Foto-Business

Vom Fotoamateur zum professionellen Fotografen

Fotograf mit Kamera

Viele Amateurfotografen denken darüber nach, mit der Fotografie Geld zu verdienen oder gar ganz in das Profilager zu wechseln. Zu reizvoll ist die Versuchung, vom eigenen Hobby leben zu können und das insbesondere, wenn man sich für gut genug hält, es mit den Profis aufnehmen zu können.

Häufig gehörte Aussagen von Amateurfotografen, die sich zum Profi berufen fühlen, möchte ich daher im folgenden ein wenig hinterfragen:

Meine Freunde sind begeistert von meinen Fotos!

Ja, aber was gibt Dir die Sicherheit, dass Deine Kunden ebenso begeistert sind?

Mit meinen Fotos haben ich schon bei vielen Wettbewerben gewonnen und sie wurden von mehreren Zeitschriften gedruckt!

Schön, das ist schon einmal ein Anfang, aber für einen professionellen Fotografen reicht es nicht, ab und an perfekte Sonntagsschüsse zu produzieren. Da müssen zu 100% Bilder geliefert werden, die den Anforderungen genügen. Kannst Du das?

Ich habe mir jetzt eine professionelle Spiegelreflexkamera gekauft!

Toll, und was beweist das? Hochwertiges Equipment ist kein Ausweis für eine irgendwie geartete Qualifikation. Profis kaufen sich nur dann eine neue Ausrüstung, wenn sie sie wirklich brauchen, und nicht, weil das neue Kameramodell von der Fachpresse so hochgelobt wird.

Ich möchte gerne kreativ arbeiten!

Ja, sicher, aber bist Du wirklich kreativ genug? Und selbst wenn, sich selbständig zu machen hat meist mehr mit Betriebswirtschaft und Marketing zu tun als mit Kunst und Kreativität. Auch und gerade als Fotograf.

Ich habe letztens den Fotografen X im Fernsehen gesehen. Der verdient am Tag 3.000 Euro. Und seine Bilder sehen auch nicht besser aus als meine!

Selbst wenn es so ist, dass Deine Bilder „besser“ sind, dann musst Du erst einmal jemanden finden, der das genauso sieht und Dich entsprechend bezahlt. Und das nicht einmalig sondern tagtäglich immer wieder. Außerdem sind 3.000 Euro pro Tag von 99 % aller Fotografen nicht zu erreichen. Lies mal die Kommentare zu dem Artikel „Auftragskalkulation für Fotografen, dann weisst Du, was ich meine.

Aber andere haben es doch auch geschafft, und die sind auch nicht besser als ich!

Ja, aber vielleicht hatten sie das Glück, zum rechten Moment an der richtigen Stelle zu sein oder die richtigen Beziehungen zu haben.

Und nun? Du bist immer noch fest entschlossen? Entweder überschätzt Du Dich oder Du hast wirklich das Zeug dazu, es zu schaffen. Wie Du das herausfindest? Frag am besten nicht Deine Freunde oder Deine Familie, weil die sind nicht objektiv. Wende dich lieber an Profis, die sich im Foto-Business auskennen, und versuche, von denen eine objektive Einschätzung zu bekommen.

Im Frühjahr 2008 konnten Fotografen zum Beispiel im Rahmen von Update – Salon für Fotografie in Berlin das eigene Portfolio von Fachleuten wie Peter Lindbergh, Birgit Paulat und Michael Biedowicz bewerten lassen. Solche Möglichkeiten ergeben sich immer wieder, man muss nur danach suchen und die Möglichkeiten nutzen.

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Fotograf in Heidelberg und gebe mein Wissen und meine Erfahrung als Business-Coach für Kreative weiter. Mehr

17 Kommentare

  • Saxi sagt:

    na dann sollte man es besser gleich bleiben lassen, drüber nachzudenken, nicht? ich find es immer ein wenig hart, den leute zu sagen, was sie NICHT tun können…nichts für ungut…

  • omori sagt:

    Nun, ich möchte niemandem abraten, Fotograf zu werden, das steht mir gar nicht zu. Aber ich möchte ein paar Denkanstöße geben.

  • Viktor sagt:

    Darf ich fragen woher diese Abneigung zu „möchtegern“ Profi-Amateueren kommt? Da scheint ein Tieferer Grund dahinter zu stecken.

    Ich sehe das so, wenns jm eben nicht bringt, dann wird der es schon selber merken… Probieren sollte jeder DAS wozu er LUST hat…

  • omori sagt:

    @ Viktor: Ja, gar keine Frage. Darf und soll jeder probieren.
    Und ich habe keine Abneigung, gegen Amateure, Profi-Amateure oder was auch immer, warum auch 😉

    Ganz im Gegenteil: Die oben genannten Fragen habe ich mir selber auch immer wieder in Bezug auf meine eigenen Fähigkeiten gestellt (und bis heute noch nicht zufriedenstellend beantwortet). Es ist also überhaupt nicht so, dass ich hier auf dem hohe Ross sitze und mögliche Konkurrenten abwehren möchte.

