Reportage + Presse

Als Fotojournalist bei „Wetten dass … ?“


Interview mit Thomas Nattermann, der als Konzertfotograf und Fotojournalist arbeitet. Am vergangenen Samstag hat er bei der Fernsehsendung „Wetten dass … ?“ fotografiert und dabei den Unfall von Samuel K. hautnah miterlebt.

Thomas, schildere doch bitte einmal kurz, wie Du den Unfall erlebt hast.

Ich hatte im Vorfeld große Erwartungen an diese Sendung. Die Gäste waren vielversprechend und alles deutete darauf hin, dass sich diese Sendung aus Fotografensicht nach einigen etwas „flacheren“ Sendungen lohnen würde. Dass nach nur ca. 10 Minuten schon Schluß sein würde und die Sendung aufgrund eines tragischen Unfalls abgebrochen werden musste konnte niemand ahnen.

Thomas Gottschalk hatte von Beginn ab, auch bevor die Sendung los ging, blendende Laune und auch seine Co-Moderatorin Michelle Hunziker war sichtlich gut aufgelegt.

Einzig unseren Plätze im Presseblock waren nicht ganz optimal. Die Tribüne der Messehalle in Düsseldorf ist relativ flach, was zur Folge hat, dass die Köpfe des Publikums, welches in den Reihen vor mir saß, im Weg waren und man sich ziemlich „verbiegen“ musste, um alles, was auf der Spielfläche passierte, fotografisch festhalten zu können.

So nutzt man dann oft auch die Wetten, um sich etwas auszuruhen, da diese meistens selbst für ein 400mm Objektiv mit Konverter zu weit weg sind und normalerweise auch nicht unbedingt verkaufbar sind am Ende.

Ich nutze dann diese „Pausen“ um Bilder auf das Macbook zu kopieren und erste Dateien in die Redaktion zu schicken. So auch am Samstag. Man schaut dann mit einem Auge auf das was vorne passiert, so bekommt man in etwa mit, um was für Wetten es sich jeweils handelt.

Der Auftritt des Kandidaten konnte ich von meiner Position aus nicht sehen. Nur als er dann zum ersten Sprung über das erste fahrende Auto ansetzte, konnte ich Sequenzen sehen. (Es gibt da unzählige Kameras, Zuschauer und andere Mitarbeiter die oft die Freie Sicht versperren.)

Einen Sprung brach Samuel kurz vor dem Absprung ab. Das nächste Auto, gelenkt von seinem Vater, fuhr auf die Startposition. Dann ging alles sehr schnell. Samuel nahm Anlauf und sprang…Plötzlich ein lauter Knall und er lag regungslos am Boden.

Als er auch nach einigen Sekunden nicht wieder aufstand war klar, das ihm etwas passiert ist. Thomas Gottschalk machte noch einen Witz, bemerkte aber schnell dass etwas schreckliches passiert war und rief laut nach einem Arzt.

Die TV Kameras wurden relativ schnell ins Publikum geschwenkt, um den bewusstlosen Samuel nicht noch länger zu filmen. Hektik brach aus. Von überall kamen ZDF Mitarbeiter und Sanitäter zum bewusstlosen Samuel gerannt. Das Publikum war schockiert und es war bis auf einzelne laute panische Schreie still in der Halle.

Samuel wurde von einem Pulk von Ärzten und Sanitätern behandelt und nach kurzer Zeit mit einer schwarzen Decke zum Publikum hin abgeschottet. Dreimal musste ein Arzt ins Publikum, weil Zuschauer zusammen brachen.

Gottschalk und Michelle waren sichtlich bestürzt. Schnell wurde ein „Ersatzfilm“ über den Sender ausgestrahlt und die Live Sendung im TV unterbrochen. Thomas Gottschalk rang nach Worten, versuchte alle zu beruhigen, hatte die Situation aber sehr gut im Griff. Michelle wurde von Mitarbeitern hinter die Bühne gebracht. Schnell war klar: Thomas Gottschalk würde die Sendung nicht weiter moderieren, solange Unklarkeit über den Zustand von Samuel herschte. Dies war auch aus meiner Sicht die einzig richtige Entscheidung.

