Foto-Business

Fotos für Bekannte kostenlos?

Das ist ein Beitrag aus der Reihe „Fragen an FOTOGRAFR“:

Nik fragt mich:

Ich hab oft das Problem das Leute aus dem Freundes oder Bekanntenkreis Fotos oder Videoproduktionen von mir möchten. Da hier eine gewisse Beziehung besteht fällt es mir oft schwer meinen normalen Preis durchzusetzen, da mich dann mein Gewissen beißt und ich Angst habe vor Sätzen wie „Was? Jetzt kennen wir uns schon so lange und du willst XYZ Euro für die Fotos?“

Danke für Deine Frage, Nik, auf die ich auch im Gespräch mit Nina kurz eingegangen bin.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Deine Bedenken unnötig sind. Wenn Deine Freunde es wirklich gut mit Dir meinen, werden sie nicht versuchen, Dich auszunutzen, sondern werden es verstehen, wenn Du einen fairen Preis vorschlägst, von bzw. mit dem Du leben kannst.

Im engen Freundes- und Familien-Kreis würde ich völlig umsonst arbeiten.

Alle entfernteren Bekannten aber, die man irgendwoher kennt, zahlen den ganz normalen Preis. Das sollte selbstverständlich sein. (Um einen guten Willen zu zeigen, kannst Du ja einen Nachlass geben, der Dich nicht umbringt. Wenn Du aber ein Shooting für 50% des normalen Honorars anbietest, legst Du aller Wahrscheinlichkeit nach drauf, und wer das von Dir verlangt, kann nicht Dein Freund sein.)

Wenn Dein Bekannter Anwalt oder Fliesenleger ist, kannst Du ihm ja vorschlagen, dass er Dich im Gegenzug kostenlos anwaltlich beraten oder Dir Dein Badezimmer kacheln kann. Wenn Du das Ganze mit einem Lächeln sagst, fällt vielleicht auch bei ihm der Groschen, ohne dass er Dir böse ist.

Das Ganze ist immer eine Sache, die Fingerspitzengefühlt verlangt.

Du wirst wahrscheinlich selber am besten merken, wer Dich nur ausnutzen möchte, und wer einen Gefallen, den Du ihm tust, wertschätzen kann.

Wie sehen das meine Leser? Wie reagiert ihr auf eine Anfrage nach einem kostenlosen „Freundschaftsdienst“?

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als zertifizierter Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können. Mehr

16 Kommentare

  • Stephan sagt:

    Ich sehe das genau so wie du. Im engen Freundeskreis fotografiere ich kostenlos, und das gerne. Wenn beispielsweise mit meinem Auto nicht stimmt, dann würde ich auch unkompliziert Hilfe bekommen, ohne Rechnung. Ist ein Geben und Nehmen! 🙂

    Bei den entfernteren Bekannten berechne ich meine Arbeitszeit zwar, aber schon ein gutes Stück günstiger! Aber auf jeden Fall so, dass ich eben nicht draufzahle (kalkulatorisch gesehen).

  • Kann mich da nur anschließen, enge Freunde & Familie kostenlos danach entsprechendes Entgegenkommen.
    Eine Hand wäscht die andere ist da sehr treffend !

    Gruß
    Alex

  • Maria sagt:

    Hallo,

    mal wieder ein sehr spannendes Thema!
    Wenn ich Themen oder Ideen umsetzen möchte und neues Ausprobieren will, dann greife ich auf Familie und Bekannte zurück. Am Besten schaut man immer, ob man solche Anfragen mit eigenen Ideen, die man schon lange mal umsetzen wollte, kombiniert. Ansonsten verlange ich meinen Preis. Denn ich finde es sehr schwierig, eine klare Linie zu ziehen.
    Klar, mein Bruder muss für ein Fotoshooting nichts zahlen. Ich denke, das hängt immer davon ab, wie eng man sich steht und ob es tatsächlich ein Geben und Nehmen ist.

    Auf jeden Fall mal wieder ein sehr interessanter Beitrag!

    Herzliche Grüße,
    Maria

  • Neulich hat das ein anderer Fotograf gut auf den Punkt gebracht, als er bei ähnlicher Frage kommentierte, dass man ja als Freund wohl erst Recht den normalen Preis bezahlen müsste, weil man es gut mit dem anderen meint.
    Wenn man das mal weiter denkt, ist es ja so:
    Fall 1:
    Der Bekannte sagt, er braucht einen Fotografen. Ich denke mir: Wenn er nicht mich bezahlt, müsste er einen anderen bezahlen. Wo könnte also das Problem sein?
    Häufig ist es aber auch so, dass Leute denken, weil sie einen Fotografen kennen, bekommen sie tolle Bilder umsonst. Sie buchen aber sonst gar keinen Profi sondern lassen irgendwen knipsen. Dann sind die Bilder also nicht so richtig wichtig und die Frage an mich gleicht eher einer Belästigung.
    Fall 2:
    Die Bilder sind wichtig und er muss in jedem Fall einen Profi beauftragen. Meine „normalen“ Kunden buchen mich, weil sie genau das wollen, was ich anbiete. Und/oder schätzen die Zusammenarbeit auf persönlicher Ebene mit mir besonders. Sie buchen mich nicht, weil sie niemanden finden, der es für weniger Geld machen würde.
    Was sagt es mir, wenn mein Bekannter findet, ich soll es günstiger machen als andere?
    Antwort: a) Meine Angebot ist nicht genau, was er sich vorstelllt, deshalb muss es billiger sein, als bei dem Kollegen, den er eigentlich favorisieren würde. Er fragt mich evtl. nur, weil er sich verpflichtet fühlt.
    b) Meine Arbeit gefällt ihm, aber die Zusammenarbeit mit mir würde er lieber vermeiden, weshalb er sich einen Preisnachlass als Schmerzensgeld wünscht.
    Beides keine guten Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit. Und die Geldfrage ist hier nur das Indiz dafür, dass man miteinander nicht glücklich wird.

