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Rohdaten (Raw-Files) an Kunden ausliefern?


Nora fragt:

Wieso händigen die meisten Hochzeits-Fotografen eigentlich ihren Kunden nicht die Bilder in RAW-Format aus? Ich habe das jetzt schon wiederholt in meinem Umkreis gehört. Viele jungen Paare möchten es einfach auch selbst in der Hand haben, an ihren Bildern im Nachhinein selbst noch Veränderungen vornehmen zu können. Und das nicht am JPG. In den allermeisten Fällen sind das rein private Interessen (fürs Familienalbum etc) und nicht, um sie für Agenturen hochzuladen. Wie handhabt ihr das?

Danke für Deine Frage, Nora.

Sicher handhabt das jeder Fotograf anders. Ein eindeutiges „Richtig“ oder „Falsch“ gibt es meiner Meinung nach nicht.

Aber ein paar Denkanstöße möchte ich hier geben

Was sind überhaupt Rohdaten?

Hier im Artikel verwende ich folgende Begriffe:

Rohdaten: Fotos im Format RAW oder JPG, so wie sie aus der Kamera kommen, ohne nachträgliche Korrektur
High Res Daten: Hochauflösende JPG-Daten, die digital optimiert und ggf. retuschiert wurden
Low Res Daten: Heruntergerechnete High Res Daten zur Verwendung in Facebook o.ä.

Rohdaten, die nicht bearbeitet werden müssen

In vielen Tätigkeitsfeldern der Fotografie werden Fotos bereits in der Kamera so erstellt, wie sie später verwendet werden sollen. Das betrifft Bildausschnitt, Belichtung, Weißabgleich, etc. Anders ist eine Hochzeitsreportage mit vielen Hundert Fotos oder eine Sportreportage kaum machbar. Gegebenenfalls wird anschließend per Stapelverarbeitung ein einheitlicher Bildlook oder eine Schärfung hinzugefügt, aber im Grunde ist das Bild bereits nach der Aufnahme fertig.

Rohdaten, die bearbeitet werden müssen

In vielen Fällen lassen sich die Fotos nicht so erstellen, wie sie nachher verwendet werden sollen. Das betrifft die Beauty-Retusche, aber auch viele andere nachträgliche Korrekturen.

Aktuell habe ich zum Beispiel ein Firmen-Fotoshooting zu bearbeiten, das vor Ort im Büro des Kunden durchgeführt wurde. Dabei steht eine Person, die mit einem Studioblitz ausgeleuchtet wurde, im Vordergrund und im Hintergrund ist unscharf das mit Neon-Leuchten bestrahlte Büro zu sehen. Die Neonröhren sorgen für einen fiesen Grünstich, der sich bei der Aufnahme nur schwer hätte vermeiden lassen. Also ist das eine Aufgabe für die Nachbearbeitung, in der eine doppelte Raw-Entwicklung mit unterschiedlichem Weißabgleich zum Einsatz kommt.

Ein anderer Punkt ist die Beauty-Retusche, ohne die manche Fotos einfach nicht optimal aussehen.

Auch beim Bildausschnitt arbeite ich lieber mit etwas mehr „Fleisch“ an den Rändern, weil man in der späteren Verwendung der Fotos unter Umständen ein anderes Seitenverhältnis benötigt wird, als es die Kamera liefert. Gerade auf Webseiten werden oft extreme Letterbox-Formate (z.B. 1200 x 600 px) benötigt. Das unbeschnittene Foto sieht dann aber wenig ansprechend aus.

In all diesen Fällen unterscheidet sich das Roh-Bild sehr stark vom späteren Endergebnis. Und ein Kunde könnte mit den unbearbeiteten Rohdaten überhaupt nichts anfangen. Ganz im Gegenteil: Händigt man dem Kunden ein solch unvollkommenes Bild aus, wird der Kunde keine gute Meinung von den Fähigkeiten des Fotografen bekommen.

