(M)ein vorläufiges Fazit zur Leica M240

Gibt es den Leica Look? (4)

Mein letzter Beitrag zum Leica-Look ist nun schon eine ganze Weile her… Das lag nicht unbedingt am spontan eingeschobenen Umzug samt Renovierung und auch nicht an meinem Anheuern in der Crew der fotocommunity. Vor allem lag es daran, dass ich nach der Rückgabe der Leica M240 mehr Fragezeichen im Sinn hatte als in der Zeit bevor ich sie zum ersten Mal in der Hand hielt.

„Jeder, den ich kenne, der zur Leica M240 gewechselt ist, machte ab diesem Tag einfach schlechtere Bilder!“

sagte der liebe Steffen Böttcher in einer unserer gemeinsamen Podcast-Sendungen zu mir. Ein motivierender Start war das! 🙂 Dass mir diese Worte in den kommenden Wochen noch ein paar Mal hochkommen würden, war mir an diesem entspannten Podcast-Abend noch nicht klar.

Was mir sofort klar war: Das Ding inspiriert mich! Als ich das Steffen sagte, kam wie aus der Pistole geschossen die Frage „Wozu denn?“. Das war eine gute Frage! Gute Fragen sind bekanntlich die, auf die man spontan keine Antwort parat hat. Ich wusste es einfach nicht! Irgendwas war aber los in mir.

Nach ein paar Tagen hatte ich ein interessantes Hybrid-Date (So nenne ich die Termine, bei denen Privates und Berufliches ineinander verschwimmt) mit einem spannenden Menschen. Nach unseren Treffen bin ich immer irgendwie inspiriert- also musste die Leica mit. Natürlich!

Wir trafen uns in Düsseldorf, ganz C-konform mit einem Kaffee to go vom Büdchen. Die Leica M240 war mir noch neu, wahnsinnig langsam und dennoch irgendwie wundervoll. Unsere Gespräche auch. Beides erschien mir sehr unpräzise und dennoch sehr positiv. Das klingt verwirrend? Das war es auch!

In den kommenden Tagen begleitete die M mich beinahe täglich – und und ich habe selten so viel Mist fotografiert! 🙂 Vieles erschien mir gleichermaßen spannend wie trivial. Dieses kleine Bäumchen, dass aus dem alten Stamm am Wegesrand wächst, hat mich gut eine Stunde gekostet. Oder habe ich sie geschenkt bekommen?

Während dieses Spazierganges merkte ich zum ersten Mal, wie gut es mir tat mit der Leica M240 unterwegs zu sein. Und das schien nicht bloß an ihrer Anmutung zu liegen, sondern auch an der vordergründig trivialen Art der Fotografie, die sie mir entlockte. Besonders in den ersten Wochen lies ich mich mehr auf den Moment und das Objekt ein, als auf den Wunsch, das nächste, geile Bild für Instagram & Co zu schießen. Sind das die schlechten Bilder, die Steffen meinte?

Auch wenn ich digital fotografierte, fühlte ich mich sehr in meine Jugend zurückversetzt. Sowohl während ich die Fotos machte, wie auch wenn ich sie mir später anschaute.

Dieses „Unprätentiöse“, wie Vincent Peters es gern nennt, hatte ich schon bei vielen Leica-M-Fotografen gesehen, konnte es aber nie so recht einordnen. Manchmal machten sie Fotos, die mir nicht „raffiniert“ (?) genug erschienen. Jetzt machte ich sie auch.

Und bevor ich hier mit Tomaten beworfen werde: Ich fand das spannend.

Plötzlich wieder Anfänger!

Meine Fotografie war nun völlig anders, an manchen Tagen hatte ich sogar das Gefühl, ganz von vorn zu beginnen! Und dabei ist mein erstes Spiegelreflex-Foto über 30 Jahre her.