Nach ca. 20 Minuten wurde Samuel auf einer Trage hinausgetragen und in ein Krankenhaus gebracht. Noch immer war unklar, wie ernst sein Zustand wirklich war. Nur eine 45 Minuten andauernde Untersuchung im Krankenhaus würde Klarheit schaffen. Nachdem sich Thomas Gottschalk mit Produzent und dem Führungsteam des Senders unterhalten hatte, verkündete er noch immer sichtlich bewegt den Abbruch der Sendung. Das Publikum hatte dafür vollstes Verständnis und applaudierte. Dann wandte sich Gottschalk an das TV Publikum und verkündete über den Sender ebenfalls den Abbruch der Live Show.

Du bist von Deiner Redaktion beauftragt worden, von der Fernsehsendung „Wetten dass ….?“ zu berichten. Das schließt sicher auch solche unvorhergesehenen Vorfälle ein?!

Ja, eine Berichterstattung schließt alle Vorkommnisse mit ein. Manchmal sind es eher lustige oder auch berührende Momente und leider wie in diesem Fall, auch tragische Momente.

Wie verhält man sich als professioneller Fotojournalist in einem solchen Fall? Möglichst alles hautnah dokumentieren oder eher zurückhaltend aus der Distanz beobachten und vielleicht auf das eine oder andere Foto verzichten?

Ich kann hier nur für mich persönlich sprechen. Im Endeffekt muss das jeder mit sich selbst aus machen.
Als Fotojournalist mache ich Bilder. Bilder sind Nachrichten. Und ich verdiene mein Geld damit. Und leider gehören da auch schlechte oder tragische Nachrichten bzw. Bilder dazu. Ich hätte in diesem Moment nichts für Samuel tun können. Und es haben Millionen von Zuschauern am TV gesehen, was passiert war. Mit Bildern informiere ich, jeder hat ein Recht darauf zu erfahren, was sich zugetragen hatte.

Aber um auf Deine Frage zurückzukommen, erstmal lieber aus der Distanz, die Rettungskräfte nicht behindern! Hautnah geht in einer solchen Sendung von vornherein nicht. Man kann nicht einfach von der Tribüne springen und ganz vorne mitmischen. Hätte ich aber auch nicht gemacht. Aber klar, aus der Distanz habe ich die Szene fotografiert.

Gibt es eine moralische Grenze, die Du nicht überschreiten würdest?

Ich denke die gibt es…auch das muss jeder selber wissen. Für mich ist es dann nicht mehr moralisch vertretbar, wenn ich durch meine Fotos jemanden schädige oder nur aus Sensationslust auf Teufel komm raus mit der Kamera draufhalte.

Spielt der Pressekodex bei Deiner Arbeit als Fotojournalist eine Rolle oder werden die entsprechenden Entscheidungen, was gezeigt werden soll und was nicht, später in den Redaktionen getroffen?

Natürlich liegt das in erster Linie an mir. Die Redaktion weiß aber auch was vertretbar ist und was nicht und im Zweifelsfall werden diese Endscheidungen in der Redaktion bzw. von meinem Chef getroffen.

Wie hast Du die Arbeit Deiner Kollegen und des Senders in diesem aktuellen Fall erlebt?

Da kann ich nur sagen, dass sowohl der Sender als auch alle Kollegen sehr professionell und respektvoll mit der Situation umgegangen sind. Vor allem Thomas Gottschalk!

Thomas, wie gehst Du persönlich mit einem solchen Erlebnis um? Gehört so etwas zum Job oder nimmt einen das auch ganz persönlich mit?

Klar stellt man sich Fragen warum und weshalb das passiert ist. Man muss lernen mit solchen Situationen umzugehen. Was zugegebenerweise auch nicht immer einfach ist. Es ist meistens nicht der Unfall an sich, sondern das ganze Drumherum an das man sich erinnert. Wenn ein Kind aufgrund einer solchen Situation wie bei „Wetten dass…?“ weinend zusammenbricht. Wenn eine alte Dame ohnmächtig wird. Die Menschen die zu diesem Ereignis anwesend sind und dann panisch werden….Das sind so die Moment die im Gedächtnis bleiben. Oder eben Details, wie im Fall von Samuel, das Geräusch des Aufschlagen eines Gesichtes auf Beton.