Was der Privat-Kunde erwartet

In früheren Zeiten war es üblich, dass der Privat-Kunde nur Papierabzüge erhält und für jeden Abzug erneut zum Fotografen gehen muss, um gegen Gebühr weitere Papierabzüge zu erhalten. Manche Fotografen arbeiten heute noch so. Kunden haben allerdings dafür immer weniger Verständnis.

Heutzutage erwarten Privat-Kunden, dass sie mindestens die ausgewählten Fotos in einer Form erhalten, die sie auf Facebook teilen können. Wenn sie darüber hinaus hochauflösende Daten bekommen, um sich selber Abzüge und Poster machen zu können, sind sie sehr glücklich, erwarten das aber nicht unbedingt.

Was der Business-Kunde erwartet

Business-Kunden erwarten, dass sie die beauftragten Fotos in hoher Auflösung erhalten. Bildnutzungsrechte werden entweder pauschal abgetreten oder nach Nutzung gestaffelt angeboten.

Unbearbeitete Raw-Files werden selten verlangt.

Was das TfP Model erwartet

Die meisten TfP Models sind mit der Lieferung einer bestimmten Menge an bearbeiteten Fotos in hoher Auflösung zufrieden. Manche verlangen darüber hinaus alle Rohdateien. Ob der Fotograf darauf eingeht, muss er selber wissen.

Gründe für das Aushändigen der Rohdaten

Folgende Gründe werden vom Kunden oft genannt

  • „Die Bilder sind doch ohnehin gemacht, die können Sie doch auch schnell auf einen USB-Stick ziehen?!“
  • „Wollen Sie mich etwa doppelt abkassieren?“
  • „Bei Fotograf XY bekomme ich aber die Rohdaten!“

Manche Fotografen, die so fotografieren, dass das Bild bereits in der Kamera fertig wird, möchten ihre Kunden optimal bedienen und haben kein Problem damit, die Rohdaten zu übergeben.

Gründe gegen das Aushändigen der Rohdaten

Wie oben beschrieben sind Rohdaten in vielen Fällen einfach noch nicht fertig und nicht dafür geeignet, dem Kunden ausgehändigt zu werden. Das wäre ungefähr so, als würde man im Bäckerladen eine Tüte Mehl und ein Päckchen Hefe bekommen mit der Bitte, das doch zu Hause aufzubacken.

Wie ich es mache

Ich selber mache in aller Regel keine Reportage-Fotografie, sondern einzeln inszenierte Aufnahmen. Bei meiner Art zu arbeiten ist eine Nachbearbeitung erforderlich und wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Daher bekommen meine Kunden keine unbearbeiteten Rohdaten, sondern so viele bearbeitete High-Res Daten, wie vereinbart war. Mit den oben beschriebenen Argumenten kann ich das auch nachvollziehbar erklären.

Was ich empfehle

Die Entscheidung, ob man unbearbeitete Rohdaten aushändigt oder nicht, muss zur eigenen Arbeitsweise passen. Dann wird man auch kein Problem damit haben, dem Kunden seine Entscheidung zu erläutern.

Wie ist das bei Euch? Gebt Ihr den Kunden die unbearbeiteten Rohdaten? Wenn ja, warum? Und wenn nein, warum nicht?

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Fotograf in Heidelberg und gebe mein Wissen und meine Erfahrung als Business-Coach für Kreative weiter. Mehr

33 Kommentare

  • schoder sagt:

    Hallo Michael,
    in meiner Praxis kommt es durchaus vor, dass ich „Rohdaten“ mitgebe, wenn diese vom Kunden bezahlt bzw in Auftrag gegeben wurden. Dabei handelt es sich aber nicht um die RAW-Formate, sondern um hoch aufgelöste und bearbeitete JPGS. Erfahrungsgemäss können meine Kunden mit den RAWs eh nicht viel anfangen und natürlich würden, wie bereits erwähnt, die gemachten Bearbeitungen fehlen.
    Wir zeigen dem Kunden auch eher nur die bearbeiteten Bilder, entsprechend würden wir mit den RAWs dann nicht das Produkt liefern, das der Kunde bei der Auswahl von uns zu sehen bekommt…
    Gruss Christoph

  • Andreas Zopf sagt:

    Auf gar keinen Fall!

