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Sichere Datenspeicherung für Fotografen

Fotos sind unwiederbringliche Erinnerungen, für Foto-Profis sind sie sogar Grundlage ihrer Einnahmen. Ein Verlust ist daher nicht nur ärgerlich, sondern kann zu empfindlichen finanziellen Einbußen führen. Es ist daher sinnvoll, sich über eine zuverlässige Sicherung der Fotodaten Gedanken zu machen.

Früher wurden Negative und Dias staub- und feuchtigkeitsgeschützt aufbewahrt und konnten so Jahrzehnte unbeschadet überstehen. In der heutigen Zeit ist die sichere Ablage der wertvollen Daten mit ein wenig mehr Planung verbunden.

In der Regel lagern Bilddateien heute auf Festplatten. Das ist schnell und bequem, aber ist es auch sicher? Festplatten können jederzeit von einer Sekunde auf die andere den Dienst einstellen. Alle gespeicherten Daten können dann verloren sein.
Es ist also fahrlässig, sich darauf zu verlassen, dass so etwas einem selbst nicht passiert. Ganz im Gegenteil, früher oder später wird jeder die Erfahrungen machen, dass es eine gute Idee ist, sich über ein mehrstufiges Sicherungskonzept Gedanken zu machen.

Folgende Speichermedien stehen für die Sicherung der Bilddaten zur Verfügung:

  • Interne oder externe Festplatten
  • RAID-Systeme
  • CDs und DVDs
  • Internet-Speicherdienste

Bandlaufwerke und Magneto-Optische Laufwerke spielen heutzutage nur noch eine untergeodnet Rolle.

Arbeitsfestplatte

Die Festplatte, auf der die Bilddaten zur Bearbeitung gespeichert werden, ist entweder im Computer eingebaut oder es wird eine externe Festplatte verwendet. Wichtig ist, diese Festplatte vor Erschütterungen zu schützen. Schon eine kleine Erschütterung während eines Schreib- oder Lesevorgangs kann dazu führen, dass ein Defekt auftritt und die Daten nicht mehr lesbar sind.

Backup-Festplatte

Eine zweite Festplatte dient dazu, die Arbeitsdateien zusätzlich noch einmal zu sichern. Die Sicherung erfolgt über manuelles Kopieren, über einen Sicherungsjob oder über vorbereitete Backup-Programme. Vielen externenen Festplatten liegen kostenlos solche Backup-Programme bei. Ein Nachteil der Backup-Programme ist, dass die Daten meist in einem komprimierten Format abgelegt werden, das nur durch das entsprechende Backup-Programm wieder gelesen werden kann. Es reicht also nicht, die Festplatte aufzuheben, sondern es ist auch erforderlich, das Backup Programm ebenfalls aufzuheben. Für eine Langzeitsicherung von Daten ist das wenig praktikabel, da nicht sichergestellt ist, dass auf zukünftigen Betriebssystemen dieses Backup-Programm überhaupt lauffähig ist.

RAID-System

Anstatt die Arbeitsdateien auf einer einzelnen Festplatte zu speichern, nutzen viele Fotografen sogenannte RAID-Systeme. Da die Preise dafür immer weiter gesunken sind, sind diese Systeme nun auch für Privatanwender interessant geworden.

RAID-Systeme bestehen aus einem Verbund mehrerer Festplatten, die sich gegenseitig ergänzen. Das hat zwei Vorteile:

  1. Die Zugriffsgeschwindigkeit beim Lesen und beim Schreiben wird deutlich erhöht. Die Bearbeitung am PC wird also schneller.
  2. Die Daten werden zur Sicherheit immer mindestens zweimal abgespeichert, sodass bei einem Versagen einer der Festplatten die Daten nicht verloren sind.

Die gebräuchlisten RAID-Level sind:
RAID 1: Zwei Festplatten werden gespiegelt. Fällt eine der Platten aus, sind die Daten auf der anderen Platte noch vorhanden. Die Gesamtspeicherkapazität bei 2 Festplatten á 500 GB beträgt 500 GB. Die Lesegeschwindigkeit wird theoretisch annähernd verdoppelt, da parallel von beiden Platten gelesen werden kann.