Manche Menschen kritisieren Fotografen, die, wie in diesem Fall, mit dem Leid anderer Menschen Geld verdienen. Das spektakulärste Bild bringt das meiste Honorar, vielleicht sogar eine Auszeichnung bei World Press Photo. Wie antwortest Du auf eine solche Kritik?

Wie ich vorhin schon sagte: Bilder sind Nachrichten! Oft würde kaum ein anderer Mensch mitbekommen, was passiert ist, wenn es keine Bilder oder Fotojournalisten gäbe! Und klar, wie Du schon sagst, das beste spektakulärste Bild bringt das meiste Honorar. Ich muss es nur mit meinem Gewissen vereinbaren können. Solange ich das kann, werde ich ein Foto, auch von tragischen Situationen, machen.

Thomas, danke für das Interview

Ich habe zu danken!

Wir alle fühlen mit Samuel und seiner Familie und sind in diesen schweren Stunden mit unseren Gedanken bei ihm. Ich hoffe Samuel wird wieder Freude am Leben haben können und dass dieser Unfall keine bleibenden Schäden zurücklassen wird. Mein Respekt auch an das ZDF Team und an Michelle und Thomas Gottschalk, die in dieser Situation 100% richtig gehandelt haben.

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Fotograf in Heidelberg und gebe mein Wissen und meine Erfahrung als Business-Coach für Kreative weiter. Mehr

22 Kommentare

  • Chris sagt:

    Zum einen, Danke für die hoffentlich offenen Worte,
    zum anderen gebe ich zu Bedenken, dass weder Fotojournalisten noch Journalisten im Allgemeinen die Welt retten. Ein Journalist handelt nicht aus freien Stücken – er hat einen Auftrag und dabei geht um Geld. Für ihn, für seine Auftraggeber. Das muss sich jeder vor Augen halten, auch der Journalist selbst.

    Es geht nie darum „etwas zu zeigen bzw. aufzuzeigen“ – es geht nur ums Geld, das erkennt man auch bei der Aussage – „Das ist mein Job und den habe ich auszuführen“. Diese Aussage, dieses Mantra, hört man auch immer wieder von Soldaten, die Menschen töten, es soll ihnen helfen sich selbst frei zu sprechen.

    Ähnlich sehe ich das auch mit Fotojournalisten – bei einem Unfall zuerst mal Bilder machen, möglichst aufregende, möglichst verkaufbare, möglichst auflagenfördernde. Und diese in Minutenschnelle an die Redaktion senden, damit sie sie (Auftraggeber und Journalist) Geld verdienen.

    Ich frage mich, was in einer Situation geschieht, in der der Fotojournalist alleine zu einer Gefahr, zu einem Unfall kommt und damit auch noch per Gesetz verpflichtet ist zu helfen.
    Was wird er tun?
    Zuerst helfen und dann fotografieren?
    Oder umgekehrt und dann noch schnell an die Redaktion übertragen?
    Egal, ob der Mensch verblutet, stirbt oder erstickt? Hauptsache den Job gemacht, professionell gehandelt.

    Die Leser, Betrachter wissen von diesem Vorfall ja nichts, bevor es der Journalist verbreitet hat. D.h. der Journalist macht die Nachricht und nicht der Leser. Wenn kein Foto von einem Ereignis gemacht wird, dass dann auch noch veröffentlicht wird, dann wird es auch niemanden interessieren.

    Jene, die selbst dabei waren, haben ihre Bilder im Kopf, da braucht es keine Fotos, das sind Geräusche, Gerüche und Emotionen und die verschwinden ein ganzes Leben nicht.

    Bilder von brennenden oder zerbeulten Autos, wo die Feuerwehr Menschen vielleicht nur noch tot bergen konnte, was ist daran interessant? Hauptsache, den Job gemacht.

    Eine andere Sache, die mir auch ein wenig aufstoßt, ist die irrige Annahme, dass Journalisten immer die besten Plätze brauchen. Aus ihrer Sicht ja, aus der Sicht der Teilnehmer, ein klares Nein. Der Zuschauer im obigen Beispiel bezahlt eine nicht unerkleckliche Summe um einen Platz zu bekommen, der Journalist gar nix. Nein, auf Kosten des Zuschauers bekommt er noch die Möglichkeit damit Geld zu verdienen.

    Würde ein Journalist auch hingehen, wenn er all die Spesen selbst tragen muss?