    Wenn eine Agentur die RAW-Files unbedingt möchte (und auch zahlt!) passt es.
    Aber bei Privatkunden: NO GO! 😉

    Lg Andreas von Zopf-Photography KG

  • Frank Deuble sagt:

    Ich fotografiere ausschließlich in RAW, schon alleine um ein Durcheinander mit doppelt vorhandenen Bildern zu vermeiden. Ich sehe das RAW dabei auch im Wortsinn als Rohmaterial an, das bearbeitet werden muss. Beim JPG macht das ja die Kamera. Daher gehen die RAWs auch niemals raus. Im Rahmen der ohnehin notwendigen Selektion wandle ich in JPG um. Einen speziellen „Look“ könnte ein Kunde oder Model technisch ja auch einem hoch aufgelösten JPG mit geringer Kompression noch verpassen. Daher halte ich unabhängig davon, was man an Daten raus gibt, die vertragliche Regelung dessen, was mit den Bildern gemacht werden darf für wichtig. Nicht dass man nachher mit irgendwelchen schrägen Bearbeitungen, die auf den eigenen Bildern basieren, in Verbindung gebracht wird.

  • Joachim sagt:

    Ich arbeite manchmal für andere Fotografen oder Agenturen, und liefere quasi Footage das ich mit meinem Multikopter erstelle. Denen gebe ich dann auch die Rohdaten. Dann können Sie die Aufnahmen selbst bearbeiten.
    Bei privat mach ich das nicht. Die können das RAW normalerweise eh nicht öffnen.

  • Simon sagt:

    Ich gebe auch nie Rohdaten raus, da ich auch Reportagen meistens noch im Bildausschnitt und bei der Farbdynamic + Kontrast bearbeite und somit sind die Ergebnisse natürlich immer anders als aus der Kamera direkt. Auch bei Aufwändigeren Beauty Shootings kauft der Kunde ja schließlich meinen Bearbeitungsstil mit und ich mag nicht Fotos von mir veröffentlicht wissen, mit denen ich mich selbst nicht identifiziere.

  • Roland sagt:

    In meinen Auftragsbedingungen steht: „Jede Änderung, Bearbeitung oder Nachahmung der zur Nutzung überlassenen Werke ist unzulässig, solange nicht das Recht auf Bearbeitung schriftlich und gegen Honorar eingeräumt wurde.“
    Insofern könnte der Kunde auch die RAW’s gerne haben, da er damit ja nichts machen darf. 😉

  • Markus sagt:

    Das höchste der Gefühle, was ich ausgebe sind generierte PSD-Dateien, um die Farbtiefe zu erhalten, die bei JPG´s ja etwas leidet. Aber grundsätzlich eher die voll aufgelösten JPG´s, für die ich bezahlt wurde. Echte Rohdaten würde ich nicht rausgeben.

  • Manfred sagt:

    Niemals Rohdaten an Kunden außer es wurde genau so bestellt. Wie oben beschrieben Kauf bei einem Bäcker eine Semmel und du bekommst auch nur das fertige Produkt!

  • Christian sagt:

    Ich würde gerne den Punkt „Digitaldaten für Privatleute“ rausgreifen.

    Mir fällt zunehmend auf, dass Fotografen die aus der klassischen Ausbildung kommen, (noch) nach dem Modell „Geld für den Abzug“ arbeiten. Ich kann das mittlerweile gar nicht mehr nachvollziehen. Dass man Abzüge auch anbietet, finde ich ja noch okay, aber dass halbwegs moderne Kunden keine hochaufgelösten JPGs bekommen, geht gar nicht. Facebook mag zwar ein prominenter Fall sein, aber das eigene Fotobuch, digitale Bilderrahmen und diverse andere Anwndungsfälle sind doch heute Standard. Verlangt doch einfach Stundensätze oder Preise pro Bild. Das ist in anderen Branchen doch auch üblich. Wenn man mehr machen will kann man ja noch für Facebook optimierte Zuschnitte anbieten oder sonstige Zusatzarbeiten.

