Fotografie im Internet

Bloggen und kommentieren nur gescheiterte Fotografen?


Toto schreibt mir:

zuerst mal ein dickes Lob für die Menge an wertvollen Informationen, die Du hier zusammengetragen hast. Stunden des lohnenswerten Schmökerns habe ich entweder hier oder auf von fotografr empfohlenen Links verbracht.

Ich trage mich mit dem Gedanken in die fotografische Selbständigkeit zu gehen (Bereich Business & Corporate Fotografie) und lese daher natürlich auch immer mit Interesse die Kommentare derjenigen, die schon etwas weiter sind als ich… Und da kommt bei mir doch immer recht oft ein Fragezeichen auf… Vielleicht keine echte Frage, aber doch etwas zum sich fragen…

Bei dem ganzen Gemaule über den Untergang des fotografischen Abendlandes, der schlechten Zeiten, knauserigen Kunden und so weiter möchte man ja sein Ziel gleich wieder mit der Flinte ins Korn werfen.

Aber wenn ich mir dann die Webseiten der sogenannten Profis ansehe (so sie denn überhaupt eine angeben), dann fasse ich doch wieder Mut. Denn bei den dort gezeigten Bildern wundert es mich nur selten, dass der Kunde woanders hingeht.

Oft wird auch alles über einen Kamm geschoren. Zum Beispiel „Fotomappen/Prospekte zusenden bringt nichts.“ – Auf die Idee, dass der Prospekt schlecht gemacht sein könnte, oder die Fotos nicht gut sind, kommt derjenige wohl nicht.

Kann es sein, dass überproportional viele gescheiterte Fotografen, die heute genug Zeit zum lesen und posten haben, sich hier äußern, und diejenigen, die gut (im Geschäft) sind, sich hier nur selten melden? (Wobei es natürlich auch SEHR GUTE Fotografen hier gibt… )

Wie gesagt, keine klare Frage alles in allem, aber mal ein Gedanke, zu dem mich Deine Meinung interessieren würde…

Danke Dir, Toto.

Deine Gedanken sind nicht von der Hand zu weisen. Schaut man sich einmal an, wer sich in der deutschen Online-Szene zum Thema Fotografie so tummelt, so ist das nicht unbedingt die Creme de la Creme der deutschen Fotografen.

Gut beschäftigte und erfolgreiche Fotografen haben oft keine Zeit, sich online zu betätigen, oder sie nehmen sich die Zeit nicht. Als Ausnahmen fallen mir da zwar zum Beispiel Paul Ripke und Jan Kocovski ein (und es gibt noch eine ganze Reihe weitere), aber die meisten Foto-Blogger und Kommentatoren sind Foto-Amateure.

Es gibt sicher viele Gründe, warum deutsche Profi-Fotografen nur selten bloggen oder kommentieren:

  • Keine Zeit
  • Über Kunden spricht man nicht öffentlich und Bilder darf man auch keine zeigen
  • Angst, Firmengeheimnisse preiszugeben und Konkurrenten wichtige Hinweise zu geben
  • Warum sollte man es tun? Neue Kunden kann man damit nur schwer gewinnen und monetarisieren lässt sich das ganze auch nicht.
  • Man macht sich angreifbar
  • Es sind ohnehin nur Amateure online, in dieses Metier möchte man sich als Profi nicht hineinbegeben

An all diesen Punkten ist etwas dran, und es gibt sicher noch weitere Gründe für Foto-Profis, sich nicht oder nur zurückhaltend online zu betätigen (mit Ausnahme der Homepage bzw. des Online-Portfolios, das natürlich Pflicht ist).

Daraus zu schließen, dass alle Foto-Profis, die bloggen oder kommentieren, gescheiterte Existenzen sind, muss ich natürlich schon im eigenen Interesse entschieden zurückweisen 😉 Und ich behaupte: Hier auf FOTOGRAFR lesen und kommentieren überdurchschnittliche viele Fotografen, die sich beruflich mit dem Thema beschäftigen und die auch etwas wertvolles zu sagen haben.

Aber es gilt online noch viel mehr als im „realen“ Leben: Erst wenn man weiß, von wem eine bestimmte Äußerung kommt und welchen Hintergrund diese Person hat, kann man die Aussage für sich einordnen. Es sind im Internet schon einige „Wannabe’s“ und Schwätzer unterwegs.

