Industriefotografie

Industriefotografie: Aufträge gewinnen und Honorare durchsetzen

Industriefotografie gehört zu den spannendsten Feldern, die unser Beruf zu bieten hat. Als Industriefotograf löst du anspruchsvolle technische und gestalterische Aufgaben und erhältst Einblicke in Welten, die Außenstehenden meist verschlossen bleiben.

Ich habe es immer als Privileg empfunden, 15 Jahre lang hauptberuflich als Business- und Industriefotograf zu arbeiten, unter anderem für BASF, Henkel, Stena Technoworld und das Kombiterminal Ludwigshafen. Einige Momente sind mir besonders in Erinnerung geblieben: die rasante Fahrt mit einer Containerbrücke hoch über dem Terminal, die Verladung einer 200 Tonnen schweren Maschine auf ein Frachtschiff und der Blick hinter die Kulissen eines Kinderwunschlabors.

Was du als Industriefotograf mitbringen solltest

In der Industriefotografie sind die Anforderungen deutlich höher als bei Aufträgen von Privatkunden. Deine Auftraggeber erwarten einen professionellen Dienstleister, der ihre Abläufe respektiert und sich reibungslos in den laufenden Betrieb einfügt. Folgende Grundlagen sollten für dich selbstverständlich sein:

  • Technische Sicherheit: Du beherrschst deine Ausrüstung blind, auch unter schwierigen Bedingungen wie Hitze, Staub, Lärm oder schlechtem Licht. Und wenn doch einmal etwas schiefgeht, hast du einen Plan B in der Tasche.
  • Projektkompetenz: Du kannst komplexe Projekte planen und abwickeln und lieferst die vereinbarten Ergebnisse zuverlässig und termingerecht. Dazu gehört auch, dass du dich flexibel auf die Arbeitsweise von Kunden und Agenturen einstellst.
  • Eigene Bildsprache: Deine Fotos haben eine erkennbare Handschrift und heben sich klar von denen deiner Mitbewerber ab.
  • Arbeitssicherheit und Vertraulichkeit: Du kennst die Regeln in Produktionsumgebungen und hältst sie konsequent ein. Sicherheitsunterweisungen, Schutzausrüstung und Fotografierverbote in sensiblen Bereichen sind für dich selbstverständlich. Ebenso gehst du diskret mit Betriebsgeheimnissen um und unterzeichnest bei Bedarf eine Geheimhaltungsvereinbarung.

Wie wichtig Projektkompetenz ist, habe ich bei einem Auftrag für ein Industrieunternehmen im Saarland erlebt. Die betreuende Werbeagentur saß in Stockholm und konnte beim Shooting nicht vor Ort sein. Also haben wir die Freigabe kurzerhand live organisiert: Ich habe Screenshots vom Tethering-Monitor mit meinem Mobiltelefon direkt nach Schweden geschickt, und die Agentur hat die Motive noch während des Shootings abgenommen. So hatte der Kunde am Ende des Tages freigegebene Ergebnisse, ohne Abstimmungsschleifen und ohne Nachshooting.

Die gute Nachricht: Niemand startet als fertiger Industriefotograf. Du wächst mit deinen Aufgaben. Beginne mit kleineren Aufträgen, etwa bei mittelständischen Betrieben in deiner Region, und steigere dich Schritt für Schritt. Mit jedem Kunden gewinnst du an Erfahrung, Routine und wertvollen Referenzen.

Industriekunden überzeugen

Unternehmen, die einen Industriefotografen beauftragen, wollen eine konkrete Herausforderung lösen. Gleichzeitig möchten sie kein Risiko eingehen. Ein misslungenes Shooting bindet Mitarbeiter, unterbricht Abläufe und sorgt intern für Erklärungsbedarf.

Deshalb suchen Auftraggeber jemanden, der genau weiß, was er tut, und dem sie vertrauen können. Im Idealfall hat diese Person das, was sie brauchen, bereits dutzendfach erfolgreich umgesetzt. Was Interessenten im ersten Kontakt spüren wollen, sind Souveränität und Selbstvertrauen.

Für dich als Industriefotograf bedeutet das: Deine Website, dein Portfolio und dein Auftreten im Erstgespräch müssen genau diese Sicherheit vermitteln.

Industriefotografie-Chemie

Akquise in der Industriefotografie

Dein Netzwerk

Ein entscheidender Faktor für die Akquise in der Industriefotografie ist dein Netzwerk. Wen kennst du? Mit wem hast du bereits erfolgreich zusammengearbeitet? Und wer empfiehlt dich weiter?

