Studiotechnik

Test / Erfahrungsbericht Lumedyne Blitzanlage

Von 13. November 2008 5 Kommentare

Von Christian Ahrens

In dem Artikel „Mini-Blitzanlage für mobile Fotografen“ habe ich meine Suche nach der optimalen Lösung für meine Bedürfnisse beschrieben. Nach intensiver Recherche habe ich mich dann für eine Anlage der Firma Lumedyne entschieden.

Bei Quantum gefiel mir das Konzept nicht, dass die Blitzköpfe im Prinzip wie überdimensionierte Systemblitze aussehen. Das fand ich einfach nicht cool… Und ich bin der Meinung, dass man trotz stabiler Bajonettkonstruktion keine großen Softboxen an die Maschinen bekommt, weil die Kunststoffköpfe mir dafür dann doch etwas zu wenig robust erschienen. Die Signature-Serie (Blitzköpfe) von Lumedyne ist dagegen aus Vollmetall gefertigt, sehr verwindungssteif und robust gebaut. Sie benutzen das gleiche Bajonett wie Quantum und auch Norman, das auch wirklich belastbar ist.


Foto: Christian Ahrens

Was außerdem sehr für Lumedyne sprach: es ist das m. E. flexibelste System, d. h. man hat in der „kleinen“ Ausbaustufe z.B. einen 400Ws-Generator. Damit kann man schon viel anstellen und hat eine superkleine Bauform. Soll es mehr sein, können Module eingesetzt werden, die die Leistung hochsetzen – bis 2400 Ws. Sind dann die Ladezeiten zu lang, kann ein Booster dazugenommen werden, der die Ladezeiten wieder verkürzt. Und wenn man nicht mit Akkus arbeiten will oder kann, tauscht man diese eben durch ein Netzteilmodul aus….

Das hat mich überzeugt, auch wenn ich zugeben muss, dass ich bisher all diese Zusatzmodule weder erworben habe noch je damit gearbeitet habe. Ich nutze vollzufrieden die 400 Ws-Generatoren und die Akkupacks „large“. Aber ich finde es klasse, im Bedarfsfall das System ausbauen zu können. Wenn das natürlich auch auf Kosten der Kompaktheit ginge, denn die zusätzlichen Module brauchen natürlich Platz und haben Gewicht. Für Lumedyne spricht außerdem, dass es einen deutschen Vertrieb gibt, der einem im Notfall hoffentlich weiterhelfen kann.

Erfahrungen

Ein erstes Set aus Generator und einem Blitzkopf habe ich beim deutschen Vertrieb erworben, weitere Blitzköpfe und einen zusätzlichen Generator gebraucht dazugekauft. Damit kann ich maximal 2×2 Blitzköpfe an 2 Generatoren betreiben. Für alle bisherigen Aufgaben hat sich das als ausreichend erwiesen, auch wenn (das ist ein Nachteil bei Lumedyne) der Generator die zwei möglichen Blitzköpfe pro Gerät nur symmetrisch ansteuert, also mit 50:50 Leistung). Ich will aber nicht ausschließen, dass in Zukunft bei steigenden Ansprüchen und Herausforderungen ein weiterer, eventuell sogar leistungsstärkerer Generator dazu kommt.


Foto: Christian Ahrens

Die Geräte erwiesen sich bisher als absolut praxisgerecht und zuverlässig. Es gab jedoch einmal einen Absturz eines Lichtformers, ein recht großes Striplight, das sich aus dem Bajonett gelöst hat. Lag daran, dass ich die entsprechende Schraubklemme nicht fest genug angezogen hatte. Ansonsten gab es bisher keine technischen Probleme, von kleinen Hakeligkeiten einmal abgesehen (z.B. lösen sich die Kabel nur schwer von den Steckern, die Mechanik ist hier etwas rustikal). Die Akkuleistung hat bis jetzt fast jedes Mal für einen langen Tag ausgereicht (meistens steht der Akku nach einem Produktionstag immer noch bei mindestens 80%).

An Lichtformern benutze ich neben den üblichen Schirmen zwei unterschiedlich große Striplights von Photoflex, die sich über Blenden und Grids sehr gut in ihrer Lichtcharakteristik beeinflussen lassen und ein breites Feld von Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen. Sie werden über Lumedyne-Adapter mit dem System verbunden, auch andere Softbox-Hersteller lassen sich also adaptieren.

Zudem habe ich noch eine große Softbox aus alten Zeiten (mit Klemmschraubsystem), die ich für die Benutzung mit den Lumies umgebaut habe. Eine Besonderheit bei den Lumies ist, dass man Kippen und Neigen der Blitzköpfe und der mit diesen verbundenen Lichtformer über Schirmneiger realisieren muss, da die Köpfe selbst keinen Neigemechnismus haben. Hier werden also pro Kopf ein paar zusätzliche Euros fällig, auch sollten die Schirmneiger so gut gefertigt sein, dass das Gewicht von Kopf + Former sicher gehalten werden kann.

Wichtig: die Kleinheit des Systems hat einen Preis, der für viele ein großer Nachteil sein wird: es gibt zwar ein Einstell-Licht, dieses ist mit einem 20 W-Lämpchen aber so schwach dimensioniert, dass es bei der on location-Fotografie praktisch nutzlos ist und höchstens dazu taugt, die Richtung des abgestrahlten Lichts zu überprüfen. Man setzt das Licht also „blind“ und muss die Wirkung gegebenenfalls am Display oder besser auf dem Laptop überprüfen.