Wie ist eure Meinung? Warum halten sich so viele professionelle Fotografen beim Bloggen und Kommentieren zurück? Und ist es wirklich ein Zeichen für fehlenden Erfolg, wenn ein Profi-Fotograf Social Media nutzt?

Das wird Dir auch gefallen:

Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können. Mehr

26 Kommentare

  • Guten Morgen Michael und Toto!

    Erst einmal ein frohes neues Jahr…

    Diese Frage empfinde ich als sehr interessant, ebenso wie amüsant…

    Ich Blogge und Fotografiere…
    Klar zähle ich nicht zur deutschen Elite, aber jammern kann ich auf gar keinen Fall…

    Wenn man das Argument berücksichtigt, dass man über Kunden nicht offen redet, ist das schon zutreffend und eben aus diesem Grund, poste ich relativ wenig Bilder, denn für freie Arbeiten fehlt mir einfach die Zeit…

    Ein Blogkommentar oder ein kleiner Artikel (ich blogge nicht täglich) ist jedoch schnell geschrieben.
    Wenn man sich auf die guten Blogs beschränkt (Das ist ein Kompliment Michael) nimmt es kaum Zeit in Anspruch…

    Weil ich mir die Zeit nehme, verliere ich sicherlich keine Kunden oder Arbeitszeit, denn ich mache erst Feierabend, wenn man Tagespensum geschafft ist. Das Lesen von Blogs ist für mich eine Art Augen-Neutralisation während der Post-Production…

    Zudem inspiriert mich der ein oder andere Blogeintrag, wodurch ich sicher nicht schlechter werde…

    Fazit: Mag ja sein, dass überdurchschnittlich viele Fotografen eher über schlechte Auslastungen verfügen und bloggen, aber es gibt auch sehr viele, die Bloggen und trotzdem Erfolgreich sind…

    Beste Grüße
    Sascha

  • Hallo,

    die Ausgangsfrage ist wirklich nicht so ganz von der Hand zu weisen, zumindest drängen sich die Profis in Sachen Kommunikation nicht unbedingt in die erste Reihe. So kommt es auch, dass der Workshopmarkt, die Blogszene usw. scheinbar nicht von den besten Fotografen bestimmt wird.

    Das ist eigentlich sehr schade, denn das, was erfolgreiche Berufsfotografen zu erzählen hätten, würde allen nützen: den Amateuren genauso wie auch dem Markt. Mehr verfügbares Wissen über professionelles Handeln könnte auch Semiprofis und Neueinsteigern helfen, sich zurecht zu finden und sich professionell zu verhalten (z.B. beim pricing).

    Rühmliche Ausnahmen gab es allerdings schon immer: Fritz Pölking hat auf seiner Website (die man als eine Art Vorläufer eines Blogs bezeichnen könnte) sehr freimütig über seine Art der Berufsfotografie berichtet. Joe McNally ist ebenfalls sehr aktiv, gibt Workshops und ist auf Messeauftritten zu sehen. Natürlich verbirgt sich dahinter auch immer ein kommerzielles Interesse: beide woll(t)en ihre Bücher verkaufen und ihre Workshops füllen. Legitim ist das aber dennoch – und nützlich für alle Fotografen und Fotografierenden, wenn sie Wissen aus erster Hand erhalten, das sie auf ihrem Weg begleitet.

    Nicht jedem Fotograf ist es gegeben, didaktisch zu wirken; das kommt noch hinzu. Und natürlich hat man tatsächlich ein Zeitproblem: egal, ob man noch am Anfang steht oder schon Fuß gefasst hat: das eigene Geschäft ist immer das Wichtigste, bestimmt das Denken, und es gibt immer 1000 Dinge zu tun, die vielleicht als wichtiger empfunden werden, als sein Blog zu entwickeln.

    Mein eigenes Blog (http://www.christianahrens.de/blog) wollte ich eigentlich viel lebendiger gestalten und regelmäßig Geschichten veröffentlichen. Das ist mir bisher auch nur bedingt gelungen, und es gehört zu meinen guten Vorsätzen für 2012, hier mehr zu machen. Hoffentlich klappt’s!

