Reportage + PresseStudiotechnik

Entfesselt blitzen – Kreative Fotografie mit Systemblitzen

Schon seit einigen Jahren ist die Arbeit mit entfesselten Systemblitzen, die unter Eingeweihten „Strobisten-Methode“ genannt wird, auch in Deutschland immer beliebter geworden. Vorreiter dieser Techniken waren unter anderem David Hobby und Joe McNally. Umso erstaunlicher, dass es bisher in Deutschland kein Fotolehrbuch gab, dass sich diesem interessanten Thema widmet.

Diese Lücke schließt der mitp-Verlag nun mit dem Buch „Entfesselt blitzen – kreative Fotografie mit Systemblitzen“ von Hendrik Roggemann.

Der Aufbau des Buchs entspricht dabei der ganz persönlichen Lernkurve des Autors. Er beschreibt sehr anschaulich, wie er an das Thema herangegangen ist, sich das erforderlich Equipment gesucht hat und die Einsatzmöglichkeiten ausprobiert hat. Das ist sehr gut nachvollziehbar und auch unterhaltsam zu lesen.

Hendrik Roggemann stellt geeignete Blitzgeräte vor und beschreibt Stative, Schirmneiger und Lichtformer. Außerdem zeigt er, wie man mit Systemblitzen ein kleines Fotostudio für die Peoplefotografie aufbauen kann.

Zubehör, dass man nicht im Laden kaufen kann, wird auch gerne mal selbst gebaut. So zeigt der Autor, wie man mit einfachen Mitteln einen Wabenfilter für den Systemblitz herstellen kann.

An mancher Stelle hätte ich mir eine größere Marktübersicht gewünscht. Beispielsweise geht der Autor auf Systemblitze von Nikon, Metz, Sigma und Nissin ein, verliert aber zu Canon und insbesondere den in den letzten Monaten unter „Strobisten“ so beliebten Yongnou-Blitzen kein Wort. Das ist ihm aber auch selber bewusst, denn er überschreibt das entsprechende Kapitel mit „Mein persönlicher Vergleich“.

Noch interessanter als die Beschreibung der Technik ist aber die Frage, wie man entfesselte Systemblitze in der Praxis einsetzt. Hier liefert Hendrik Roggemann viele Beispiele aus seiner täglichen Praxis als Fotograf. Das sind Sedcard-Shootings, Hochzeits-Shootings und Portrait-Fotos.

Insbesondere bei den Fotos, die on location entstanden sind, zeigt sich die Stärke der entfesselten Systemblitze. Auch in einer Waschanlage schafft es der Autor beispielsweise, mit geschickter Lichtführung ein hochwertiges Portrait zu erstellen.

Auch die Hochzeitsfotos zeigen den aktuellen Stand der Technik: Von einem Fotografen erwartet man, dass er hochwertigere Fotos liefert als die Verwandschaft mit ihren Kompaktkameras. Und dafür ist die Arbeit mit entfesselten Systemblitzen ideal geeignet.

Mein Fazit: Eine gelungene Einführung in eine Technik, die heute zum kleinen 1×1 jedes Fotografen gehören sollte.

Gutes Fotografie Fachbuch


Entfesselt blitzen – Kreative Fotografie mit Systemblitzen – Edition ProfiFoto
von Hendrik Roggemann
1. Auflage 2010, Softcover, 180 Seiten, Format 22,0 x 22,0
ISBN 978-3-8266-5609-5, € 29,95

Mehr Informationen beim mitp-Verlag und bei Amazon.

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können. Mehr

12 Kommentare

  • zoomyboy sagt:

    1×1 ist ja Ok und die Basic sind ja immer wichtig wie wir alle wissen. Aber diese Anfänger Themen hat wohl schon jeder zweite Fotografie Blog der Welt von Usbekistan bis Wien ausführlichst vor 3 Jahren durchgekaut.
    Es gibt Downloadbare PDF´s, Strobist-Wikis, Flickr-Gruppen usw. und Wabenfilter aus Strohhalme, Beauty Dish aus Lampenabdeckungen und Snoots aus Zigarettenschachteln war vor 3 Jahren Mega Aktuell-aber heute?
    Wenn schon ein Buch über dieses Thema dann bitte mit neuen Ideen und eventuell mit einem neuen Ansatz, aber so? Wo bleibt bitte hier der Kaufgrund?

