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Perspektivwechsel: Was ich als Hochzeitsfotograf aus meiner eigenen Hochzeit gelernt habe

Als ich selbst geheiratet habe, hatte ich bereits rund zehn Jahre Erfahrung als Hochzeitsfotograf. Einmal auf der anderen Seite zu stehen und Hochzeitsfotos aus der Perspektive als Bräutigam zu erleben, war eine überraschend lehrreiche Erfahrung.

Fünf Erkenntnisse aus dem Perspektivwechsel

Im Vorfeld hatte ich gar nicht darüber nachgedacht, aber aus dieser Erfahrung habe ich einige Erkenntnisse für meine eigene Arbeit mitgenommen – Dinge, die mir vorher nicht bewusst waren oder in denen ich mich bestätigt sehe.

Es ist egal, ob es das Bild auch mit anderen Brautpaaren gibt

Als ich unsere Hochzeitsfotos zum ersten Mal gesehen habe, hab ich gleich gemerkt: Es interessiert mich nicht im Geringsten, ob es dieses Bild so oder so ähnlich auch mit anderen Brautpaaren gibt. Es ist ganz besonders, einfach weil es meine Frau und mich zeigt!

Vorher hatte ich oft große Sorge, mich beim Fotografieren zu wiederholen. Es kam mir irgendwie falsch und unkreativ vor, weshalb ich bei jedem Brautpaar versucht habe, das Rad neu zu erfinden. Diesen Druck mache ich mir heute viel weniger. Wenn ein Bild gut funktioniert, gibt es keinen Grund, nicht immer wieder auf ein bewährtes Rezept zurückzugreifen. Im Gegenteil: Krampfhaft innovativ sein zu wollen, erzeugt mehr Stress, als dass es meine Kreativität fördert.

Besonders werden die Bilder trotzdem – weil auch bei einem bewährten Rezept die Zutaten variieren. Andere Umgebung, andere Verhältnisse und natürlich vor allem: Andere Menschen.

Alle kochen nur mit Wasser

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Der Klassiker: Brautpaar läuft von der Kamera weg. Habe ich bestimmt schon hundert Mal fotografiert.

Jemanden zu finden, der unsere Hochzeit fotografiert, war für meine Frau und mich gar nicht so einfach. Zum einen, weil uns bei vielen Hochzeitsfotograf:innen einfach der Stil nicht gefällt, zum anderen, weil wir – wenig überraschend – sehr hohe Ansprüche an das Niveau hatten. Nachdem wir lange gesucht hatten, haben wir zum Glück ein Fotografenpaar in der Region gefunden, dessen Arbeit uns begeistert hat und ich durchaus bewundere und mit großem Respekt betrachte. Die beiden waren verfügbar, die Bilder sind toll geworden und wir könnten damit kaum glücklicher sein.

Die Erkenntnis: Etwas Außergewöhnliches haben sie dazu am Hochzeitstag weder gebraucht noch gemacht. Keine Materialschlacht (im Gegenteil war die Ausrüstung zwar modern, aber relativ minimalistisch), keine besonderen Kniffe, keine ausgefallenen Experimente. Nichts, was bei mir ein „Mensch, wenn ich das mal früher gewusst hätte!“ ausgelöst hätte. Und viel wichtiger: Nichts, bei dem ich das Gefühl hatte, dass mir irgendeine „Geheimzutat“ fehlen würde.

Auch ohne geübten fotografischen Blick zählen die Details

Ich habe mich schon oft gefragt, ob der Aufwand, den ich in Auswahl und Bearbeitung meiner Bilder stecke, für meine Kunden überhaupt sichtbar ist. Oder ob ich damit am Ende nur meinen eigenen Perfektionismus befriedige.

Die Reaktionen auf meine eigenen Hochzeitsfotos haben mir gezeigt: Viele gestalterische Entscheidungen werden auch ohne fotografisches Hintergrundwissen wahrgenommen. Es sind oft kleine Dinge – wie ein störendes Detail am Bildrand oder ein ungünstiger Ausschnitt –, die beeinflussen, wie ein Bild wirkt. Auch wer kein Foto-Fachwissen hat, hat oft ein Gespür dafür, ob ein Bild stimmig ist oder was daran stört.

