Von Aline Lange
In der Vergangenheit wurde mir immer wieder von Coaches geraten, Familien- und Businessfotografie zu trennen. Oder zumindest diese beiden Genres nicht auf einer Webseite zu zeigen.
Ich habe es anders gemacht, und die Aufträge der letzten Jahre geben mir recht.
Warum davon abgeraten wird
Ich heiße Aline und mein Business aline lange FOTOGRAFIE besteht seit 2008. So lange fotografiere ich bereits Familien, Hochzeiten UND Business.
Mal zeigte ich alle Genres auf (m)einer Webseite, mal trennte ich sie. Denn meine Coaches oder die Fotografen-Bubble allgemein raten immer wieder dazu, nicht für alles der Experte zu sein, sondern für eine Sache.
Das macht Sinn. Für mich hat es sich aber nicht immer stimmig angefühlt.
Warum ich es trotzdem anders mache
Ich habe die Fotografie noch im Handwerk gelernt und während meiner Ausbildung zur Portraitfotografin Familien und Kinder, Pass- und Bewerbungsbilder, Hochzeiten und Unternehmen fotografiert. Vor über 20 Jahren gab es weniger Fotografen. Ein breites Spektrum anzubieten war normal und lässt sich nicht 1:1 mit heute vergleichen.
Eine Sache ist für mich persönlich aber geblieben – mir bereiten neben den Familienfotos auch Businessfotos eine große Freude. Weil es mir Abwechslung bringt.
Beide Bereiche getrennt zu pflegen, mit eigenen Webseiten und womöglich eigenen sozialen Profilen, war mir irgendwann zu viel Aufwand. Und einige meiner Familienkunden sind ohnehin selbst Unternehmer.
Meine Kunden
Ein Papa ist Zahnarzt, eine Mama Yogalehrerin, ein anderer Vorstand in einem Ingenieurs-Unternehmen und ein weiterer Gerüstbauer in 5. Generation.
Was alle gemeinsam haben?
Sie kennen mich meist seit vielen Jahren. Angefangen bei den Hochzeitsfotos über den ersten Babybauch, das erste Kind, das zweite Kind. Sie buchen mich gerne, weil sie wissen, dass die Arbeit mit mir entspannt und unkompliziert ist und das Ergebnis genauso ist, wie sie es sich wünschen. Natürlich und ehrlich.
Genau aus diesem Grund haben sie mich alle für ihre Businessfotos gebucht.

Der Gerüstbauer
Sebastian Holoch (https://geruestbau-sholoch.de/) kam nach den zweiten Familienfotos auf mich zu, mit der Frage, ob ich auch sein Team auf einer Baustelle begleiten könnte. Er wollte sie mit einem tollen Foto während der Arbeit beschenken, weil er sah, wie stolz seine Männer auf ihren Beruf sind.
Diesen Sommer durfte ich dann einen halben Tag beim Abbau eines Gerüsts in Bruchsal dabei sein. Dabei sind ehrliche Bilder seiner Angestellten entstanden. Staubig und verschwitzt. Aber mit Freude dabei.
Sebastian war mit den Bildern so zufrieden, dass er sich nicht, wie ursprünglich besprochen, 20 Bilder auswählte, sondern alle Bilder nahm, knapp 300.
Mein ursprüngliches Angebot bestand aus Shooting + Honorar/Bild + Anfahrt. Nachdem er die Bilder so toll gefunden hatte, habe ich daraus ein attraktives Pauschalangebot gemacht, welches er gerne annahm.
In erster Linie sind die Bilder für sein Team. In zweiter Linie möchte er einige davon auf seiner Webseite verwenden.

