Sportfotografie

Workflow in der Sportfotografie

Von Christian Öser

Im ersten Teil des Artikels ging es um allgemeine Überlegungen, wie man in der Sportfotografie das RAW-Format schnell und zeitsparend einsetzen kann. Hier nun die Fortsetzung:

Während dem Spiel schicke ich zwei bis dreimal pro Spielhälfte (je nach Dramatik der Partie) Bilder in die Redaktion. Der Knackpunkt im RAW-Workflow ist es, nicht jeweils alle geschossenen Bilder auf die Festplatte zu kopieren, zu sichten und auszuwählen – mit dieser Arbeitsweise verliert man wertvolle Minuten! Man kann in den Kameras Fotos schützen beziehungsweise sperren, und das ist der Schlüssel zum Erfolg. Ich kann in meinem Fall leider nur von Canon-Geräten sprechen, aber auch alle anderen Marken sollten diese Funktion standardmäßig besitzen. Je nach Modell gibt es einen eigenen Knopf am Gehäuse (Canon EOS 1D-Serie) oder eine Spur umständlicher über das Menü (z.B. Canon EOS 7D).


Man nützt jede Unterbrechung wie Outeinwürfe, Auswechslungen oder die Zeit vor dem Abstoß dazu, in der Bildwiedergabe seine letzten Fotos durchzusehen und die besten zu schützen. Solche Dateien erhalten ein eigenes Attribut, sodass man diese anschließend bequem aus der Masse hervorheben kann.
Wann immer man Bilder aufbereiten und übertragen will, wechselt man einfach die Speicherkarten der Kamera(s) und schließt diese am Laptop an. Im Dateiexplorer sortiert man nach der Spalte „Attribute“ und kann somit die geschützten Bilder (Attribut RA) ganz einfach markieren (wie dies im Finder aussieht, kann ich als Nicht-Mac-User leider nicht sagen).

Diese dann in den von Lightroom überwachten Ordner kopieren und den Kopierschutz aufheben. Lightroom importiert die Fotos selbstständig und wendet die Metadaten und Entwicklungseinstellungen an. Während das geschieht, hebt man auch auf der Speicherkarte den Kopierschutz auf, um die Bilder beim nächsten Durchgang nicht doppelt zu markieren.

Alles, was noch zu tun bleibt, ist den gewünschten Ausschnitt des Bildes festzulegen, eine kurze Belichtungskorrektur durchzuführen und die Metadaten zu vervollständigen – fertig. Mittels Exportvorgabe wird das JPG generiert und kann dann per FTP auf den Redaktionsserver geladen werden.

© Christian Öser

© Christian Öser

© Christian Öser

In der Praxis funktioniert dieser Ablauf exzellent, wobei natürlich eine gewisse Einarbeitungszeit in den Workflow notwendig ist. Anzumerken ist noch, dass ich bei Schlechtwetter den Laptop während des Fotografierens nicht bei mir habe und die Bilder erst in der Pause und nach dem Spiel sende. Dabei liegt der Zeitaufwand für ca. 20 Bilder bei zehn bis 15 Minuten, was eine rechtzeitige Rückkehr zum Wiederanpfiff möglich macht.

Wie sieht euer Workflow in der Sportfotografie aus (egal ob RAW oder JPG)? Welche Programme nutzt ihr, wie übertragt ihr Bilder und welche Besonderheiten erleichtern euer Fotografendasein neben dem Spielfeld? Ich freu mich auf rege Rückmeldungen.

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als zertifizierter Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können. Mehr

17 Kommentare

  • Teezeit sagt:

    Beim Kitesurfen habe ich mal im RAW-Format angefangen, aber die Kamera wird dann doch zu langsam, bzw. es dauert zu lange, bis die Bilder auf die Platte geschrieben werden. Die Serien sind da oft doch etwas länger, als beim Fußball.

    Da ich im Moment nicht zeitaktuell arbeite, kann ich mir bei der Bildbearbeitung etwas mehr Zeit lassen. Aber wann immer es geht, versuche ich in Pausen meine Bilder zu sichten und sichern. Offensichtliche Fehlschüsse (unscharfe Bilder z.B.) werden sofort gelöscht.
    Ich versuche es mir auch ab zu gewöhnen, nach jedem Bild auf das Display zu schauen, das stört den Arbeitsablauf doch immer ein wenig. Aus diesem Grund habe ich die Anzeige auch abgeschaltet.

    Beabeitet und verschlagwortet werden meine Bilder auch im Lightroom, das für mich beste Programm für diese Zwecke.