    Außerhalb des Bereiches Fine Art ist der Fotograf doch ein klassischer Dienstleister!

  • Ich händige keinem Kunden RAW Dateien aus, aus dem Grund wie schon genannt, das sie nicht für den Kunden optimiert sind und nicht meine Handschrift haben. Damit wird dann ein falsches Bild von mir vermittelt

  • laderio sagt:

    Ich bin ja nur Hobby Fotograf, fotografiere aber selbst nur im RAW Modus.
    Wenn ich nun zu einem Fotograf gehe um Fotos zu bekommen, möchte ich ja nicht schlechter da stehen als mit den eigenen Bildern.
    Und auch im RAW Bild kann man ja eine Bearbeitung speichern.
    Vermutlich ist das aber sicherlich der Normalfall eines Kunden.
    Allerdings bekomme ich von meinem Fotografen auch die RAW Daten.

    Und Anwendungsfälle gibt es doch genug. Der Fotograf hat in 20 Jahren vielleicht die Originale nicht mehr. Die Technik hat sich aber weiter entwickelt und ich benötige nun ein anderes Ausgabeformat, evtl. können Monitore nun 16 Bit darstellen usw. Dann möchte ich doch nicht blöd da stehen…

  • Jochen Kubik sagt:

    Hallo Michael,
    eine sehr interessante Disskusion, wie ich glaube. Als erstes will ich sagen, daß das alte Geschäftsmodell, das auf die Nachbestellung von Abzügen basiert,und man deshalb keine Originaldaten (früher Negative) rausgibt, meines Erachtens schon sehr lange nicht mehr zeitgemäß ist. Viele Privatpersonen wollen ihre Bilder selbst digital weiterverarbeiten und sollen das auch können. Ich selbst bearbeite bei Reportagen (alle auf RAW) jedes Bild einzeln und gebe die gelungenen Bilder als voll aufgelöste, bearbeitete jpg raus. Damit kann der Kunde machen was er will. Ich wurde bezahlt die Bilder zu fotografieren und habe auch die Zeit der Bearbeitung mit einkalkuliert. Wenn die Kunden aus Gründen der Datensicherheit (meist vertrauen sie aber meiner Sicherung mehr als der ihrigen 😉 die RAWs wollen, können sie sie ruhig haben (samt LR Katalog und damit mit der Verarbeitung).
    Natürlich gibt es auch den Fall, daß der Kunde selbst professionell Bilder verarbeitet (Argentur), warum sollte ich ihm dann kein professionelles Material in Form von RAWs oder PSDs liefern? Nur aus Prinzip?
    Grüße aus Ludwigsburg
    Jochen Kubik

  • Anne sagt:

    Hallo Michael,
    vielen Dank für den Artikel und die Anregung zur Diskussion.
    Auch bei mir ist es so, dass ich Zeit und Liebe in die Nachbearbeitung investiere und das RAW somit nur die Grundlage dafür ist. Dieses bleibt dreifach gesichert hier bei mir und meine Auftraggeber bekommen fertige JPEG in hoher Auflösung mit dem Hinweis, dass eine spätere Änderung nur mit meiner Zustimmung erfolgen darf.
    Bisher hatte ich da noch nie Probleme.
    Es grüßt aus Schwerin
    Anne

  • Birgit sagt:

    RAW-Daten sind Rohdaten – nicht optimiert, nicht bearbeitet. Die bleiben bei mir. Hochaufgelöste JPEG`s bekommt der gewerbliche Kunde, auf Wunsch auch TIFF`s, natürlich alle bearbeitet. Der private Kunde bekommt auf Wunsch niedrigaufgelöste JPEG`s für facebook oder seinen Fernseher kostenlos und/oder hochaufgelöste JPEG`s bis 13×18 cm gegen extra Honorar.
    Ich habe noch viele private Kunden, die ganz altmodisch Papierabzüge haben möchten, die auch nicht im digitalen Zeitalter leben. Den Nachbestellpreis habe ich an den hier vorhandenen Markt angeglichen. Teilweise hole ich mir damit eine Entlohnung für den manchmal doch überdurchschnittlich hohen Aufwand für Nachbearbeitung bei Reportagen oder outdoor-Aufnahmen.
    VG