    Was würde der Welt fehlen, wenn wir’s weder sehen noch lesen?

  • Omori sagt:

    @Chris: Wenn Du Thomas kennen würdest, wüsstest Du, dass er in jedem Fall eine eigene Hilfeleistung, wenn sie erforderlich ist, sofort und ohne Zögern durchführen würde. Egal, was er sonst noch für Aufträge hat.

  • Chris sagt:

    @Omori
    Vielen Dank, leider kenne ich „Thomas“ nicht. Ich habe versucht in meinem Kommentar nicht auf die Person Bezug zu nehmen, denn ich kenne ihn ja nicht. Das sind Gedanken, die mir beim Lesen des Artikels durch den Kopf gegangen sind.

  • Omori sagt:

    @Chris: Ja, so habe ich das auch verstanden, danke für Deine Gedanken.

  • Yvan sagt:

    Ich glaube, es ist ganz einfach – da ein Mensch sehen kann, will er auch sehen. Gleichgültig, ob es etwas „gutes“ oder „schlimmes“ ist. Er will einach beobachten, Information mit Emotion verbinden – und ein Foto ist das beste Mittel dafür.

  • Henrik sagt:

    Hy,

    Sehr schön soetwas mal offen und ehrlich zu lesen.
    Ich habe mir den Text mit einem Auge zwischen den Zeilen durchgelesen. Ich hoffe sehr, das er etwas professioneller und mehr nach dem Pressekodex arbeitet und handelt als es nach dem ersten durchlesen den Anschein macht. Danke Omori für diesen „Einblick“ in einen einzelnen Fotojournalist, der trotz allem nicht stellvertretend für den Beruf oder die Berufung an sich sein sollte und ist.

  • Teezeit sagt:

    Während meiner Arbeit als Bildjournalist habe ich sehr oft Bilder von Unglücken machen müssen. Meistens habe ich drauf gehalten, um ein Bild zu haben, aber versucht, meine Emotionen aussen vor zu lassen. Das geht natürlich nicht immer, wie man sich das wünscht.
    Wenn mir die Feuerwehr sagt „Das würde ich mir an Ihrer Stelle nicht anschauen“, dann weiss ich auch, dass ich das Bild nicht verkaufen kann und verzichtete auch schon mal. Zudem wurde es auch stets in der Redaktion mit dem Chefredakteur besprochen, ob man den Lesern so schreckliche Bilder zumuten darf. Wer möchte schon am Frühstückstisch das Bild eines Autofahrers sehen, der mit seinem Fahrzeug im Nebel in den Heuwender eines Traktors gefahren ist?
    Was die Sendung „Wetten, dass?“ angeht, fand ich die Entscheidung absolut richtig, die Sendung abzubrechen. Geärgert haben mich nur die dummen Kommentare der pubertären „Fans“ von Justin Biber via Twitter, die sich darüber aufregten, dass ihr Liebling jetzt deswegen nicht auftrat.
    Ich hoffe, dass es Samuel bald wieder besser geht und wünsche ihm auf diesem Weg gute Genesung.

  • Teezeit sagt:

    Noch eine Anmerkung zu Chris: Selbstverständlich geht die Menschenrettung vor meinen Auftrag. Ich könnte mir selbst nicht mehr in die Augen schauen, wenn ein Mensch sterben würde, weil ich zuerst ein Foto machen musste. Das gilt auch für die Helfer, die ich bei meinen Jobs niemals behindern würde.

  • Andreas sagt:

    Man darf bei alledem dem Fotografen alleine nicht die Verantwortung zuschieben. Er liefert die Fotos an die Redaktion und lebt davon.
    In der Redaktion sitzt dann ein Redakteur, ein Chefredakteur und evtl. noch ein Bildredakteur, die dann die Fotos als Klick-Strecke online veröffentlichen. Diese Damen und Herren haben das letzte Wort.

  • Ich denke, man muss zwischen Nachrichtenagenturen und Promibildchen-Dienstleistern unterscheiden. Als Fotojournalist von dpa und Co hast Du schlicht die Pflicht und das Recht im Namen der Presse- und Informationsfreiheit Material zu produzieren, das der Situation gerecht wird. Diese journalistische Fotografie ist dann auch meist auf einem ganz anderen Niveau und in der Lage, ein recht neutrales Abbild zu erzeugen.

