Bildbearbeitung

Rezension: Handbuch Digitale Dunkelkammer

Von 24. August 2010 Ein Kommentar


Von Henning Wüst

“Da hast Du aber mal wieder viel zu lesen” meinte die freundliche Mitarbeiterin auf der kleinen Landpoststelle, die mir das 2,5 Kilo schwere Paket aushändigte. Mittlerweile kennt Sie schon bestimmte Absender, und der Absender auf diesem Paket deutete wieder auf schwere Lektüre hin.

Recht hatte sie. Im Paket war ein Buch, und zwar ein gewichtiges. Das “Handbuch Digitale Dunkelkammer” in der dritten Auflage bringt es mit 620 grossformatigen Seiten auf über 2 kg.

Als ich auf das Buch gestossen bin, klang der Titel sehr verführerisch: “Digitale Dunkelkammer”. Das weckte Erinnerungen an die gute alte Dunkelkammerzeit. Hatte ich doch erst kürzlich beim Umräumen die beiden Kartons mit den Resten meiner alten schwarz/weiss Dunkelkammer wieder entdeckt und in alten Erinnerungen geschwelgt.

Inhalt im Überblick

Genug der Gefühlsduselei. Jetzt zum vorliegenden Buch. Der Untertiltel verrät, dass es um die Arbeitsschritte und Werkzeuge vom Kamera-File bis zum perfekten Print geht und folgt diesem Ablauf auch in der Gliederung des Inhalts.

Der Weg vom RAW zum Print wird im Buch in 14 Kapiteln vom Einstieg in den Workflow, über die Grundlagen der RAW-Konvertierung, einen sehr umfassenden Teil zur Bearbeitung in Photoshop bis hin zur Bildverwaltung und Datensicherung beschrieben. Ein aktueller Anhang mit ergänzenden Informationen rundet das Werk ab, das übrigens bereits in der dritten und stark erweiterten und aktualisierten Auflage vorliegt. Seit dem Erscheinen der ersten Auflage im Jahre 2004 hat sich schließlich etliches in der Materie verändert.

Das Buch ist hochwertig gerduckt und gebunden, was bei diesem Umfang auch eine schlichte Notwendigkeit ist. Es macht Spass, das solide Werk in die Hand zu nehmen und darin zu lesen. Die durchgängige Bebilderung ist ansprechend. Die Ausführungen werden durch eine Vielzahl von Screenshots ergänzt, was insbesondere im umfangreichen Photoshop-Teil eine wertvolle Hilfe ist.

Besonders gut gefällt mir, dass zum Beginn aller angesprochenen Bereiche in der Regel eine Zusammenfassung der Grundlagen steht. Überhaupt legen die Autoren auf die tragenden  Grundlagen  erfreulicherweise großes Gewicht und entwickeln daraus die Detailausführungen.

Freilich mögen dabei einzelne Teile des Buches für den ambitionierten Leser schon Bekanntes enthalten. Ich sehe darin keinen Fehler, denn manchmal schadet eine Wiederholung überhaupt nicht. Und vielleicht soll das Buch ja auch einmal verliehen werden. Und manches, was ein Leser vielleicht als bekannt empfindet, enthält doch viel neue Information.

Im Kapitel 3 des Buches geht es um Know-How zum Farbmanagement. Ein grundlegendes und sehr wichtiges Thema. Und selten habe ich eine so gute Darstellung dazu (d.h. über Farbmodi, Farbmodelle, Farbräume und Farbmanagementsysteme) gelesen. Dieses – eigentlich grundlegende – Know-How wird leider viel zu oft sträflich vernachlässigt, was sich dann oft rächt, wenn es an das Verkaufen von Fotos geht. Oder es sei nur daran erinnert, dass sehr viele Benutzer von RAW-Konvertern einen unzureichenden Verarbeitungsfarbraum wählen, was immer wieder Grund für völlig unnötige Qualitätsverluste ist.

Gute Struktur

Bei den behandelten Themen geht es oft um viele mehr “technisch” wirkende Details. Um den Lesefluss und die Nachvollziehbarkeit zu erleichtern haben die Autoren viel Wert auf eine gute Struktur gelegt, die durch viele Struktogramme gut transparent und nachvollziehbar wird. So weiss der Leser immer, wo und auf welcher Stufe des Prozesses er sich befindet.

Ausgewählte Inhalte

Über das Thema Farbmanagement im Buch habe ich nun bereits berichtet. Ein weiteres Kapitel befasst sich mit grundlegenden Fragen und Techniken der Bildbearbeitung. Hier geht es um einfache Korrekturen, das richtige Schärfen, uvm. Auch automatisierte Aktionen kommen dabei nicht zu kurz. Zu vielen Techniken werden die Funktionen verbreiteter Bildbearbeitungsprogramme (exemplarisch i.d.R. anhand von Photoshop) dargestellt, dann aber auch Spezialwerkzeuge in Form von PlugIns oder Stand-alone-Lösungen mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen vorgestellt.