Für ein stabiles Geschäft brauchst du keine Hunderte von Kunden. Schon eine überschaubare Zahl an Auftraggebern reicht aus, wenn sie dich regelmäßig buchen. Pflege deshalb kontinuierlich den Kontakt zu Kunden, Interessenten und Partnern. Ein CRM-System oder eine gut gepflegte Adressdatenbank hilft dir dabei, niemanden aus den Augen zu verlieren.

Werbeagenturen

Werbeagenturen entwickeln für ihre Kunden Websites, Broschüren, Messeauftritte und Kampagnen. Für fast jedes dieser Projekte wird neues Bildmaterial benötigt. Wenn eine Agentur dich kennt und dir vertraut, kann daraus ein verlässlicher Strom an Aufträgen entstehen.

Baue deshalb gezielt Kontakt zu den Mitarbeitern von Agenturen auf und vereinbare einen Mappentermin. Bei diesem Termin zählt deine Persönlichkeit mindestens so viel wie deine fotografische Leistung. Aus meiner Zusammenarbeit mit Agenturen wie Scholz & Friends weiß ich, warum: Bei einem Auftrag fährst du im Namen der Agentur zu deren Kunden. Jedes positive und jedes negative Erlebnis fällt direkt auf die Agentur zurück. Entsprechend genau prüfen die Verantwortlichen, ob sie dir ihre Kunden anvertrauen können.

Suchmaschinenoptimierung und Google Ads

Ein weiterer wirkungsvoller Akquiseweg ist die Sichtbarkeit bei Google. Mit Suchmaschinenoptimierung und Google Ads erscheinst du genau in dem Moment, in dem ein Unternehmen aktiv nach einem Industriefotografen sucht. Suchmaschinenoptimierung wirkt langfristig und kostet vor allem Zeit, Google Ads bringen dir schnell Sichtbarkeit, erfordern aber ein Werbebudget.

Businessnetzwerke wie LinkedIn

LinkedIn ist eine hervorragende Plattform, um deine Arbeit genau den Menschen zu zeigen, die über Fotoaufträge entscheiden: Marketingleiter, Kommunikationsverantwortliche und Geschäftsführer. Ich selbst habe als Industriefotograf eine ganze Reihe spannender Aufträge über LinkedIn gewonnen.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen aus der Transportbranche hatte auf LinkedIn einen Beitrag über ein sehr ähnliches Projekt von mir gesehen. Kurz darauf kam die direkte Anfrage, ganz ohne Ausschreibung und ohne Vergleichsangebote. Der Kunde hatte bereits gesehen, dass ich genau seine Art von Aufgabe lösen kann. Genau das ist die Stärke von LinkedIn: Deine Projekte werden zu Referenzen, die für dich arbeiten.

Regelmäßige Akquise

Es gibt noch viele weitere Wege, neue Kunden zu gewinnen. Erfolgreich wirst du vor allem dann, wenn du Akquise regelmäßig betreibst und sie zu einem festen Bestandteil deiner Woche machst. Wähle dafür einen Weg, der dir leichtfällt und zu dir passt. So bleibt genug Zeit und Energie für deine eigentliche Arbeit als Fotograf.

Mehr Aufträge in der Industriefotografie?

In meinem Mentoring entwickeln wir gemeinsam eine Akquisestrategie, die zu dir und deinem Business passt. Du lernst, wie du Entscheider in Industrieunternehmen erreichst, mit Souveränität auftrittst und dir einen festen Stamm an Auftraggebern aufbaust. Mehr über das Mentoring erfahren

Angebote erstellen: Vom Anruf zum Auftrag

Wenn eine Anfrage für ein Shooting eintrifft, hilft dir eine Checkliste dabei, im Gespräch alle wichtigen Details zu erfassen. Dazu gehören zum Beispiel der Verwendungszweck der Bilder, die benötigten Nutzungsrechte, Termin und Ort, der Ansprechpartner vor Ort sowie mögliche Sicherheitsauflagen im Betrieb.

Auch wenn die Anfrage per E-Mail kommt: Ruf den Interessenten in jedem Fall an. Im persönlichen Gespräch erfährst du Details, die in keiner E-Mail stehen. Gleichzeitig baust du Vertrauen auf und zeigst echtes Interesse am Projekt. Gerade in der Industriefotografie, wo Abläufe komplex und Budgets entsprechend hoch sind, verschafft dir dieser Anruf oft den entscheidenden Vorsprung gegenüber Mitbewerbern, die nur ein Angebot per E-Mail schicken.

