Reportage + Presse

Joe McNallys Hot Shoe Diaries – Groß inszenieren mit kleinem Blitz

Von 14. September 2009 11 Kommentare

hot-shoe-diariesIm letzten Jahr wurde das Buch „Der entscheidende Moment“ von Joe McNally (Amazon) unter Fotografen sehr empfohlen. Fast jeder sprach darüber, die meisten haben es gekauft oder zumindestens zum Lesen ausgeliehen.

Das besondere an diesem Buch war, dass hier ein internationaler Spitzenfotograf beschrieben hat, wie er seine Aufträge für Magazine wie National Geographic, Time Life oder Sports Illustrated abwickelt und dabei auch viele „Berufsgeheimnisse“ offengelegt hat. Das hatte es bisher zumindestens auf dem deutschen Buchmarkt nicht gegeben.

Das neue Buch „Hot Shoe Diaries: Groß inszenieren mit kleinem Blitz“ ist gewissenmaßen die Fortsetzung und Vertiefung des ersten Buchs. McNally geht hier noch detaillierter auf die Technik ein, die er für seine Aufträge einsetzt. Wie im ersten Buch stellt er das fertige Foto einem Text gegenüber, der beschreibt, wie er zu diesem Ergebnis gekommen ist. Wo aber im ersten Buch ein kurzer Text mit einigen Ideen reichen musste, beschreibt McNally hier ausführlicher, mit welchen Vorstellungen er in ein Shooting gegangen ist, warum und wie er das Equipment eingesetzt hat und auf welche Schwierigkeiten er gestoßen ist.

McNally arbeitet in der Regel mit der sogenannten Strobist – Technologie, also mit einem oder mehreren entfesselten Kompaktblitzen, die er mit verschiedenen Lichtformern, Farbfolien und Reflektoren ergänzt. Damit schafft er beeindrucktende Lichtsituationen, die die Dramatik und Aussage der Fotos unterstützen.

Das Buch enthält zwar auch einige Seiten über die Grundlagen der Blitztechnik mit Nikon-Equipment sowie mit Beschreibungen der Lichtformer von Lumiquest und Lastolite. Wer aber eine Einführung in die Lichtführung erwartet, wird enttäuscht. Bereits nach wenigen Seiten beginnt McNally mit der Beschreibung seiner Aufträge und geht dort alles andere als lehrbuchmäßig vor.

Aber das ist es gerade, was das Buch so spannend macht. Hier schreibt kein Lehrmeister mit akademischem Anspruch, sondern ein Praktiker, der gelernt hat, mit viel Erfahrung und Bauchgefühl und teilweise auch unter bewusster Verletzung von Regeln Lichtsituationen zu schaffen, die seine Fotos einmalig und sehenswert machen.

Die beschriebenen Aufträge sind zum großen Teil spektakulär: Da steht McNally bei dunkler Nacht bis zur Nasenspitze im Sumpf, um Auge in Auge ein Krokodil zu fotografieren oder er ist über viele Wochen Gast im NASA-Raumfahrtzentrum, um den Astronauten John Glenn bei seinem Training zu portraitieren.

Durch den Tagebuch-Stil ist das Buch kein Nachschlage-Werk, sondern eine riesige Sammlung von Ideen und Anregungen, die zum Staunen und vor allem zum Nachmachen anregen, auch wenn die meisten Leser sicherlich nicht die Möglichkeit bekommen, in ähnlich interessanter Umgebung zu fotografieren. Aber das Buch ist ein guter Anlass, über ihre eigene Arbeitsweise nachzudenken und sich vielleicht den einen oder anderen zusätzlichen entfesselten Kompaktblitz anzuschaffen.

Wie das erste Buch wird auch „Hot Shoe Diaries“ für Gesprächsstoff unter Fotografen sorgen, und wer als Fan von McNally nicht bereits die englische Ausgabe dieses Buches besitzt, wird hier sicher gerne zugreifen.

Sehr gutes Fotografie Fachbuch

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Fotograf in Heidelberg und gebe mein Wissen und meine Erfahrung als Business-Coach für Kreative weiter. Mehr

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