Fragen an FOTOGRAFRReportage + Presse

Honorar für an eine Zeitung unverlangt eingeschickte Fotos

Markus schreibt mir:

Hallo Michael,

letzten Sommer habe ich auf unserem Fluss Vogelbilder gemacht, von denen ich zwei an die Zeitung verkaufen wollte, weil die abgelichteten Ereignisse relativ selten vorkommen (Schwanenpaar mit 9 Küken und zwei Nilgänse). Die Bilder habe ich der Zeitung gegen Zahlung eines Honorars angeboten, was abgelehnt wurde (man habe bereits genügend Schmuckbilder).

Mit einem Bekannten habe ich mich darüber unterhalten und er meinte, dass es üblich sei, nur bestellte Fotos zu bezahlen, also den eigenen Hausfotografen bzw. freie Mitarbeiter.

Ist es tatsächlich üblich, dass ein Verlag nur verlangt eingesandte Bilder bei Abdruck bezahlt?

Hallo Markus, vielen Dank für Deine Frage.

Ich selber arbeite sehr selten für Tageszeitungen, unter anderem wegen des (geringen) Honorars, das bei solchen Aufträgen zu erzielen ist.

Dass eine Tageszeitung für ein Foto von einem Schwan kein Honorar zahlen möchte, wundert mich aber nicht. Wahrscheinlich hat die Zeitung einen Rahmenvertrag mit einer Bildagentur, sodass sie nicht jedes einzelne Foto dort bezahlen müssen. Oder sie kennen genügend Hobbyfotografen, für die es eine Ehre ist, mit ihrem Schwanenfoto gegen Nennung des Namens abgedruckt zu werden. Es dürfte für eine Tageszeitung also kein Problem sein, ein Foto von einem Schwan zur kostenlosen Veröffentlichung zu bekommen.

Auch wenn es eine schlechte Nachricht für Dich ist, ärgere Dich nicht zu sehr darüber. Auch ich mache genügend Fotos, nur weil ich selber Freude daran habe. Eine kommerzielle Verwendbarkeit muss nicht immer im Vordergrund stehen. Lass Dir also den Spaß an der Fotografie nicht verderben.

Vielleicht kann sich auch einer meiner Leser, der sich im Tageszeitungsgeschäft besser auskennt als ich zu dem Thema äußern. Danke.

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Fotograf in Heidelberg und gebe mein Wissen und meine Erfahrung als Business-Coach für Kreative weiter. Mehr

11 Kommentare

  • Anita Zander sagt:

    Ich kenne es auch nur so, das nur für angeforderte Bilder ein Honorar gezahlt wird. Bei uns ist es so das die Tageszeitung anruft und fragt ob wir was im Archiv haben und wir dann eine Auswahl schicken die dann bezahlt wird.
    lg Anita

  • Werner sagt:

    Hallo Markus,

    eigentlich sehe ich da kein Problem. Du hast einer Zeitung 2 spezielle Fotos angeboten und die Redaktion hat Dir geantwortet, dass kein Bedarf an Deinen Fotos besteht. Ganz einfach!

    Oder habe ich das falsch verstanden?

    Bildagenturen machen das genauso. Ich kann einer Agentur ein Foto anbieten. Und die sagen ok, wir nehmen es in den Katalog auf oder Sie lehnen es ab, weil es ihren Kriterien nicht entspricht.

    Meine Erfahrung ist, dass Bilder von Tageszeitungen in der Regel natürlich honoriert werden, wenn Sie genutzt und gedruckt werden. Ob das Honorar dann angemessen ist, ist eventl. Verhandlungssache. Das kommt darauf an, wie wichtig das Bild ist oder ob es genormte Honorare gibt, die nicht verhandelbar sind. Man muss es ja eventl. nicht an diese Zeitung weitergeben, wenn man mit der Bezahlung nicht einverstanden ist.

    Und natürlich haben meistens die „Hausfotografen“ oder festen „freien Mitarbeiter“ Vorrang, bzw. wenn an bestimmten Themen Bedarf besteht, dann werden diese Themen dort in Auftrag gegeben.

    Was nicht heißt, dass Zeitungen grundsätzlich nicht an „fremden“ interessanten Bildern Interesse haben. Aber das ist wie eine Inititivbewerbung auf eine Stelle. Wenn keine Stelle frei ist gibts auch keinen Arbeitsvertrag.

    Ist die Frage, was Du willst:

    Willst Du für die Zeitung arbeiten? Dann frage nach Aufträgen und Honoraren. Biete Deine Mitarbeit an. Vielleicht klappts, vielleicht nicht.

    Willst Du nur mal hin und wieder gute Fotos anbieten, dann gehe davon aus, dass sie selten genommen werden, was nichts mit der Qualität zu tun hat. Und verzichte am besten NICHT auf ein angemessenes Honorar.