  • Omori sagt:

    @ zoomyboy: Jemand, der sich seit 3 Jahren mit diesem Thema beschäftigt und die entsprechenden Blogs und Foren liest, wird sicher wenig Neues finden.

    Jemand, der sich in das Thema einarbeiten will, bekommt hier kompakt und übersichtlich alle notwendigen Kenntnisse vermittelt.

    Gruß Michael

  • Die Ausführungen zu den Anleitungen im Internet mögen durchaus richtig sein – wenn man lange genug sucht (und gut genug Englisch kann) findet man aber vermutlich über JEDES Thema eine Menge im Internet.
    Die Aufgabe eines Buchautors ist es aber, Wissen didaktisch sinnvoll für Leser aufzubereiten, und zwar auch und besonders für die, die entweder nicht so englisch-fest oder internetaffin sind.

    Leider hat die kostenlos- und Geiz-ist-geil-Mentalität manche Ansprüche ziemlich unrealistisch in die Höhe geschraubt. Auch gern mal vorbei an jedem wirtschaftlichen Sinndenken.

    Und NEIN, ich bekomme keinen Cent vom Buchverkauf. 😉

    @Omori: Fairerweise muß man erwähnen, daß jedes Buch eine gewisse Vorlaufzeit hat (haben MUSS) und die Yongnou-Blitze zur Zeit der Manuskript-Abgabe mit Sicherheit noch gar nicht erhältlich waren. Für das Fehlen von Canon gibt es aber (außer durch die Kapitelüberschrift) keine Nachsicht. 😉

  • zoomyboy sagt:

    Wird jetzt schon überall mit der „Geiz-ist-geil-Mentalität“ Floskel geantwortet? Verlage und Buchautoren müssen sich in der heutigen Zeit einfach noch mehr anstrengen, um den Kauf eines Fachbuches vor den Kunden zu rechtfertigen.

  • Omori sagt:

    Ich bin kein Fachmann für Verlagsmarketing, aber ich glaube hier liegst Du völlig falsch, zoomyboy.

    Sehr spezielle Bücher, die fachlich und inhaltlich die allerneuesten Ideen vermitteln, werden kommerziell wahrscheinlich wenig erfolgreich sein.

    Ich könnte mir sogar vorstellen, dass Hendrik Roggemann beim Vorstellen seines Konzepts vom Verlag gesagt bekommen hat, dass das Thema viel zu speziell ist, als dass es sich gut verkauft.

    Gut verkaufen werden sich wahrscheinlich Bücher wie „Einführung in die x-Fotografie“ oder „Grundlagen der y-Fotografie“, aber nicht „Strobist-Feinheiten unter Verwendung der z-Spezialmethode“.

    Allerneuesten technologische Anregungen wird man vor allem in amerikanischen (oder auch deutschsprachigen) Blogs finden, aber nicht auf dem deutschen Büchermarkt. Und das nicht, weil die Verlage diese Bücher nicht auf die Reihe bekämen, sondern schlicht, weil sie kaum einer kaufen würde.

    Gruß Michael

  • Sven sagt:

    Das Internet und vor allem auch die speziellen Blogs führen doch dazu, dass Informationen an Menschen gelangen, die sonst nie im Leben damit in Kontakt gekommen wären. Insofern ist es nicht weiter verwunderlich, dass in vielen Büchern dann Dinge zu finden sind, die man als kalten Kaffee bezeichnen kann. Irgendwo ist man im Netz fast immer schon darüber gestolpert.

    Aber genau deshalb ist es gar nicht so falsch was zoomboy fordert : Die Aufgabe eines Journalisten muss es dann sein, alles bekannte nicht nur abzuschreiben, sondern Alternativen aufzuzeigen, Ideen weiter zu entwickeln u.s.w.

    Früher hat ein Artikel, ein Buch den Menschen beflügelt die Ansätze die dort gezeigt wurden in die Realität umzusetzen. Heutzutage hat man immer öfter das Gefühl, dass in einem Fachbuch nur noch das bekannte in gedruckter Form neu verpackt wird. Wer heute ein Buch schreiben will muss nicht mehr Jahre in sich gehen, sondern einfach nur ein paar Blogs lesen. Das ist sicherlich ein guter Ansatz, aber es fehlt sehr oft die journalistische Leistung um eine Veröffentlichung zu rechtfertigen.