  • Daniela sagt:

    Frage des Vertrages, wie ich dies mit meinem Kunden aushandle. Was aber sehr selten vorkommt. Bilder werden als JPG`s in großer und kleiner Auflösung an Kunden ausgehändigt. Ich wähle aus, Anzahl der Bilder war immer mehr als ausreichend für meine Kunden. RAW bleiben im hause und verlassen ohne vorherige vertragliche Vereinbarung das Büro nicht.
    Grüsse Daniela

  • Da die Rohdaten, sprich die RAW-Dateien, im Zweifelsfalle oder juristischen Klärungsfall auch regelmässig als tatsächlicher anerkannter Urhebernachweise gelten, sollte man diese meiner Ansicht nach (außer bei einem Total Buy Out) niemals heraus geben. Man weiß eventuell nie was kommt oder in Zukunft geschieht, ist es vielleicht einmal erforderlich, dass man seine Urheberschaft nachweisen muss, weil Dritte das Bild unberechtigt verwenden, gar kommerziell? Und da ist die RAW-Datei der anerkannteste juristische Nachweis.

  • HL-Photo.com sagt:

    Also ich als professioneller Hochzeitsfotograf bearbeite alle Bilder mit meinem Look (Farben, Bildausschnitt etc.) und die Kunden bekommen immer die gesamten Fotos als bearbeitete JPGs in höchster Auflösung auf einen Datenträger (Festplatte, Stick DVD etc). Denn letztendlich kauft der Kunde meinen Fotografie-Look ja mit und er bezahlt ja nicht wenig dafür. Würde ich die Aufnahmen im RAW-Look lassen, könnte man sie mit den Endbildern in keinster Weise vergleichen und mich als Fotograf auch nicht wiedererkennen.
    Auch die Bildrechte kauft sich der Kunde bei mir gleich mit (ausgenommen kommerzieller Verwendung!)
    Ich hatte wirklich noch nie den Wunsch eines Kunden die Bilder im RAW-Format zu bekommen und sie selbst zu bearbeiten. Erstens glaube ich, dass dies die allermeisten Kunden gar nicht können würden und zweitens sind sie immer sehr froh darüber schon die druck- und präsentierfähigen Endprodukte zu bekommen.

  • Martin sagt:

    RAW = Rohdaten – das sagt doch eigentlich schon alles.
    Natürlich muss ich je nach Auftrag, Location etc. mehr oder minder nachbearbeiten, aber die Kunden erwarten ein fertiges Bild,
    Ich fotografiere ausschließlich im RAW-Format und der gewerbliche Kunde bekommt hochaufgelöste TIFF’S, dazu 300dpi JPG’s und 72dpi JPG’s oder PNG für die Onlinegeschichten.
    Privatkunden mögen ohnehin fast ausschließlich Abzüge oder Drucke.
    Die Datensicherung überlassen alle meine Kundenm sowieso lieber mir.
    Und dass Kunden – egal ob gewerblich oder privat – sich selbst in der Bildbearbeitung versuchen wollen, würde ich grundsätzlich ablehnen. Das Ergebnis wird in den meisten Fällen nicht wirklich überzeugen und dann trägt natürlich der Fotograf die Schuld am miesen Ergebnis.
    Die wenigsten Kunden werden ohnehin nicht in der Lage sein, RAW-Daten zu bearbeiten, wenn sie diese überhaupt öffnen können.