  • Peter sagt:

    Hi Christian,

    um wirklich Zeit zu sparen, solltest Du den Vorgang des Einlesens in den Rechnen noch automatisieren. Entweder mit Photomechanic von Camerabits oder mit dem Downloader Pro von Breeze Systems. Damit braucht man nur noch die Chipkarte in den Kartenleser einlegen, der Rest geht automatisch. Die Software erkennt die eingelegte Speicherkarte und lädt die Bilder. Dabei werden nur die neu hinzugekommenen Bilder geladen, so dass man nicht dauernd die Karten formatieren muss.

    Zum Beschriften kann ich auch nur Photomechanic empfehlen, gerade bei Teamsportarten ist die Ersetzungsfunktion wirklich nützlich, da man nur noch Abkürzungen tippen muss und die Software die Spielernamen aus einer Liste automatisiert einfügt.

    Viele Grüße,
    Peter

  • Hallo Peter,

    danke für diese Hinweise! Die genannten Programme sehe ich mir mal näher an. 🙂

    Viele Grüße,
    Christian

  • Stefan sagt:

    Moin Christian,

    ich kann Peter nur zustimmen: Photomechanic ist so viel schneller und komfortabler, wenn es darum geht zeitkritisch zu arbeiten.
    Dein Beispiel mit den 20 Bildern verarbeite ich Dir in maximal 5 Minuten – auch ohne vorherige Bildauswahl auf dem Minikamerabildschirm auf dem Du eh nicht exakt feststellen kannst, ob das Bild wirklich 100%ig scharf ist.
    Noch’n Tipp für Laptopnutzung bei schlechtem Wetter: http://www.stefangroenveld.de/tipps-tricks/bei-sonnenschein-am-laptop-arbeiten/

    Grüße
    Stefan

  • Die Idee mit der Markierung der guten Fotos auf der Kamera ist wirklich gut. Ich schreibe mir meist einfach die Bildnummern der entscheidenden, wenigen Fotos heraus, um sie schneller übertragen zu können.
    Über den Workflow zum Aussortieren (allerdings nach dem Event) habe ich ein zweiteilige Artikelserie in meinem Blog geschrieben: http://blog.happyarts.de/4043/fotos-aussortieren

    Markus

  • Max - MagicShine sagt:

    DAnke für die Tipps. Die Fotos oben sind der Hammer!

  • Sehr interessanter Bericht und schön zu sehen, wie andere Fotografen in diesem Sektor arbeiten.

    Ich für meinen Teil habe auch PhotoMechanic im Einsatz und bin von Anfang an begeistert gewesen, wie schnell die Verarbeitung mit dem Programm funktioniert.
    Nach Import und Beschriftung vergebe ich dort zwei Farben an die Bilder:
    Farbe A für die Fotos, die keine Bearbeitugn brauchen und sofort gesendet werden können
    und Farbe B für Fotos, die noch einmal kurz durch Photoshop müssen. Fotos ohne Farbe werden in keiner Weise behandelt, außer erst einmal links liegen gelassen zu werden.
    Während ich dann in PS bearbeite, schicke ich die „Sofortbilder“ schon rüber.

    Gruß Jan

  • Lars sagt:

    In welcher Auflösung werden denn die Fotos auf der Server geladen, per UMTS wäre das doch der total Krampf diese in Originalauflösung zu übermitteln und werde die Original(großen) Fotos das später auch noch an die Agentur gesendet !?

  • Peter sagt:

    Hi Lars,

    also per HSUPA hat man ja ordentliche Uploadraten, theoretisch 5,8 MBit/s also schon gut das 6-7fache eines normalen DSL-Anschlusses. Abgesehen davon komprimiere ich die 12MP der D3 aber immer runter bis auf 500kb bei Originalauflösung, dann geht das auch flott wenn das Netz mal nicht so ordentlich ist. Für Zeitung langt das allemal.

    Beste Grüße
    Peter

  • Lars sagt:

    Hi Peter !

    Danke für die Infos.
    Mit welchem Programm läßt Du denn die Fotos komprimieren, bzw. wahrscheinlich verkleinerst Du die,oder?
    Sind die dann nur für die Tageszeitung und Web oder lädst Du die „Original“-Dateien auch noch mal irgendwo hoch ?

  • Peter sagt:

    Hi Lars,

    ich verkleinere generell nicht, sondern wähle höchstens mal einen Ausschnitt und komprimiere mit Photomechanic beim Versand alle Bilder auf die gewünschte Dateigröße – bei Zeitung sind das eben rund 500kb, hängt ja auch ein bisschen von der Bildinformation ab. Zusätzlich sende ich die Bilder mit ca. 2,5 MB Dateigröße an Gettyimages und meine Bilddatenbank auf meiner Website. Die Originale wandern später auf den Fileserver.