    Beste Grüße und viel Erfolg
    Christian

  • Bernd sagt:

    Hallo Michael und Toto,

    ein paar sehr schöne Gedanken bzgl. dieses Themas, die ihr hier aufführt. Ich selbst bin Amateur und blogge gerne über meine Arbeiten und ich denke auch, dass viele Profis vielleicht auch einfach nicht bloggen oder kommentieren, weil sie keine Lust dazu haben.

    Für viele ist Schreiben vielleicht einfach zu anstrengend und nervtötend, denn oftmals fehlen einem die Worte oder man kann seine Gedanken nicht so zu Wort bringen, dass es andere auch verstehen. Dann lassen sie es lieber, bevor man sich dadurch womöglich noch einen „schlechten Ruf“ erbloggt.

    Und wie du schon geschrieben hast ist sicherlich die Zeit ein Kriterium, da man sich nach den Fotoaufträgen vielleicht doch lieber noch mit etwas anderem beschäftigt (z.B. Familie, Hobbys), als noch über Fotografie zu bloggen oder darüber zu lesen und zu kommentieren.

    Das es aber auch einige Profis gibt, die sich dennoch die Zeit nehmen, finde ich sehr gut. Dadurch bauen sie sich doch eventuell mögliche Kunden auf oder werden weiterempfohlen und ermutigen auch Amateure einfach mal einen Schritt nach vorne zu wagen. Gerade wenn die Profis über ihre Anfangszeiten bloggen gibt es immer wieder hilfreiche Tipps.

    Grüße,
    Bernd

  • Hendrik sagt:

    In meinem Fall gehört Schreiben und Fotografieren gleichermassen zum Beruf. Und ich schreibe einfach auch gerne. (Und mancher meint, es sei auch gut zu lesen.)

    Ein sorgfältig geschriebener Artikel oder gar ein Buch verschlingt allerdings jede Menge Zeit. Und nicht jeder Fotograf ist gleichzeitig auch ein guter Schreiber. Insofern muss das Schreiben zum persönlichen Profil passen.

    Es gibt durchaus auch wirklich gute Fotografen, die viel und interessant schreiben. Joe McNally z.B. oder auch Ryan Brenizer. Oder das Plappermaul Jasmine Star. In Amerika ist das Schreiben bei Fotografen eben auch schon etwas weiter verbreitet. In Deutschland sind schreibende Berufsfotografen eher noch die Ausnahme.

    Vor ein paar Jahren habe auf einer Nikon-Messe einmal eine Podiumsdiskussion verfolgt, bei der Fotografen und Magazinredakteure (einer vom Stern war dabei) über Möglichkeiten für Fotojournalisten sprachen. Der Redakteur vom Stern antwortete auf Frage eines Fotografen im Publikum, dass Artikel NIE von Fotografen geschrieben würden. Und dass, selbst wenn ein Fotograf mit einer guten Bildstory käme, die Geschichte immer noch von einem Texter neu geschrieben würde. Er kenne auch keinen Fotografen, der gut schreiben könne.

    Heute hat sich das auch in Deutschland etwas verändert, denke ich. Aber die alten Sichtweisen sind bestimmt auch noch häufig anzutreffen.

    Generell finde ich aber auch, dass das „Jammern“ durchaus ein Problem ist. Denn wer viel jammert, erhöht dadurch nur die Chance, dass er seine Ziele nicht erreicht.

  • Oliver sagt:

    Hallo,

    ich glaube das hat nichts mit guter oder schlechter Fotograf zu tun, sondern mehr mit Interesse und Unsicherheit. Bedingt durch mein anderes Hobby kenne ich sehr viele wirklich sehr gute Handwerker die einzigartig sind, die wenigsten haben eine Web-Seite, einen Blog keiner. Ich glaube, dass selbst heute noch für viele Menschen die Begriffe „eigene Web-Seite erstellen“ und/oder „eigenen Blog betreiben“ klingt wie wenn mir jemand was vom „selbst Tapeziert“ erzählt, denn das können nur Profis, hochbezahlte Experten. Ich glaube die wenigsten Fotografen programmieren ihre Web-Seite so richtig selbst mit HTML und CSS sondern lassen das machen oder verwenden bestenfalls einen Baukasten. Ich denke das ist auch gut und richtig so, denn immerhin ist es ihr Aushängeschild das sollte schon klar machen dass der Besitzer etwas von Bildaufbau versteht; es muß 100%ig top sein. Eine fertige Web-Seite macht fast keine Arbeit mehr, da gibt es selten Probleme die sofort behoben werden müssen. Bei einem Blog denke ich ist da die Hemmschwelle sehr viel größer, obwohl man da selbst nichts mehr mit HTML oder CSS zu schaffen hat. Aber eine Blogsoftware wie z.B. WordPress richtig zu verstehen ist auchnicht ohne, andere schreiben da ganze Bücher drüber.

