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Ablieferung von Fotoarbeiten: Wieviele Fotos erhält der Kunde?

Aus dem Fotografr-Forum (2010). Die Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der FOTOGRAFR-Redaktion wieder.



Carlo

 

Nun habe ich soeben eine sehr anregende Portrait Session mit einem tollen Kunden fertig gestellt, die besten Bilder ausgesucht und zur Begutachtung online gestellt. Kurz darauf meldete sich der Kunde: Er ist begeistert und freut sich über die gelungenen Bilder, sagt mir wie toll Sie geworden sind….

.. und trotzdem, möchte er noch mehr Bilder sehen.

Von einer 2h Session habe ich ursprünglich 12 Bilder rausgesucht und zum Teil optimiert.

Wie haltet Ihr es damit. Gebt Ihr dem Kunden die restlichen auch zur Ansicht? (ich würde z.B. nie wahllos alle Bilder zeigen, es gibt aber immer noch ca. 50-70 Bilder die gut, aber eben nicht toll sind – die würde ich dann auch zeigen) Am liebsten würde ich aber sagen: niet!

Wie regelt Ihr das bei People-, bei Fashionaufnahmen?

Grüsse
Carlo



Michi

 

Hallo Carlo,

ich habe das früher auch so gemacht und weiß, dass viele Kollegen das ebenfalls so halten: Sie suchen selber nur wenige der Bilder aus, die sie dann optimieren und ihren Kunden anbieten.

Seit einigen Jahren mache ich das anders: Ich sortiere nur die misslungenen Bilder aus und zeige den Kunden dann ca. 50 % der geschossenen Bilder. Und das ganze unbearbeitet.

Das hat natürlich Nachteile: Man muss schon bei der Aufnahme so präzise arbeiten, das keine große Helligkeitskorrektur, Ausschnittskorrektur etc. erforderlich ist. Und einige Kunden sind fast überfordert, sich aus der Menge der Bilder die richtigen auszusuchen.

Aber ich habe die Erfahrungen gemacht, dass es besser ist, wenn die Kunden sich ihre Bilder selber aussuchen, weil sie teilweise ganz andere Kriterien anlegen, als ich.

Wenn ein großer Künstler wie Peter Lindbergh zurückhaltend ist und nur die perfekten Bilder rauslässt, ist das nachvollziehbar, aber wenn Deine Kunden die 70 Bilder sehen wollen, dann solltest Du sie Ihnen auch zeigen, sonst siehst Du diese Kunden niemals wieder.

Die Frage ist eben wirklich, ob Du Dich als Künstler siehst (der von seinen Modellen aber kein Geld verlangt), oder als Dienstleister, der seinen Kunden die Bilder gibt, die sie haben (und bezahlen) wollen.

Viele Grüße
Michi


ava

ich habe immer im portait-bereich (und werde das auch weiterhin, egal in welcher art ich meine firma nun weiterführe) alle bilder ausgewählt, die ich für gut halte, diese voll digital ausgearbeitet in originalgrösse minimum 13/18 als bild (der läppische abzug kostet ja nichts) auf karton aufgezogen zur auswahl vorgelegt, d.h. der kunde bezahlt z.b. kleine serie 1 std. aufnahmezeit und entsprechende nachbearbeitungszeit, er bekommt ca 20 fotos zur auswahl, die eingentlich alle perfekt sind, mitbezahlt sind 6 abzüge. wenn er mehr will davon, bekommt er die zu einer art überhöhten nachbestellungspreis (sofortkaufpreis). dabei bin ich auf den gleichen gewinn gekommen (die meisten haben 10-15 genommen) wie wenn ich meinen grundpreis erhöht hätte und alle verkauft. psychologisch aber, was nichts kostet, taugt auch nichts. hätte ich alle bilder herausgegeben hätten die kunden gemäkelt, weil ihnen bei einigen der gesichtsausdruck nicht gefällt. so sind nur bilder von mir in umlauf, von denen die kunden 100% überzeugt sind, sonst hätten die die ja nicht gekauft. aber rohmaterial bekommt von mir keiner zu sehen.


seeyou

Mei erster Beitrag verbunden mit einem Moin an die Runde.

