Kameras

Ärgerlich: Schlechte Bedienungsanleitung der Panasonic Lumix G3

Von 12. September 2011 14 Kommentare


Wie bereits berichtet, bin ich seit einiger Zeit Besitzer der Lumix G3, die ich auf einem Testwochenende kennengelernt hatte. Die Arbeit mit dieser Kamera macht Spaß und ich freue mich über eine gute Bildqualität und ein angenehmes Handling.

Dennoch möchte ich in diesem Artikel meinem Ärger Luft machen.

Wenn man als erfahrener Fotograf die Lumix G3 in die Hand bekommt, findet man sich eigentlich recht schnell zurecht. Oben auf der Kamera befindet sich ein Wahlrad mit den Einstellungen M, S, A, P (und ein paar weiteren). Dass damit Zeit-. Blenden- und Programmautomatik sowie die manuelle Wahl von Zeit und Blende ermöglicht wird, ist klar. Dann gibt es noch einen iA-Knopf, der dem Bediener der Kamera mit Hilfe einer ausgeklügelten Automatik die Vorwahl der Motivprogramme abnimmt sowie einen Knopf zum Starten und Stoppen der Filmaufnahme.

Man kann also sehr schnell starten, mit der Kamera zu arbeiten, ohne sich über die nicht in gedruckter Form beiliegende Bedienungsanleitung zu wundern.

Nach einiger Zeit fragt man sich dann aber doch, was die vielen netten kleinen Icons auf dem Display bedeuten und welche Einstellmöglichkeiten die Kamera insgesamt besitzt.

Die Bedienungsanleitung der Lumix G3 liegt nur in PDF-Form vor und muss daher entweder am Bildschirm gelesen oder selber ausgedruckt werden. Das ist leider mitllerweile bei vielen Herstellern Standard.

Der Inhalt der Bedienungsanleitung ist aber in vielen Teilen ein großes Ärgernis. Offensichtlich ist dieses Dokument von einer Person geschrieben bzw. übersetzt worden, die von Fotografie nur sehr wenig Ahnung hat. Wie sonst sind Formulierungen zu erklären, wie diese:

In einem Kapitel, das den iA-Modus (intelligenter Automatikmodus) beschreibt, und sich damit vor allem an wenig erfahrene Bediener wendet, findet sich diese Anleitung:

Quelle: Panasonic Bedienungsanleitung Lumix G3

Auch nach mehrmaligem Lesen fällt es nur sehr schwer, zu erahnen, was der Autor damit gemeint hat.

Ich vermute, er möchte beschreiben, dass man die Blendenvorwahl der Vollautomatik dahingehend beeinflussen kann, dass durch eine weiter geöffnete Blende die Schärfentiefe abnimmt. Und mit der „hinteren Skala“ meint er das kleine Drehrad auf der Rückseite des Bodies. Aber hat der Benutzer wirklich die Chance, das zu verstehen?

Leider ziehen sich solche Formulierungen durch die gesamte Anleitung und machen sie dadurch fast unbrauchbar. Aber ohne diese Anleitung bleiben dem Käufer viele Funktionen und Einstellmöglichkeiten der Kamera verborgen.

Eine Alternative ist zwar die Anschaffung des Buch „“Lumix G System Fotoschule G3 GH2“ von Frank Späth, das ich in den nächsten Tagen hier rezensieren werde, aber meine Erwartungshaltung an einen Hersteller eines High-Tech-Produkts, das viele Hundert Euro kostet ist die, dass die mitgelieferte Bedienungsanleitung verständlich und benutzbar ist, ohne sich noch kostspielige Zweitliteratur anschaffen zu müssen.

Und was besonders ärgerlich ist: Recherchiert man ein wenig in Foren oder bei Amazon, erfährt man, dass die Erkenntnis der unbrauchbaren Handbücher nicht neu ist und dem Hersteller damit also bekannt sein dürfte. Was hindert ihn also daran, einem Fachmann wie Frank Späth (oder jemand anderes) zu beauftragen, eine brauchbare deutsche Anleitung zu erstellen (oder auch nur die vorhandene anständig zu übersetzen?). Ein bisschen mehr Kundenfreundlichkeit hätte ich von Panasonic schon erwartet.

Mein Fazit: Panasonic liefert zur Lumix G3 eine sehr schwer verständliche und sehr schlecht übersetzte Bedienungsanleitung mit und verärgert damit die Käufer.

Das wird Dir auch gefallen:

Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als zertifizierter Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können. Mehr

14 Kommentare

  • Wolfgang Uhlig sagt:

    Man müsste den Originaltext sehen, um beurteilen zu könne, wo es schiefgelaufen ist. Technische Anleitungen sind sowieso schon eine heikle Angelegenheit, da diejenigen, die so etwas schreiben, sich aufgrund ihres Wissensvorsprungs nicht mehr in die Lage eines Anfängers versetzen können. Bedenkt man dazu noch, dass heutzutage für Übersetzungen fast nur nach nach Billigstangeboten gesucht wird – ohne Nachfrage nach Qualifikation und/oder Sachverstand – ist es nicht unwahrscheinlich, dass so etwas dabei herauskommt.
    Ich bin freiberuflicher Übersetzer und habe, genau wie viele andere Berufskollegen, oft genug mit diesem Problem des Preisdrucks und der zunehmenden Verwendung von Online-Übersetzungen zu tun.

