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Produktion von Werbefilmen für das Internet

Ulli Naefken arbeitet in Weinheim als Filmemacher und bietet Firmen die Erstellung von Werbe- und Imagefilmen für die Verwendung im Internet an. Ich habe ihn auf einer Veranstaltung kennen gelernt und um ein Interview gebeten.

Ulli, sag doch einmal ein bisschen etwas über Deine Ausbildung.

Ich habe an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg „Filmproduktion“ studiert. Meine Schwerpunkte waren „Serien Producing“ und „Digital Producing“. Um das Studium zeitlich einzuordnen: Wir durften als schlechte VHS-Kopie „Dr. House“ und „Desperate Housewives“ vor Ausstrahlung sehen und YouTube ging gerade an den Start. Im Vorfeld meines Studiums tingelte ich als Praktikant durch Deutschland.

Du hast Dich auf Werbefilme für die Veröffentlichung im Internet spezialisiert. Warum hast Du dieses Betätigungsfeld ausgesucht?

Es hat sich alles entwickelt: Schon im Jahr 2001 bin ich mit Freunden mit unserer DV-Kamera rumgerannt und wir haben Reportagen von Weinheimer Events produziert. In Zeiten ohne DSL war Bewegtbild im Internet sehr selten – trotz 56k-Modem und RealPlayer ging es irgendwie. Mit der Zeit kamen dann weitere Filme – auch Auftragsproduktionen – hinzu und spätestens seit der rasanten Entwicklung rund um YouTube entsteht nun ein neuer Markt. Es ist eine spannende Zeit: Die Nachfrage nach Filmen steigt stetig.

Sind die Unternehmen, die Du ansprechen möchtest, schon so weit, dass für sie professionell erstellte Filme für Internet-Veröffentlichung ein selbstverständlicher Werbekanal sind, oder musst Du viel Überzeugungsarbeit leisten?

Unternehmen, die junge Zielgruppen ansprechen wollen, sind offener für diesen Weg der Online-Kommunikation. Weit verbreitet ist allerdings immer noch eine Art „Papier-Lobby“, d.h. Entscheider wollen in gedruckter Form ihre Botschaften transportieren. Das ist auch verständlich, diese Menschen sind mit Papier aufgewachsen – es ist ihr vertrautes Medium. Junge Leute, die so genannten „Digital Natives“, nutzen Papier zwar ebenfalls noch, aber es wird sehr viel papierlos gelesen und digital kommuniziert.

Was denkst Du, sind die Qualifikationen, die man braucht, um erfolgreich Filmclips für Youtube etc. erstellten zu können?

Erst einmal muss ein Grundinteresse für Film bestehen. Ein Faktor für das Interesse ist der Konsum an bewegten Bildern. Je mehr man schaut, desto mehr erhält man ein Gespür, was einen guten Film ausmacht. Schlechte Filme bis zum Schluss anschauen, kann auch sehr hilfreich sein. Als nächstes sollte man mit offenen Ohren und Augen durch die Welt gehen und dabei eine Neugierde für Geschichten entwickeln. Neugierde ist der treibende Motor für jede Geschichtenerzählerin und jeden Geschichtenerzähler. Und wenn man diese Geschichten entdeckt hat, dann einfach loslegen und viele Filme machen – immer und immer wieder. Nur so lernt man das Filmemachen.

Ist aus Deiner Sicht eine klassische Filmausbildung an einer Hochschule noch sinnvoll oder geht nicht heute alles immer mehr in die „Quick und Dirty“ – Schiene, in der handwerkliche Fähigkeiten nicht mehr so wichtig sind?

Eine praxisorientierte Ausbildung ist immer von Vorteil. Man braucht den Raum und die Zeit um seinen eigenen Stil zu entwickeln. Ein geschützter Raum – wie eben eine Hochschule – kann da sehr von Vorteil sein. Allerdings solltest du dich in dieser Zeit auch als Persönlichkeit weiterentwickeln, am Leben deines Publikums teilhaben, um so Geschichten zu finden, die lohnenswert sind, erzählt zu werden. Wenn du deine Lebensgeschichte in Variationen immer wieder in eine Art Selbsttherapie erzählst, wird dein Publikum irgendwann abschalten. Nach dem Studium zeigt sich dann auf dem Markt, ob Du vom Filmemachen leben kannst.

Mit welcher Kamera-Ausrüstung arbeitest Du und mit welcher Software schneidest Du Deine Filme?

Da ich hauptsächlich fürs Web arbeite, reicht mir eine kleine handliche HD Kamera, die Sony HDR HC-7 E, und Final Cut Express auf einem Mac Book Pro.

Was hältst Du von der aktuellen Entwicklung, digitale Spiegelreflexkameras wie zum Beispiel die Canon EOS 5D Mark 2 oder EOS 7D zum Erstellen von Filmen zu verwenden?

Die Bilder sind der Hammer. Ich habe einen Film von Vincent Laforet im Web entdeckt und war positiv überrascht. Meine nächste Kamera wird definitv eine Spiegelreflexkamera.

Wohin wird sich Deiner Meinung nach die Werbefilm-Branche entwickeln?

Alle sprechen von „Social Media“. Sollte sich dieser mediale Trend etablieren, wird das Individuum immer wichtiger. Ich als Filmemacher habe gemeinsam mit dem Kunden die Aufgabe, ein genaues Profil der Zielgruppe zu erstellen und für diese Zielgruppe schließlich einen Film zu produzieren. Das kann eine Menge konzeptionelle Arbeit bedeuten und schließlich viele kleine Filme für viele Zielgruppen.

Welchen Rat kannst Du einem Einsteiger in das Gebiet der Werbefilme geben. Wie soll er einsteigen, welche Ausrüstung und welches Know How braucht er und welche Chancen bieten sich ihm?

Nehmen Sie das Handy oder die Digitalkamera in die Hand und fangen sie an zu filmen – sofort. Gehen sie ins Kino, surfen sie bei YouTube vorbei, analysieren sie ihre Lieblingsserie. Zeigen sie ihre ersten Werke ihren Freunden und nutzen sie das Feedback für die kommenden Filme. Learning by doing – das kostet heute nur noch Zeit, früher kostete es verdammt viel Filmmaterial.

Meinst Du, dass auch für Fotografen das Filmemachen in Zukunft zur erforderlichen Qualifikation gehören wird, oder werden Fotografieren und Filmemache auch in Zukunft zwei unterschiedlichen Betätigungsfelder sein, die wenig miteinander zu tun haben?

Das Berufsbild des Fotografen wird sich weiterentwickeln. Die Kunden werden hier die Nachfrage bestimmen. Der Fotograf wird weiterhin hochwertige Fotos machen, YouTube-Filme produzieren, aber auch Kameras empfehlen und Schulungen anbieten. Ein Blick in ihre Kundenliste verrät ihnen, welche Angebote ihre Kunden in Zukunft bei ihnen abrufen werden.

Ulli, danke für das Interview.

Weitere Informationen auf der Website , dem Blog und dem Youtube Channel on Ulli Naefken.

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können. Mehr

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