Ich halte das ähnlich wie ava. Es wird eine bestimmt Zahl von Fotos vereinbart und die werden geliefert. Ober der Kunde davon Abzüge möchte und von wie vielen, bleibt ihm überlassen. Ich berate ihn dahingehend, dass ich bei Produktfotos z.B. je nach Produkt 2-5 Ansichten zur Auswahl vorlege. Habe ich 10 Produkte macht das max. 50 Fotos. Dafür zahlt er je nach Produkt (Elektronik, In-/Outdoor, Food, Magazin) einen Festpreis. Ich kalkuliere den Aufwand nach Erfahrungswerten und bin bisher gut damit gefahren.

Gruß aus der Seestadt
Jürgen


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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Fotograf in Heidelberg und gebe mein Wissen und meine Erfahrung als Business-Coach für Kreative weiter. Mehr

6 Kommentare

  • Robbie Pallasch sagt:

    Der Kunde bekommt alle Bilder zu sehen und zahlt dann für die Bilder welche er sich aussucht und optimiert haben will. Auf diese weise habe ich schon manches Bild verkauft von dem ich nicht dachte es verkaufen zu können und es ist immer ein Ansporn das jeder Schuss sitzen muss (sollte…).

  • Susan Ville sagt:

    Hallo liebe Kollegen,

    ich bin der Ansicht, dass jeder Fotograf die Kundenbetreuung an seine eigenen Vorstellungen und Fähigkeiten anpassen sollte. Das betrifft auch die Art der Serien und die Anzahl der Motive. Fotografen, deren Stärke die Bildgestaltung und Technik ist, benötigen weniger Arbeit in der Postproduktion. Ich persönlich habe meinen Meister noch in der analogen Zeit erlangt und versuche, ein Motiv bereits bei der Aufnahmephase so gut wie möglich zu gestalten.
    Dazu gehört auch, je nach Kunden, ein professionelles Styling.
    Wer mehr Wert auf die Postproduktion und Bildbearbeitung legt, muss sich natürlich ein wenig auf die Auswahl (Anzahl der Bilder) beschränken, sonst stimmt das Verhältnis ZEIT zu VERDIENST nicht mehr (!).
    Ich habe aber auch die Erfahrung im Portraitbereich gemacht, dass viele Kunden mit ZU VIELEN gezeigten Motiven erheblich überfordert sind.
    Daher würde ich Fotoserien als Exlusikportrait nie größer auslegen als 20 Motive.
    Vergesst nicht, verehrte Kollegen: Nicht allein die Erstbestellung bringt Umsatz, wenn es um Abzüge geht!
    Möchte der Kunde jedoch Fotos im Dateiformat, empfehle ich dennoch eine Vorauswahl durch den Fotografen und notwendige Bildretusche in natürlichem Rahmen; denn Aufnahmen ohne Endkontrolle aus der Hand zu geben, ist nicht professionell!

    Unsere Sorgfalt zeigt dem Kunden, dass er nicht mit Amateurschnellschüssen abgefertigt wird.
    Qualität ist auch heute noch ein Aushängeschild der Profifotografie!

    Wer mit lästigen Nachbestellungen oder Archivierungen nichts am Hut haben möchte, der kann seine Aufnahmen zusammen mit dem Copyright verkaufen, das empfiehlt sich vor allem dann, wenn der Kunde nur digitale Daten benötigt und Nachbestellungen nicht zu erwarten sind (bitte dabei beachten, dass die Namensnennung dann bei Publikationen entfallen kann).

    Anders verhält es sich im People- oder Fashionbereich:
    Dort kann ein Auftraggeber eine Agentur sein, die eine Fotostrecke im gesamten Paket kauft, um sie dann nach eigenem Ermessen auszuwählen und digital zu bearbeiten.
    Da diese Fotostrecken immer eine hohe Anzahl an Aufnahmen erfordern, aber meistens auch mit professionellen Modellen und Stylisten gefertigt werden, sehe ich hier auch keine besondere Notwendigkeit der Vorauswahl durch den Fotografen.
    Gegenüber der Agentur sollte man aber unbedingt eine ausreichende Anzahl an Motiven anbieten,
    denn hier möchten Auftraggeber verschiedene Nuancierungen am Modell erkennen können.