  • Heiko sagt:

    Ich bin selber „nur“ Hobbyfotograf und habe in der Vergangenheit bei wichtigen Events, an denen ich beteiligt war, immer wieder Fotografen beauftragt.
    Ich habe Verständnis dafür, wenn der Fotograf die Rohdaten oder Negative nicht herausgeben will.
    Allerdings habe ich mir schon in der Vergangenheit zusichern lassen, die Negative dann zu bekommen, wenn der Fotograf sie nicht mehr selbst aufbewahrt. das war in der Regel nach 10 bis 15 Jahren der Fall. Und heute würde ich keinen Fotografen beauftragen, der mir zu einem solchen Event nicht die Rohdaten aushändigen würde.
    Nicht dass ich glaube, ich könnte die Bilder auch nur ansatzweise selbst mit den Ergebnissen bearbeiten, die ich gekauft habe.
    Aber die Erinnerung an das Ereignis ist mir eben mindestens genauso wichtig, wie die Bilder selber.
    Und da ich in der IT tätig bin, muss ich gestehen, dass ich meinem Backup-Prozess mehr Vertrauen schenke, als dem der meisten Fotografen. Ich engagiere einen Fotografen, um gute Bilder zu machen. Wenn ich eine ausgefeilte Backup-Strategie benötige, hole ich mir einen IT Fachmann aus diesem Bereich.

    Und ein Fotograf, der für diese Argumente kein Verständnis hat, ist eben nicht der richtige Fotograf für mich. Auch das ist für mich Teil des Auswahlprozesses, nicht nur der Look, der mir gefällt.

  • blue-skies sagt:

    Alles eine Frage der vorherigen Vereinbarung. Beauftrage ich einen Fotografen für meine Agentur, behalte ich mir immer vor, auf Anforderung auch die RAW-Daten zu erhalten. Klar, ich buche einen Fotografen auch wegen des persönlichen Looks seiner Bilder, der natürlich auch durch dessen Bildbearbeitung entsteht. Aber manchmal muss ich mit den Bilder doch mehr machen oder anders umgehen als ursprünglich geplant. Und da ist dann meine Kreation meist schneller (und oft auch besser) als der Fotograf …

  • laderio sagt:

    Da ich auch in der IT arbeite, würde es mich ja mal interessieren wie die Fotografen hier ihre Bilder sichern.

    @JOCHEN KUBIK, ANNE, Martin
    erzählt doch mal 😉
    Der Rest darf natürlich auch gerne erzählen.

  • Saylor70 sagt:

    Also ich sehe das auch kritisch mit dem Recht – wenn ich meine Originale und das sind nun mal die Rohdateien weggebe, verliere ich auch jegliches Recht am eigenen Bild. Das heist ein Kunde kann machen was er will oder nicht will damit. Er kann ein spitzen Bild daraus machen und es meistbietend verkaufen, sich mit „fremden Federn“ schmücken oder es schlecht machen und meinen Ruf ruinieren.

    Es ist ein Geschäft und Ich liefere Qualität, ein fertiges Produkt

  • Ich habe bei Fragen nach RAW eine Standardantwort:

    „Da die RAW-Entwicklung genau so wie das Fotografieren selbst einen Teil des kreativen Gesamtprozesses darstellt, können wir Ihnen diese Dateien leider nicht zur Verfügung stellen. Wie bitte um Ihr Verständnis!“

  • laderio sagt:

    Man kann Brötchen kaufen.
    Man kann Teig kaufen.
    Man kann die Zutaten kaufen.

    Wenn der Bäcker keinen Teig verkauft, dann kauft man den woanders 😉
    Andererseits kaufen sicher auch viele die fertigen Brötchen.

  • Chris sagt:

    Was macht denn ein Kameramann, wenn er sein Drehmaterial abgibt? Nichts anderes als Raw-Daten rausgeben. Was aus seinem Material geschnitten wird und wie es nachbearbeitet wird, hat er nicht in der Hand. Der Kunde ist König und wenn er entsprechend bezahlt, soll er halt die Raw-Daten haben. Spart Euch die Nachbearbeitung und fühlt Euch bitte nicht in Eurer Künstler-Ehre gekränkt.

  • Wolfgang sagt:

    Eine sehr interessante Diskussion um diese Frage. Wir haben bisher auch keine RAW-Dateien herausgegeben. Nun haben wir eine Anfrage für eine größere Hochzeitsreportage, die da u.a. lautet:

    „…Wir möchten als Ergebnis die digitalen Fotos bekommen in einem bearbeitbaren Format (RAW). Eine Nachbearbeitung oder Fotobücher möchten wir nicht beanspruchen…“

    Den Auftrag direkt in unserer Nachbarschaft würden wir natürlich gerne ausführen, aber was nun?

