Foto-Business

Preisgestaltung für Fotografen (Praxisbeispiel)

Von 23. Juli 2018 2 Kommentare
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Thomas Blasche war Teilnehmer in meinem Workshop „Businessfotografie“ und ist ebenfalls in meiner Facebook-Gruppe „Creativebiz – Erfolg für Fotografen / Kreative“ aktiv. Er berichtet von zwei aktuellen Kundenanfragen sowie der Preisgestaltung für Fotografen:

Gastbeitrag von Thomas Blasche

Vor kurzem hatte ich in der Facebook-Gruppe „Creativebiz“ um Rat bezügl. dem Preisen für die Nutzungsrechte nur für soziale Medien gefragt. Ich hatte dann Michael auch noch per E-Mail angeschrieben und um Rat gebeten. Damals musste ich mich noch bedeckt halten, weil der Auftrag noch nicht in trockenen Tüchern war.

Jetzt kann ich etwas schreiben und auch etwas von meinen Erfahrungen weitergeben. Auftraggeber war die Deutsche Bahn. Die Anfrage kam relativ kompliziert zuerst über eine kleinere Agentur aus Berlin und dann, nachdem alles weitgehend konkret war, musste ich es einer größeren Agentur aus Berlin anbieten.

Warum der Kunde mich ausgesucht hat

Auf mich aufmerksam wurde die Agentur durch mein Buch „Glücksorte am Bodensee“, das dieses Frühjahr erschienen ist. Da ich, mehr hobbymäßig, nebenbei eine Internetseite mit Infos zum Bodensee betreibe, hatte mich im letzten Jahr der Droste Verlag angefragt, ob ich diesen Band aus ihrer Reihe „Glücksorte“ schreiben würde. In meinem jugendlichen Leichtsinn hatte ich „Ja“ gesagt (ich hatte die Arbeit für so ein Buch vollkommen unterschätzt). Jedenfalls kam das Buch dieses Frühjahr in den Buchhandel, ist sehr erfolgreich und hat mir schon die eine oder andere fotografische Anfrage gebracht. Doch darum soll es jetzt nicht gehen – ich wollte nur erklären, wie die Agentur auf mich kam.

Fotoauftrag für die Deutsche Bahn

Das Streckennetz des Intercity 2 der Deutschen Bahn soll bis 2030 kontinuierlich ausgebaut werden. In diesem Jahr kam die Strecke Stuttgart – Konstanz dazu. Die Deutsche Bahn hat sich mit der Werbeagentur entschieden, dies hauptsächlich in sozialen Netzwerken zu bewerben. U.a. wird hier auch das aktuelle Influencer-Marketing angewendet. Dazu wurde eine durch Reiseblogs bekannte Blogger-Familie aus Stuttgart engagiert. Diese sollte mit dem Intercity 2 von Stuttgart nach Konstanz reisen. An der Stelle komme ich ins Spiel.

Ich hole die Familie am Bahnhof Konstanz ab, führe sie zu zwei „Glücksorten“ aus meinem Buch und erstelle dabei Fotos. Die Vorstellungen der Aufnahmen wurden durch die Agentur recht genau vorgegeben.

Im ersten Kontakt wurde ich nur für die Begleitung der Familie angefragt. Hier hatte ich 500 Euro angesetzt (1/2 Tag). Im weiteren Verlauf wurden 10 Bilder für die Nutzung in sozialen Netzwerken angefragt. Da hier recht schnell eine weitere Verbreitung stattfinden kann, wurde für die Nutzung ein uneingeschränktes Nutzungsrecht angefragt (Buy out). Ich war sehr unsicher.

Ungern wollte ich den Auftrag verlieren. Michael hatte mir etwa 300 – 400 Euro je Bild genannt. Ich habe dann dort angerufen und mit der kleinen Agentur gesprochen. Ich wollte in dem Gespräch heraus hören, ob diese 250 Euro, die ich ansetzte, akzeptiert werden können oder nicht. Der Betrag war dann kein Problem. Rückblickend hätte ich wahrscheinlich auch 300 Euro ansetzen können. Laut MFM-Liste wäre ein deutlich höherer Betrag anzusetzen (ca. 500 Euro).

