Fotografentagessatz und Honorare für Fotografen


Das ist ein Beitrag aus der Reihe „Fragen an FOTOGRAFR“.

Anastasia fragt mich:

Hallo Michael,

ich lese schon eine Weile Ihren Blog und die FB-Beiträge. Besonders interessant ist immer wieder das Thema das Geld und das Honorar.
Gerade eben führte ich ein langes und unangenehmes Gespräch mit meinem langjährigen Auftraggeber (2-3 Aufträge im Jahr seit 2010) wegen der Erhöhung des Honorars.
Ich arbeite im Bereich Event-Fotografie, sprich Reportage. Dazu gehört bei mir immer eine Nachbearbeitung, die manchmal einen ganzen Tag in Anspruch nimmt. Als ich von einem zusätzlichen Tagessatz sprach, den ich dafür gerne hätte (d.h. 1 Tagessatz für das Fotografieren und einen für die Nachbearbeitung), meinte der Auftraggeber, bei Fotografen fließt die Nachbearbeitung in den Tagessatz mit ein (so die Erfahrung aus der Arbeit mit anderen Fotografen), deswegen sollte ich mit einem einzigen zufrieden sein.

Was meinen Sie, was in einen Tagessatz gehört? Vielleicht könnten Sie in Ihrem Blog oder auf FB fragen, was explizit die Berliner Fotografen davon halten. Denn bei mir handelt es sich um den Auftrag dort. Nach der Meinung meines Kunden haben Berliner Eventfotografen sehr niedrige Honoraransprüche.

Vielen Dank und eine schöne Woche

Anastasia

Danke für Ihre Frage.

In meinem eBook „Marketing für Fotografen“ habe ich geschrieben, dass man als Fotograf dem Kunden gegenüber möglichst keinen Tagessatz angeben sollte, sondern ein konkretes Angebot für eine konkrete Anfrage. Damit erübrigen sich auch alle Diskussionen, was im Tagessatz enthalten ist und was nicht. Das macht ohnehin jeder Fotograf anders. Für mich dient der Tagessatz nur als eigene Berechnungsgrundlage, nicht zur Kommunikation gegenüber dem Kunden.

Zur konkreten Situation von Eventfotografen in Berlin kann ich leider gar nichts sagen, da ich mich dort nicht auskenne.

Aber zur grundsätzlichen Situation von Preisverhandlungen:

Auch wenn es vielleicht arrogant klingt: Ich lasse mich auf keine Preisverhandlungen ein.

Natürlich kann es sein, dass das Budget eines Kunden nicht ausreicht, um das Angebot anzunehmen. Aber dann mache ich konkrete Vorschläge, an welchen Stellen der Leistung gekürzt werden kann, um doch noch im Rahmen zu bleiben. Keinesfalls biete ich dieselbe Leistung zu einem reduzierten Preis an.

Stattdessen erläutere ich noch einmal, warum ich der Meinung bin, dass meine Leistung den angeboteten Preis wert ist. Wenn ein Kunde dann trotzdem abspringt, weil ihm mein Preis zu hoch erscheint, ist das schade, aber nicht zu ändern. Es wird ein anderer Kunde kommen, der sich von meinen Argumenten überzeugen lässt.

Natürlich sollte die eigene Leistung dem angebotenen Preis entsprechen. Aber dafür bekommt man relativ schnell ein Gespür. Man kann (und sollte) aber nicht jedem Auftrag hinterher laufen.

Einen anderen Aspekt, die Sie ansprechen, kann ich ebenfalls aus der Praxis bestätigen: Es ist extrem schwierig, die Preise gegenüber Bestandskunden zu erhöhen. Wenige Prozent sind von Jahr zu Jahr sicher drin, aber alles was darüber hinausgeht, ist sehr schwer zu begründen. Mit den manchmal angebotenen „Einstiegspreisen“, um einen „Fuß in die Tür“ zu bekommen, tut man sich also keinen Gefallen.

Wie ist Eure Meinung? Sollte man sich auf Preisverhandlungen einlassen? Wie handhabt Ihr das in der Praxis? Vielleicht schreibt sogar ein Fotograf, der sich in Berlin auskennt, wie er die Situation dort einschätzt. Ich bin gespannt.

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