    Viele Grüße
    Peter

  • Bei mir sieht der Ablauf so aus:
    Fotografiert wird prinzipiell in RAW.
    Die guten Bilder werden während Spielpausen laufend mit dem Schlüssel-Symbol gesperrt, alle anderen mit „Bilder löschen“ von der Karte entfernt. Dabei werden alle ungeschützten Bilder gelöscht, die mit Sperr-Symbol bleiben erhalten. Auf keinen Fall mit „Formatieren“ verwechseln. Dann is alles futsch.
    Wenns schon dringend ist, werden die Bilder während des Spiels zwei bis drei Mal pro Hälfte geschickt, ansonsten in der Pause.
    Beim Eishockey reichen normalerweise die Pausen.
    Also Karte raus und rein in den Kartenleser, eine zweite Karte rein in die Kamera, damit man wieder schussbereit ist.
    Während des gesamten Workflows arbeite ich mit Lightroom, die Bilder werden importiert, dabei schon automatisch mit den vorbereiteten Metadaten (evtl. auch mit vorbereiteten Bearbeitungs-Presets) versehen. Dann brauch ich nur noch die besten raussuchen, die Metadaten vervollständigen (mittels Autotext geht das ähnlich flott wie in Photomechanic), noch schnell grob bearbeiten (schärfen, Kontrast, evtl. Weissabgleich und Bildausschnitt) und dann direkt aus Lightroom auf den ftp-Server der Zeitungen bzw. Agentur gespielt.
    Die Dateigröße wird dabei automatisch auf 1 MB beschränkt.

  • Heiko Becker sagt:

    Ich arbeite als freier Fotograf fast ausschließlich mit Photo Mechanic’s, ich habe durch das einfache Arbeiten mit Tastatur Kürzel bei der Beschriftung einen starken Zeitgewinn, auch ist der Bildbrowser sehr schnell und flexibel

    Lg Heiko

  • Lstefan sagt:

    Hallo Leute,

    ich möchte mich bei euch mal über euren Workflow in der Sportfotografie informieren wie ihr das so macht.

    Oder Ihr könnt mir sagen wass ich verbessern verschnellern bzw. vereinfachen kann.

    Mein Arbeitsablauf z.b.:
    beim Fussball:

    * mache Fotos vom Anpfiff bis etwa Minute 30

    * dann gehe ich zu meinem Laptop und übertrage die Fotos von der CF Card auf einen Ordner auf der Festplatte (im Raw format dauert dies in etwa 10 min bis 15min)

    * Anschließend werden die Fotos in Lightroom importiert

    ## Ich muss während des Spiels zwischen 5 und 10 Fotos bereits online stellen ##

    * In Lightroom sichte ich kurz die Fotos und suche eben Stichprobenartig 5-10 Fotos aus

    * Diese bearbeite ich dann schnell in LR

    * Füge meine Vorgefertigten METADATEN ein

    * Jetzt kommt eben mein Problem für meine Kundschaft muss ich in der Bildbeschreibung immer die Spielernamen anfügen, es genügt nicht in den Stichwörtern

    Den dort würde es sich mit Keywords sehr vereinfachen lassen

    Ich muss also bei jedem Foto im Feld Bildbeschreibung:
    z.B.: „Manschaft A“ vs. „Manschaft B“; Bild zeigt: „Spieler 23 ManschaftA“, „Speiler 14 Manschaft B“.

    Diesen Text speichere ich mir so als Vorlage der Metadaten in LR:
    „Manschaft A“ vs. „Manschaft B“; Bild zeigt:

    Und die Spieler schreibe ich dann immer händisch dazu inkl Verein und Spielernamen.

    * Ist dies endlich erledigt exportiere ich die 5-10 Fotos

    * Und lade sie via FTP hoch.

    Gibt es irgendeine Möglichkeit diese Bildbetextung zu vereinfachen bzw. schneller zu machen???

    Die Namen in den Stichwörtern reichen nicht!

    Wie macht Ihr dass so?

    Könnt Ihr mir tipps geben was ich an meinem Workflow verbessern kann.

    Den ich komm mit diesen Tätigkeiten von Spielminute 30 bis Anpfiff der 2.Halbzeit fast nicht zusammen.

    mit freundlichen Güßen
    und bestem Dank für die zahlreichen antworten

    Lstefan

  • Hallo Lstefan,

    vielleicht bekommst Du hier weitere Anregungen:
    https://fotografr.de/6839/als-bildjournalist-bei-der-fernsehsendung-dsds/

    Beste Grüße
    Michael

  • Karl sagt:

    Hallo Lstefan
    Schau dir das mal an
    http://www.phraseexpress.com/de/
    Ist ein super Programm

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