Innerhalb dieser Wochen begann ab diesem Nullpunkt wieder eine (Neu-)Entwicklung. Ich kam immer besser mit dem manuellen Fokussieren klar, machte aber die gleichen Anfängerfehler wie damals. Mal hielt ich die Kamera nicht still, mal vergaß ich den Hintergrund… wahnsinnig spannend! Eine kleine Zeitreise. Dann aber kam ich auf den Geschmack und suchte nach lustigen Perspektiven und Bezügen, wieder ganz ganz anders als mit meiner Canon.

Schon recht früh hatte ich mir mir selbst den Deal gemacht, dass ich diese Leica nur rein intuitiv und nicht konzeptionell einsetzen würde. Die C-Pandemie hatte mir mit dem mitgelieferten 35mm f2 die Möglichkeit vorenthalten, bspw. mit einem Model in die Kunst der Portraitfotografie abzutauchen. Also fotografierte ich, was mir begegnete. Auf diesen Wegen zeigte mir die M so manche spannende Szene.

Auf meiner Spazierrunde mit den Hunden komme ich bspw. regelmäßig an einem kleinen Park vorbei. Erst mit der M vor den Augen bemerkte ich, wie viele kleine Szenen dort auf den Passanten warten. Natur, Kultur, Kunst und Tierwelt treffen hier aufeinander und stehen auf verschiedensten Ebenen in einem interessanten Verhältnis zueinander. Auf die Gefahr hin, das eine oder andere Fragezeichen auszulösen, poste ich die dazugehörigen Bilder ohne weitere Erklärung, vielleicht siehst auch Du, was ich meine:

Leica M240: Mein (vorläufiges) Fazit

Ziemlich spannend, unspannend und entspannend zugleich, das Thema M!

Ehrlicherweise bin ich geneigt die Fotografie künftig in „M“ und „Andere“ zu unterteilen – einfach, weil es so anders ist! Nicht schlechter, auch nicht besser: Anders!

Als ich die M240 dem lieben PhotoMo zurückbrachte, war ich allenfalls ein etwas eingegroovter Anfänger, so kann mein Fazit hier auch gar nicht bis hin in die ambitionierte Verwendung reichen. Für mich aber habe ich erlebt, wie unglaublich wohltuend das Fotografieren mit der M für mich war. Als Entspannungs- oder Coachingwerkzeug bekommt sie in jedem Fall die Note 2!

Warum nur eine 2? Weil sie so unglaublich teuer ist. Oder sagen wir preis-wert. Sie ist ihren Preis nämlich wert, wie ich finde. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich sie mir jemals kaufen werde, aller Faszination zum Trotz. Viele tausend Euro braucht es, auch gebraucht, um einen geneigten Händler zur Herausgabe eines solchen Schätzchen zu bewegen. Das ist ganz schön viel Geld; vor allem, weil ich nicht das Gefühl habe, dann auf ein Arbeitsgerät wie meine EOS R verzichten zu können. Oder wäre der Idealbegleiter der M eine Leica SL? 🙂

Sie inspiriert und entspannt mich, sie langweilt mich, sie motiviert mich, sie nervt mich und dabei finde ich sie wahnsinnig anziehend… Sie fühlt sich an wie eine kühle Affaire, an der man sich dennoch die Finger verbrennen kann.

Was ich noch nicht weiss, bisher allenfalls erahnen kann ist, wie sie sich anfühlt, wenn ich mich mit einem Menschen auf eine tiefe Portrait-Session einlasse.

to be continued…

Autor dieses Beitrags ist Falk Gustav Frassa

falk-frassa

Die spürbare Fotografie ist seine Lebensleidenschaft, sein Therapeut und manchmal auch einfach nur sein Job.

Neben der Fotografie erstellt und betreibt er verschiedene Podcast-Formate und arbeitet für meine Kunden als Mentor und Coach.

Sein Berufsleben startete Falk vor vielen Jahren im Rettungsdienst und der (Psychiatrie-) Pflege. Nach und nach packte er dort Wissen und Erfahrung ein und nahm es mit in den Kreativbereich.

Website: fotografie tut gut

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