Portraitfotografie

Olaf Heine: Musiker- und Prominentenportraits

Iggy Pop, Miami, 2001 copyright Olaf Heine courtesy CAMERA WORK

Ausstellung HUSH HUSH in München

Noch bis zum 31. Mai 2018 ist in der Münchener Galerie IMMAGIS die Einzelausstellung HUSH HUSH des renommierten Fotografen und Regisseurs Olaf Heine zu sehen. Gezeigt werden einige seiner ganz persönlichen Lieblingsbilder aus dem Bereich Musiker- und Prominentenporträt sowie ein Auszug des BRAZIL Zyklus, welcher 2014 als Buch bei teNeues erschienen ist.

Aus diesem Anlass konnte ich ein Interview mit dem Künstler führen

Olaf, was für ein Gefühl ist das für Dich, eine Ausstellung mit eigenen Bildern zu eröffnen?

Das ist eigentlich ein gutes Gefühl. Ich freue mich drauf, nette Gäste zu sehen, Freunde zu treffen und zu beobachten, wie sie auf meine Bilder reagieren. Auch wenn ich die Bilder in erster Linie für mich mache, freue ich mich, wenn andere daran teilhaben und meine Arbeiten schätzen. Der eigentliche kreative Prozess erfolgt aber bei der Erstellung der Fotos, dabei bin ich viel aufgeregter als bei einer Ausstellung.

Wie bereitest Du Dich auf ein Fotoshooting vor?

Ich beschäftige mich im Vorfeld mit der Person und lese Veröffentlichungen. Wenn es ein Schauspier ist, schaue ich mir die Filme an, wenn es ein Musiker ist, höre ich mir die Platten an oder ist lese ein Buch bei Schriftstellern. Ich versuche, mir ein Bild zu machen und in dieser Vorbereitungsphase kommt irgendwann der Punkt, bei dem die kreativen Ideen entstehen.

Wieviel Zeit hast Du üblicherweise für die Aufnahmen?

Das ist unterschiedlich. Manchmal sind es Tage, manchmal aber auch nur Minuten. Ich war gerade in Frankreich bei der Band Rammstein und hatte zwei Tage Zeit. Bei der Echo-Verleihung dagegen habe ich mein eigenes Studio aufgebaut und hatte mit Kylie Minogue zwei Minuten aber auch in dieser kurzen Zeit haben wir es geschafft, ein gutes Foto zu machen.

Was genau passiert in den zwei Minuten, die Du zur Verfügung hast?

Ich kommuniziere mit der Person und versuche eine spontane Energie herzustellen. Das ist anstrengender, als wenn man 2 Wochen mit jemand arbeitet, weil man sehr genau auf den Punkt kommen muss.

In diesem Fall habe ich Kylie meine Bildidee beschrieben. Sie trug ein wallendes Kleid und ist eine sehr energiegeladene Person. Also habe ich vorgeschlagen, dass sie vor der Kamera tanzt. Ich wollte ein Lebensgefühl und eine Leichtigkeit zeigen, obwohl in der Situation ein großer Druck lag. Und ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen.

 

Philipp Lahm 2014 coypright Olaf Heine Courtesy CAMERA WORK

Welche Motivation hattest Du damals, als Du Fotograf geworden bist?

Ich interessierte mich sehr für die Musikszene und wollte ein Teil davon werden, obwohl ich kein Instrument spielte. Eine Kamera gab mir damals die Rechtfertigung an diesem Wanderzirkus teilhaben zu dürfen und mich direkt vor die Bühne zu positionieren.

Verschiedene Musiker haben mich dann angesprochen und ich konnte ihnen meine Fotos zeigen. So bekam ich irgendwann meinen ersten Auftrag. Der erste Job für ein Plattencover ging ziemlich in die Hose. Aber irgendetwas an meiner Persönlichkeit hat die Musiker überzeugt und sie gaben mir eine zweite Chance. So entstand mein erstes Plattencover und habe die nächsten Aufträge bekommen.

Mittlerweile fotografiere ich nicht nur Musiker, sondern auch Schauspieler, Schriftsteller, Maler und andere Künstler.

 

Jessica Schwarz, Berlin, 2007 copyright Olaf Heine courtesy CAMERA WORK

Warum sind viele Deiner Bilder in schwarz-weiß?

Ich bin mit den Schwarz-Weiß Fotografien der Straßenfotografen der 50er und 60er Jahre und den Arbeiten der Musik-Fotografen der 80er Jahre sozialisiert worden und aufgewachsen.

Ich komme aus einer Zeit, in der man sich vor dem Fotografieren überlegen musste, ob man einen Farbfilm oder einen Schwarz-Weiß-Film einlegt. Und so arbeite ich auch heute noch: Ich überlege mir vor einem Shooting, wie das fertige Bild aussehen soll.

Farbe lenkt oft vom Bildinhalt ab. Außerdem möchte ich, dass meine Bilder zeitlos sind, und das ist mit Schwarz-Weiß besser möglich als mit Farbe.Für mich ist Schwarz-Weiß die Art, wie ich mich ausdrücke.

Was war in Deiner Karriere die größte Herausforderung?

Wichtig ist mir Kontinuität und Beharrlichkeit. Meinen eigenen Stil konsequent zu verfolgen und mich nicht von kurzfristigen Einflüssen am Wegesrand beeinflussen zu lassen und mir selber treu zu bleiben.

Auf der anderen Seite stelle ich mich aber auch immer wieder neuen Herausforderungen. Mein neuer Bildband wird beispielsweise auch in Farbe fotografiert und für mein Projekt „Brazil“ habe ich Architektur und Landschaften fotografiert. Das war ein spannender Prozess und es hat eine Zeit gedauert, bis ich meinen Zugang dazu gefunden habe.

Vielen Dank für das Gespräch, Olaf.

 

Yasmin, Rio de Janeiro, 2013 copyright Olaf Heine courtesy CAMERA WORK

Über Olaf Heine

Olaf Heine wurde 1968 in Hannover geboren und studierte von 1992 bis 1995 Fotografie am Lette-Verein in Berlin.

Seit seinem Studium arbeitete er eng mit Musikern und Künstlern zusammen, zunächst national später dann mit Wohnsitz in Los Angeles auch zunehmend international, so dass Heines OEuvre mittlerweile unzählige Albumcover, Editorials und internationale Werbekampagnen sowie preisgekrönte Werbespots und Musikvideos umfasst.

Seine photographischen Arbeiten wurden in den Photobänden »Leaving the Comfort Zone« (2008/Hatje Cantz) und »I Love You but I’ve Chosen Rock« (2010/Hatje Cantz) sowie »Brazil« (2014/teNeues) veröffentlicht; Heines Auftragsarbeiten hingegen in Magazinen wie dem Rolling Stone Magazin, Vanity Fair, Stern, Musikexpress, Elle, MAX, Spiegel, Die Zeit, Focus und der Playboy publiziert.

Ausstellung

Olaf Heine: Hush Hush
Laufzeit: 20. April – 31. Mai 2018
Öffnungszeiten: Di – Fr, 14 – 18, Sa, 11 – 14 und nach Vereinbarung
Ort: IMMAGIS Fine Art Photography, Blütenstraße 1, 80799 München

Weitere Informationen

IMMAGIS Galerie
Website
Instagram

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Fotograf in Heidelberg und gebe mein Wissen und meine Erfahrung als Business-Coach für Kreative weiter. Mehr

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