Meine eigene Checkliste für das Erstgespräch habe ich in einem separaten Artikel zusammengefasst:

Telefon-Checkliste Fotograf
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Preisgestaltung in der Industriefotografie

Honorare, die sich lohnen

Deine Preisgestaltung entscheidet darüber, ob dein Fotografie-Business wirtschaftlich erfolgreich ist. Und sie beeinflusst, ob Industriekunden dich überhaupt als ernsthaften Partner wahrnehmen. Ein zu niedriges Angebot wirkt in diesem Umfeld schnell wie ein Hinweis auf fehlende Erfahrung. Unternehmen, die auf Qualität und Zuverlässigkeit angewiesen sind, verbinden einen angemessenen Preis mit Professionalität.

Ein durchdachtes Honorar berücksichtigt neben deinem Tagessatz auch Vorbereitung, Nachbearbeitung, Nutzungsrechte und den organisatorischen Aufwand, den ein Industrieshooting mit sich bringt.

Die wichtigsten Strategien zur Preisgestaltung habe ich in einem 12-seitigen PDF für dich zusammengefasst. Du erhältst es, wenn du dich für meinen Newsletter einträgst. Dort teile ich regelmäßig Impulse rund um Akquise, Positionierung und Preisgestaltung für professionelle Fotografen.

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Technische Anforderungen in der Industriefotografie

Die Fototechnik für die Industriefotografie unterscheidet sich gar nicht so stark von der in anderen Bereichen der Fotografie. Welche Ausrüstung du brauchst, hängt in erster Linie davon ab, welche Aufträge du übernimmst und für welche Kunden du arbeitest.

Ähnlich wie in der Hochzeitsfotografie gibt es auch in der Industriefotografie viele Situationen, die sich nicht wiederholen lassen:

  • Der Vorstandsvorsitzende hat nur am Dienstagvormittag zehn Minuten Zeit.
  • Die 200 Tonnen schwere Maschine wird genau einmal verladen.
  • Die Bilder für die Pressemitteilung müssen bis heute Abend fertig sein.

Deine Technik muss deshalb absolut zuverlässig funktionieren. Alles, was ausfallen kann, sollte doppelt vorhanden sein: Kamerabody, Akkus, Speicherkarten, Kabel und im Idealfall auch der Laptop für das Tethering.

Kameratechnik und Objektive

Eine Mittelformatkamera ist in den meisten Fällen nicht erforderlich. Eine aktuelle, hochauflösende Vollformatkamera mit geringem Bildrauschen solltest du jedoch einplanen, da du in Produktionshallen häufig mit wenig Licht arbeitest.

Für mich waren zwei Objektive besonders wichtig:

  • 35 mm f=1.2 für Businessportraits on location
  • 16 – 35 mm für die Industriefotografie

Darüber hinaus die Objektive

  • 24 – 70 mm f=2.8
  • 50 mm f=1.2
  • 85 mm f=1.4

Alle Brennweiten beziehen sich auf das Vollformat. Letztlich richtet sich die Wahl deiner Objektive nach deiner eigenen Bildsprache, und du wirst deine Ausrüstung je nach Auftrag anpassen.

Blitzanlage

Du benötigst eine verlässliche Blitzanlage, die leistungsfähig und transportabel ist. Ich habe auf die Hersteller Profoto und Hensel gesetzt und bin damit sehr gut gefahren.

Transport der Ausrüstung

Einer meiner wichtigsten und liebsten Begleiter ist mein Rock-N-Roller Transportwagen. Damit bewegst du deine komplette Ausrüstung mühelos, und die Oberseite dient dir als Ablagefläche.

In der Praxis sieht ein Auftrag häufig so aus: Du fährst mit dem Auto vor das Gebäude oder in die Tiefgarage, und von dort geht es mit dem Aufzug in den vierten Stock. Mit dem Transportwagen gelangst du bequem bis zur Location, ohne schwere Taschen schleppen zu müssen.

In der Fertigung hilft dir der Wagen noch auf eine zweite Weise. Dort gibt es oft keine Ablage für Kamera und Laptop, und wenn doch ein Tisch vorhanden ist, ist er häufig verölt. Mit dem Rock-N-Roller hast du deinen eigenen, sauberen und rollbaren Arbeitsplatz immer dabei.

