Portraitfotografie

Bildfreigabe / Modelrelease für Kinder bei einem redaktionellen Job

Aus dem Fotografr-Forum (2010). Die Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der FOTOGRAFR-Redaktion wieder.


ohermann

 

hi,
mich würde interessieren, wie ihr mit Freigaberklärungen/ Modelreleases bei redaktionellen Jobs umgeht – generell und speziell bei Reportagen z.b. in Kindergärten/ Schulen.

meine redaktionellen kunden verlangen immer mehr schriftliche freigaben der eltern. das ist ja schon ok – ich kann nachvollziehen, dass sich die redaktionen absichern wollen.

wie sind eure erfahrungen? wie organisiert/ verwaltet ihr die sache?

konkret habe ich folgendes erlebt:
letztes jahr habe ich eine reportage in einem kindergarten für ein buchprojekt im gesundheitsbereich fotografiert. da wurden von der redaktion im vorfeld vor dem eigentlichen termin entsprechende formulare an den kindergarten geschickt und von den eltern unterschrieben (KunstUrhG 1907/2001 §22 ff.)
der aufwand bei ca. 60 kindern war trotzdem sehr groß – für alle beteiligten.
gegenstand der genehmigung war natürlich das buchprojekt.

da die reportage ganz ordentlich geworden ist, kam jetzt eine anfrage von einem anderen großen magazinverlag, diese reportage ebenfalls zu veröffentlichen.

honorar wäre lt mfm bei rund 700,– euro gewesen, wir haben uns dann bei 550,– geeinigt. das wäre auch ok so. allerdings müsste ich von allen kindern bzw. eltern neue genehmigungen einholen – auf den bildern sind rund 40 unterschiedliche kinder.
der zeitaufwand wäre gigantisch:
da mittlerweile einige der kinder in der schule und wahrscheinlich umgezogen sind, müsste ich erst eine adressermittlung durchführen. dann schreiben an alle eltern (ggfs. auch übersetzungen), warten auf die antwort, nicht erhaltene antworten nochmals anschreiben, etc., etc. …..

und der verlag wollte das material innerhalb von zwei wochen veröffentlichen.
ich habe letztendlich abgelehnt – zeitlich nicht zu schaffen und der aufwand steht in keinem verhältnis zum honorar – eine extra-zahlung für den orga-aufwand wurde vom verlag abgelehnt.

wie handhabt ihr die sache? danke für euer feedback!

gruß
olaf


Omori

Hallo Olaf,

bei Shootings in Kindergarten bzw. Schule habe ich das bei meinen eigenen Kindern bisher so erlebt, dass die Organisation der Releases durch die Lehrer / Kindergärtnerinnen erfolgte. Von denen bekamen meine Kinder die Formulare ausgehändigt und die haben auch dafür gesorgt, dass alle Kinder die wieder mitgebracht haben. Da gab es also keinen Aufwand für den Fotografen.

Ich selber achte auch immer darauf, dass die Releases nicht zu eng gefasst werden, damit nicht bei jeder neuen Veröffentlichung ein neues Release fällig wird. Wie Du schon selbst schreibst, ist der Aufwand im Nachhinein kaum zu stemmen, weil man einige Personen kaum oder gar nicht mehr erreicht.

Gruß Omori



ohermann

 

hi omori,
danke dir für deine antwort. 🙂

da das ursprüngliche release durch die redaktion organisiert wurde, war dort natürlich nur von den verlagseigenen medien die rede.
muss mir mal überlegen, ob es sinn macht in zukunft immer die eigenen releases zu verwenden. ich scheue mich vor dem aufwand – nicht jede reportage bringt einen vollen tagessatz. bei einem halben tagessatz lohnt sich der aufwand u.u. nicht mehr.

bei einzelnen personen (erwachsenen) ist dass natürlich kein problem, aber bei schulklassen/kindergärten ist hinterher wirklich nichts mehr zu machen.

vielleicht hat ja christian noch einen rat für mich?

grüße
olaf


Omori

Hallo Olaf,

wenn das Shooting von einem Verlag organisiert wurde, wie stellen die sich denn dazu, wenn Du dieselbe Geschichte jetzt an einen anderen Verlag, also quasi die Konkurrenz, verkaufst?