  • WOLEJKO-WOLEJSZO blog sagt:

    […] Amateur 2 Professional […]

  • so'n Fotograf sagt:

    Hinzu kommt meiner Meinung nach noch der Aspekt, dass die Kreativität bei den meisten ganz schnell nachlässt, wenn Auftragsdruck hinzu kommt. Ich bin froh, davon nich leben zu müssen, da ich dadurch die Freiheit habe, mir aussuchen zu können, wen oder was ich fotografiere.

  • R. Kneschke sagt:

    Omori hat schon recht, dass der Alltag eines professionellen Fotografen von Amateuren oft falsch eingeschätzt wird – vor allem in Bezug auf den Anteil des Fotografierens an der gesamten Arbeit. Der ist nämlich sehr gering.

    Aber Spaß macht es natürlich trotzdem, sonst würden es nicht so viele versuchen… 🙂

    Lg, Robert

  • Saxi sagt:

    ok, der weg ist steinig und hart – so gesehen stimmt´s dann schon – klang ei nwenig seltsam anfangs.

  • werk-2 sagt:

    … der Weg ist hart und steinig …

    Meine 45-Stunden-Woche als Arbeitnehmer ist auch kein Kinderspiel – was ist schon einfach!? Wenn´s einfach wäre, gäbe es diesen Artikel nicht.

    Interessanter wäre zu erfahren WIE ES GEHT und WAS MAN TUN MUSS, damit es funktioniert.

    Kontakt? Können? Know How?

    stefan

  • omori sagt:

    @ stefan: Hm, fällt mir jetzt erst auf, dass die Überschrift die Erwartung weckt, hier eine Anleitung zu finden.
    Das lässt sich sicher nicht in einem Satz erklären, daher habe ich verschiedene Artikel zu diesem Thema geplant, die in den nächsten Wochen hier veröffentlicht werden.

  • Lars sagt:

    Das Thema scheint in letzter Zeit immer mehr Blogs und somit natürlich auch Leser zu interessieren. Ich denke mal es gibt hier zwei Gedankenansetze:

    1. Warum möchte ich professioneller (Berufs-)Fotograf werden?
    und
    2. Möchte ich vielleicht nur einfach bessere Fotos machen?

    Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Ich kann zu beiden Fragestellungen das Buch von George Barr „Besser Fotografieren“ (ISBN: 987-3-89864-543-0) empfehlen.

    zu 1.) Zitat aus dem Buch „Wer von sich behauptet, Berufsfotograf zu sein, verbringt 90% seiner Arbeitszeit mit Verkauf, Papierkram, Abrechnungen, Werbung und allem anderen als Fotografie“ und noch ein Satz, der – zumindest mich – abschrecken würde: „Und was diese Fotografen nicht haben, ist ein regelmäßiges Einkommen, auf das sie sich verlassen können.“

    Ich denke mal – mir geht bzw. ging es nicht anders – der Hauptgrund professioneller Fotograf zu werden hat viel damit zu tun, bessere Fotos zu machen und Anerkennung zu bekommen.

    zu 2.) In diesem Stadium befinde ich mich zur Zeit. Und auch da hat mir das Buch von George Barr (nein, ich bekomme keine Provision für die Werbung) sehr geholfen. Denn in dem Buch befasst sich ein Kapitel mit der eigenen Standortbestimmung und daraus abgeleitet die nächsten Schritte, um besser Fotos zu machen. Und nein, es ist nicht der Rat sich die Kamera XYZ bzw. das Objektiv XYZ zu kaufen.

    Gruß Lars

  • gerd sagt:

    So schlecht finde ich den Artikel gar nicht. Zeigt einfach mal deutlich auf, wie die Realität nun mal ist….

  • Viktor sagt:

    „Hinzu kommt meiner Meinung nach noch der Aspekt, dass die Kreativität bei den meisten ganz schnell nachlässt, wenn Auftragsdruck hinzu kommt….“
    dem kann ich leider nur zustimmen 🙁

  • Viktor sagt:

    @Lars: die ISBN scheint es nicht zu geben

  • Lars sagt:

    @Viktor: versuch es mal ohne die ganzen Bindestriche ISBN: 978-3898645430

  • Basti sagt:

    Diese Diskussionen zum Thema gut oder nicht gut habe ich schon so oft mit meinen Eltern gehabt. Die haben natürlich genau deine Bedenken. Kein festes Einkommen, nur die Besten gewinnen etc…

    Man muss nur selbstbewusst sein und davon überzeugt sein, dass man es schafft und eine Chance hat. Und sieh da… ich habe einen Ausbildungsplatz an einer der Top Fotoschulen Deutschlands bekommen. Im August geht´s los und ich kann gar nciht mehr warten!

    Viele Grüße,

    Basti

  • […] Vom Fotoamateur zum professionellen Fotografen von fotografr.de In diesem Artikel wird dem Berufswunsch Fotograf ein wenig der Zauber genommen. Ich denke für jeden Amateur lesenswert und interessant. […]

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