    • Ralf Nöhmer sagt:

      Interessanter Ansatz, den ich beim nächsten Mal wohl auch mal verwenden würde.
      Fragt ein Freund, ob ich ihm nicht einen Freundschaftpreis anbieten könnte, werde ich entgegenen, wenn er ein echter Freund wäre, würde wenigstens ER mich anständig bezahlen – allein der Freundschaft wegen… 😉

    • Linda Felkel sagt:

      Hallo Hendrik,

      Bin sehr froh, dass ich diesen Beitrag entdeckt habe. Vielen Dank! Alle Fragen (und Frust) mit die ich mich herumgeschlagen haben, sind beantwortet und beendet.

      „Dann sind die Bilder also nicht so richtig wichtig und die Frage an mich gleicht eher einer Belästigung.“ In meinem Fall handelt es sich um Websites. Keine eigene Bilder, keine Texte aber sie wollen eine „tolle“ Website. Und möglichst unter 1000,– Euro 🙁

      Schönen Gruß
      L. F.

  • Ich handhabe das seit Jahren gleich:
    -unsere Söhne und Eltern bezahlen NICHTS
    -unsere Freunde bekommen 20% Rabatt
    -Bekannte bezahlen wie die übrigen Kunden den normalen Preis
    Gruss HP Müller

  • Joachim sagt:

    Ich wurde kürzlich gefragt ob ich Lust hätte mit einer Freundin ein Tangovideo zu drehen.
    Auf die Frage was es kosten würde hatte ich zunächst geantwortet, zwischen 2000 Euro und kostenlos, den genauen Preis könne ich nennen nachdem wir persönlich drüber gesprochen hätten (Die Anfrage kam als zweizeilige Mail).
    Zunächst sollte ich ohne Gespräch meinen Preis nennen und ob ich überhaupt Lust hätte.
    Ich verwies darauf dass ich nur im persönlichen Gespräch beides beantworten könne und je länger dieses Gespräch aufgeschoben würde desto unwahrscheinlicher würde es dass ich zu dem gewünschten Termin (eine Hochzeit, den Termin sie mir natürlich auch nicht nannte) klappen kann.
    Im Gespräch wurde klar dass sie 30 Minuten!!! Film wollte, dachte dass das mit einer Kameraeinstellung und dem internen Kamera Mikro ohne Nachsynchronisation ginge.
    Ich sagte ihr dass das ginge, ich es aber nicht machen würde.
    Wenn ich das Video mache dann brauchen wir je Tanz ca 5 bis 6 Durchläufe aus denen ich dann unterschiedliche Kameraperspektiven schneiden könne, das würde dann allein zum aufzeichnen ca. 30 bis 40 Minuten dauern und ich säße dann für einen einzigen Tanz ca 2 bis 5 Stunden am Rechner um daraus einen ansprechenden Film zu machen.
    Das würde ich nur dann kostenlos machen wenn es um einen einzigen Tanz geht und sie eine total klasse Lokation organisiert oder wir zum Beispiel Nachts im Mondschein in einer schönen Gasse unter einer Laterne drehen, alles andere wäre für mich künstlerisch nicht von Interesse.
    Ansonsten berechne ich pro Video Minute 60 Euro.
    Mein Gefühl war dass sie mich hinterher für einen überdrehten von sich selbst eingenommenen Möchtegernkünstler hielt und etwas sauer war dass ich nicht bereit war es schnell und schmutzig zu machen.
    Ich hatte das Gefühl mir eine unergibige Zusammenarbeit erspart zu haben.

  • Ralf Nöhmer sagt:

    Ich halte es so, dass ich Fotoaufträge für unmittelbare Verwandschaft oder sehr gute Freunde gerne kostenlos anfertige, wenn es sich nicht um hochwertige Arbeiten (also Hochzeit z.B.) handelt. Bei letzteren vermittel ich lieber einen Kollegen, von dessen Arbeit ich überzeugt bin. Freundschaft ist mir zu wichtig, als dass ich diese für möglichen Ärger aufs Spiel setze.