    Ein Portrait an einen Endkunden zu verkaufen, ist nicht nur eine Frage der fotografischen Fähigkeiten.
    Gute Beratung und ein wenig verkäuferischer Charme gehören dazu ;-D

    Fotografie ist nicht nur eine Dienstleistung, sondern ein Handwerk:
    Wer sich Mühe bei der Bildgestaltung gibt und vor dem Kunden vorbereitet und nicht konzeptlos auftritt, der kann mit guten Endergebnissen aufwarten (Qualität vor Quantität) … zur Zufriedenheit beider: des Fotografen UND des Kunden!

  • Beate Knappe sagt:

    Hallo,
    ich arbeite auch als Portraitfotografin und ich zeige niemals meinen Kunden unbearbeitet Fotos, es sei den sie können mal auf den Monitor der Kamera einen Blickwerfen. Da ich jedoch Schwarz-Weiß Portraits mache, können sie da wenig von der späteren Wirkung erkennen. Natürlich fragen meien Kunden auch nach ob es nicht mehr Fotos gibt.
    Ich sage dann schlicht nein – weil ich grundsätzllich nur Fotos raus geben die mir gefallen, schließlich geht es mir doch wir dieseem Herrn Hipp im Fernsehen – ich stehe dafür mit meinem Namen

  • Bei uns, wir arbeiten zu zweit, ist es ähnlich, es werden nach dem Shooting von uns Bilder ausgesucht die wir technisch und für das Model passend bzw. gut finden. Diese Auswahl geht in kleiner Auflösung mit einer Grundbearbeitung an den Kunden zwecks seiner finalen Auswahl. Die endgültige Auswahl wird dann, gemäß Vereinbarung bearbeitet und dem Kunden offiziell übergeben.

    Der Ausschuss wird nicht gezeigt und bisher gab es auch nie eine Diskussion dazu, unsere Kunden haben uns bisher in dieser Hinsicht immer vertraut.

    Gruß
    Alex

  • Guido sagt:

    Ich zeige nicht alle Fotos eines Shooting, sondern wähle die besten 10-20 aus. Während des Shootings kann der Kunde gern mal auf’s Display schauen oder via Tethering Shooting auf ein großes Display – auch um Posen zu optimieren etc. Ansonsten gibt es keine unbearbeiteten Fotos zu sehen. Der Kunde bekommt nach dem Shooting die Dateien zur freien privaten Nutzung ausgehändigt.

    Das Fotografen-Geschäftsmodell „Geld verdienen mit Abzügen/Nachbestellungen“ ist aus Kundensicht denkbar übel. Da hat man als Kunde schöne Fotos von sich selbst oder seinen Kindern und schenkt die aber nicht allen, die sich darüber freuen würden (Omas, Tanten, Paten, …), weil es einfach zu teuer ist. Oder man verschenkt die nur als Winzig-Abzug (9×13 oder 10×15) auf dem billigsten Papier. oder es wird dann der eine Originalabzug unprofessionell abfotografiert oder gescannt und dann werden auf eigene Faust qualitativ gruselige Abzüge gemacht.

  • Beate Knappe sagt:

    Zitat
    „oder es wird dann der eine Originalabzug unprofessionell abfotografiert oder gescannt und dann werden auf eigene Faust qualitativ gruselige Abzüge gemacht.“
    ja, das was Guido sagt stellt wirklich ein Problem dar.
    Ich verkaufe z.B. meinen Kunden Fotobücher aus Fotopapier, da können sie leicht einen Scann von machen und dann Abzüge. Ich verkaufe jedoch auch Digitale Dateien bearbeitet, da gibt es Staffelpreise, fängt bei 19,- Euro pro Datei an, Auch wenn sich der Kunde da selber Abzüge bestellt habe ich darauf keinen Einfluss, doch darauf weise ich immer wieder hin. Auch darauf, dass das Scannen kriminell ist – und trotudme werden wir dies nicht verhindern können, daher git es auf einem anderen Weg eine Kundenbindung aufzubauen und daran arbeite ich :-))

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