    Ichglaube einfach, dass die meisten Handwerker oder Fotografen froh sind wenn sie die PC-Arbeit auf das wichtigste reduzieren können. Bis eine gute Web-Seite oder ein Blog steht das ist schon Arbeit und wenn man kaum Freizeit hat und einem das Thema PC nicht sonderlich interessiert warum soll man sich da so einen Klotz ans Bein binden. Ich glaube nicht dass es etwas mit guter Fotograf, schlechter Fotograf zu tun hat.

    Gruß
    Oli

  • christian sagt:

    Wie in der letztens geposteten „Link-Liste“ zu sehen war, setzten sich Blogs mit Tutorials und How-Tos wohl eher durch. Für Fotografen die nicht von Workshops leben sondern von fotografischen Arbeiten sehe ich die Blogs als Möglichkeit tiefer in die Arbeiten oder persönliche Arbeiten blicken zu lassen. So ein Einblick kann für potentielle Kunden oder interessiere Leser gleichermaßen interessant sein. Die Hürde ist dann wohl eher dass sich der Erfolg eine Leserschaft damit aufzubauen vielfach langwieriger ist als ein HDR Tutorial online zu stellen.

  • jan sagt:

    Danke Michael für die freundliche Erwähnung.

    Da komme ich jetzt natürlich nicht wirklich an dem Thema vorbei und gebe mal meine Sichtweise der Dinge zum besten.

    Das die Fotografie sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hat ist den meisten unter uns sicherlich bewusst. Was viele einfach übersehen ist das die Fotografie (speziell in der Werbung) einigen Prinzipien unterliegt die eigentlich befolgt werden sollten:

    Vor Jahren haben wir noch alle 2 Monate Promos gedruckt und an Agenturen und große Kunden verschickt um zu zeigen das wir noch Leben (und natürlich in der Hoffnung einen passenden Job zu bekommen). Diese Nummer funktioniert heute nur noch bedingt und ich gebe zu das auch ich eine Weile gebraucht habe das für mich zu verstehen. Wie den meisten, so geht es auch mir so das das gedruckte für mich einen größeren Wert darstellt. Umso härter fällt es natürlich umzudenken und andere Medien zu entdecken. Ich gebe allerdings zu das ich immer noch mindestens 3 mal im Jahr Promos drucken lasse den nach wie vor bevorzuge ich das gedruckte.

    Ich nutze nur auch noch weitere Kanäle um auf mich aufmerksam zu machen und früher wie heute ist die Pflege des Netzwerks oberste Priorität.

    Früher hiess es im Self Marketing das die Menge der Wiederholungen Reichweite generiert und damit auch früher oder später Umsatz. Das ist seit einigen Jahren nicht mehr so und heute ist es die Relevanz durch die Reichweite generiert wird. Wenn ich also Informationen streue die für den ein oder anderen Interessant sein könnten, wird diese weitergetragen. In der digitalen Zeit einfacher als früher… ich klicke auf Teilen, oder Twitter oder was auch immer.

    Viele tolle Kollegen nutzen Facebook und Co intensiv und das ist nicht wirkliche eine Werbeplattform sondern viel eher lassen wir unsere Umwelt an dem teilhaben was wir tun. Was gleichzusetzen ist mit „wir Leben noch“ und sowas erreicht tatsächlich auch Menschen die einen Job zu vergeben haben… zwar weniger auf der Plattform selbst sondern eher über die „Randkanäle“.

    Social Media ist heute nicht mehr wegzudenken und warum sollte das in der Fotografie anders sein? Wir alle unterliegen dem stetigen Wandel und wer nicht fähig ist neues zu adaptieren und mit seinem eigenen Style zu kombinieren wird über kurz oder lang nicht mehr da sein.