Das Ingenieurbüro
Einen der Vorstände kenne ich bereits seit 2013, als ich seine Hochzeit begleiten durfte. Es folgten Baby- und Familienfotos, bis er vor kurzem für sein Ingenieurbüro anfragte.
Als Vorstand dachte er beim Stichwort Mitarbeiterfotos sofort an mich. Durch unsere langjährige Zusammenarbeit kannte er bereits meine Arbeitsweise, Qualität, Zuverlässigkeit sowie Bildsprache. Das über die Jahre gewachsene Vertrauen und die gegenseitige Wertschätzung waren daher eine schöne Grundlage, auch und gerade für eine geschäftliche Zusammenarbeit.
Nach einem ersten Telefonat zum Setting habe ich ein auf die Anforderungen des Unternehmens abgestimmtes Angebot erstellt. Durch die Vertrauensbasis konnten wir auch diese Zusammenarbeit schnell und unkompliziert vereinbaren. Danach habe ich mir die Räumlichkeiten vor Ort angeschaut und mögliche Plätze für die Mitarbeiterportraits ausgewählt.
Über mehrere Tage verteilt darf ich nun in einem Set-up im Konferenzraum bis zu 70 Mitarbeiter fotografieren. Einige Personen bekommen weitere Portraits, die sie für Vorträge und Veröffentlichungen verwenden können. Außerdem sollen einige Situationen während der Arbeit nachgestellt werden, um sie auch auf der Website etc. einsetzen zu können.
Die Firma koordiniert die Termine. Ich habe 10 Minuten pro Mitarbeiter angesetzt, plus 5 Minuten Puffer, falls es bei der einen oder anderen Person etwas länger dauert. Weil ich vor Ort in kurzen Zeitslots fotografiere, wird immer nur die Arbeit einer Person unterbrochen und der Betrieb läuft weiter. Für die Mitarbeitenden bleibt es entspannt, für das Unternehmen effizient.
Was mit der fotografischen Begleitung einer Hochzeit begann, hat sich über viele Jahre zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit entwickelt. Umso mehr freue ich mich, dass daraus nun auch ein geschäftliches Fotoprojekt entstanden ist.
Wer sich vor meiner Kamera schon einmal wohlgefühlt hat, bucht mich nicht nur für Familienbilder
Durch die Vorerfahrung meiner Kunden wissen sie, wie ich arbeite. Sie vertrauen mir, denn sie bekommen die Bilder, die sie sich wünschen. Und sollte mal was vergessen worden sein, wird dies nachgeholt.
Sie schätzen meine Ruhe und Empathie. Das zählt auch bei Mitarbeiterfotos, wo viele unsicher sind. Und auch auf dem Bau hat es mir geholfen, denn ich verhalte mich unauffällig, sodass man mich beim Fotografieren kaum bemerkt und ich bei der Arbeit nicht im Weg stehe.
Wo es Grenzen gibt
Mein Modell, mehrere Genres, die B2C- sowie B2B-Kunden ansprechen, auf einer Webseite zu zeigen, mag nicht für jedermann die perfekte Lösung sein.
Wenn z. B. der Bildstil und -look der Businessfotos ganz anders aussieht als der für Familien- oder Hochzeitsfotos. Oder wenn man mit seinen Businessfotos sehr große Konzerne ansprechen möchte.
Für mich passt’s, denn meine Bildsprache ist bei Familien und Business gleich. Es harmoniert miteinander und stellt für mich keinen optischen Bruch dar.
Und ich gewinne auch B2B-Neukunden, obwohl ich auf meiner Webseite Familien zeige. Für mich ist beides möglich. Angefragt werde ich allerdings eher von Solo-Selbstständigen und kleinen bis mittleren Unternehmen. Das ist aber genau das, was ich mir wünsche.

Was ich anderen rate
Frag deine Familien, was sie beruflich machen. Erwähne, dass du auch Businessbilder machst.
Achte auf eine durchgängige Bildsprache. Wenn Licht, Farben und Look deiner Businessbilder zu deinen Familienbildern passen, wirkt beides auf einer Webseite stimmig.
Mach Business auf deiner Webseite leicht auffindbar, zum Beispiel mit einem eigenen Menüpunkt und einer eigenen Seite mit Beispielen. So müssen Unternehmer nicht erst durch Babybauchbilder klicken.
Und zum Schluss: Hör auf dein Herz (oder deinen Bauch) und frag dich: Was fotografierst du wirklich gerne?
Wenn es sich auf einer Webseite vereinen lässt und es sich für dich stimmig anfühlt, zeig es. (Andernfalls funktionieren natürlich auch zwei Webseiten, wenn du die Genres getrennt halten möchtest.)
Autorin dieses Artikels ist Aline Lange

Mein Name ist Aline Lange und ich darf seit 2008 in meinem Business aline lange FOTOGRAFIE Familien, Hochzeitspaare und Businesskunden mit Fotos glücklich machen, die sie zeigen, ehrlich und zeitlos festgehalten.

Liebe Aline,
danke für deinen Einblick.
Eine klare Positionierung ist Voraussetzung, um erfolgreich neue Kunden zu überzeugen. Die vielen Argumente kennst du sicher. Ein neuer Interessent für Baustellenfotos wird lieber eine spezialisierte Fotografin beauftragen, weil die genau weiß, was sie tut und beispielsweise über die erforderliche PSA verfügt. Produktionssicherheit und Erfahrung sind wichtige Argumente.
Ganz anders sieht das bei Bestandskunden aus. Die kennen dich bereits als Mensch und vertrauen dir. Dann spielt die Positionierung nur noch eine untergeordnete Rolle. Das hast du an deinem Beispiel sehr gut demonstriert.
Aber auch dann sind folgende Fragen wichtig:
Kann ich das? Will ich das? Tue ich meinem Kunden damit einen Gefallen?
Viele Grüße
Michael
Hochzeiten haben einen immensen Wert: Geschäftsbeziehungen.
Das hab ich auch mitbekommen. Ich bewerbe es nicht, aber ich sperre mich auch nicht dagegen. Es entstehen Verbindungen und Menschen sehen in Ruhe und unverbindlich, wie ich arbeite. Und danach das Ergebnis.