Foto-Business

Der Wunsch Fotograf zu werden lässt mich nicht mehr los!

Hinweis: Leider gibt es das Forum nicht mehr. Aber es besteht jetzt die Möglichkeit, Fragen an FOTOGRAFR zu stellen.


Mhyro

Hallo zusammen,

bin so zu sagen ein Frischling in eurem Forum, ich fand die Beiträge alle sehr nett und informativ, was mich auch veranlasst hier mein Anliegen zu äußern. Da hier viele Berufsfotografen zu sein scheinen, würde ich mir gerne einen Rat einholen. Meine derzeitige Situation: Ich bin Architekturstudent im 2. Semester und fotografiere nun seit knapp 2 1/2 Jahren mit einer digitalen SLR. Ich hab aber nun seit knapp einem halben Jahr den Wunsch mein Hobby zum Beruf zu machen, ist ja nicht ungewöhnlich so etwas. Aber meine Sorge ist, dass ich mit 32 Jahre laut vieler meiner Freunde und Bekannten nicht mehr tragbar für ein Unternehmen als Azubi bin. Des weiteren ist bei uns im Saarland leider auch nie eine Stelle als Fotograf beim Arbeitsamt usw. ausgeschrieben.
Ich habe aber in einem Post bereits gelesen, dass oftmals freien Stellen gar nicht ausgeschrieben sind, daher auch meine Hoffnung, dass es über Besuche bei ansässigen Fotografen doch noch klappen könnte. Leider sind viele meiner Bilder vor kurzem durch einen Pc Crash abhanden gekommen und somit habe ich leider auch keine so grosse Auswahl mehr an, meiner Meinung nach, guten Bilder.
Ich hatte mir auch schon überlegt von den verbliebenen Bildern ein Fotobuch zu erstellen um dieses dann bei Fotografen vorlegen zu können.
Wenn gewünscht kann ich auch gerne ein Mal einige meiner Bilder posten um euch/ihnen einen Eindruck über mein Können zu ermöglichen. Ich sehe mich der Zeit eher in der Ecke der Autodidakten.
Über Rat und Vorschläge bin ich überaus dankbar und bedanke mich schon im Vorfeld für die Mühe.

M.f.G. Wolfgang



Otto

Hallo Wolfgang,

was Freunde und Bekannte sagen, läßt sich oftmals in der Pfeife rauchen. Wenn Du etwas wirklich tun willst, dann mach es, egal wie alt Du bist und was andere dazu sagen.

Aber:
Wenn Du mit 32 Jahren am Anfang eines Studiums stehst, bist Du ja auch ein paar Jährchen älter als Deine Kommilitonen. Du hast vorher irgendetwas anderes gemacht und dann Deine guten Gründe gehabt, ein Studium aufzunehmen, um Architekt zu werden.
Wie kommt es, daß Du diesen Weg schon wieder verlassen willst?
Ist das wirklich ratsam?

Das Hobby zum Beruf machen – dieser Satz wird oft gesagt, ist aber, wie ich finde, irreführend. Die Fotografie als Beruf hat nicht viel Ähnlichkeit mit der Fotografie als Hobby.
Es ist, vor allem wenn Du selbständig arbeitest, sehr sehr anstrengend. Sehr kräftezehrend. Und Du wirst bestimmt nicht reich damit.
Es verlangt Deine ganze Leidenschaft.

Und Leidenschaft vermisse ich ein bißchen in Deinem Bericht.
Wenn Du das wirklich machen willst, dann stell Dich auf die Hinterfüße, anstatt um Hilfe zu rufen!!

Kann sein, daß Du wegen Deiner 32 Jahre bei ein paar Ausbildungsstellen mehr anfragen mußt als Jüngere.
Kann sein, daß Du bereit sein mußt, auch außerhalb des Saarlandes zu suchen.
Kann sein, daß Du eben neue Fotos machen mußt, anstatt auf Deine bei dem PC-Crash verloren gegangenen hinzuweisen.

Wenn der Beruf des Fotografen wirklich Deine Berufung ist, dann wünsch ich Dir dafür alles Gute und viel Glück.

Otto


Christian Ahrens

Hallo Wolfgang,

ich habe an dieser Stelle einiges zum Thema geschrieben:
https://fotografr.de/125/vom-fotoamateur-zum-profi

Ansonsten sind festangestellte Fotografen eher selten. Du solltest also über eine Zukunft als Selbständiger nachdenken – und ob Dir das liegt.

Viele Grüße
Christian


der.bassist

Hallo Wolfgang,

ich stand vor zwei Jahren vor einem ähnlichen Problem. Mit 27 habe ich versucht, eine Ausbildungsstelle als Fotograf zu bekommen. Da ich so „clever“ war (es war wirklich ein Versehen), mein Geburtsdatum NICHT anzugeben, wurde ich auch zu vielen Vorstellungsgesprächen eingeladen. Als die Fotografen mich dann aber sahen, kam häufig die Reaktion „oh, Sie sind aber schon alt“ oder „wie wollen Sie denn mit dem bisschen Ausbildungsgehalt überleben.“ Man ging immer automatisch davon aus, dass ich die Ausbildung entweder aufgrund meines Alters oder meines Lebensstandards nicht zu Ende führen werde. Mittlerweile bin ich ganz froh, dass das nicht geklappt hat. Ich studiere nebenberuflich Fotodesign und bin so in der Lage, mit meinem Hauptjob Geld zu verdienen, dass ich in Equipment investieren kann und so nicht, wenn ich fertig bin, vor dem Nichts stehen.
Die Anzeigen vom Arbeitsamt (auch für spätere Vollzeitjobs) kannst du vergessen, es sei denn, du möchtest den ganzen Tag in Schulen und Kindergärten oder auf Säuglingsstationen mit festvorgegebenen Kamera- und Blitzeinstellungen rumlaufen.
Vielleicht versucht du es lieber mit einer Assistentenstelle?