  • pixel sagt:

    Ich sehe es aus dem rechtlichen Aspekt ähnlich, wie von anderen und zum Beispiel Björn Nickolas geäussert. Die Dateien im RAW-Format sind zunächst meine Arbeitsgrundlage und Eigentum. Das Arbeistsergebnis stellen die fertigen Bilder als JPEG oder Ausdrucke dar, die ebenso bezahlt werden, wie die Arbeit bis dahin. Ein Schreiner gibt auch nicht sein Handwerkszeug mit jedem Auftrag aus der Hand. Eine eventuelle Herausgabe einer RAW-Datei muß vertraglich genau definiert werden und eben auch entsprechend angemessen honoriert werden. In meiner beruflichen Arbeit habe ich niemals meine RAW-Dateien herausgegeben und es hatte auch nicht wirklich jemanden interessiert. Nur in Einzelfällen hatte ich aus bearbeiteten(!) RAW-Daten auch mal ein 16-Bit-TIFF generiert und weiter gegeben. Ergänzend sei noch angefügt, daß auch nach einer Bearbeitung und in weitergegebenen Endaten die EXIF-Daten und alles was nicht in die Bilddatei gehört, Ausnahme die Farbprofile, gelöscht werden. Diese Daten sind eh unerheblich und stimmen nach einer Bearbeitung nicht mehr.

  • Jens sagt:

    Ich habe vor ca. 12 Jahren mal Bilder von unserem damals 3 Monate altem Sohn, meiner Frau und mir machen lassen, und habe die Fotografin gebeten, mir die Rohdaten zu geben. Sie hat das ziemlich unfreundlich abgelehnt.
    Heute würde ich gerne weitere Abzüge bestellen, weil ein Bild beschädigt ist. Das Foto Studio gibt es aber leider nicht mehr, hat wohl irgendwann geschlossen…

  • Wolfgang sagt:

    Hallo Jens,
    das ist natürlich Pech, kann aber immer irgendwie passieren.

    Anstelle der RAW-Dateien (2002: gab es da schon sowas?) hättest Du vielleicht nach dem Preis für optimierte JPG-Dateien fragen können. Die kann man – gegen angemessene Vergütung – meistens erwerben.

  • Madlen sagt:

    Ich habe dazu auch eine Frage als betroffener Kunde.
    Unsere Fotografin möchte für mein Schwangerschaftsshooting einen vereinbarten festen Stundenpreis sowie eine Gebühr pro Bild, so wie vorher auch vereinbart.
    Als ich aber auch gern die Bilddatei in digitaler Form wollte, für evtl. spätere Vergrößerungen o.ä. verlangte sie plötzlich dafür auch noch eine extra Gebühr von zusätzlichen 10€ pro Bild ( da ist bereits ein Rabatt von 10€ eingerechnet)
    Bei 20 Fotos sind es also schon 200€ allein nur für die digitale Bildform.

    Ist das denn so Rechtens, schließlich ist es kein Shooting das ich jederzeit wiederholen kann. ( Babybauchshooting)
    Ich fühle mich also sozuagen gezwungen für alles drum und dran 400€ auszugeben, um diese Fotos überhaupt zu erhalten.

    Was halten Sie als Fotograf davon?