    Andererseits gönne ich den Schreibern guter Sachbücher auf jeden Fall auch ihr Einkommen 🙂

    Gruß
    Wolfgang

  • Detlev Motz sagt:

    Die Erkenntnisse sind nun wirklich nicht neu. Darüber habe ich auch schon geschrieben, als ich noch bei Color Foto war. Und nicht neu ist, dass sich daran nichts ändern wird. Sonst könnte ja Herr Spät sein Buch nicht so gut verkaufen. Man muss das System dahinter kennen! Und so ein Zufall, Herr Spät macht auch noch das Panasonic-Forum und gibt Ihnen dort gerne Tipps. Und die Bedienungsanweisung wird meist auch nicht in Deutschland geschrieben – es muss ja schnell gehen. Glauben Sie die Bedienungsanweisung für die GH2 ist besser?

  • Ralf Jannke sagt:

    Ärgerlich: Schlechte Bedienungsanleitung der Panasonic Lumix G3

    Wieso nur Panasonic?

    >> Die Bedienungsanleitung der Lumix G3 liegt nur in PDF-Form vor und muss daher entweder am Bildschirm gelesen oder selber ausgedruckt werden. Das ist leider mittlerweile bei vielen Herstellern Standard. <> Eine Alternative ist zwar die Anschaffung des Buch “”Lumix G System Fotoschule G3 GH2? von Frank Späth, das ich in den nächsten Tagen hier rezensieren werde, (…)
    Ein bisschen mehr Kundenfreundlichkeit hätte ich von Panasonic schon erwartet. <<

    Bücher, die möglicherweise von irgendwelchen Ghostwritern für Leute mit Namen, die zum Selbst-Schreiben vermutlich gar keine ausreichende Zeit haben, zumindest teil-verfasst werden, kaufe ich aus Prinzip nicht!

    Und die miesen oder nicht gedruckten BAs haben wir uns doch selbst zuzuschreiben. Bei den Legionen von Besserwissern und Klugsch… in x-beliebigen Foren, hätte ich als Hersteller den teuren Druck der vollständigen BAs auch längst eingespart. Ich sehe es immer wieder: Fummeln, beschäftigen bis es mit der neuen Kamera sitzt und fotografieren…

    RJ

  • Ich habe eine GH2 aus einem nachlass abgegeben, weil es mir ohne Handbuch nicht möglich war, damit wirklich zu arbeiten. Das Abblenden um eine Blendenstufe erforderte intensive Netzrecherche.
    Wobei die EOS 7 und 5 sowie der Blitz 580 XII mit schönen Handbüchern kommen, die man bequem in der Fototasche mitnehmen kann. Ebenso übrigens bei meiner immerdabei E-PL1 von olympus.

  • Marcus sagt:

    Wirklich schade, dass häufig gute Produkte mit einem „Geiz ist Geil“ – Manual auf den Kunden losgelassen werden. Kenner der Materie können schlecht geschriebene Handbücher in der Regel korrekt interpretieren, aber ein Einsteigerhat kaum eine Chance ohne Hilfe….

  • Erik Ehrichsen sagt:

    Das Problem sitzt noch viel tiefer. Produkt und Dokumentation, also Bedienungsanleitung, bilden eine Einheit. Die Qualität des Produktes ist dann mangelhaft, wenn nur die Bedienungsanleitung mangelhaft. Es darf dann nicht nach EU-Recht vom Hersteller, in diesem Fall Importeur, verkauft, also „in Verkehr gebracht“ werden. Die Stiftung Warentest macht das für die Endkunden deutlich und bewertet die Bedienungsanleitung mit, leider nicht immer mit der notwendigen Konsequenz.
    Nach EU-Recht muss die Dokumentation in gedruckter Form vorliegen und ohne Hilfsmittel vor der Erstinbetriebnahme (!) lesbar sein (Brille und ausreichend helles Licht zählen nicht als Hilfsmittel). Der Kauf eines Fotoapparates setzt nicht zwingend den Besitz eines Computers voraus auf dem die Bedienungsanleitung dann zu lesen wäre.
    Ich könnte noch detaillierter werden …
    Leider bringt nur sehr selten Produkte wegen der beschriebenen Probleme wieder zum Händler zurück.

  • Danke für Eure Kommentare.

    Ich erwarte ja gar kein didaktisch ausgefeiltes Lehrbuch. Von mir aus können Autoren wie Frank Späth gerne mit guter Zusatzliteratur ihr wohlverdientes Geschäft machen.

    Aber ich möchte die Bedienungsanleitung wenigstens verstehen können, ohne ein Ratespiel zu veranstalten.