    Persönlich blogge ich sehr gerne (wenn auch zu wenig), nutze Facebook, G+ und Twitter und verfolge viele Diskussionen. Auf Facebook schreibe ich immer wieder über meine Arbeit oder nehme einen meiner Assistenten aufs Korn, aber das gehört dazu den mir ist es sehr wichtig nicht zu ernst genommen zu werden. Ich bin ein schlechter „Schreiber“ aber darum geht es mir in erster Linie auch gar nicht. Ich habe Spaß an dem was ich tue und stehe schon seit Ewigkeiten darauf mein Wissen auch zu teilen.

    Es ist nicht schwierig das in den täglichen Arbeitsfluss zu integrieren, ist doch die Fotografie früher wie heute kein nine 2 five job. Über den Tag verteilt gibt es immer wieder kurze Abschnitte in denen es erfrischend ist mal von seinem täglichen Geschäft abzuschweifen und sich dem „entertainment“ zu widmen.

    Ich hoffe sehr das ich das irgendwie verständlich ausdrücken konnte… wie gesagt, im schreiben bin ich nicht grandios und so lange Texte sind eher die Seltenheit bei mir 🙂

  • R. Kneschke sagt:

    Grundsätzlich ist an der These was dran, aber wer es richtig macht, sollte durch Blogs und Social Media in der Lage sein, sein Einkommen zu erhöhen, nicht unbedingt, weil mehr Kunden den Fotografen buchen, sondern weil durch das zur Schau gestellte Fachwissen andere Möglichkeiten wie Vorträge, Workshops, Werbung im Blog, Buchveröffentlichungen etc. möglich werden.

  • Toto sagt:

    Ja – da scheinen ja einige Meinungen zum Thema zu existieren… Das freut mich.

    Wobei meine These weniger war, das ein Fotograf, der blogt, automatisch gescheitert sei…

    Es geht mir mehr darum, ob die oft negative Stimmung, die in Kommentaren zum Thema Honorare / Auftragslage zu hören ist, repräsentativ ist. Oder beschweren sich hier eben nur die gescheiterten über den vermeintlich schlechten Markt, sind aber Opfer Ihrer eigenen Fehler…

  • Ronny sagt:

    Ich denke ganz und gar nicht, dass quasi nur Amateure oder gescheiterte Fotografen-Existenzen einen Blog führen.

    Nicht jeder der fotografieren kann, kann schreiben. Nicht jeder der fotografieren kann, hat Lust sich mit einem Blog, der eigenen Webseite oder gar Social Media zu beschäftigen.

  • jan sagt:

    @Toto
    letztendlich liegt es an jedem selbst den Preis zu bestimmen den er glaubt wert zu sein. Klar gibt es potenzielle Kunden die dann der Meinung sind das der Fotograf „zu teuer“ sei… aber wenn man smart ist lässt man diese Kunden im guten ziehen und hält den Kontakt. Häufig stellt sich im Nachgang heraus das die sehr unglücklich sind mit den Fotos die sie für „kleines“ Geld bekommen haben und der nächste Job kommt sicher irgendwann.

    Eine etwas offensive These:
    Wer jammert verdient ohnehin schon nicht genügend und hat Angst das ihm irgendjemand was wegnehmen könnte.

    Eigentlich ist es doch wie in jedem „Geschäft“ das man betreiben könnte: Wenn du einen guten Job machst, wirst du davon leben können. Wenn nicht, dann ist die Welt einfach Böse und ungerecht zu dir 😉

  • @ Jan und Tot: Ich stelle mal die These auf, dass es als Fotograf schwieriger ist, sein Auskommen zu haben, als in anderen Berufen.

    Als mittelmäßiger Fliesenleger wirst Du nicht verhungern, als mittelmäßiger Fotograf aber durchaus. Einfach weil die Konkurrenz so groß ist.

    Aber dadurch sollte man sich nicht von seinem Berufswunsch abhalten lassen, wenn er denn so groß ist 😉

  • jan sagt:

    @Michael,
    ich glaube das ist subjektives empfinden. Letztendlich wird der mittelmäßige Fliesenleger viel mehr Trommeln müssen um ein anständiges auskommen haben zu können… so ist es auch bei uns 🙂

    Mein Dad hatte das schon früher immer gesagt: Wenn du nicht gut genug bist, musst du viel härter arbeiten als ein anderer der besser ist.

    Wobei „besser“ jetzt in unserem Geschäft rein subjektiv ist.