Viel Glück
Volker


Mhyro

Hallo,

vielen lieben Dank für diese schnellen und informativen Beiträge. Besonders der Artikel von Christian Ahrens hat mich sehr zum nachdenken angeregt. Ich wollte hier auch nicht um Hilfe rufen, sondern eher eine konkrete Aussage bekommen, ob die Aussicht auf eine Ausbildung realistisch oder doch eher reine Utopie ist, mehr nicht. Ich weiß nun, dass ich meinen Weg gehen werden. Mit allen Pros und Contras, die dort noch kommen mögen. Ich hatte auch nie vor ewig bei einem Fotografen angestellt zu sein, dieser Illusion gab ich mich im Grunde noch nie hin. Es geht mir in aller erster Linie darum, wie im Artikel von Christian bereits beschrieben, die Basics zu erlernen und mich dann in meinen Bereich zu verbessern und weiter zu entwickeln. Und auf die Frage warum ich nun die gesicherten Pfade eines Architekturstudium verlassen will, nun ja ich wusste leider in den letzten Jahre nicht was ich will, aber die Fotografie ist nun mal das was ich will, mit ihr vergesse ich die Zeit. Nichts ist mir hier zu viel, alles eine Art Selbstverständlichkeit mit der ich es tue. Diese Leidenschaft kam spät, das gebe ich zu, aber dennoch ist es für mich nicht mehr denkbar etwas anderes zu tun. Ich hörte zu oft andere Menschen, Freunde und Bekannte und vergaß darüber mich selbst. Ich danke euch für diese ehrlichen und sehr informative Antworten. Ich werde euch wissen lassen, wohin mein Weg mich führt.
Euch ein schönes Wochenende und weiterhin viel Erfolg

Gruss Wolfgang


jochen

Hallo Volker (der.bassist),

Du studierst nebenberuflich Fotodesign? Kannst Du hier nähere Details kund tun?
Wo und wie?

Jochen


der.bassist

Hallo Jochen,

ich studiere nebenberuflich am IBKK (Institut für Ausbildung in Bildender Kunst und Kunstherapie) in Bochum. http://www.ibkk-kunstzentrum.de
Man hat an einem Wochenende im Monat Unterricht (insgesamt 16 Unterrichtsstunden) und fertig in der restlichen Zeit selbstständige Arbeiten an und setzt Aufgaben um. Diese werden dann zu Beginn des Unterrichts immer wieder ausführlich besprochen.
Ich bin momentan im zweiten Semester, dass ich hoffentlich nächstes Wochenende erfolgreich mit der Zwischenprüfung abschließen werde.
Das Studium gliedert sich einen analogen und einen digitalen Teil. Während der ersten beiden Semester wird ausschließlich analog gearbeitet (sowohl fotografieren als selbstständig Filme entwickeln und Schwarz-Weiß-Vergrößerungen anfertigen), ab dem dritten Semester wird dann digital fotografiert.
Die ersten beiden Semester dienen dazu, zum einen alle Studenten eines Jahrgangs auf ein gemeinsames Level zu bringen und zum anderen, um die fotografischen Grundlagen zu erlernen. Und das geht meiner Meinung nach analog immer noch am besten, da man ja alleine schon durch die begrenzte Anzahl an Bilder pro Film, aber auch durch die entstehenden Kosten sehr viel genauer arbeitet, als wenn man einfach eine 4 GB-Karte vollknallt und hofft, dass da schon was anständiges dabei sein wird.
In der Uni gibt es ein SW-Labor und ein Studio, die den Studenten zur Benutzung zur Verfügung stehen (das Studio allerdings erst ab dem 4. Semester).
Da es sich um eine Kunsthochschule handelt, ist die Ausbildung in erster Linie in Richtung Kunst ausgelegt, d. h. es wird neben der Vermittlung der Fotoskills viel Wert auf die Selbstvermarktung als Künstler gelegt (Marketing, Ausstellungsplanung etc…)
Kostenpunkt: Soweit ich weiß, kostets mittlerweile 135 Euro im Monat (ich hab noch einen alten Vertrag, da war es noch etwas günstiger), hinzu kommen noch Kosten für Verbrauchsmaterial (Filme, Papier, Kopien etc.), sowie Kosten für die Präsentationsmappe, deren Erstellung auch Teil der Zwischenprüfung ist.
Das Studium dauert 3 (mittlerweile durch die Fülle an digitalen Möglichkeiten glaub ich 3 1/2 Jahre) und wird mit dem Diplom abgeschlossen. Das Diplom wird nach den Richtlinie der FH Dortmund abgelegt und ist somit nach den Hochschulgesetz anerkannt. Die Studiengebühren sind steuerlich voll absetzbar.
Du kannst dir ja einfach mal die Infomaterialien zuschicken lassen, sofern Bochum für dich von der Entfernung her in Frage kommt.
Mir macht es auf jeden Fall großen Spaß und ich habe im letzten Jahr ein enormen Sprung in meiner fotografischen Entwicklung gemacht, der mir ohne die Uni so nicht möglich gewesen wäre.
Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen. Wenn du noch Fragen hast, können wir uns auch gerne per Mail weiteraustauschen.
Gruß
Volker


jochen

Hallo Volker,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.
Bei mir sind keine Fragen offen. Ich kann aber sagen, dass das für mich nicht das richtige wäre.
Ich hatte nach dieser Info mal gesucht und nichts gefunden – da ist dieser Beitrag aber wirklich hilfreich. Danke dir.

Gruß
Jochen


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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als zertifizierter Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können. Mehr

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