    Die Knipser der Promi- und Konzertbildchen-Agenturen dagegen sind in meinen Augen keine Fotojournalisten und haben diesen Auftrag auch nicht zu erfüllen. Das können sie meist auch gar nicht, jedenfalls nicht angemessen. Den Freien, die jene Agenturen beliefern, geht es wirklich nur um das Geld in einem verdammt harten Geschäft.

  • Peter sagt:

    Was mich bei solchen Diskussionen immer stört, ist die Moralkeule die da allzu schnell rausgeholt wird. Als Bildjournalist ist man plötzlich verantwortlich dafür, dass unmoralische Bilder publiziert werden und dass man draufgehalten hat und dass man womöglich nicht helfen würde vor lauter Geldgier. Kaum jemand ist in der Lage, zu abstrahieren wie das Geschäft läuft. Die Leute sitzen Samstag abends bräsig auf dem Sofa und mokieren sich per Twitter und Kommentar über das asoziale unmoralische Fotografenpack, das sich auf den besten Plätzen tummelt und aus reiner Sensationsgier draufhält, wenn was passiert. Und dabei nur ans Geld denkt. Und am nächsten morgen gehen sie los und kaufen die Bild-Zeitung oder ein anderes Blatt, das den Unfall dick auf Seite eins hat.

  • Thomas Nattermann sagt:

    Hallo Zusammen,

    ein paar Dinge wollte ich jetzt dann auch noch los werden zu dem Thema!

    Peter: Ja da hast du recht!
    Die Bildzeitung Z.B. hatte heute Rekordumsätze bzw. die meisten verkauften Exemplare seit langem! Schön das auch meine Bilder dabei waren. 🙂
    Moralisch gesehen stellt sich für mich dann auch die Frage, was ist schlimmer? Die Bilder zu fotografieren oder dann am Ende die Zeitung zu konsumieren und sich über die vielen schönen Bilder zu freuen. Letzendlich schafft der Leser den Markt für solche Bilder, Verkaufszahlen wie heute belegen das.

    Chris: Danke Dir für Deinen ausfühlichen Kommentar. Ein paar Dinge sehe ich aber dennoch anders.
    Es geht nicht immer nur ums Geld!! Klar auch, davon leben wir ja…aber es geht oftmals auch um andere Dinge, wie Informationen, Aufklärung usw.!
    Im Falle von dem Vorfall bei Wetten dass…? wussten es gleich Millionen von TV Zuschauern. Aber ich gebe Dir natürlich Recht, manchmal erfähr man auch erst durch Bilder von einem Unfall oder ähnlichem.

    Zu dem Punkt mit bezahlten Karten: Im Falle von Wetten dass…? werden die Karten verlost! Die sind alle meistens kostenlos.
    Und wir Bildjounalisten haben nie den besten Platz. Das ist von vorneherein klar, aber für eine vernünftige Berichtserstattung, von der auch ein Sender wie ZDF profitiert, funktioniert eben auch nur mit einem einigermaßen gutem Platz. Und kosten habe ich auch erstmal die ich selber Tragen muss. Anreise, Hotel, UMTS usw.!

    „Was würde der Welt fehlen, wenn wir’s weder sehen noch lesen?“

    Ich denke viel. Jeder hat das recht auf Informationen. Und auf Pressefreiheit. Das Angebot richtet sich auch beim Bildjounalismus an der Nachfrage und die ist in der heutigen Zeit ernorm!!! Gerade die yellow press oder die Bildzeitung, Viele Menschen finden diese Medien als überflüssig und primitiv. Dennoch kauft sich jeder 2. Deutsche den Auflagen oder Verkaufszahlen zu Folge täglich genau diese Zeitungen und Magazine!

  • Peter sagt:

    @Thomas: Ich glaube als Bildjournalist hat man gar nicht die Wahl über die Moral nachzudenken. Wenn man auf die Bilder verzichtet, wird die Agentur beim nächsten Mal jemand anderen hinschicken, wird die Redaktion die Bilder woanders einkaufen und wird man über kurz oder lang wirtschaftlich eingehen. Aber die Welt wird davon kein Stück besser. Wer gegen Klickstrecken ist, soll sich bei den Verlegern beschweren und was anderes kaufen. Aber bitte nicht bei den Leuten, die Bilder liefern. Die liefern, was sie sollen. Ob das schöne Ereignisse sind oder traurige – völlig egal.

