Von Robert Zolles, Fotograf in Frankfurt und Wien
Von einem, der auszog um einen Blitzgenerator für seine Produktfotos zu kaufen…
… und nach exakt 7 Tagen gänzlich andere Blitzgeräte im Studio stehen hatte.
Ich fotografiere Produkte. Kleinprodukte, für Webshops. Keine hochaufwendigen Imagefotos samt Postproduktion, sondern schnörkellose Artikelbilder auf reinweißem Hintergrund. Die Tüftelei dabei ist die effiziente Massenfotografie so zu perfektionieren, dass außer der allgemeinen RAW-Umwandlung keinerlei Bildbearbeitung, Freisteller oder Postretusche notwendig ist. No Photoshop, sozusagen.
Geliefert wurden kartonweise Tücher. Dreiecktücher, Schlauchschals, längliche Brokatdinger und quadratische Seidentüllbommelungeheuer. Wie bei fast allen Produkten, ist das Aus- und wieder Einpacken der Sachen der zeitaufwendigste Arbeitsanteil. Dafür habe ich meine zuverlässige Assistentin Jasmin.
Die Tücher sollten einmal um den Hals eines Puppentorsos gewickelt abgebildet werden. Das Setting dafür besteht aus dem Hauptlicht mit Softbox seitlich vorne, Aufhellern rundherum sowie einer senkrecht befestigten Milchglasfolie und Beleuchtung von hinten mittels einer weiteren Softbox. Die richtige Überbelichtung des Hintergrunds ergibt den reinweißen Hintergrund. Soweit, so eingespielt.
Nun aber will der Kunde 2-3 verschiedene Fotos von seinen hochpreisigen Tüchern. Hunderte Tücher in 2-3 Durchgängen hintereinander mit verändertem Setaufbau zu fotografieren ist aber unpraktikabel. Meine Lösung: die Dinger müssen in 2 verschiedenen Setaufbauten fotografiert werden. Dazu braucht man aber mehr Platz, mehr Kameras, mehr Stative und vor allem – mehr Licht. Die ersten Punkte habe ich, aber nicht genug Blitzköpfe. Das wäre die Gelegenheit, sinnvoll in die Studioausrüstung zu investieren und etwas zum Abschreiben für die Buchhaltung zu haben!
Mein erster Gedanke: jetzt kaufe ich endlich einen g’scheit’n Generator für 4 Blitzköpfe, passend zu meinem vorhandenen Profoto-Equipment. Denn ich bin von der Qualität und der Bedienbarkeit (Usability für die Marketingleute unter euch) bei Profoto überzeugt. Sauteuer, aber es wirkt, so ähnlich wie Apple oder Red Bull. Jetzt aber bitte keine Grundsatzdiskussionen.
Das Internet, Segen unserer Zeit. Bei Profoto war schnell der passende Generatortyp gefunden. D4 mit 4 Prohead-Köpfen und 4 Stativen heißt mein neuer Traumprinz. Leicht, schnell, mit Air Remote und 4 asynchronen Anschlüssen. Noch die anderen technischen Daten für mich zusammenschreiben, zwecks Technikfaszination (ein Überbleibsel meiner Architektenausbildung):

Hmmm. Vor allem der Preis bringt meine Investitionslaune ins Schwanken. Gut, es müssen ja nicht gleich 4 Köpfe sein, zuerst brauch ich ja nur zwei. Aber kann dieser Generator auch anderswo verwendet werden, zb. bei Peopleshootings beim Kunden? Eine alte, in Wien zurückgebliebene Idee gräbt sich wieder aus den hintersten Gehirnwindungen hervor. Ich wollte doch die kompakten D1-blitzköpfe haben, bevor die Übersiedelung nach Frankfurt 2011 Realität wurde. Die wurden inzwischen leicht modifiziert und überarbeitet, haben keine Kinderkrankheiten mehr, und die Sache mit der im Tubus zurückversetzten Blitzröhre (das störte mich als alten Blitzröhre-muss-in-alle-Richtungen-strahlen-Haudegen von Beginn an) wurde durch Erfahrungsberichte anderer Fotografenkollegen ausgeräumt.
Alternativen dienen ja immer als Bestätigung der richtigen Kaufentscheidung. Gut, dann mal näher die D1-Köpfe begutachtet. Also wieder die technischen Auflistungen, Preislisten und Erfahrungsberichte im Internet suchen. Ein in der Leistung vergleichbares Set mit sehr viel mehr Zubehör sah dann so aus auf meinem Technik-Zettel:

Preis inkl. 4 Stativen, Air Remote Steuerung und Transporttaschen 6.800,- inkl. MwSt. (als Set sogar mit wesentlich mehr Zubehör zu haben)
Ein Dilemma. Meine erhoffte Bestätigung zum Kauf des teuren Generators nahm jäh eine Wendung. Die kompakten sind leistungsfähiger, leichter, flexibler und samt einer Latte Zubehör billiger. Ich könnte auch zuerst 2 Köpfe kaufen, und nächstes Jahr nochmal 2 nachlegen, zwecks Abschreibung.
Pfff. Gibts nicht, irgendwas übersehe ich bei meinem Vergleich. Also die zuverlässigste aller Meinungsbildungsinstitutionen zu Rate gezogen – Facebook. Ich bin da in Gruppen wie selected austrian photography, Berufsfotografen Österreich, usw. Ein riesiges Wissenspotential von hauptberuflichen, professionellen Fotografen. also die Frage nach dem Vorteil eines Generators gegenüber den Kompakten gestellt. Conclusio nach mehreren Tagen voller technischer Postings mit Zahlen und Werten: keiner kann mir einen belegbaren Vorteil nennen, einer zieht sich sogar schmollend zurück, weil ich es einfach nicht einsehen will, dass Generatoren halt einfach besser sind. Punkt.
Meine ernüchternde Zwischenbilanz Generator gegen Kompaktkopf
Das gesamte Generatorset ist viel schwerer (Transport, Handling).
Kompaktköpfe mit großen Softboxen können etwas stabilere Stative benötigen (oder ein Hilfsstativ für die Softbox), da der Kompaktkopf schon etwas schwerer ist (0,6-0,8kg), aber dafür mit dem leichteren Stromkabel auskommt.
Die prohead-Köpfe zum Generator sind zwar 0,6 bis 0,8 kg leichter als der Kompakthead, aber es kommt noch das dicke Blitzkabel dazu. Die Blitzkabel des Generators sind schwer und unpraktisch und müssen verlängert werden (Verlängerungskabel 10m um 440 Euro).
Das alte Argument, daß am Generator zentral zu steuern ist, ist veraltet. Mit der Air Remote Steuerung können sowohl Generator als auch Kompaktkopf bequem von der Kamera oder vom Computer aus kontrolliert werden.
Das ebenso alte Argument mit Abweichungen bei Farbtemperatur und Blitzleistung bei den Kompakten ist inzwischen ebenso praktisch vernachlässigbar.
Wer mehr als 1000 Ws auf dem einzelnen Blitzkopf braucht, muss zu einem Generator (oder gleich mehreren) greifen. Oder die ISO an der Kamera 1-2 blendenstufen hochdrehen. 1000 Ws zu 2400 Ws wären beim Kompakten statt ISO 100 vertretbare ISO 250, wenn man es wirklich brauchen sollte.
Für schnell bewegte Motive spricht natürlich die kürzere Abbrenndauer des Generators. Meine Produkte im Studio sind statisch, und für normale, auch etwas bewegte Peoplefotos reicht die Abbrenndauer des D1 völlig aus.
Der Generatorbetrieb in Stromkreisen unter 16 Ampere Absicherung neigt zur Überlastung. Mach das mal beim Kunden mit 15 laufenden PCs, ich freue mich auf die Rechnung fürs recovern. Die Kompakten können zumindest an verschiedene Stromkreise angeschlossen werden.
Bei Ausfall des Generators steht alles, wenn ein Kompaktkopf kaputt wird, kann zumindest mit den restlichen weiterfotografiert werden.
Wer also nicht 2400 Wattsekunden über einen Blitzkopf rausblasen muss, oder nicht 10.000 Auslösungen pro Studiotag macht, ist meiner persönlichen Meinung nach mit Kompakten besser beraten. Es gibt spezielle Einsatzbereiche, wo nur der Generator mithalten kann, aber für meine Anwendungen trifft das nicht zu. Belegbare Gegenargumente herzlich willkommen!

Dieser Text gibt die subjektive Meinung von Robert Zolles, Fotograf in Frankfurt und Wien, wieder.
Das war die erste Hälfte meines mühsamen Auswahlverfahrens Richtung neues Studiozubehör.
Wie es weiterging, und was nach exakt 7 Tagen schließlich in meinem Studio landete (die Auswahl hatte ein überraschendes Ergebnis …), erfahrt ihr im nächsten Teil, der in ein paar Tagen hier erscheint.