    Als Fotograf wirst du in den aller meisten Fällen gebucht weil dein Style gefällt (oder weil du eine coole sau bist 🙂 … beim „Fliesenleger“ ist das ein wenig entspannter weil er im Prinzip vom Markt als „Gleichwertig“ zu allen anderen Fliesenlegern wahr genommen wird. Ob das jetzt gut ist oder nicht sei mal dahin gestellt.

  • Toto sagt:

    In einem der letzten Beiträge hier auf Fotografr war eine schöne Präsi von Sebatian Ehl, in der auch darauf hingewiesen wurde, dass ja nur ein Teil der Arbeit eines Fotografen das Fotografieren ist. Ein anderer großer Teil ist die (Selbst-)Vermarktung. Jemand, der ein mittelmäßiger Fotograf, aber ein guter Vermarkter ist, sollte daher ja eventuell bessere Chancen haben, als ein exzellenter Fotograf mit lausigem Marketing…

    Und der Fliesenleger wird Dir garantiert ein Klagelied über die billigen Polen singen… Man hört leider immer sehr oft die Einstellung, dass es bei einem selbst viiiiiiel schwieriger ist und die anderen es immer viiiiiel leichter haben (weil andere Branche, größere Stadt, bessere Kamera, etc.)…

    Ich kenne keinen Freelancer, der sagt: „Alter, so geil, die Jobs fliegen mir nur so nach und die Honorare sind so hoch…“ – egal, aus welcher Branche, aus welchem Land und in welchem Alter…. Klagen ist eben des Kaufmanns Lied…

  • @ Jan und Toto: Ja, ihr habt schon recht. Trotzdem habe ich in der Vergangenheit mehr gescheiterte Fotografen erlebt als in jedem anderen Beruf.

    Beispiel: Vor einem Jahr war ich noch in einer Studiogemeinschaft mit 2 anderen Berufsfotografen. Von uns 3 bin nur noch ich da, die beiden anderen haben ihren „Laden zumachen“ müssen.
    Und das obwohl die fotografische Qualität sehr gut war.

    Aber ich kenne auch sehr viele erfolgreiche Fotografen.
    Wer sich dazu berufen fühlt, sollte es probieren, sonst weiß er nie, ob es klappt oder nicht 😉

  • Thomas sagt:

    Ich habe noch eine kurze Anmerkung zum Vergleich zwischen dem Fotografen und dem Fliesenleger. Ein mitelmäßiger Fließenleger wird trotzdem genug Arbeiten haben, wahrscheinlich aber einen Großteil davon nicht auf Rechnung. Diese Möglichkeit wird ein Fotograf nicht haben. Und da gibt es genügend andere Beispiele, die in die gleiche Richtung gehen. Maler / Designer, KFZ-Mechaniker / Projektleiter. Für einige Aufgaben ist der „Markt“ einfach größer.
    Ich glaube nicht, dass man an den Online Aktivitäten einen guten oder schlechten Fotografen unterscheiden kann. jeder setzt seine Prioritäten oder Marketing Maßnahmen anders.
    Thomas

  • Anita sagt:

    Viele Meinungen zu dem Thema. Für mich ist Social Media wie G+,FB ,Twitter nicht mehr weg zudenken darüber habe ich sehr viele neue Kunden bekommen. Ich habe zwar ein Blog aber schreibe
    leider wie gestehen muß viel zu wenig.
    Was mir aufgefallen ist bei den „gescheiterten“ Fotografen die ich kenne (sind nur 3) sie haben sich zu schnell auf das Fotografieren als Verdienst allein verlassen und da kann es passieren das gerade wenn man am Anfang steht unter Druck gerät da man ja auch leben muß (miete usw.)
    Ich für mich kann sagen das ich immer noch zweigleißig fahre morgens fest bezahlter Job im Büro und dann kommt das Fotografieren,
    Ich kenne einige sehr gute Fotografen die sich die Zeit nehmen zu blogen wie zb.Calvin Hollywood oder Guido Karp die regelmäßig über Ihre Arbeiten berichten.
    Anita

  • Ralf Jannke sagt:

    „Bloggen und kommentieren nur gescheiterte Fotografen?“

    Solche Beiträge haben dafür gesorgt, dass fotografr.de in meiner Lesezeichenleiste liegt und nicht in irgendeinem Ordner schlummert!

