Studiotechnik

Schwarzer Hintergrund im Studio

Von 2. Mai 2013 Ein Kommentar

In der Portraitfotographie ist es manchmal erwünscht einen tiefschwarzen Hintergrund zu erhalten. Interessant, aber die Überzeugung, dass dies nur mit Hilfe von schwarzen lichtabsorbierenden Stoffen wie Molton erreicht werden kann, sitzt ziemlich tief. In diesem Beitrag will ich zeigen, dass die passende Lichtführung und nicht ein geeignetes Material der Schlüssel zum Erfolg ist.


Bei unseren Überlegungen betrachten wir ein einfaches Beispiel: das Hauptmotiv in einem dunklen Raum wird von einer einzigen Lichtquelle beleuchtet. Diese Hauptlichtquelle kann dabei eine Softbox oder einfach ein Fenster sein.

Das Licht vom Hintergrund abschatten

Bei der offensichtlichen Vorgehensweise wird ein direkter Lichteinfall auf den Hintergrund verhindert. Dabei verwendet man einen oder mehrere Schirme oder entsprechende Lichtformer, wie beispielsweise Striplight, um eine Lichtabschattung zu erzielen. Hierbei sind zwei Beispiele, die diese Vorgehensweise veranschaulichen.

Obwohl diese Variante in den meisten Fällen brauchbare Ergebnisse bringt, hat sie einen entscheidenden Nachteil. Man hat relativ wenig Kontrolle über das Endergebnis. Auch ohne einen direkten Lichteinfall reflektiert das Licht unter Umständen vom Boden, Wänden und der Decke und landet schließlich dennoch auf dem Hintergrund. Sind die reflektierenden Flächen hell oder gar weiß, kann eine Lichtabschattung unter Umständen nicht ausreichend sein.

Es klingt vielleicht paradox, aber es spielt keine große Rolle, ob ein Hintergrund vom Hauptlicht abgeschirmt wird oder nicht. Wichtig ist lediglich folgender Zusammenhang:

Die Beleuchtung soll so eingerichtet werden, dass der Hintergrund viel weniger Licht als das Hauptmotiv bekommt.

Angestrebt ist also ein hoher Beleuchtungskontrast zwischen dem Hauptmotiv und dem Hintergrund. Bei einer korrekten Belichtung des Hauptmotivs erscheint der Hintergrund auf diese Weise entsprechend dunkel bzw. schwarz.

Beleuchtungskontrast erhöhen

Wir betrachten weiter das Beispiel mit einer Person vor dem Hintergrund. (Bild 1) Bei weiteren Ausführungen behalten wir im Hinterkopf die Tatsache, dass die Lichtintensität quadratisch mit der Entfernung abfällt.

Neben der schon erwähnten Lichtabschattung, kann der Beleuchtungskontrast auch auf andere Weise erhöht werden. Zunächst kann der Abstand zwischen dem Hauptmotiv und dem Hintergrund vergrößert werden (Bild 2). Der Hintergrund bekommt folglich weniger Licht – der Kontrast steigt.

Weiter kann der Abstand zwischen der Lichtquelle und dem Hauptmotiv verringert werden (Bild 3). Das ist eine weniger offensichtliche und auf den ersten Blick unlogische, aber dennoch genau so wirkungsvolle Methode. Die Lichtmenge, die an den Hintergrund fällt, erhöht sich zwar, allerdings nur unwesentlich. Das Hauptmotiv bekommt verglichen damit aber viel mehr Licht als vorher. Der Beleuchtungskontrast steigt somit ebenfalls. Durch eine Kombination von beiden Methoden kann man relativ einfach auch einen hellen Hintergrund verdunkeln.

Dieser Zusammenhang zeigt übrigens deutlich, dass es so gut wie keine Möglichkeit besteht, einen Hintergrund schwarz zu bekommen, wenn das Hauptmotiv sich direkt davor befindet (Bild 1). Egal, ob der Hintergrund dunkel ist bzw. das Licht schlecht reflektiert.

Noch eine Anmerkung zum Schluss. Obwohl ein tiefschwarzer Hintergrund insbesondere bei den Fotoanfänger als cool gilt, hat er einen entscheidenden Nachteil — ein Bild wirkt dadurch flach. Das Hauptmotiv “klebt” am Hintergrund. Wird der Hintergrund dagegen nur ein wenig aufgehellt, hebt das Hauptmotiv sofort vom Hintergrund ab. Das Bild bekommt mehr Tiefe.

An diesen zwei Beispielen kann man das ganz gut nachvollziehen.

Obwohl ich beim rechten Bild eine gewisse Plastizität durch das Streiflicht (siehe ihre Schulter) erreicht habe, wirkt es trotzdem insgesamt ziemlich flach. Das linke Bild hat auch ohne Streiflicht fast einen dreidimensionalen Effekt.


Von Alex Penner, c-studios

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