  • Claudia sagt:

    Interessante Diskussion. Ich hatte diese Frage in der letzten Zeit sowohl privat als auch beruflich, in beiden Fällen als Kundin. Dazu ein paar Gedanken:
    – Nur weil der Fotograf die Raw-Dateien herausgibt, gibt er ja nicht sein Urheberrecht ab. Das kann er gar nicht, selbst wenn er wollte. Zudem hat er ja die Raw-Dateien noch, er gibt ja nur eine Kopie weiter. Außerdem sollten in den Raw-Dateien seine Urheberangaben stehen.
    – Als Kundin habe ich mit dem Honorar die Fotos gekauft – es geht mir nicht darum, irgendwelche unbearbeiteten Raw-Dateien zu bekommen (ich bezahle ja den Fotografen auch für die Bearbeitung und Optimierung), sondern die bearbeiteten in der Form, die sie haben, bevor sie in jpg umgewandelt werden. Dabei denke ich persönlich zugegebnermaßen meist nicht daran, dass bei manchen Fotografen vieles erst in Photoshop passiert – einfach aus dem Grund, weil ich bei meiner eigenen Fotografie praktisch nichts in Photoshop mache, sondern nur in Lightroom. Der Fotograf könnte mir in diesem Fall aber auch einfach seine in Photoshop bearbeitete Datei als unkomprimiertes .tiff exportieren. Wenn ich nach den Raws frage, kann er mir das ja anbieten.
    – Ich würde nie auf die Idee kommen, aus einer mir von einer Fotografin gelieferten Raw-Datei etwas komplett anderes zu basteln und es dann womöglich unter meinem Namen (oder dem der Fima) zu veröffentlichen. Nie! Manchmal brauche ich aber aus vorhandenen Files einen anderen Ausschnitt, einen anderen Weißabgleich (damit das Foto farblich zu anderen Fotos im selben Medium passt, die vielleicht von einem anderen Fotografen stammen oder in einer anderen Lichtsituation entstanden sind) oder Ähnliches. Es ist im Vorhinein kaum absehbar, für welchen Zweck ich welche Fotos evtl. noch brauchen könnte. Manchmal ist das Jahre später. Dann hätte ich mit den Raws (oder Tiffs) maximale Flexibilität. In diesem Zusammenhang würde ich das oben geäußerte Argument unterschreiben, dass ich mit den Fotos des Fotografen nicht schlechter dastehen möchte als mit von mir selbst gemachten Fotos (fotografiere immer in Raw).
    – Für mich ist es selbstverständlich, bei gekauften Fotos bei einer Veröffentlichung stets den Urheber anzugeben. Punkt.
    – Wenn mir ein Fotograf zusätzlich zum genannten Honorar für ein Shooting noch 200 Euro für die Raw-Files abnehmen will, finde ich das nicht nachvollziehbar. Für ihn ist es keine zusätzliche Leistung. Die Raw-Datei ist auch nicht sein Handwerkszeug. Sein Handwerkszeug ist sein Equipment und sein Knowhow in Fotografie und Bildbearbeitung. Das gibt er nicht aus der Hand. Er kann in seine AGB hineinschreiben, was ich mit den Fotos nicht machen darf, und dann halte ich mich daran. Meinetwegen kann er das, wenn er unbedingt will, auch in sein Honorar einpreisen. In meinem Bereich geht es allerdings fast immer um reportageartige Fotos, wo es nicht um einen künstlerischen Anspruch oder aufwändige Bearbeitung einzelner Fotos geht, sondern um die Dokumentation von Events oder Sachfotografie.
    – Das Argument, dass der Kunde bei der Lieferung der Rohdaten sieht, wie „schrecklich“ sein Rohmaterial vor der Bearbeitung ausgesehen hat, überzeugt mich nicht. Wenn ich mich als Fotograf für mein Rohmaterial schämen muss, mache ich etwas falsch. Im Endeffekt interessiert das Ergebnis (und dieses hätte ich gern als Kundin in maximaler Auflösung und ohne Verluste durch jpg-Komprimierung).
    – Letztlich macht es bei mir als Kundin kein gutes „Gefühl“ bei der Zusammenarbeit, wenn um jeden Service gefeilscht wird und ich um jedes Quäntchen Auflösung oder was auch immer extra „betteln“ muss. Ich zahle gerne etwas mehr für das Gesamtpaket, wenn sich der Fotograf als Dienstleister sieht und mir im Zusammenhang mit meinen Fotos (d.h. seinen Fotos, deren Nutzungsrecht ich gekauft habe) alles liefert, was ich will, ohne lange herumzudiskutieren.

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