    Zur Sache: Ronny hat es meiner Meinung für mich und allgemein gut getroffen:

    >> Nicht jeder der fotografieren kann, kann schreiben. Nicht jeder der fotografieren kann, hat Lust sich mit einem Blog, der eigenen Webseite oder gar Social Media zu beschäftigen. <<

    Ich freue mich als reiner Amateur über den gelegentlichen Abdruck eines Fotos in einer Tageszeitung, wobei ich nur zum Zuge komme, wenn die Leute, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen, ausnahmsweise mal nicht konnten. Und das ist auch gut so! Außerdem bekomme ich an anderer Stelle mehr Schreibhonorar, als ich je zusammenknipsen könnte. Obwohl ich nicht mehr im Berufsleben bin, kann ich mich an Deutsch/„Formulierungskünste“ selbst von studierten/promovierten Akademikern erinnern, dass es einen schüttelte. Wie war das doch (sinngemäß): „Man muss nicht nur keine Gedanken/Ideen haben, man muss auch unfähig sein sie auszudrücken…“ Und es gibt Bloggs/Seiten, die das wohl noch nie gelesen haben…

    Theoretisch habe ich nach Berufsende mehr Zeit. Ich habe aber überhaupt keine Lust, Tag für Tag meine Gedanken in die Welt zu posaunen. So habe ich bis heute nur meine Email-Adresse und hin und wieder ein zusätzliches Bildchen in Flickr. Kann ich gut mit leben. Trotzdem lese ich gerne den einen oder anderen Blogg oder entsprechende Seiten wie: http://www.stilpirat.de/

    Ralf

  • Nicht nur aber viele….

    Ich lese kaum Blogs aber doch die Kommentare in verschiedenen (Fach-) Foren. Dort findet man immer wieder die gleichen Fotografen-User und unter jeder Frage mindestens 10 verschiedene Antworten die aber alle „richtig“ sind und jeder beharrt auf die Richtigkeit seiner Antwort. Dort wird dann gestritten wer denn nun Recht hat wo ich mir denke „Mensch, habt Ihr nichts anderes zu tun?“

    Aber so ist es wohl….

    Ein gesundes neues Jahr für Euch
    Tommy

  • Das muss in google weit nach vorn. Das müssen viele lesen.

    Habe ich das richtig verstanden, dass gescheiterte Fotografen alle Fotografen sind, die dies nicht hauptberuflich machen? Würde dies bedeuten, dass ein Buchautor, der über Fotografie schreibt, damit ein Amateur ist?

    Aber es geht noch weiter: Wenn die Fotografen, die mit Omori in einer Studiogemeinschaft waren, jetzt nicht mehr hauptberuflich fotografieren, sind das dann nach der hier verbreiteten Diskussion nunmehr Amateurfotografen?

    Ein frohes neues Jahr

  • @ Michael Mahlke: Ich meinte mit „gescheiterten Fotografen“ diejenigen, die davon leben wollten, bei denen die erzielten Einnahmen dazu aber nicht ausgereicht haben.

    Meine beiden Exkollegen haben sich, nachdem sich herausgestellt hat, dass die Einnahmen nicht ausreichen, andere Hauptberufe gesucht und fotografieren soweit ich weiß nur noch aus Spaß an der Freude.

    Gruß Michael

  • jan sagt:

    @Michael Mahlke
    Amateur, Profi… das ist eine langatmige Diskussion. Im Prinzip gilt nach meiner persönlichen Auffassung der jenige als Profi der mit dem geleisteten seinen Lebensunterhalt bestreitet. Allerdings beschreibt das erst mal nicht die Qualität dessen was diese Person fotografiert. Glücklicherweise liegt die Schönheit einer Fotografie noch immer im Auge des Betrachters.

    Allerdings würdest du dich wundern wieviele Amateure tatsächlich Buchautoren sind. Ich muss bedauerlicherweise gestehen das ich das ein oder andere Werk lesen musste und die Spätfolgen sind noch nicht abzusehen. Das bedeutet ganz sicher nicht das dies auf alle zutreffen würde…

  • Toto sagt:

    @MIchael Mahlke: Omori hat es ja schon richtig gestellt. Meine Bezeichnung „gescheiterter Fotograf“ bezieht sich auf die, die Ihre beruflichen Ziele nicht erreicht haben. Das kann Gründe haben, die in der Qualität der Fotos liegen, aber auch (und das ist vermutlich die Mehrzahl) Probleme im kaufmännischen / vertrieblichen Bereich.