    Und das Argument „Es muss schnell gehen“ zieht für mich nicht. In heutiger Zeit kann ein Hersteller auch gerne das optimierte Handbuch per Download nachliefern.

    Das Argument „Es darf wenig kosten“ zieht auch nicht. Was wird es kosten, dieses Handbuch zu optimieren? 5.000 Euro? Mehr mit Sicherheit nicht. Dieser Betrag sollte doch zur Verfügung stehen.

    Nein, ich denke der Hauptgrund, dass Hersteller hier nicht reagieren ist, dass sich noch zu wenig Kunden über das Handbuch beschweren oder vielleicht sogar ihre Kaufentscheidung davon abhängig machen.

    Ich habe nicht die Illusion, dass Panasonic wegen eines Artikels in diesem Blog hier reagiert, aber vielleicht ist es ein kleiner Baustein.

  • Ich kann Dir nur zustimmen. Der Hersteller spart Geld, weil er weiß, dass der Kunde nicht seine Kaufentscheidung von der Qualität der Bedienungsanleitung abhängig macht. Die ist ja erst dann zu sehen, wenn der Karton daheim geöffnet wird. Ich würde wahrscheinlich auch als Herstellter Geld am Druck, der Verpackung (kleiner und weniger Packarbeit) sparen. Hinzu kommen die ganzen Späts und Forenbetreiber, die für spezielle Fragen aufgesucht werden. Da kann ich doch als Hersteller eigentlich ne ruhige Kugel schieben und muss nur ein kleines, aber feines Handbuch per PDF beilegen. Warum Panasonic sich dann hier so schwer tut ist mir allerdings ein Rätsel.

  • Rainer Schulte sagt:

    Gibt es die Anleitung auch in englisch? Vielleicht verstehen dann die Kunden mit Englischkenntnissen, was der Hersteller erklären möchte…

    Die bescheidenen Anleitungen mit quasi deutscher „Übersetzung“ findet man leider heute überall, da die meisten Produkte in Fernost produziert und von irgendwem in Deutschland importiert und vertrieben werden. Inzwischen lese ich fast alle Betriebsanleitungen zu sämtlichen Produkten aus dem Ausland in englischer Version, um das Produkt zu verstehen.
    Das mag ein Grund dafür sein, das unsere Kids mitlerweile Englisch als Hauptfach in der Grundschule mitbekommen. Deutsch ist ja jetzt Nebensache…
    Demnächst müssen wir uns mit Chinesisch als wenigstens zweiter Fremdsprache in auseinandersetzen.

  • @ Rainer: Ja, sie ist auch in englischer Sprache verfügbar. Gute Idee.

  • […] einigen Tagen hatte ich ja bereits meinen Unmut über die in meinen Augen unzureichende Original-Bedienungsanleitung der Lumix G3 geäußert. Da liegt es nahe, sich auf dem Buchmarkt umzuschauen, ob sich dort nicht eine bessere […]

  • Rose sagt:

    Die original japanische Anleitung ist weitestgehend einfach verständlich. An einigen Stellen hapert wohl eher mein Japanisch, aber generell könnten -denke ich- auch Kinder damit die Kamera betätigen.
    Was dort in der deutschen Version passiert ist, ist mir unverständlich!
    Ich weiß nicht, ob es an Unwissen des Herstellers mangelt oder eher an der Selbstüberschätzung der Übersetzer. Ich arbeite selbst als freie Übersetzerin und lehne die Aufträge, die nicht meinem Wissensfeld entsprechen, konsequent ab. Aber.. es kann ja nicht jeder solche Grundsätze vertreten.

  • Artur Mennerich sagt:

    Das Handbuch ist schichtweg eine Katstrophe. Auch im Original taugt es nichts, weil es neben der teilweise missverständlichen Formulierungen keine vernünftige Struktur hat.

    Wer ein wirklich gutes Buch zur G3 kennt (Preis fast egal), möge es doch mal nennen.

  • Balu sagt:

    Ich habe mir vor ein paar Tagen die GH2 gekauft. Dort sind gedruckte Handbücher dabei (leider keins auf englisch, die ja oft doch besser übersetzt sind).

    Ich bin totaler Anfänger was Kameras in diesem Segment angeht, weswegen das Handbuch für mich enorm wichtig wäre. Was mich aber erwartet war sehr schnell klar, als ich direkt bei der Teileliste für dieses Ding http://yfrog.com/gzko9xvj den Begriff „Kugelschreiber“ fand (englisch: Stylus; den „Stift“, den man für den Druckbildschirm benutzt).

    Sehr witzig, wenn man dann später im Handbuch die Stelle findet, dass man nicht mit Kugelschreibern auf dem Touchscreen rumdrücken soll. Zwei Absätze weiter wird dann die Bedienung mit Kugelschreiber beschrieben…

    Für eine Kamera, deren UVP bei 1550 Euro liegt ist das Handbuch ein sehr, sehr unverschämter Witz.

Hinterlasse eine Antwort

shares