  • Jens sagt:

    Die Diskussion ist vor allem eins, typisch Deutsch… und somit eine Mischung aus falschem Mitleid, aufspielen als „Wanderanwalt“ für bestimmte Gruppen, gegen alles sein Mentalität, Naivität, purer Dummheit und eine großen Prise Größenwahnsinn.

    Hier spielen sich wieder als die großen Kenner auf, aber labern was von „Pressefreiheit“. Das ist ein GRUNDRECHT. Schön das das Leute die in Deutschland leben immer noch nicht kennen. Auch wenn sich das einige Amateure oder Möchtegernprofis nicht vorstellen können,aber die Bildredaktionen verlangen und bieten ziemlich genau nur das an,was gewünscht wird und sich verkauft. Nicht mehr und nicht weniger! Wenn man von einer Agentur irgendwo hin geschickt wird, dann hält sich das Honorar ziemlich in Grenzen. Ob dann was passiert, was die Fotoverkauft „ankurbelt“ oder nicht, ist für den Fotografen ziemlich egal. Wenn ich „so“ da bin und am Verkauf prozentual beteiligt bin, ist so ein Unfall natürlich „hilfreicher“. Ich sehe das alles nicht als „Kunst“ noch nicht mal als großes Handwerk, ob die Fotos was total tolles und wichtiges dem Weltjournalismus zufügen oder nicht, ist mir sowas von egal. Ich liefer Fotos und bekomme Geld dafür. Peng! Mehr ist das nicht… dieses ganze Gelaber von wichtiger und unfehlbarer Berichterstattung und Kollegen die sich über alle Maßen wichtig nehmen, nervt genauso, wie das Gelaber aus der „falschen Moral“-Ecke.

  • Ralf Mack sagt:

    Hin und her … klar gibt´s da Diskussionen.
    Thomas, Du warst der erste an den ich gedacht habe, als ich den Unfall im TV gesehen habe, weil ich wusste dass Du Wetten Dass fotografierst.
    Ich hab mich sofort versucht in Deine Situation zu versetzen. Ist aber wie hier schon diskutiert schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, denn ein paar Tage nach dem Unfall ist eine völlig andere Situation wie in dem Moment, wenn es passiert.

    Lieber Gruß Ralf Mack

  • So, ich zitiere mal: „Ich sehe das alles nicht als “Kunst” noch nicht mal als großes Handwerk, ob die Fotos was total tolles und wichtiges dem Weltjournalismus zufügen oder nicht, ist mir sowas von egal. Ich liefer Fotos und bekomme Geld dafür. Peng! Mehr ist das nicht…“ (ZITAT ENDE)

    Jens, jemand anders sollte Deinen Job machen. Wenn Du nicht willens bist, vernünftige Bilder zu liefern, die etwas beizutragen haben, gehörst Du definitiv woanders hin. Aber das ist es ja. Leute, die so denken, schaden dem Qualitätsjournalismus und ziehen andere Kollegen auch weiter mit runter, weil sich die durchschnittliche Qualität weiter verschlechtert und sich dem nähert, was der geneigte Hobby-Bürgerreporter knipst. Ist doch dann kein Wunder, wenn die Verlagshäuser weiter an guten, ernsthaften Kollegen sparen.

  • Jens sagt:

    @Dennis
    Was für ein Kappes! Schau Dir mal Deine „tollen“ Fotos an, dass ist der Grund warum Dein „Genie“ scheinbar verkannt wird. (… persönlicher Angriff vom Admin entfernt …) Das Märchen, dass irgendwelche „Bürgerreporter“ zum Niedergang des Qualitätsjournalismus ist totaler Blödsinn und kommt auch nur von Leute, die seit Jahren unterstes Niveau abliefern und schon deshalb, nicht aus ihrer kleinen unwichtigen Lokalredaktion raus kommen. (… persönlicher Angriff vom Admin entfernt …)

  • Ralf Jannke sagt:

    Unfallfotos

    Ich kann mich gut erinnern, wo der Fotograf, der über zwei Jahrzehnte für eine später dichtgemachte Lokalredaktion einer Zeitung fotografierte, den tödlichen Unfall einer alten Frau ablichten musste. Das Foto zeigte ein “Metallknäuel” von Fahrrad und dann in stärkerer Unschärfe im Hintergrund ein zugedecktes Etwas – was wohl ? Das muss zur Dokumentation doch vollkommen reichen!