    Was ich mir inzwischen fast abgewöhnt habe ist, Bilder für Kollegen zu fertigen. Beispiel: es kam ein Kollege an und wollte sein iPhone „für einen Unterricht“ abgelichtet haben. Er selbst bekam die Spiegelung nicht weg. Ergebnis: Datei weiter gegeben, es kam nicht mal ein „Dankeschön“! Dann habe ich erfahren, dass er mein Foto nur für eine eBay-Auktion gebraucht hat, um das Handy zu verkaufen.

    Ich suche mir die Kollegen inzwischen ganz genau aus. Ich will kein Geld von ihnen, aber wenigstens ein Paket Kaffee sollte drin sein, dann freuen sich auch alle Kaffeetrinker in der Firma.

  • Keine Frage, in der Familie und im engen Freundeskreis fotografiere ich kostenlos, zumal diese beiden Gruppen auch mal für „Experimente“ herhalten müssen. Im Bekanntenkreis kommt es drauf an, „wie bekannt“ man ist. Engere Bekannte bekommen schon mal einen Nachlass, der Rest bezahlt aber den normalen Preis.

  • Falk Wussow sagt:

    Ich sollte erstmal erwähnen, dass ich angestellter Mediengestalter und nur Hobby-Fotograf bin, aber im Grunde kommt es schon dem Thema nahe.

    Ich habe mich von Freundschaftsdiensten in der Freizeit komplett verabschiedet: Ich habe irgendwann begriffen, dass solche Jobs eigentlich sogar teurer angeboten werden müssten als Jobs für „normale“ Kunden. Oftmals erwarten Verwandte/Bekannte nämlich, dass man sich für sie noch mehr ins Zeug legt und z.B. Entwürfe extra macht, an denen sie einen dann ewig herumdoktorn lassen können. Man ist ja schließlich ein Freund und tut das gern…

    Mittlerweile mache ich sowas nur aus eigenem Antrieb heraus: Ich habe z.B. mal einem Bekannten, der Hobby-Fotograf ist, ein Logo und Visitenkarten gestaltet. Weil ich gerade Lust darauf hatte. Ohne den Stress eines Auftrags und zum Teil übermäßiger Erwartungen.

    Aber ich kann das leicht sagen – ich lebe ja nicht davon. 🙂

  • Ich denke auch, dass jede Arbeit bezahlt werden sollte für einen fairen Preis. Man kann natürlich für Bekannte und Verwandte einen Rabatt geben. Aber gratis oder zu 50% ist sicher nicht Sinn und Zweck der Sache.

  • Ralf H. Badera sagt:

    Kostenlos oder 50% Rabatt kann man vielleicht machen, wenn es enge Verwandtschaft ist. Wenn es Freunde sind und man nicht hauptberuflich Fotograf ist, kann man ggf. auch bei ihnen einen ordentlichen Abschlag ansetzen. Kommt auch ein wenig darauf an, wie solche „Gefälligkeiten“ anders herum abgegolten werden. Wenn der gute Freund KFZ-Mechaniker ist und mir bei Reparaturen 10% Ermäßigung gibt, wäre man schön dumm, ihm mit 50% Nachlass entgegen zu kommen.
    Als Vollzeitfotograf wären für mich nur nahe, direkte Verwandte (Vater, Bruder etc.) ein deutliches Entgegenkommen wert und auch nur bei überschaubarem Aufwand.

  • Jens sagt:

    Interessanter Artikel und sicher ein Konflikt in dem Fotografen immer mal wieder stecken.
    Bei engen Freunden oder der eigenen Familie würde ich allerdings auch nie Geld nehmen. Gleiches würden Freunde/Familie von mir auch nicht. Zudem ist es ja auch immer eine Gelegenheit einander zu sehen und im Zweifelsfall bekommt man ja auch im Anschluss die Gelegenheit sich bei einem Drink oder netten Essen zu revanchieren.

  • Sinan sagt:

    Insgesamt stimme ich vielen Meinungen hier zu. Könnte es nur noch um eine Sache ergänzen. Wenn man für (enge) Freunde was macht, dann bleibt immer noch, auf die Freizeit auszuweichen und keinen künstlichen Termindruck zu erzeugen. Für die Hilfe bei meiner Autoreparatur wird sich der Nachbar ja auch keinen Tag Urlaub nehmen, sondern es nach Feierabend in seiner Garage machen. Wenn daher der Freund oder Bekannte das gewünschte Foto zum Freundschaftspreis haben will, dann macht es ihm sicher auch nichts aus, einige Tage zu warten bis Zeit dafür ist, anstatt unangemeldet in der Tür zu stehen, wie es in den Fußgängerzonen-Fotoläden üblich ist.

  • Beim Freundschaftsdiesnst dürfen DIE den Preis selbst bestimmen, (Test der Wertschätzung)
    bei zuwenig dann nein und/oder niewieder.
    Wenn Ja – dann mit dem hinweis das ich die Bilder auch für Ausstellungen und Wettbewerbe benutzten werden. Sagen die „Freunde“ NEIN, sage ich auch NEIN. Bei Freundschaftsdiensten zählt das Geben und nehmen, ansonsten sollte man davon Abstand halten.

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