Gruß Omori


ohermann

hallo omori,
mein kunde erhält nutzungsrechte für verschiedenen magazine, die er heraus gibt und die jeweiligen webauftritte.
da keine exklusivität vereinbart wurde, kann ich das material entsprechend anderweitig einsetzen.
manchmal bittet man mich, mit einer zweitverwertung bis zur erstveröffentlichung zu warten – da sage ich natürlich nicht nein, es ist ein „stammkunde“.

normalerweise kümmere ich mich im die freigaben natürlich selber, hier wollte mir die redaktion ein bisschen helfen und hat die sache selber organisiert.

grüße
olaf


Christian Ahrens

Hi,

tja, da habe ich leider nichts richtiges beizusteuern. Ich habe vor vielen Jahren für Tageszeitungen fotografiert, da wurde überhaupt nicht gefragt, sondern man ging immer von einem stillschweigenden Einverständnis aus, und ich denke, das ist heute nicht anders.

Ansonsten fotografiere ich manchmal Pressetermine für Intertopics, aber das sind immer Termine, für die die Presse extra eingeladen wird, da lasse ich mir auch keine Releases geben, auch wenn Kinder oder Showgäste o.ä. drauf sind.

Wie man in Fällen wie in dem Deinen vorgeht? Ich denke, entweder gehst Du das Risiko ein (wo kein Kläger…. usw.) oder Du musst tatsächlich mit den Leuten Kontakt aufnehmen – oder es sein lassen!

VG
Christian


ohermann

hi christian, hallo omori!

herzlichen dank für eure einschätzung.
mir scheint, gerade im bereich tagespresse bewegt man sich beim thema kinder wirklich auf dünnem eis.

bei meinen jobs werde ich in zukunft in den sauren apfel beißen und die freigaben im vorfeld generell selber organisieren. bei ein paar kids haut das ja auch hin. eine nachträglich rechteklärung bei sehr vielen kindern lohnt sich allerdings nicht.
bei werblichen produktionen ist es ja überhaupt kein problem, da sind die eltern eigentlich meistens mit dabei oder es wird über die modellagenturen organisiert.

herbstliche grüße aus ffm
olaf

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als zertifizierter Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können. Mehr

4 Kommentare

  • Beate Knappe sagt:

    Oh meine Göttin,

    ich bin seit über 40 Jahren Fotografin und habe lange als Fotojournalistin gearbeitet und, es war „damals“ einfacher :-)) Ich denke schon, dass das Gesetzt seine Berechtigung hat um private Menschen zu schützen, doch andererseits verschwindet so ein ganzes Genre aus der Fotografie, was ich sehr schade finde.
    In meinen AGB’s steht heute drinn, das mit Auftragserteilung der Nutzung der Fotos durch mich für meine Eigenwerbung zugestimmt wird, lasse mir aber ab und zu noch mal so einen Modellvertrag unterschreiben.
    Ich stelle jedoch fest, das im Gegensatz zu „früher“ wo sich die Leute „geehrt“ fühlten, wenn ich ihre Fotos ausstellte, heute immer öfters protestiert wird.
    Oh, das ist alles so kompliziert geworden….

  • Gabi sagt:

    wäre es nicht möglich die Bilder zu dem Bericht neu zu machen? Diesmal mit eigenem MR, es ist zwar Aufwand .. aber dann könntest Du den Artikel bei Bedarf weiter nutzen.

  • @Beate: Ich kann Dir nur zustimmen. Früher haben wir ein schönes Portrait von einer Hochzeit im Laden aufgehangen ohne nachzufragen. Die Kunden haben sich gefreut, haben es dann so gar gekauft. Heute fragt man, ob man die Bilder im Blog oder auf der Webseite zeigen darf und schon wird widerspruch eingelegt. Ich habe einige schöne Bilder im Archiv, wo ich keine Freigabe habe, die im eigenen Portfolio zu zeigen. Schade eigentlich diese entwicklung ….

  • Hochinteressant und aufschlußreich! Werde öfters anklopfen!
    MfG Helfrid Langhans

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