Portraitfotografie

Studio PR Werkschau mit Paul Ripke, Florian Schmucker und Jonas Ellerbrock

Am 30. Juli 2010 findet in den Play Rent Studios in Hamburg eine Werkschau von Paul Ripke, Florian Schmucker und Jonas Ellerbrock statt. Aus diesem Anlass habe ich ein Interview mit ihnen geführt:

Fragen an Paul Ripke:

Paul, Du planst für den 30.7.2010 eine Fotoausstellung in Hamburg. Beschreib doch bitte einmal, was den Besucher dort erwartet.

Im Grunde erwartet euch ein Überblick über unser aktuelles Schaffen. Zwei neue Serien mit jeweils 6 Bildern werden dort zum ersten Mal gezeigt, ausserdem gibt es Strecken wie Limone oder Monaco als großformatige Prints, das ist schon was anderes als im Web. Zum ersten Mal auf zwei Stockwerken haben wir fast 500 qm Ausstellungsfläche zu füllen, dies versuchen wir mit fast 40 teils sehr groß geprinteten Bildern zu schaffen.

Wie kamst Du auf die Idee, eine Ausstellung mit Deinen Bildern zu organisieren?

Die Idee kam von den Play Hamburg Jungs, die jeden letzten Freitag im Monat in ihren Rent-Studios einem Fotografen die Möglichkeit geben, die Räumlichkeiten mit Bildern zu bestücken. Und diesen Monat sind wir dran.

Du hast Dich entschieden, die Ausstellung gemeinsam mit dem Art-Director Florian Schmucker sowie dem Bildbearbeiter Jonas Ellerbrock auszurichten. Was ist der Grund dafür?

Grundsätzlich gehört zu meinen Bildern deutlich mehr, als nur Abzudrücken. in der Konzeption, wie auch in der Postproduction arbeite ich sehr eng mit Flo und Jonas zusammen, sodass die beiden zu einer Ausstellung einfach dazu gehören.

© Paul Ripke

Beschreibe doch bitte einmal die Zusammenarbeit mit Florian und Jonas.

Als erstes entsteht eine Idee, bei irgendeinem von uns. Dann setzen wir uns zusammen und versuchen eine interessante Umsetzung auf die Beine zu stellen. Fotografisch sind die beiden dann meist nicht dabei, allerdings kümmern sie sich dann gemeinsam um die Post. Dort sitzen wir dann immer wieder zu dritt vor den Bildern und erarbeiten eine gemeinsame Lösung für Probleme oder einen neuen Look. So entsteht am Ende ein Bild, das oft ganz anders ausgesehen hätte, als hätte ich es alleine gemacht.

Siehst du dich eher als künstlerischen bzw. kreativen Fotografen oder als Dienstleister, der die Ideen seiner Kunden umsetzt?

Ich habe BWL studiert, und mit Kunst reichlich wenig am Hut. Ich bin doch erheblich kapitalistisch orientiert und bin daher am Glücklichsten, wenn meine Kunden glücklich sind. Freie Arbeiten versuche ich natürlich so umzusetzen, dass ich sie mir auch selbst an die Wand hängen würde.

© Paul Ripke

Wie wichtig findest du als Fotograf heute die Fähigkeit, seine Arbeit gut vermarkten zu können?

Wahrscheinlich spielst du da auf Life of Paul und meinen Blog an. Ich bin mir da nicht so sicher, wie Job-relevant das ganze wirklich ist. Aber es macht vor allem Spass und hilft unfassbar im Team-Building. Ich kann mir tatsächlich dadurch ganz gut aussuchen, mit wem ich arbeite, und so ist das gesamte Team durchaus motiviert und nett.

Hat die Wirtschaftskrise Deine Auftragslage beeinflusst? Verhandeln Kunden jetzt stärker?

Bei mir überhaupt nicht. Ich hatte letztes Jahr mein bestes Jahr, und es geht eigentlich ähnlich weiter, was aber auch daran liegt, dass ich davor eigentlich gar keine Werbung fotografiert habe und nun ein zwei mal an dieses Thema ran durfte. Sprich das eigentlich mein erstes wirklich Jahr als Fotograf war, ich bin 29 Jahre alt, und hoffe, irgendwann mal so richtig in der Fotografie anzukommen, da liegt aber noch ein weiter Weg vor mir.

Was tust Du selber, um dich am Markt zu behaupten?

Fleiss Fleiss Fleiss. Ich versuche tatsächlich, so viel wie möglich zu fotografieren, ganz egal was. Übung macht auch in der Fotografie den Meister.

Was sind Deiner Meinung nach die Herausforderungen für Fotografen in den nächsten 5 Jahren?

Ich denke, man muss sich doch erheblichen Angriffen aus dem günstigeren Nachwuchssegment erwehren. Da wächst eine ganze Generation heran, die alle selbst erhebliche Photoshop wie auch Photo-Fähigkeiten haben. Diese Arbeiten sind meist nur durch Qualität des fotografierten Objektes auf Hobby-Niveau, wenn diese Generation ernsthaft entdeckt wird, muss man sehr gut sein, um noch Jobs zu bekommen.