RAID 5: Vier Festplatten werden zusammengeschaltet. Fällt eine der Platten aus, werden die Daten aus den drei verbliebenen Platten rekonstruiert. Die Gesamtkapazität bei 4 Platten á 250 GB beträgt 750 GByte. Die Lesegeschwindigkeit wird theoretisch annähernd verdreifacht.

RAID 6: Sechs Festplatten werden zusammengeschaltet. Fallen eine oder zwei der Platten aus, werden die Daten aus den vier verbliebenen Platten rekonstruiert. Die Gesamtkapazität bei 6 Platten á 250 GB beträgt 1 TByte.

RAID Systeme werden in der Regel über ein Netzwerk an den Computer angeschlossen. Die Voraussetzungen dafür in Form einer Ethernet-Karte bringt heute jeder moderne Computer mit sich. Und der erforderlich Netzwerk-Router ist in den meisten DSL-Boxen ohnehin bereits eingebaut. Eventuell ist darüber hinaus ein Netzwerk-Switch erforderlich, falls die Anzahl der freien Netzwerkanschlüsse bereits erschöpft ist. Ein solcher Switch kostet ca. 20 Euro.

RAID-Systeme sind bereits ab 300 Euro zu bekommen. Lieferanten von RAID-Systemen für Privatanwender und kleinere Firmen sind zum Beispiel Buffalo Technology und Netgear.


Im zweiten Teil des Artikels gehe ich auf weitere Backup-Medien sowie um die Erstellung eines Sicherungskonzepts ein.


Der Autor Omori hat ein Fotostudio in der Nähe von Mannheim

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können. Mehr

17 Kommentare

  • Besim sagt:

    Drobo soll ja eine Top-Lösung sein:

    http://www.drobo.com/

    Habe sie selbst noch nicht getestet, aber nur Gutes drüber gehört.
    Toller Artikel!

  • bosch sagt:

    Nützt ja alles nichts, wenn die heimischen Festplatten geklaut werden oder zusammen mit dem Haus abbrennen. Mit Blick hierauf empfiehlt es sich doch, noch eine weitere Kopie extern zu verwahren. Bei überschaubaren Sammlungen bieten sich auch Onlinedienste wie flickr an.

    @Besin: Von drobo habe ich bislang auch viel Gutes gehört. Die Jungs vom Fotopodcast Happy Shooting haben das kürzlich ausführlich getestet und besprochen (Ausgabe 87).

  • omori sagt:

    Du hast recht, auf die externe Sicherung gehe ich im zweiten Teil ein.

  • Senor Flo sagt:

    Ich will jetzt nicht der nitpicker sein, aber die Definitionen oben zu RAID 5 und 6 sind etwas missverständlich. Ich kann auch ein RAID 5 aus 3 Festplatten bilden, dann hab ich 2*Kapazität + 1 Sicherheit. Ebenso kann ich mehr als 4 Platten verwenden. Gleiches gilt für RAID 6, dort können eben 2 Platten ausfallen. Und nur nochmal zur Erinnerung: RAID ersetzt kein Backup.

  • Zuran sagt:

    Drobo habe ich bereits getestet und bin überaus zufrieden damit.
    Nachdem mir mal alle Daten, samt Fotos verschütt gegangen sind, habe ich dafür gesorgt, dass es mir nicht noch ein zweites Mal passiert.
    Jetzt gehe ich wirklich auf Nummer sicher.

  • R. Kneschke sagt:

    Ich war mit den Storage-Lösungen wie die von Netgear oder Drobo bisher nicht so begeistert, da das oft proprietäre Systeme sind und beim Ausfall einer Platte die Ersatzplatte eben nicht einfach woanders eingebaut und ausgelesen werden kann.

    Bisher kopiere ich daher lieber manuell auf zwei verschiedene externe Festplatten, die ich an unterschiedlichen Orten lagere. Vielleicht noch nicht optimal, aber gibt mir ein sichereres Gefühl als obige Konsorten.

