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Wie die Musikindustrie ihre Kunden vergrault


Als Fotograf hat man ein besonderes Verhältnis zu den Urheberrechten. Man erwartet, dass die eigenen Urheberrechte von anderen geachtet werden und beispielsweise keine Fotos ohne Erlaubnis bzw. Honorar-Zahlung veröffentlicht werden.

Daher ist es selbstverständlich, dass man auch die Urheberrechte von Künstlern, beispielsweise Sängern, achtet und mp3-Files nicht aus halbseidenen Quellen bezieht.

Die Plattenindustrie hat in den letzten Jahren ja schon einiges verschlafen. Aber es ist wie verhext: Sie lernen einfach nichts dazu.

Anstatt den aussichtslosen Kampf gegen die Download-Kiddies von Zaun zu brechen, sollten sie vielleicht lieber Anreize schaffen und den legalen Erwerb von Musik fördern. Und was tun sie: Führen ungeschicktes Rights-Management ein, was dazu führen kann, dass die Käufer ihre teuer bezahlte Musik selber nicht mehr hören können.

Und anstatt bei den gekauften CDs einen Mehrwert gegenüber heruntergeladener Musik anzubieten (gute Ausstattung der CD, Text-Heft, Zusatz-Informationen, …), wird an der Ausstattung immer mehr gespart.

Früher konnte man sich noch an Platten-Covern in angemessener Größe (30 x 30 cm) erfreuen und bekam beispielsweise bei der LP Sticky Fingers von den Rolling Stones ein aufwändig gestaltetes Kunstwerk von Andy Warhol gratis zur Platte dazu (den berühmten Reißverschluß).

Heute werden sparsame Plastik-Cover im Mini-Format geliefert und Text-Hefte fehlen häufig. Aktuelle Enttäuschung für mich ist die neue Platte von Norah Jones: The Fall. Da fehlt sogar das Jewel Case: Die CD ist in einer popeligen Karton-Hülle verpackt (immerhin findet sich im Inneren ein Textblatt). Wie arm ist das denn?

Ich bin überzeugt: Wenn die Plattenindustrie an der Qualität der CD-Ausstattung arbeitet, lassen sich auch mehr Kunden davon überzeugen, das Geld für eine CD auf den Ladentisch zu legen.  Nicht zuletzt käme das auch den Fotografen zugute, die die Möglichkeit bekämen, mehr als nur Fotos in Briefmarken-Größe zu liefern.

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Fotograf in Heidelberg und gebe mein Wissen und meine Erfahrung als Business-Coach für Kreative weiter. Mehr

8 Kommentare

  • Ralf sagt:

    Ich überlege mir immer, ob ich eine CD kaufe wenn mir die Ausstattung nicht zusagt.
    Wenn dann auch noch einige Titel reines Beiwerk sind, kaufe ich die CD nicht.

    In der Regel nutze ich aus diesem Grund die Möglichkeit, mir in Downloadshops die CD oder die einzelnen Titel zu kaufen.

    Gruß
    Ralf

  • Teatime sagt:

    So eine Hülle ohne Case hatte ich auch schon neulich in der Hand. Die war allerdings als preiswerte Alternative zum Case-Modell neben dem ausgelegt. Man konnte (wenn ich mich nicht irre) 3,- € sparen. Wer genügend Hüllen zu Hause rumliegen hat, den wird es wohl nicht stören – ausser dem vielleicht fehlenden Coverblatt.

    Aber dennoch gebe ich Dir in dem Punkt recht, dass die Musikindustrie den Markt verschlafen hat. Was spricht dagegen, der CD einfach ein exklusives Video beizulegen? Oder ein von Dir erwähntes Heft mit z.B. den Texten oder der Notatur (heisst das wirklich so?). Möglichkeiten, die CD aufzupeppen gibt es genügend.

    Ralf

  • Omori sagt:

    Ja, Du hast recht, Ralf, das scheint auch bei Norah Jones so zu sein, dass es eine 3 Euro teurere Version gibt, die im Jewel Case geliefert wird. Trotzdem fühle ich mich bei der Lieferung einer CD in einer Papp-Hülle für 14,90 Euro ein wenig veralbert. Bei einer Billig-CD für 4,90 Euro könnte ich das ja noch verstehen …

    Gruß Michael

  • Frank Goebel sagt:

    Hey, Du denkst doch wohl nicht, die Plattenindustrie wäre geizig: Die reduzieren nur den CO2 Ausstoß, indem sie die Dinger leichter und weniger lackiertes Plastik drumrum machen. Die haben nur vergessen, den entsprechenden Sticker drauf zu machen: „Mit dem Kauf dieser Norah Jones CD helfen Sie den Kindern von Tuvalu, einen ganzen Tag länger im immerhin nur hüfthohen Wasser zu spielen.“

    Wäre übrigens (deutlich!) besser, die Platte hieße „Norah Jones“ und wäre von „The Fall“, und nicht umgekehrt, aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nur streiten, wenn es um Kameramarken geht.

    Grüße, Bounty

  • Jasmin sagt:

    Ich bin da total Deiner Meinung !!!!!

    Ich kaufe kaum noch CD’s. Mich ärgert es im Nachhinein immer so Dermaßen dass außer zwei Fotos nicht mehr im Booklet mit drin ist. Wo ist denn der Reitz das Original zu haben wenn die Raubkopie doch genauso gut ist ? Ich versteh die Marketingstrategie nicht….

    Ich weiß nicht ob es das bei euch auch gibt, aber hier in Spanien giebt es ein Programm das heisst (www)Spotify(.com) . Da kann man ganz legal total viel Musik online hören, aber nicht runterladen. Solltet das unbedingt mal probieren…

  • Beim Thema Musikindustrie kann ich mich einer gewissen Häme nicht entziehen. War sie es nicht, die mit der Einführung einer (überteuerten) CD in den 80er Jahren Millionengewinne gescheffelt hat? War sie es nicht, die versprochen hat, dass die CD nach Erreichen einer kritischen Stückzahl wieder so preiswert wird wie eine LP? Und dann hatten sie das digitale Baby in der Welt und wunderten sich auf einmal, dass man digital verlustfrei kopieren kann. Seltsam unbeweglich, starr und dabei nach wie vor gierig, dümpeln die großen Riesen nun herum und wissen keine Antwort auf die Herausforderungen dieser Zeit. Musste Apple ihnen nicht erst zeigen, wie man mit der Online-Distribution von Musik Geld verdienen kann? Und den nächsten Schritt – den online-Verkauf von hochauflösendem Material in CD-Qualität oder höher (Studioqualität!) verschlafen sie jetzt wieder. KLeine Labels, innovative Bands und Hifi-Firmen machen es ihnen vor.

    Man sollte die Kunst nicht den Krämern anvertrauen.

    VG
    Christian

  • Omori sagt:

    @ Martin Giese: Ja, Vinyl zu kaufen ist natürlich eine Alternative. Ich hätte aber doch lieber eine CD in einer ansprechenden Hülle, da ich nicht zu Knistern und Platten-Umdrehen zurück möchte 😉

    @Jasmin: Nein, leider ist spotify in Deutschland nicht zugänglich

    @Christian Ahrens: Und die Künstler leiden wahrscheinlich genauso darunter wie die Kunden ….

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