    Für mich ist die Hauptfrage gewesen, ob die bisweilen sehr negatiive Stimmung bei den hiesigen Kommentaren repräsentativ für die gesamte Branche ist… Oder ob es da draussen nicht etliche erfolgreiche und gute Fotografen gibt, von denen man Online aber wenig hört…?

    Anyway – danke an alle für die lebhafte Diskussion meiner Fragestellung…

  • […] Fotografr gibt es eine anregende Diskussion zur These “Bloggen und Kommentieren nur gescheiterte Fotografen”. Ich finde die Diskussion und These sehr interessant. Es kommt subjektiv schließlich oft vor, dass […]

  • pgs sagt:

    Ich denke, bei der Betrachtung dieses Themas muss man mehrere Aspekte betrachten.

    Da sind zunächst einmal die „technischen“ Aspekte:
    Nicht jeder will bloggen.
    Nicht jeder kann bloggen.

    Hinzu kommt ein Aspekt, der nicht von der Hand zu weisen ist: Wer viel zu tun hat, hat keine Zeit, zu bloggen. Das hat jetzt zwar nicht unbeding etwas mit gescheitert oder erfolgreich zu tun, denn auch jemand, der weniger erfoklgreich ist, ikann ducrhaus sehr ausgelastet sein. Ab einem gewissen Grad des Erfolgs freilich ist es recht einfach: Dann läßt man bloggen…

    Auch die Zielgruppe des erfolgreichen Fotografen darf man nicht ausßer Acht lassen: Wer Workshops für Endverbraucher gibt, wer in seinem Blog Affiliate-Marketing bertreibt, wer auch eigene „Fanartikel“ vertreibt, der muss präsent bleiben. Sprich: Content produzieren.

    Am Ende noch ein Aspekt, der nicht so oft genannt wird, den ich aber persönlich recht interessant finde. In einer Diskussion im Netz wurde einmal thematisiert, dass es kulturelle Unterschiede im Teilen gäbe. In der Diskussion ging es um Europa und USA. Ein Teilnehmer vertrat die Ansicht, dass in den USA erfolgreiche Menschen, vor allem in den Kreativbereichen, viel „freigiebiger“ aus dem Nähkästchen plauderten als in Europa. In Europa würde diese Freigiebigkeit von anderen Erfolgreichen eher als Schwäche angesehen – man gibt doch seine mühsam erarbeiteten geheimen Erfolgsrezepte nicht aus der Hand!
    Die vermeintliche Schwäche „Offenheit“ halte ich selbst aber eher für eine Stärke. Wenn mir als neugierigen, wißbegierigen Menschenetwas erzählt wird, freue ich mich zunächst einmal, dass sich jemand die zeit nimmt, mir das zu erklären. Die Angst, dass ich den Erzähler dann hinterrücks um sein Erfiolgsrezept bringe, ist doch recht unbegründet. Erfolg ist schließlich kein Kochrezept.

    Inwiefern das Argument der unterschiedlichen Kultur des Teilens stichhaltig ist, vermag ich nicht zu entscheiden. Es gab aber nicht wenige Teilnehmer, die dieser these zustimmten.

  • Äh nicht alle Profi Fotografen sind gleichzeitig Internetexperten und wissen wie man bloggt…ich ja, aber ich habe zufällig Informatik studiert, bevor ich Fotografin wurde…und ich lege viel Wert auf Marketing, mein Mann, auch ein Profi-Fotograf, bloggt nicht und wird es nie tun. Weil es ihn nicht interessiert und für seine Kunden nicht relevant ist. Ich habe Privatkunden und für die ist es wichtig. Das ist eher zielgruppenrelevant und hat nix mit Amateur oder Profi zu tun. Und ja, umso erfolgreicher man ist, umso weniger Zeit hat man. Das ist tatsächlich so ;).
    Und es gibt tatsächlich viele erfolgreiche Fotografen da draussen die sich nicht beschweren und eher unter sich bleiben. Und viele, die von Homepages und Blogs keine Ahnung haben. Im Portraitbereich ist es aber schwer geworden und da macht sich Frust breit…verständlich, aber von nichts kommt nichts. da viele Amateure das Internet als Weiterbildungs- und Kommunikationsplattform nutzen, gibt es auch viel mehr davon. Oder?

Hinterlasse eine Antwort

shares