Stockfotografie

Microstock auch für Profifotografen?

Aus dem Fotografr-Forum (2010) Die Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der FOTOGRAFR-Redaktion wieder.


linkeye

Guten Morgen,
wenn ich Stockbilder verkaufe, dann tue ich das heute nur über die Agnetur plainpicture. Von denen abgelehnte Bilder wandern wieder in mein Archiv und damit eigentlich in die Versenkung.
Nun habe ich mir überlegt, abgelehnte Bilder über eine Microstock-Plattform anbzubieten. Dabei stelle ich mir aber folgende Fragen:

1. Lohnt sich für Profi-Fotografen die Teilnahme an einer Microstock-Platform überhaupt oder ist das eher etwas für Amateure, die froh sind, wenn sie mit 10 Stunden Aufwand im Monat eine Auszahlung von 50 Euro erreichen?

2. Säge ich mir mit einer Microstock-Agentur nicht mein eigenes Bein bei Plainpicture ab?

3. Wie sind eigentlich die Qualitätsanforderungen bei Microstock-Agenturen? Ich habe da schon grottenschlechte Bilder gesehen, aber auch wirklich tolle Sachen.



Ulf

Hi!
also, ich würde nicht sagen, dass Micorstock was für Amateure ist oder dass dort per se minderwertige Fotos angeboten werden. Qualitätsunterschiede gibts natürlich immer von Agentur zu Agentur – egal ob Microstock oder nicht.
Ich habe mir im Laufe der Zeit einige Microstockagenturen angeschaut und bin bei shutterstock.com gelandet. Macht auf mich den besten Eindruck: Die legen die Latte erstmal recht hoch, um erstmal als Fotograf zugelassen zu werden. Man muss zehn Testfotos hochladen und erst wenn davon einige/alle (weiß ich gerad nicht mehr) akzeptiert sind, wird man zugelassen. Die Kriterien bzgl. Rauschen und anderen Qualitätsmerkmalen sind recht streng, aber nciht entmutigen lassen!
Wenn man drin ist kann ma wohl ganz gut damit verdienen. Ich selbst hab nur eine Handvoll Fotos dort, aber verkaufe immer mal wieder was. Ich bin nicht der typische Stockfotograf, aber ich habe mich dort im Forum öfter umgeschaut und dort wird oft über aktuelle Downloadzahlen und Verdienst gesprochen. Da gibt es schon Leute, die ein paar hundert oder sogar über 1000,- Dollar pro Monat dort machen. Allerdings muss man dann wohl auch ein vierstelliges Portfolio am Start haben und pflegen. Also regelmäßig neue Fotos nachlegen und ein Gespür für kommende Trends und Themen haben (also jetzt z.B. gute Fotos zum Thema Ostern reinstellen).
Eins ist klar: Die Masse machts! Man kann nicht seine 10 besten Fotos dort hochladen und hoffen, dass die jeweils 100 mal im Monat runtergheladen werden. Insofern muss man da auch ein Händchen für haben, wie man schnell gute Fotos zu den richtigen Themen produziert. Gute und umfangreiche VErschlagwortung ist natürlich eh unabdingbar.
In deinem Fall würde ich sagen, dass es nicht viel bringt bei plainpicture durchgefallene Bilder sporadisch bei Microstockagenturen hochzuladen – das wären ja vermutlich nicht sooo viele. Zumindest solltest Du dann zusätzlich explizit für deien Microstockagentur produzieren und ein schnell wachsendes Portfolio haben.
Shutterstock hat bei verkäufen wohl die Nase vorn. Die Arbeiten nur mit Abos, das heisst die Kunden müssen erstmal 100,- Dollar oder mehr zahlen und können dann für ihr Budget downloaden bis die Leitung glüht. Das führt offentsichtlich dazu, dass die Hemmschwelle beim Kauf eher niedrig liegt, weil der Kunde im Zweifelsfall eher zugreift als es sein zu lassen.
Weitere Stockagenturen:
fotolia.de, shotshop.de (kein Micro, 30,- € pro Bild), pitopia.de, panthermedia.net, zoonar.de


ohermann

hi,
microstock’s machen doch eigentlich wirtschaftlich keinen sinn. um einen halbwegs ordentlichen ertrag zu erwirtschaften, muss man riesige mengen an material einstellen. dieses muss ja vorher fotografiert, ausgewählt und aufbereitet werden. der dafür notwendige zeitaufwand steht doch in keinem verhältnis zum ertrag.
für einen hobbyfotografen ist das sicher eine andere sache, da freut man sich über ein paar zusätzliche euros….von denen nach korrekter versteuerung und beiträgen für die berufsgenossenschaft etc. noch weniger übrig bleibt.
aber als profi? selbst wenn man dies neben der „normalen“ arbeit macht, wäre doch der
zeitaufwand besser darin investiert, die eigene fotografie inhaltlich und gestalterisch zu verbessern, um sein material über die klassischen stock-agenturen zu verkaufen – mit viel höherem ertrag.

