Sportfotografie

RAW in der Sportfotografie? Ja, das geht!

Von 20. Dezember 2010November 23rd, 20137 Kommentare

Von Christian Öser

Beim Thema RAW oder JPG scheiden sich die Geister – in Dutzenden Online-Foren wurden schon emotionale Diskussionen über Sinn und Unsinn der beiden Formate in der Sportfotografie ausgetragen. Fakt ist: beide Varianten haben ihre Daseinsberechtigung, solange der Fotograf sich der Vor- und Nachteile bewusst ist und dementsprechend die für ihn nützlichste Option wählt.
Als Beispiel für meine folgenden Überlegungen dient die Sportart Fußball. Ganz klar, bei gleichmäßigem Tageslicht mit bedecktem Himmel gibt es wahrscheinlich keine Probleme, eine ausgewogene Belichtung zu erreichen. Hier kann das RAW-Format nicht entscheidend punkten und JPG reicht für sehr gute Ergebnisse vollkommen aus.

Anders sieht die Sache bei extremeren Wetterbedingungen und Tageszeiten aus. Strahlender Sonnenschein, der das Spielfeld komplett oder noch schlimmer nur halb trifft, sorgt für harte Schatten in Teilbereichen der Spieler – vor allem in Gesichtern extrem unschön anzusehen. Bei Spielen am Abend kommt es auf die Stärke des Flutlichtes an, ob vernünftige Ergebnisse mit wenig Aufwand realisierbar sind. Da aber vor allem kleinere Vereine eine schwächere Anlage besitzen, stößt man als Fotograf auch mit den Kamera-Topmodellen an eine qualitative Grenze, die Kompromisse erfordern.

© Christian Öser

Dieser Artikel soll keine weitere Diskussion auslösen, sondern einfach einen möglichen Workflow aufzeigen, wie man trotz des Mehraufwands schnell im RAW-Format arbeiten kann. Zunächst möchte ich kurz erwähnen, warum ich persönlich Sport mit RAW fotografiere. Der Hauptgrund sind die Tonwertreserven in den Tiefen und Lichtern, die es mir vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen erlauben, eine Drittel oder sogar zwei Drittel Blenden unterzubelichten, um auf eine möglichst kurze Verschlusszeit für scharfe Abbildungen zu kommen. Das dabei etwas zu dunkel entstehende Bild kann ich anschließend problemlos wieder aufhellen, ohne große Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen. In die Redaktion schicke ich dann generell in den Tiefen aufgehellte und daher eher „flache“, das heißt dezent kontraststarke Fotos, die vom Bildredakteur noch nach Belieben „kräftiger“ gestaltet werden können.

© Christian Öser

Nun aber zur Praxis, wobei ich nicht zu sehr ins Detail gehe, sondern eher den allgemeinen Ablauf beschreibe. Ich arbeite mit Adobe Lightroom 3, das Gezeigte lässt sich aber auch mit anderen Programmen umsetzen. Schauen wir uns also an, wie man seinen Workflow so gestalten kann, dass ein Bearbeiten und Übertragen der Bilder möglichst rasch passiert. Gegeben ist folgendes Szenario: Die Redaktion schickt einen Fotografen in das Stadion XYZ, um das brisante Duelle der Stadtrivalen A gegen B zu dokumentieren. Da es sich um ein Online-Medium handelt, sollten möglichst rasch und oft Spielszenen übertragen werden, die von einem Bildredakteur in die Story eingebaut werden.
Vor dem Spiel gilt es, rechtzeitig Vorlagen zu erstellen, die nachher viel Zeit sparen. Zum einen bereite ich eine Metadatenvorlage auf, in der alle notwendigen Daten für eine spätere Archivierung im redaktionellen Bildarchiv stehen – ausgenommen bildrelevante Inhalte wie die Spielernamen. Inkludiert sind dabei Copyright, Adressangaben, Bildbeschreibung, Ort, Stadt, Land und sonstige gewünschten Angaben.