Es folgt eine umfangreiche Dastellung der RAW-Konvertierung in 3 Kapiteln. Ein Kapitel widmet sich zunächst der Konvertierung mit Adobe Camera Raw. Zwei weitere Kapitel widmen sich dann zahlreichen verschiedenen anderen Programmen, wie z.B. DxO Optics, Capture One Pro, Nikon Capture und Bibble. Aber auch weniger bekannte Programme und die “All–in-One -Lösungen“ (d.h. Lightroom und Aperture) werden erfreulich umfangreich dargestellt. Viele Leser werden hier wahrscheinlich “ihr” Programm finden können.

Haben die Aufnahmen nun also die RAW-Konvertierung durchlaufen, geht es im Buch anschliessend in zwei sehr umfangreichen Kapiteln um das Arbeiten mit Photoshop. Hier liegt einer der Schwerpunkte des Werkes. Ein Kapitel widmet sich in Gänze allen Aspekten des Arbeitens mit Ebenen. Das Arbeiten mit Ebenen wird umfassend und sehr anschaulich erläutert. Hier sind wahrscheinlich für viele Leser noch bislang unbekannte Schätze zu heben.

Das nächste Kapitel widmet sich verschiedenen fortgeschrittenen Arbeitstechniken in Photoshop, u.a. perspektivischen Korrekturen, Luminanztechniken, dem Korrigieren blaustichiger Schatten, der Detailarbeit mit Kurven und dem fortgeschrittenen (Detail-)Schärfen mit Ebenen.

Durchgängig wird im Buch übrigens auf Photoshop CS4 abgestellt (denn CS5 war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht erschienen). Fast alle beschriebenen Techniken und Verfahren lassen sich aber auch bereits ab CS2 (und sehr viele auch in älteren Versionen, bzw. in Elements) nutzen.

Weiter geht es im Prozess der digitalen Dunkelkammer und nun kommen die Themen Multishot-Techniken und Schwarzweissbilder in je einem eigenen Kapitel an die Reihe. Besonders das Kapitel über die Schwarzweiss-Konvertierung fällt dabei positiv auf.

Der letzte Teil des Buches widmet sich schließlich dem Drucken und Publizieren. Auch hier geht es wieder von den Grundlagen (Pixel und Raster) hin zu den Expertentipps über die Farbseparation in RIPs.

Ergänzend kommen noch ein Kapitel über nützliche Photoshop PlugIns und die Bildverwaltung und Datensicherung hinzu.

Zielgruppe

Das Vorwort verrät uns, dass sich das Buch an “begeisterte Amatuerfotografen und Berufsfotografen” richtet. Ohne an dieser Stelle die mittlerweile beinahe zum Glaubenskrieg gewordene Auseinandersetzung um die Sinnhaftigkeit dieser Begriffe zu führen, ist jedenfalls klar, dass die angesprochene Zielgruppe in ambitionierten Fotografen besteht.

Wer sich mit allen Fragen auf dem Weg vom RAW zum fertigen Bild (bzw. bis hin zum Print) tiefergehend und fundiert beschäftigen möchte, erfährt hier fast alles, was man wissen (und können) muss. Getreu dem Motto, dass das richtige Handwerkszeug nicht selbst zu guten Bildern führt, aber das Repertoire des Fotografen in kreativer Hinsicht bildet und freisetzt.

Preis- Leistungsverhältnis

Zum einem Preis von 49,90 Euro ist das Werk bei 620 Seiten mit geballtem Inhalt in Sachen Preis- / Leistungsverhältnis eine klare Empfehlung.

Zusammenfassende Bewertung

Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Buch, das dem Anspruch eines umfassenden Handbuches gerecht wird. Es liegt in der Natur der Sache, dass für den ein oder anderen Leser einige der angesprochenen Themen schon bekannt sein werden. Die Lektüre lohnt sich trotzdem. Und nach der Lektüre dient das Werk als kompaktes Nachschlagewerk für die nicht ganz alltäglichen Dinge.

Uwe Steinmüller / Jürgen Gulbins
Handbuch Digitale Dunkelkammer: Vom Kamera-File zum perfekten Print

Januar 2010, 637 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband
ISBN 978-3-89864-644-4
49,90 Euro(D) / 51,30 Euro(A) / 81,00 sFr

Weitere Informationen beim dpunkt-Verlag sowie bei Amazon.

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Henning Wüst

About Henning Wüst

Henning Wüst ist Fotograf und Fotojournalist und lebt in Schwedisch-Lappland am Polarkreis. Er arbeitet für Firmen und Magazine und bietet Workshops an. Henning wuchs in Deutschland auf und arbeitete als freiberuflicher Journalist. Gleichzeitig absolvierte er ein Jurastudium und arbeitete mehrere Jahre als Rechtsanwalt in Deutschland. Vor einigen Jahren wanderte er nach Lappland aus.

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