Die Bilder können (und müssen) nicht allen gefallen

Unsere Hochzeitsfotos haben mir noch einmal vor Augen geführt, dass gute Bilder nicht immer alle Erwartungen befriedigen. Wenn bei den Brautpaarfotos nicht beide scharf sind (oder gar angeschnitten!), stößt das durchaus auf Unverständnis. Insbesondere aus der Elterngeneration gab es diesbezüglich kritisches Feedback. Während wir sehr glücklich sind mit den Bildern, gilt das also nicht unbedingt für alle.

Aber genau das ist auch in Ordnung. Als Fotograf ist es nicht meine Aufgabe, Bilder zu schaffen, die allen gefallen. Sondern Bilder, die für die Menschen darauf eine Bedeutung haben.

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Unkonventionell: Ein Hochzeitsfoto mit unscharfem Brautpaar. Gefällt nicht allen, muss es aber auch nicht

 

Gute Hochzeitsfotos sind unbezahlbar wertvoll

Es klingt wie eine Binsenweisheit und natürlich ist das ein Argument, das ich auch schon früher angeführt habe, um Brautpaaren den Wert meiner Arbeit zu verdeutlichen. Aber es macht einen Unterschied, ob einem etwas theoretisch bewusst ist – oder man es selber erlebt.

Es mag überraschen, aber tatsächlich waren für mich persönlich Bilder vor der Hochzeit gar nicht so weit oben auf der Prioritätenliste. Zusammen mit dem nicht unerheblichen Anteil, den gute Fotos am Budget haben würden, war es für mich eine Frage von „ganz oder gar nicht“. Ich bin so froh, dass meine Frau mich von „ganz“ überzeugt hat! Mir fällt keine Entscheidung ein, die ich im Nachhinein mehr bereut hätte, als auf diese Erinnerungen und das Nacherleben-Können zu verzichten.

Fazit

Die eigene Hochzeit aus der Perspektive des Brautpaares zu erleben, hat meinen Blick auf meine Arbeit als Hochzeitsfotograf verändert. Nicht, weil ich plötzlich neue Techniken oder irgendwelche Tricks entdeckt hätte – sondern weil es mir verdeutlicht hat, was am Ende wirklich zählt.

Hochzeitsfotos müssen nicht einzigartig sein, um besonders zu sein. Sie müssen nicht jedem gefallen und sie müssen auch nicht mit spektakulären Ideen oder außergewöhnlichem Aufwand entstehen. Entscheidend ist, dass sie echte Momente und echte Menschen zeigen.

Gleichzeitig hat mir diese Erfahrung noch einmal bestätigt, wie wertvoll meine Arbeit eigentlich ist. Als Fotograf sieht man oft nur die nächste Hochzeit, das nächste Bild, die nächste Auswahl. Für das Paar sind diese Bilder aber etwas völlig anderes: Sie sind eine Möglichkeit, einen der wichtigsten Tage ihres Lebens immer wieder neu zu erleben.

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Echte Emotionen: Durch solche Bilder können Paare ihren Tag immer wieder nacherleben.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus meinem Perspektivwechsel: Gute Hochzeitsfotografie entsteht nicht dadurch, dass man etwas Besonderes tut. Sie entsteht dadurch, dass man erkennt, was für die Menschen vor der Kamera besonders ist – und genau das sichtbar macht.

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In seinen Hochzeitsreportagen macht er ungestellte Fotos, die die Menschen und Atmosphäre des Tages einfangen, wie sie tatsächlich sind.  Und auch wenn er schon so lange dabei ist, hat er beim Fotografieren in besonders emotionalen Momenten ab und zu noch Tränen in den Augen.

Website: Hochzeitsfotograf im Schwarzwald

Artikelfotos: Daniel Bollinger-Steinborn Autorenportrait: Samuel Gesang

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