ich produzierere lieber sehr hochwertiges bildmaterial mit moderner bildsprache und biete dies über „normale“ archive an. dabei sind viel höhere erträge zu erwirtschaften.

abgesehen davon möchte ich persönlich nur „gute“ bilder in der veröffentlichung sehen. warum sollte ich meinen ausschuß zeigen wollen?
aber da gibt es sicher unterschiedliche betrachtungsweisen.

viele grüße
olaf


anpe61

Sehe ich genauso, bin auch hin und her am überlegen, welche Bildagentur ich beglücken möchte. Plainpicture hat ja eine sehr moderne Handschrift, nachteilig (?) ist nur, dass ich exclusiv anbieten muß. Bei F1 online kann ich wählen, wobei bei Nichtexclusivität der Honoraranteil auf 40% fällt. Welcher Weg richtig ist, kommt natürlich auf die Motive an, die man anbieten kann. Ach, ist das schwierig, oder?

Grüße


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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können. Mehr

5 Kommentare

  • R. Kneschke sagt:

    Wie woanders auch schon oft geschrieben: Die Teilnahme am Microstock-Markt KANN sich für Profis lohnen, MUSS aber nicht. Es gibt genug Profis, die ausschließlich von Microstock gut bis hervorragend leben, andere kommen mit den Anforderungen nicht klar, sei es wegen Bildsprache, Bildqualität, verschlagwortung oder Arbeitsaufwand.

    In meinem Blog gebe ich ja regelmäßig Tipps dazu.

    Grüße,
    Robert

  • Joublo sagt:

    Hallo,

    kann euch zu dem Thema mal den Blog von Robert Kneschke empfehlen…

    http://alltageinesfotoproduzenten.de

    Er vertreibt seine Bilder seit Jahren erfolgreich über mehrere Microstockagenturen und bloggt dazu auch noch… Ab und an berichtet er wenn ich mich richtig erinnere auch von Umsatzzahlen etc. (Dass ihr mal ne Vorstellung bekommt). Soweit ich weiß, macht er das professionell und kann auch davon leben…

    Sehr empfehlenswert der Blog 😉

    Grüße

  • Peter sagt:

    Der Aufwand im Verhältnis zum Ertrag sind jämmerlich. Wirklich Geld verdienen kann man nur, wenn man nichts anderes macht als Stockfotografie – oder noch besser 5 bis 10 Profifotografen anstellt, ein Studio mit 15 bis 20 fixen Sets einrichtet und dann das gesamte Team von morgens früh bis abends spät outpur-orientiert Bilder macht wie eine Fabrik. Dazu gehören auch mindestens 10 Assistenten, die die Bilderflut dann verschlagwortet, archiviert, und auf diverse Stockagenturen verteilt. Denn, aussschlaggebend ist nebst Qualität auch die Grösse des Portfolios. Ab etwa 30’000 sehr guten Bildern, allesamt gleichzeitig bei mindestens 5 Stockagenturen plaziert führt zu einem Einkommen für 1 Mann bzw. 1 Frau. Das gesamte Portfolie muss sich dann durch neue Bilder innert etwa 3 Jahren komplett erneuern. Bedeutet – zu den 30’000 Bildern Bestand müssen jährlich 10’000 ausgetauscht/ersetzt werden. Dazu nochmals soviele neu einstellen (pro Fotograf). Also nach Adam Riese gibt das jeden Tag 95 neue einwandfreie Fotos pro Fotograf die aufgenommen, verschlagwortet, und bei den Agenturen eingepflegt werden müssen. Nicht zu vergessen: gut laufen fast nur Bilder mit Menschen. Die Modelle wollen auch was verdienen. Fazit: für Profis nur lukrativ wenn man im ganz grossen, geradezu industriellen Stil wie Yuri Arcurs die Stockfotografie betreibt.

  • Axel sagt:

    Es gibt ja noch die Möglichkeit abgelehnte Bilder einer Stockagentur (Macro) an eine weitere Macrostockagentur weiterzureichen – mache ich auch so, vor allem die guten Bildpreise sprechen deutlich für Macro, die Einschätzung von Peter teile ich.

  • Markus sagt:

    Ich halte Microstock für Profis für unsinnig und will das mal am Beispiel iStock erklären. Dieser Anbieter wurde vor einiger Zeit von Getty Images aufgekauft. Im Zuge dieser Übernahme kopierte man einfach die AGBs und Zulassungsvorraussetzungen von Getty. Wenn Du aber als Profi in der Lage bist Bilder zu schießen, die dem Anspruch von Getty genügen, gibt es absolut keinen Grund diese Meisterwerke für 10 Cent bei iStock zu verschleudern.

    Als Verwertungsplattform für nicht hundertprozentige Bilder finde ich Microstock toll. Ich sehe aber nicht ein warum ich dort mein bestes Material zum Schleuderpreis anbieten sollte. Echte Picassos kauft man ja auch nicht bei Aldi 🙂

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