Transportwagen

Persönliche Schutzausrüstung

Bring deine eigene Schutzausrüstung mit, damit du nicht auf Leihausrüstung vor Ort angewiesen bist. Das betrifft vor allem bequeme Sicherheitsschuhe, einen Helm und eine Warnweste. Mach dich außerdem vor jedem Auftrag mit den geltenden Sicherheitsbestimmungen im Betrieb vertraut und halte sie konsequent ein. Damit zeigst du gleich beim ersten Termin, dass du die Abläufe in der Industrie kennst.

Briefing der Fotoaufnahmen

In einem Briefing werden die wesentlichen Randbedingungen und Details festgehalten. Es bildet damit die Grundlagen für die durchzuführenden Fotoaufnahmen.

Ziel ist, die richtigen Ergebnisse zu erreichen und weder Zeit noch Geld zu verschwenden.

Welche Themen in einem Briefing besprochen werden, habe ich in einem separaten Artikel zusammengefasst.

Briefing Fotoauftrag Fotograf
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Abwicklung des Fotoshootings

Kommunikation

Missverständnisse in der Kommunikation fallen fast immer auf den Fotografen zurück. Mit einer klaren Gesprächsführung lassen sie sich zuverlässig vermeiden.

Den Satz „Ich bin davon ausgegangen, dass …“ kannst du aus deinem Wortschatz streichen. Als Industriefotograf bist du der Profi, der den Kunden mit seiner Erfahrung sicher durch den gesamten Prozess führt. Genau das erwarten deine Auftraggeber von dir.

Auch Top-Entscheider wie Vorstände und Geschäftsführer schätzen klare Ansagen und Entscheidungen. Während des Shootings liegen Regie und Verantwortung eindeutig bei dir.

Binde den Entscheider deshalb direkt in das Shooting ein und hole dir regelmäßig Freigaben ein. Nichts ist ärgerlicher als ein langer, anstrengender Aufnahmetag, an dessen Ende der Entscheider dazukommt und feststellt, dass er sich alles ganz anders vorgestellt hat.

Tethered Shooting

Aus diesem Grund führt in der Industriefotografie kaum ein Weg am Tethered Shooting vorbei. Der große Monitor hilft dir bei der technischen Beurteilung der Aufnahmen. Vor allem aber kann der Kunde die Motive direkt während des Shootings sehen und freigeben.

Außerdem lassen sich so kritische Bildinhalte frühzeitig erkennen und besprechen. Ich erinnere mich an ein Industrieshooting, bei dem im Hintergrund ein Gefahrstoffregal stand, das nicht ganz den Vorschriften entsprach. Bei einem anderen Auftrag trug ein Labormediziner vorschriftswidrig eine Armbanduhr im Labor. Die Aufnahmen, auf denen die Uhr zu sehen war, mussten wir beim nächsten Termin wiederholen. Solche Details fallen auf einem großen Monitor und mit einem zweiten Paar Augen deutlich schneller auf als auf dem kleinen Kameradisplay.

Industriefotografie als Beruf

Für Fotografen und Videografen mit technischem Interesse gibt es kaum einen spannenderen und lukrativeren Bereich als die Industriefotografie. Der Grund ist einfach: Die Anforderungen sind hoch, und entsprechend gibt es verhältnismäßig wenige Mitbewerber, die diesen Markt professionell bedienen.

Wenn du bisher keine Referenzen in der Industriefotografie hast, ist genau das dein erster Schritt. Kommuniziere deine Pläne aktiv in deinem Netzwerk. Erzähle Kunden, Partnern und Bekannten, dass du dich als Industriefotograf positionierst. Oft ergibt sich der erste Auftrag über jemanden, der in einem Industrieunternehmen arbeitet oder dort einen Ansprechpartner kennt. Jedes abgeschlossene Projekt kannst du anschließend auf deiner Website und auf LinkedIn zeigen. So wächst dein Portfolio Schritt für Schritt, und mit ihm deine Glaubwürdigkeit bei weiteren Industriekunden.

Du willst in der Industriefotografie wachsen?

In meinem Mentoring begleite ich Fotografen dabei, gezielt Industriekunden zu gewinnen, ihre Positionierung im B2B-Markt zu schärfen und Honorare durchzusetzen, die ihrer Leistung entsprechen. Hier erfährst du mehr über das Mentoring.

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