Bildbearbeitung

Schwarz-Weiß-Fotografie: „Ihr Weg zu überzeugenden Bildern“ von Michael Freeman

Von 20. April 2010 2 Kommentare

Von Manuel Mauer

Die nackten Zahlen des mir zur Rezension vorliegenden Buches  “Schwarz-Weiß-Fotografie: Ihr Weg zu überzeugenden Bildern“ von Michael Freeman liest sich wie folgt: 223 Seiten, broschiert, angenehme Dicke der Seiten, Format des Buches eher quadratisch und in der ersten Auflage erschienen im Dezember 2009.

Der Titel des Buches interessierte mich sehr, da ich selbst mit der Analogfotografie nie direkt in Berührung kam. Auch ist es immer noch häufig zu sehen, dass Reportagefotos in Zeitungen, Bilderserien und ähnliches in Schwarz-Weiß gehalten werden. Aber nicht einfach nur in Graustufen umgewandelt, sondern richtig strahlend und wirksam.

Das Buch ist in vier große Kapitel unterteilt, die stringent aufgebaut sind und den Leser sinnvoll an die Hand nehmen. Ein Drittel des Buches beschäftigt sich der Autor unter der Überschrift “Die Schwarzweiss-Tradition“ mit der Herkunft der Schwarz-Weiß-Fotografie, den Techniken und der Bedeutung der “farblosen“ Fotografie für uns Menschen.

Dabei werden weder Lobeshymnen auf die alte Zeit gesungen noch diese abgewertet. Manch ein Leser ist versucht, dieses Kapitel auszulassen, dies würde ich jedoch nicht empfehlen. Generell ist das Buch ohnehin so gegliedert, dass es auch ohne weiteres in kleinen Happen gelesen werden kann.

Das nächste Drittel des Buches geht auf die digitale Schwarz-Weiß-Fotografie ein. Und hier geht es ans Eingemachte. Ohne Anfänger zu überfordern oder zu stark auf Photoshop programmlastig zu werden, wird anhand von Bildbeispielen und Abbildungen von geänderten Farbtonreglern aufgezeigt, welcher Eingriff welche Auswirkung auf das Bild hat. Michael Freeman begeht jedoch nicht den Fehler, eine Entwicklungseinstellung als die einzig Richtige zu deklarieren, sondern bildet gezielt verschiedene Entwicklungsmethoden ab, die zu völlig unterschiedlichen Bildwirkungen führen.

Ohnehin kann ich sagen, dass der Autor immer wieder im, zu den Bildern begleitenden, Text darauf hinweist, wie stark ich den Schwerpunkt meines Bildes durch Betonung oder Zurücknahme einzelner Farben in der Entwicklung verlagern und ändern kann.

Aufgrund dieser detaillierten, aber vielfältigen Erklärungen ist das Buch keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, sondern Erklärung, Inspiration und Anstoß, mir als Fotograf Gedanken über meine Bildaussage zu machen. Nicht einfach nur in Schwarz-Weiß umwandeln, Kontraste poppen lassen, fertig.

Der dritte Teil des Buches nimmt nicht ganz das letzte Drittel ein, habe ich doch eingangs vier Kapitel erwähnt. Mit der Überschrift “Die kreative Wahl“ entfernt sich Herr Freeman deutlich von dem vorigen Kapitel mit seinen Gradationskurven und Histogrammen und gibt mir einige Gedanken auf dem Weg zu generellen Entwicklungsmethodiken. Um diese zu verdeutlichen und mit Beispielen anzureichern, finden sich hier einige Bilder von bekannten (Analog-)Fotografen, die die eine oder andere Stilrichtung vertreten und praktiziert haben.

Als vierter und letzter Teil schließt sich das Kapitel “Drucken und Ausstellen“ an. Dieses ist zwar nicht besonders umfangreich oder tiefgehend, nennt aber die richtigen Schlagworte, um bei nötigen Gebrauch mir wieder einzufallen. Vor allem zu dem  Thema richtige Beleuchtung meiner Bilder hatte ich mir vorher noch nie Gedanken gemacht. Aber auch Archivbeständigkeit, Möglichkeiten der Rahmung und Druckerproblematiken spricht er kurz an.

Der Schwerpunkt des Buches liegt ganz deutlich in den ersten beiden Teilen des Buches, der Herkunft der Schwarz-Weiß-Fotografie und der aktuellen Entwicklung eines Schwarz-Weiß-Bildes in der Nachbearbeitung. Dieses meistert der Autor bravurös. Ich persönlich hätte mir gelegentlich eine deutlichere Aussprache für oder gegen den einem oder anderen Gedanken gewünscht, bleibt doch nach dem Lesen des Buches ein sehr “offenes“ Gefühl. Dies fordert die eigene Beschäftigung mit der persönlichen Vorliebe,  kann aber bisweilen mühsam sein.

Die letzten beiden Kapitel sind mir etwas zu kurz abgehandelt, jedoch sehe ich natürlich auch die Schwierigkeit, bei diesen beiden Oberpunkten eine inhaltliche Abgrenzung vorzunehmen, ohne das Buch zu einem 500-Seiten-Wälzer werden zu lassen. Doch das was er in den Kapiteln anspricht ist gut und fundiert.

Nach der Lektüre dieses Buchs werde ich bei zukünftigen Schwarz-Weiß-Entwicklungen bewusster auf bestimmte Details achten und die Frage nach dem “Wieso so und nicht anders“ werde ich mir wohl auch häufiger stellen.

Michael Freeman: Schwarzweiß-Fotografie. Ihr Weg zu überzeugenden Bildern
ISBN: 978-3-8272-4471-0
224 Seiten – 4-farbig, Bilderdruck
€ 29,95 [D]

Weitere Informationen beim MuT Verlag sowie bei Amazon

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Manuel Mauer

About Manuel Mauer

Manuel Mauer ist 31 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Söhne und eine Tochter. Er ist seit 2005 semiprofessioneller Fotograf, seit Mitte 2007 bietet er seine Dienste unter Fotografie Mauer an. Seine Arbeitsgebiete fand er ziemlich schnell im Bereich Mensch, Reportage und inszenierter Fotografie.

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2 Kommentare

  • Gast-Rezensent sagt:

    […] “Ihr Weg zu überzeugenden Bildern” genommen. Der gesamte Artikel ist hier nachzulesen. Viel Spaß beim Lesen. Bücher, FotografieBuch, fotografr.de, Rezension, […]

  • Julian von Tiedemann sagt:

    Hallo,

    ich habe das Buch in der örtlichen Bibliothek geliehen und muss sagen, dass es mir durchaus geholfen hat in Bezug auf die SW-Umsetzung. Im Gegensatz zu manch anderem „Kochbuch“ bekommt man einen gewissen Blick für die wichtigen Bildinhalte und deren Tonung vermittelt.

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