  • Karsten sagt:

    Ich habe mir externe Festplatten zugelegt, da ich die anderen Lösungen nicht kannte.
    Wenn ich nun sage, dass ich bereits 3 externe Festplatten voll habe, wird wohl kein Fotograf staunen-nur vielleicht die Laien.
    Deshalb kommt mir der Hinweis hier gerade sehr gelegen.

  • […] ersten Teil des Artikels “Sichere Datenspeicherung für Fotografen” bin ich auf Festplatten und RAID-Systeme eingegangen. Hier stelle ich nun weitere […]

  • Tim T. sagt:

    Ich finde den Begriff der „RAID-Systeme“ allgemein relativ missverständlich erklärt, was dort unter Raid Systeme zu finden ist, beschreibt eher NAS Systeme mit einem solchen Raid System ^^

  • omori sagt:

    @ Tim: Genau genommen hast Du Recht. RAID beschreibt eigentlich nur die Art und Weise, wie Festplatten kombiniert werden während NAS dann wiederum dafür „sorgt“, dass dieses RAID-System im Netzwerk verfügbar ist.

    In der Praxis werden beide Begriffe oft synonym verwendet.

  • Olly sagt:

    Danke an dieser Stelle auch nochmal für die Erklärung.
    Natürlich auch für die Hinweise, denn in der Tat kann man bezüglich Sicherheit nie genug wissen. Ich habe mich schon ein Mal geärgert, als alles weg war-und die Sicherheitskopie in weiter Ferne.

  • Hendrik sagt:

    Ich habe deinen Artikel hier gerade erst gelesen – nachdem ich die letzten Wochen mit eigenen Recherchen zum Thema NAS und RAID verbracht habe. Inzwischen könnte ich fast ein Buch darüber schreiben und bei mir läuft nun ein eigener Windows-PC mit RAID-Controller im Netzwerk.
    Die verschiedenen RAID-Level sind übrigens bei Wikipedia gut erklärt. Und auch, warum RAID noch keine Sicherung ersetzt.
    Und vielleicht noch eine Ergänzung: Ein NAS (Network Accessible Storage) ist nach meiner Erfahrung zum Bilderbearbeiten zu langsam. Dafür muss die Platte immer noch im Bearbeitungsrechner direkt eingebaut sein (mit oder ohne RAID).

  • […] ich bin wieder einmal dankbar, dass meine Datensicherung funktioniert. Profi-Fotoshooting Lassen Sie sich in einem professionellen Fotostudio wie ein Model […]

  • […] letzten Jahr hatte ich bereits verschiedene Möglichkeiten der Datenspeicherung für Fotografen beleuchtet.  Das geht über CDs und DVD, externe Festplatten, RAID-Systeme bis hin zu Internet […]

  • sven sagt:

    Ich bin zufällig auf dieses Seite gestoßen (während einer Recherche). MO Medien spielen leider mittlerweile keine große Rolle mehr, wären aber die Zuverlässigste Speichermethode. Sicherer als Festplatten, bei denen die Mechanik schleichend (auch bei Lagerung) defekt werden kann, und auf alle Fälle sicherer als reine Optische Medien…

    Zumidest für die Langzeitsicherung gibt es eigentlich keine Alternative zu Magneto Optischen Techniken.
    Leider hats keiner gekauft (die bezahlbaren Laufwerke zumindest), die Laufwerke werden nach und nach nicht mehr Produziert (die Bezahlbaren) und das böse Erwachen kommt in 20 Jahren ….

  • omori sagt:

    Ja, da hast Du sicher Recht, Sven. Aber ich glaube ohnehin nicht, dass irgendjemand davon ausgeht, dass seine Festplatte in 20 Jahren noch funktioniert. Langzeitarchivierung ist für viele Menschen einfach kein Thema.

  • […] Lektüre des Foto-Blogs „Fotografr“ von Michael Omori Kirchner bin ich auf die Artikel Sichere Datenspeicherung für Fotografen und Was ist der ideale Datenspeicher für den Fotografen? gestossen. Diese haben mich dazu […]

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