    Einmal durfte ich mit ihm mitfahren. Dabei sollte ein Motorradunfall dokumentiert werden. Der bedauernswerte Fahrer war Gott-sei-Dank schon abtransportiert, er war zum Glück “nur” schwer verletzt. Hier genügte es vollkommen das Motorrad aus nächster Distanz mit dem Superweitwinkel abzulichten, wie es entsprechend deformiert noch unter dem Vorderbau des Linienbus’ steckte.

    Das absolute Gegenteil sah ich dann irgendwo auf Hinweis im Internet und – ich Idiot !!!! – habe es mir auch noch angeschaut. Dort war ein PKW Fahrer mit irgendetwas um/über 200 km/h frontal in einen LKW gefahren. Warum man dann die beiden Hälften des Fahrers mit deutlich erkennbarem Gesicht vor der Ablage in den Leichensack nicht nur ablichtete, sondern auch noch in Farbe im Internet veröffentlichen musste, ist mir ein Rätsel… Ich – ich betone noch mal ich Idiot – brauchte Tage, um das Bild wieder aus dem Kopf zu kriegen.

    Was den Wetten-dass Unfall angeht, gefiel mir ein – sinngemäßer – Kommentar sehr gut: “Es hätte doch vollkommen gereicht, wenn der “Auto-Überspringer” die Weltrekordhöhe von 2,x m gesprungen hätte – über eine gewöhnliche Hochsprunganlage. Ggf. gegen einen entsprechenden Athleten…

    Das Foto der Szene genügte auch hier. Aber der mit Halskrause abgelichtete Verunglückte auf der Trage musste dann tatsächlich nicht mehr sein…

  • Jens, herzlichen Dank für Deinen abschließenden Kommentar Genau so hatte ich Dich auch eingeschätzt. ( … auch hier persönliche Angriffe vom Admin entfernt …)

  • Lokalredaktionen als unwichtig zu bezeichnen, finde ich schon sehr gewagt.

  • Hendrik sagt:

    Ein interessantes Interview / interessanter Artikel, der mich nachdenklich gemacht hat.
    Auch die Kommentare zu lesen, vom ebenfalls nachdenklichen Chris bis zu den weniger nachdenklichen war für mich anregend.

    Über Sinn und Unsinn von Berichterstattung überhaupt zu diskutieren ist sicher ein weites Feld. Ich habe hierfür auch nicht die letzte Antwort, sondern nur eine Meinung (die eher Chris zugewandt wäre).

    Wichtig finde ich aber, DASS diese Diskussion überhaupt geführt wird. Man kann der einen oder der anderen Meinung sein. Aber man sollte sich diese Meinung aktiv bilden und Nachrichten nicht einfach als notwendig oder gegeben hinnehmen. Man sollte darüber nachdenken, und für sich entscheiden, ob eine Nachricht für sich selbst oder nach eigener Meinung anderen einen Nutzen hat.

    Gleiches (nämlich nachdenken und für sich entscheiden) gilt aber auch für den Nachrichtenfotografen. Natürlich sollte man einen Auftrag, den man für Geld annimmt, auch ordnungsgemäß ausführen. Und wer für die Bildzeitung arbeitet, der weiß, was die Zeitung gerne druckt und was sich dort gut verkauft.
    Trotzdem hat sich ein Fotograf irgendwann aktiv dafür entschieden, diesen Auftrag anzunehmen. Erst mit der Berufswahl, dann mit der Wahl des Auftraggebers. Das ist nicht höhere Gewalt, sondern eine persönliche Entscheidung.

    Ich respektiere die Wahl von Thomas und seinen, in diesem Rahmen möglichen, verantwortungsvollen Umgang mit Situationen wie diesen und traue ihm zu, dass er sich seine Entscheidung nicht zu leicht gemacht hat.

  • […] Anfang macht Thomas Nattermann der einen Sehr interessantes Interviews zum seinem Auftrag bei Wetten dass..? gegeben […]

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