© Paul Ripke / IWC Portraits

Fragen an Florian Schmucker:

Florian, welches Gefühl ist es, eine eigene Foto-Ausstellung vorzubereiten?

Es ist vor allem Arbeit. Im Moment müssen wir alle Daten aufbereiten, drucken verrschiedene Muster an und haben noch 2 Projekte Post-mässig abzuschliessen. Dann kommt auch irgendwann die Freude, aber im Moment sitzen wir hier jeder Abend recht lange bei gefühlten 36 Grad Zimmertemperatur.

Beschreibe doch bitte einmal, welchen Anteil du als Art-Director an einem fertigen Werbefoto hast.

Das ist schwer zu sagen, oft erheblichen, wenn nicht massgeblichen, oft aber auch nur kontrollierenden. Das kommt wirklich auf das individuelle Projekt drauf an.

In deinem Portfolio habe ich gestaltete Werbeanzeigen gesehen, die vor allem von einer erstklassigen bzw. witzigen Bildidee leben. Wie groß ist nach deiner Erfahrung bei Werbekunden die Bereitschaft, sich auf solche Vorschläge einzulassen?

Das ist meist sehr gering, viele solcher guten Ideen werden dann zu Gold-Ideen, sprich Anzeigen, die man gemeinsam mit dem Kunden für Wettbewerbe konzipiert. Dort ist dann die Bereitschaft, wirklich verrückte Sachen zu machen, deutlich größer.

Wie bist du Art-Director geworden und wie siehst du die Aussichten für Berufsanfänger?

Ich habe an einer privaten Hochschule Grafik-Design studiert um dann ein Praktikum bei Kolle Rebbe zu machen. Dort bin ich dann übernommen worden, um vierJahre in Summe zu bleiben. Am Ende habe ich mich dann doch lieber selbstständig gemacht.

© Paul Ripke / IWC Portraits

Fragen an Jonas Ellerbrock:

Ich habe den Eindruck, dass in den letzten Jahren der Anteil der Bildbearbeitung am gesamten Entstehungsprozess eines professionellen Fotos ständig gestiegen ist. Siehst Du das genau so?

Mit Sicherheit ist Post wichtiger geworden, war aber in den letzten Jahres schon festen Bestandteil. Nur findet man heute im Netz erheblich mehr Beispiel mit Vorher / Nachher-Effekt, sprich das ganze Thema Bildbearbeitung ist zugänglicher und sichtbarer geworden.

Jonas, jetzt mal ehrlich, muss Du oft Fehler, die der Fotograf gemacht hat, ausbügeln?

Naja, grundsätzlich entstehen bei einer Produktion so einige Fehler, die wir im Nachhinein wieder gerade biegen. Das ist nicht immer Schuld des Fotografen, oft verändern sich einfach Anforderungen und wir sind nun mal die die das wieder hinbiegen müssen.

Glaubst Du, dass ein Fotograf auch ein guter Bildbearbeiter sein muss, oder sind das zwei unabhängige Aufgabenbereiche, die völlig andere Anforderungen stellen?

Der Fotograf muss ja nicht nur fotografieren, sondern auch auf professionellem Level organisieren und produzieren. Danach geht die Postproduction und Fotografie meist Hand in Hand. Ich selbst lerne immer durch neue Lichtführungen Bildeffekte zu optimieren. Ein Fotograf, der selbst Ahnung von Post hat, fotografiert gewisse Dinge tatsächlich etwas besser. Er denkt an Hintergrundschüsse und macht auch mal ne extra Belichtung für unterschiedliche Effekte. Das hilft dann im Nachhinein doch erheblich. Bei der Post-Productions selbst hat in meinem beruflichen Umfeld bisher kein Fotograf wirklich in der Umsetzung mitgearbeitet. Meist lässt sich bei uns festhalten, dass es eher eine Spezialisierung gibt, sprich der Fotograf seine Fotos macht, und die Post-Production die Bilder bearbeitet. Ich steh ja auch nicht am Set rum und verstelle die Lampen des Fotografen.

Mach doch bitte abschließend noch ein bischen Werbung für Eure Ausstellung: Warum lohnt es sich, auch einen weiten Anfahrtsweg in Kauf zu nehmen, um sich Eure Bilder anzusehen?

Am Ende lohnt es sich vor allem, weil man die Ergebnisse an der Wand deutlich besser sieht. In 800 px Breite kann jeder Hans retuschieren, das ganze aber in 2 Meter an die Wand zu bringen, das ist schon schwieriger. Da die Ausstellung nur einen einzigen Abend ist, werden auch so manche Menschen dort sein, die man sonst nicht trifft, nicht zuletzt stellen wir drei uns natürlich jedweden Fragen, die da kommen. Am Ende gibts von Assoto Sounds noch gute Musik, kombiniert mit dem einen oder anderen Gin-Tonic erwartet einen bestimmt ein lustiger Abend.

Danke an Paul, Florian und Jonas für dieses Interview.

Die Austellung in den Play Rent Studios in Hamburg, Lippmannstraße 53 – 55 beginnt am 30. Juli 2010 um 19:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Fotograf in Heidelberg und gebe mein Wissen und meine Erfahrung als Business-Coach für Kreative weiter. Mehr

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