    LG Werner

  • Hi,

    Tageszeitungen brauchen einen lokalen Bezug und eine nachrichtliche Relevanz. Das Bild mit den Schwänen bietet da nicht viel. Wenn Du ins Wasser gegangen wärest, die Schwäne im Vordergrund und die Silhouette der Statt dahinter…. 🙂 Oder noch besser: der Bürgermeister dahinter, der gerade die neue Hochwassersperre besichtigt. OK, das wäre vielleicht ein Bild geworden, was man genommen hätte.

    Aber es ist vermutlich einfach so wie in der Antwort formuliert wurde: eigene Fotografen bzw. freie Mitarbeiter liefern diese Art von Schmuckbildern bereits in ausreichender Menge. Der Bedarf ist also nicht da.

    VG
    Christiian

  • Marco Morath sagt:

    Hallo.

    Es gibt den Begriff der unbestellten Leistung (§ 241a BGB). Es liegt in der Natur der Sache, dass für unbestellte Leistungen keine Zahlung erfolgen muss. Für ein wirksames Rechtsgeschäft sind (bis auf wenige Ausnahmen) zwei übereinstimmende Willenserklärungen erforderlich.
    Das Angebot lag vor, nicht jedoch die Annahme. Somit konnte kein Vertrag zustande kommen.

    Stellen Sie sich einmal vor, ein Autohaus würde Ihnen ein beliebiges Fahrzeug liefern, ohne dass Sie es bestellt haben, und dafür dann 28.000,00 € verlangen. Auch in diesem Fall wäre der Kunde nicht zur Zahlung verpflichtet – er hat das Auto nicht bestellt.

    Im übrigen ist es empfohlen vor der Zusendung des Materials kurz beim (möglicherweise zukünftigen) Vertragspartner anzufragen, ob Interesse besteht.

    Freundliche Grüße

    M. Morath

  • Ralf Teufer sagt:

    Hallo zusammen,

    auch mich wundert es nicht, dass dieses Angebot abgelehnt wurde. Man kann nicht erwarten, dass unverlangt eingesandtes Material auch tatsächlich gekauft wird. Das Ablehnen ist bei einem Angebot ja auch eine der möglichen Optionen. Ich persönlich würde mich ja auch nicht verpflichtet fühlen etwas zu kaufen, was mir unverlangt zugesandt wurde. Mögliche Gründe für die Ablehnung eines Angebotes gibt es sicher viele. Gerade Zeitungsredaktionen werden häufig „zugeschmissen“ mit Bild- und Textmaterial und der Platz in der Zeitung ist begrenzt. Nicht zu vergessen auch die Frage der Aktualität. In Zeiten des Internets können sich die Printmedien nur noch „halten“, wenn Sie immer möglichst aktuelles Material bekommen. Und nicht alles, was man selbst für höchst interessant hält, ist ein Thema für die „breite Masse“. Ein anderer Aspekt ist vielleicht auch das zur Verfügung stehende Budget einer Tageszeitung (ich weiß ja nicht wie hoch die Auflage der besagten Zeitung ist).

    Wie Michael auch schon andeutete, gibt es (leider) im digitalen Zeitalter ganze Heerscharen von Hobbyfotografen, die ihre Bilder kostenfrei und ohne Anspruch auf weitere Verwertungsrechte gerne zur Verfügung stellen, in der Hoffnung, das wenigstens ihr Name bei der Veröffentlichung erscheint. Nicht das ich falsch verstanden werde, das alles ist verständlich und ich kann das auch aus der Sicht derjenigen verstehen, die sich dann darüber freuen und stolz darauf sind, aber für Berufsfotografen ist es leider auch Existenz bedrohend.

    Aber davon abgesehen, kann man ja auch eine Ablehnung eines Angebots nutzen, um ins Gespräch zu kommen. Vielleicht ergibt sich ja ein anderes Mal eine Chance, oder es gibt Bedarf für Bildmaterial zu einem anderen Thema. Bei kleineren Tageszeitungen hat man vielleicht auch eher die Chance mal einen persönlichen Kontakt herzustellen und darüber vielleicht „ins Geschäft zu kommen“.

  • Markus sagt:

    Dankeschön für die Einschätzung. Mitlerweile habe ich weitere Aussagen, die in die selbe Richtung gehen. Schade eigentlich.

    Der Vollständigkeit halber noch was zum Hintergrund: Die Zeitung hatte die Bilder mit der Begründung abgelehnt, dass man bereits genügend Schmuckbilder hätte. Das kann ich soweit auch nachvollziehen und nur des Abdrucks mit Namensnennung wegen hätte ich die Bilder auch nie eingereicht.