Foto: Christian Ahrens

Aber mein Hauptanliegen nach physischer Kompaktheit bei vergleichsweise geringem Gewicht, wird von den Lumies vollständig erfüllt. Meine komplette Lichtanlage passt in eine große Fototasche oder in einen handlichen Rollkoffer (im Bild von Calumet), der sogar noch die Raumnormen für’s Handgepäck im Flugzeug erfüllt. Würde jemand allerdings das Gewicht nachmessen, gäbe es mit Sicherheit Nachfragen von Seiten der Luftgesellschaft…. Die Tasche wiegt mit allem Zubehör eben doch gut 15 Kilogramm.

Christian Ahrens, Berufsfotograf in Köln.

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Christian Ahrens

About Christian Ahrens

* 1964. Lebt und arbeitet als Berufsfotograf in Köln. Schwerpunkte sind die Themen Business, Industrie, Technologie, Arbeit sowie Medienprojekte zum Thema Personalmarketing. Überwiegend ist Christian Ahrens für Unternehmen oder Werbe- und PR-Agenturen tätig. Seit 2010 betreibt er zusammen mit der Fotografin Silvia Steinbach die Unternehmung "Ahrens+Steinbach Projekte – Zukunft fotografieren". Im Rahmen dieser Tätigkeit entstehen bildbasierte Projekte wie Ausstellungen und Bilddatenbanken zu Zukunfts-Themen und Zukunfts-Technologien. Ahrens+Steinbach werden von der Hamburger Fotorepräsentanz "fotogloria" international vertreten.

5 Kommentare

  • Basti sagt:

    Lieber Christian,
    erst einmal danke für die tollen Berichte. Denn vor genau der gleichen Frage stehe ich momentan auch. In eine Blitzanlage investieren, nur in welche.

    Eine Frage habe ich dazu noch:
    Gerade als Industriefotograf benötigst du doch sicherlich auch Normalreflektoren mit Waben, Engstrahl- oder Weitwinkelreflektoren. Hast du solche und passen die auch an deine Kompaktblitze? Wie sieht es mit Diffusorschirmen aus?

    Vielen Dank für deine Antwort,

    Gruß Basti

  • Hallo Basti,

    ja, die Blitzköpfe verfügen über Normalreflektoren, es gibt auch WW-Reflektoren, aber die nutze ich eher nicht.

    Darüber hinaus ist es, wie im Artikel beschrieben, möglich, gängige Softboxen oder andere Lichtformer anzuschließen. Ich nutze Photoflex-Boxen, 2 Striplights, ein kleines und ein großes, das mir für gute Dienste leistet. Die Softboxen werden über ein Adapterstück an die Blitzköpfe adaptiert ( http://www.foto-mueller.at/shop/pd-1809887956.html?defaultVariants={EOL}&categoryId=154 ).

    Schirme können selbstverständlich immer genutzt werden, da die Lumies ja mit Schirmneigern betrieben werden müssen und da immer die entsprechende Haltevorrichtung für Schirme dabei ist.

    VG
    Christian

    http://www.christianahrens.de

  • Nikita sagt:

    Tag Leute!
    Ich bin selber auf der Suche nach einem geeignetem Blitzsystem für mich. Eigentlich wollte ich erstmal mit 2/3 Sunpak 120j’s TTL anfangen, weil diese Barebulbs auch mit internen Akkus funktionieren, aber das System ist leider nicht so flexibel wie das Lumie.

    Leider bleiben dennoch einige Fragen offen, was das Lumie System angeht. Ich würde gerne 2x HEBC Blitzköpfe mit 2x kleinen Akkus anschaffen. Ich verstehe dennoch nicht ganz, wie sich z.b. die Leistung der Blitzköpfe regeln lässt? Gibt es dafür einen Schalter? Was auch noch interessant wäre: gibt es einen Möglichkeit die Blitzköpfe auch z.B. mit einem RC-Akkupack zu benutzen (so eine Art Modifikation)? Was hat es eigentlich mit dem TTL auf sich, wie könnte man TTL bei diesen Blitzköpfen nutzen?

    Ich wünsche euch allen ncoh’n schönen Abend.

    Greets, Nikita.

  • Christian Ahrens sagt:

    Hallo Nikita,

    die Leistung der Blitzköpfe wird an den Generatoren eingestellt. Du brauchst ja nicht nur Blitzköpfe und Akkus, sondern auch die Generatoren, die die Hochspannung erzeugen und an denen sich die Leistung einstellen lässt. Je nach Modell über 3 oder 7 Blendenstufen (bei letzterem sogar mit Zwischenwerten). Auch wenn leider viel teurer, empfehle ich bei den Generatoren z.B. das Modell P4LX, da sich hier die Werte sehr genau einstellen lassen. Damit ist wunderbar subtiles Arbeiten möglich.

    Zu Deinem RC-Akkupack kann ich Dir nichts sagen, aber ich nehme nicht an, dass es Akkus von anderen herstellern gibt, die an das System passen. Und zu TTL: da bin ich auch überfragt, ich glaube, hier wird irgendein Metz-Standard bedient. Am besten frage mal bei Gregor Schäfer, dem deutschen Lumedyne-Importeur nach, der wird Dir mehr dazu sagen können: http://www.lumedyne.eu

    VG
    Christian

  • Nikita sagt:

    Hey Christian,

    danke für die Antwort. Leider fällt das System für mich flach, da Generatoren benötigt werden und diese mich dann in meinem Mobilität einschränken würden.

    Ich werde dann wohl nach einpaar 120j’s Ausschau halten und bei Gelgenheit auch ein Norman-Akkupack dazunehmen.

    Danke, dass Du dir die Zeit für eine Antwort genommen hast.

    Schönen Abend noch, Greets, Nikita.

    Übrigens: Supergute Page!

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