Anfrage eines Buchverlags

Fast zeitgleich, erhielt ich eine Anfrage von einem Verlag. Es sollten Fotos einer örtlichen Buchhandlung für die Nutzung in einer Zeitschrift für Buchhandlungen und Verlage erstellt werden. Auflage ca. 3.000 Exemplare. Die Kommunikation verlief hier ausschließlich über E-Mail. Ich fragte nach, in welcher Größe die Bilder genutzt werden sollen. Darauf kam schon eine irritierte Rückfrage, ob die Größe für das Angebot eine Rolle spielt. Wer die MFM-Liste kennt weiß, dass bei Printmedien zwischen ¼ Seite, ½ Seite, 1/1 Seite und Titel zur Berechnung der Nutzungsrechte unterschieden wird.

Ich hatte noch kurz überlegt, ob ich hier den telefonischen Kontakt suchen soll.

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Das persönliche Gespräch suchen

An diesem Tag gab es auch eine Frage eines anderen Mitglieds in der Gruppe, die ähnlich gelagert war. Michael kommentierte „ich würde anrufen und fragen….“. Am liebsten hätte ich seinen Kommentar fett unterstrichen – so blieb es beim „Gefällt mir“.

Ich habe die zweite Anfrage so beantwortet, dass ich eine Mischung zwischen ¼ Seite und 1/1 Seite als Nutzungsrecht angeboten habe. Weil ich auch weiß, dass solche Bilder dann gerne von der Buchhandlung (also nicht vom Auftraggeber) ohne Nachfrage verwendet werden, habe ich das Nutzungsrecht im Angebot klar eingeschränkt. Mir war fast klar, dass dieses Angebot nicht angenommen wird. Und so kam es dann auch. Ich war nicht enttäuscht, weil ich das auch einmal bewusst provozieren wollte.

Was ich damit sagen möchte: Wer einen Auftrag sehr gerne haben möchte und auch bereit ist, seine Vorstellungen etwas zurückzunehmen, der sollte versuchen, vor dem Erstellen des Angebots, das persönliche Gespräch zu suchen – und sei es telefonisch. Hier klärt sich recht schnell, wo die Vorstellungen des Kunden und die eigenen Vorstellungen liegen.

Es ist auch kein Fehler, konkret nach dem Budget zu fragen. Die Agenturen handeln auch nur im Namen ihres Auftraggebers und sitzen im gleichen Boot.

Was ggf. auch noch funktioniert, ist das Hinterher-Telefonieren. D.h. nach dem Senden des Angebots per E-Mail anrufen und das Angebot erläutern. Hier kann man vielleicht noch korrigieren indem der Umfang reduziert oder eine kostenlose Zusatzleistung erbracht wird. Was man nicht machen sollte: Anrufen und in der Diskussion den Preis senken – das wirkt dann einfach nur unglaubwürdig.

Was aus der Deutschen Bahn wurde

Den Auftrag von der Deutschen Bahn habe ich bekommen. Aber in der Auftragsbestätigung waren es dann nur noch fünf Bilder. Ein Argument mehr dafür, dass ich besser die 300 Euro je Bild angesetzt hätte.

Die Preisgestaltung ist für uns Fotografen eine tägliche Herausforderung. Beim Workshop „Businessfotografie“ von Michael habe ich manches mitgenommen. Auch wenn ich vieles schon wusste, hat mich der Austausch auch bestärkt.

Über Thomas Blasche

Thomas Blasche lebt am westlichen Bodensee. Er ist freiberuflicher Fotograf mit dem Schwerpunkt People und Business-Fotografie on Location und Bildbearbeitung. Zusammen mit seiner Partnerin Angela realisiert er freie Projekte und Auftragsarbeiten.

Website

2 Kommentare

  • Hallo Thomas,
    vielen Dank für die sehr gut nachvollziehbare Erläuterung – nicht nur inhaltlich spannend, sondern auch gut geschrieben. Schön zu lesen, wie sich das Gedankenkarussell auch bei anderen Fotografen dreht und dreht und dreht. Hier auch mal klare Kante zu zeigen finde ich super, aber immer mal wieder auch super schwer.

    Viel Erfolg weiterhin.

  • Hi Thomas,

    ich bedanke mich bei dir für den klasse geschriebenen Beitrag. Ich kann dir hier nur zustimmen.

    Cheers, aus Österreich,
    MIKA

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