    In dem konkreten Fall zeigten beide Fotos eine Besonderheit. 9 Schwanenküken kämen wohl relativ selten vor und auch die Nilgans kommt hier normalerweise nicht vor, sondern wird nach Überwindung von Gefangenschaft hier heimisch. Die Fotos zeigen also relativ seltene Ereignisse und ich dachte, für eine Lokalzeitung sei das irgendwie relevant, daher auch meine Honorarforderung. Aber das ist natürlich ein anderes Thema. Normalerweise würde ich der Zeitung auch keine kostenlosen Bilder überlassen. Warum sollte man einem kommerziell ausgerichteten Unternehmen schon etwas schenken? Soweit geht meine Eitelkeit dann doch nicht. 🙂 Aber nicht nur deswegen. Ich hätte auch das Gefühl, an der weiteren Zerstörung des Marktes Anteil zu haben.

  • Ralf Teufer sagt:

    @Markus

    Vielleicht noch ein Tipp: Es gibt einige Fotozeitschriften, die sich speziell dem Thema Naturfotografie verschrieben haben. Dort sitzen auch i. d. R. kundige Redakteure, die die Besonderheit des Motivs einschätzen können. Da würde ich mir eher Chancen ausrechnen. Wenn dann noch ein paar Informationen in Textform dazugereicht würden, könnte es klappen. Normalerweise wird bei Annahme dann auch ein Honorar gezahlt. Einfach mal versuchen.

    Herzliche Grüße

    Ralf Teufer

  • Sven sagt:

    Also wegen dem Lokalteil verliert mit Sicherheit kein Berufsfotograf seinen Job. Dafür wurden schon zu analogen Zeiten schlecht bezahlte Freelancer (Hobbyfotografen) genutzt, die oft nich mal den Sprit für die Fahrten von Event zu Event zusammen bekommen haben. Die Filme hat man dann stückchenweise aus der Kamera geschnitten, um Material zu sparen.Ausserdem schicken die Zeitungen längst nicht mehr überall jemanden hin, wenn man bspw. einen Event lancieren will muss man die Bilder schon selbst beibringen und zwar umsonst, früher nach 2 Stunden Duka-Arbeit und Lieferung in die Redaktion. Und wenn man so etwas dann doch für lau macht, dann eben um den Veranstalter, neudeutsch, meist eine Non-Profit-Organisation einen Gefallen zu tun. Oder eben um mal vernünftige Bilder in der Kreiszeitung zu sehen.

    Schwanenkücken und Nilgänse wird nur jemand kaufen, des sich auch dafür interessiert. Gut ist wie gesagt auch wenn ein paasender Text, sprich spannender Artikel dabei ist. So etwas bietet man am besten einem kleinen „Nischen-“ Magazin an. Dann kann man schon auch mal einen 2-Seitigen Artikel mit Bildstrecke unterbringen und ich über einen Scheck in der Post freuen. Denn nicht vergessen für Text gibt es ausserdem Zeilenhonorar.

    Gruss, Sven.

  • Markus sagt:

    Hallo Leute,

    danke für euer Feedback. Aber um das klarzustellen: Ich habe selbstverständlich kein Problem mit der Ablehnung an sich. Es ist deren freie Entscheidung, ob sie das Bild nehmen oder nicht. Mein Ego verkraftet das. 🙂

    Mir ging es bei meiner Frage nur grundsätzlich darum, ob es üblich ist, dass unverlangt eingesandte Fotos nur dann genommen werden, wenn sie honorarfrei überlassen werden oder ob man durchaus mit einer Honorarforderung Erfolg haben kann. Mehr nicht.

  • Sergio sagt:

    Markus schrieb: ….Mir ging es bei meiner Frage nur grundsätzlich darum, ob es üblich ist, dass unverlangt eingesandte Fotos nur dann genommen werden, wenn sie honorarfrei überlassen werden oder ob man durchaus mit einer Honorarforderung Erfolg haben kann. Mehr nicht.

    Ach, mehr nicht?
    Komm, bitte … was ist denn das für eine Logik.

    Markus das war sehr Lustig zu lesen was du da schreibst :-)))

  • Detlev Motz sagt:

    Wer einer Redaktion „unverlangt“ Schwanenbilder einschickt, darf sich nicht wundern, dass die weder bezahlt noch angenommen werden. Es muss schon ein tolles Bild sein oder gerade in einen Artikel passen. Mit diesem Motiv kann man auch bei „Wettbewerben“ Schweine füttern, so oft kommen sie – egal mit wie vielen Jungen und wie „süss“ sie sind. Als früherer Bildredakteur kann ich nur sagen: Immer zuerst mal anrufen (bei der richtigen Person!) oder persönlich vorbei gehen. Alles andere macht wenig Sinn.

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