesen!

Autorin dieses Artikels ist Leni Moretti, die als Familienfotografin in Berlin arbeitet. Auf Facebook könnt ihr sie unter www.facebook.com/LeniMorettiPhotography erreichen.
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