Weitere Vorlagen in Lightroom: eine Entwicklungsvorgabe, die das passende Kamerafarbprofil zuweist und die Tiefen etwas aufhellt. Außerdem noch eine Export-Vorlage, um fertige RAW-Bilder sofort in einem bestimmten Verzeichnis als korrekt benanntes JPG abzuspeichern.
Die letzte Vorbereitung vor dem Spiel ist es, den automatischen Import in Lightroom zu aktivieren und zu konfigurieren.

Ist das alles erledigt (Zeitaufwand ca. 15 Minuten) kann das Spiel beginnen!
Wie es weitergeht und wo das Kernstück der Zeitersparnis liegt, sehen wir uns in Teil 2 des Beitrags an.

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About Michael Omori Kirchner

Nach vielen Jahren als Berufsfotograf arbeite ich heute als Mentor und Coach für kreative Unternehmer. Ich freue mich, hier meine Leidenschaft zur Fotografie mit den Lesern zu teilen, kreative Menschen und Projekte vorzustellen und Inspirationen zu geben. Mehr über mich

7 Kommentare

  • Anita Zander sagt:

    für mich im Bereich Pferdesport schon lange Pflicht! So kann ich noch mehr aus den Bildern rausholen.

  • Stefan sagt:

    Natürlich hat RAW seine Berechtigung.
    Die Bilder, die Du zeigst, sind allerdings unter optimalen Lichtbedingungen gemacht und benötigen nun wirklich keine Nachbearbeitung in RAW. Gerade bei Abendspielen kommt es oft auf Minuten an, ob du einen Abdruck bekommst oder nicht – da dauert RAW einfach länger. Alleine schon das Kopieren der Daten von Karte auf Rechner.
    Im Übrigen bieten Profibodys vielfältige Möglichkeiten, mit schwierigen Lichtbedingungen umzugehen. Ein Beispiel findest Du unter http://www.stefangroenveld.de/tipps-tricks/schwierige-lichtbedingungen/

  • Gabi sagt:

    ich nutze den „MehrSpielRaum“ von RAW fast ausschließlich, und fotografiere selten in JPG.
    Besonders bei Reitturnieren (fotografiere auch in der Halle — da ist man für jeden Spielraum dankbar) und zb. bei Shootings mit Schecken und Tinkern (Pferderasse meist hell/dunkel gefleckt) schätze ich RAW. Es macht zwar mehr arbeit, aber die ist es wert.
    Gabi

  • @Stefan: Danke für deine Anmerkungen und den Link!

    Auf das Problem der Datenmenge und eine mögliche Lösung dazu gehe ich in Teil 2 ein.

  • Ich fotografiere ausschließlich RAW, auch Fußball und Konzerte, wo erfahrungsgemäß größere Datenmengen anfallen. Der Vorteil der RAW-Daten ist auch bei optimalen Lichtbedingungen sichtbar. Wenn ich allein sehe, was mit dem Update von Lightroom 2 auf Lightroom 3 aus einer vorhandenen, identischen RAW-Datei noch an Bildqualität herauszuholen ist, sollte das allein als Argument reichen.
    Wenn ich ganz dringend ein JPG Bild brauche, lasse ich es einfach zusätzlich mit auf die Karte schreiben, so ist sogar die minimale Verzögerung über den Lightroom-Import zu umgehen.
    Markus

  • Bei Konzerten verwende ich schon lange RAW, einfach weil man mehr rausholen kann. Zusätzlich lasse ich gleichzeitig ein JPEG mitspeichern. Aus zwei Gründen: Vielleicht weil ich schnell eine Datei benötige zum abgeben und – je nachdem für wen ich arbeite – in der Redaktion kein RAW verarbeiten kann nur JPEG. In Lightroom habe ich mir für den Import wie hier beschrieben spezielle Einstellungen abgespeichert. Und dadurch bin ich genauso schnell, als wenn ich nur JPEG bearbeite. Also wenn der Workflow stimmt, kann man mit RAW genauso schnell und besser Bilder bearbeiten.

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