  • Renzo Antonini sagt:

    Ich habe mir dieses Buch voller Erwartung gekauft und gelesen. Das Buch ist leider puurer Sebstzweck. Ich teile voll und ganz die Meinungen von zoomyboy und Sven. Was da drinn steht ist kalter Kaffee. Wenn ich mir ein Buch zu diesem Thema kaufe, erwarte ich die „kleinen Tricks“ die ich sonst nur in Seminaren erhalte. Was dem Buch gut tun würde wäre z.B. <> so das technische Verständniss. Da würde man ein Gefühl dafür bekommen. Das kommt im Buch zu kurz. Wenn ich den Buchtitel lese, erwarte ich das. Von meiner Seite leider keine Empfehlung.

  • Renzo Antonini sagt:

    Da kam was nicht ganz durch. …gut tun würde wäre z.B. Belichtungszeit, Blende ISO und weiter
    die Leistung und vorallem Entfernung der Blitze… so das technische…

  • […] und Blitzauslösern in den letzten Jahren auf dem deutschen Markt einen Namen gemacht. Und mit speziellen Blitzen für Strobisten decken sie ein Marktsegment ab, das etablierte Hersteller nur wenig […]

  • Frank Sutters sagt:

    Zitat Zoomboy: „Verlage und Buchautoren müssen sich in der heutigen Zeit einfach noch mehr anstrengen, um den Kauf eines Fachbuches vor den Kunden zu rechtfertigen.“

    Sehe ich absolut genauso. Ich muß mich auch immer mehr anstrengen, um meinen (teuren) Arbeitsplatz als Deutscher gegenüber einem chinesischen (billigeren) Kollegen zu rechtfertigen.Dies gelingt immer nur duch einen Vorsprung an anwendbarem Know How und entsprechenden Fertigkeiten.
    Oder anders gesagt: ich muß meine Arbeitsproduktivität für das gleiche Geld stetig weiter erhöhen, um überhaupt meinen Job zu behalten, noch einigermaßen Lohn zu bekommen um mir dann auch die immer teureren Dinge des täglichen Bedarfs leisten zu können. Man sollte also mal diese „Geiz-ist-geil“-Verhaltensweisen nicht so achtlos beiseite schieben, sondern mal überlegen, woher das kommt … Durch die Werbung hat das Kind nur einen Namen bekommen, mehr nicht …

    Zitat Michael Gelfert: „Leider hat die kostenlos- und Geiz-ist-geil-Mentalität manche Ansprüche ziemlich unrealistisch in die Höhe geschraubt. Auch gern mal vorbei an jedem wirtschaftlichen Sinndenken.“ Dem stimme ich ebenfalls zu, aber !
    Ich denke nicht, dass die Ansprüche unrealistisch in die Höhe geschraubt werden – siehe meine o.g. Ausführungen.
    Gern mal vorbei am wirtschaftlichen Sachverstand, ok, lasse ich gelten aber es wird uns doch vorgelebt – von den Oberen des Staates. Die Regierung machts doch – bis hin zum popeligen Landrat, der mal eben eine Loherhöhung um 864 EUR monatlich bekommt und dann 7800 EUR/Mon. (MeckPom) einstreicht – ohne großartige, sichtbare Leistungen dafür zu bekommen.

    Ich denke, bevor sich nichts ändert in dieser Hinsicht, werden die Preise immer mehr (ver)fallen, Leistung bzw. Arbeit wirt sich in Deutschland bald nicht mehr lohnen und ausserdem verroht die Gesellschaft hier auch immer weiter. Ich habe 2 Jahre in Korea gelebt und gearbeitet und habe es ganz anders kennen gelernt. Ich weiß, wovon ich rede. Und ja, ich habe mir dort eine umfangreiche Canon-Ausrüstung gekauft, 2 Profi-Kameras mit diversem Zubehör – für weniger als die Hälfte als es hier gekostet hätte – mehrere tausend EUR gespart. Und ja, auch das Studioequipment bestelle ich direkt beim chinesischen/koreanischen Hersteller OHNE deutsche Zwischenhändler – ganz legal – ohne die Geldgier der Zwischenhändler und Staat.

    Ich lebe Geiz-ist-geil, weil mir die Gesellschat nichts anderes übrig lässt.
    „Friss oder du wirst gefressen.“ – Karl Marx, das Wolfsgesetz des Kapitalismus.

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