Realistischer Preis für Foto-Kunstwerke

26. Mai 2015November 19th, 20216 Kommentare
fotokunstwerke

Welcher Preis ist für Foto-Kunstwerke realistisch?

Sam fragt mich:

Ich verkaufe mehr und mehr gedruckte und fertig gerahmte Bilder und hab keine Idee, wie ich den Verkaufspreis für die Dinger kalkuliere.

Ich kenn meine Kosten (beim letzten Bild waren es beispielsweise €650 Material und €150 Montage), aber ich frag mich, was dafür ein realistischer Preis wäre.

Ist schwierig, weil es ja quasi Kunst ist und sehr individuell, aber gibt es für sowas Anhaltspunkte?

Bei kleinen Größen kann ich mich ja noch an anderen orientieren, aber ab 3m Breite gibt es ja nahezu nichts mehr, und in den Bereich geh ich gerade.

Und da mich dort ein Bild in der Produktion schon 500 – 1000 Euro kostet, geht es auch gleich richtig um Geld.

Danke für Deine Frage, Sam.

Hier ein paar Gedanken:

Die Herstellungskosten

In meinem Artikel „Preisgestaltung für Fotografen“ beschreibe ich, wie du rational an die Sache herangehst:

Wieviel Aufwand hast Du in die Erstellung des Fotos und des Abzuges gesteckt? Inklusive aller Planungen, der Umsetzung selber, der Vorbereitung zum Verkauf etc. etc. Da können ganz schön viele Stunden zusammenkommen.

Dazu die Material- und Fremdkosten, und Du hast einen kalkulatorischen Wert, der Dir vielleicht einen ersten Anhaltspunkt liefert.

Liebhaber-Preis

Das Gute an künstlerischen Fotos ist ja, dass es gar keinen „realistischen“ Preis gibt. Das was erzielbar ist, hängt einzig und alleine davon ab, was jemand anders bereit ist zu zahlen.

Wenn ein Andreas Gursky Bilder im Bereich von mehreren Millionen verkauft, lässt sich das kalkulatorisch nicht begründen. Der Preis entsteht dadurch, dass jemand bereit ist, genau diesen Betrag auf den Tisch zu legen.

Was dazu im Vorfeld passieren muss, ist sicher nicht zu unterschätzen. Beispielsweise der Aufbau eines Namens als renommierter Künstler.

Hast Du einen Namen? Honoriert das jemand? Und wenn ja, in welcher Höhe? Das lässt sich kaum voraussagen.

Wiederverkaufswert

Wenn jemand für einen Picasso 10 Millionen Euro bezahlt, geht er wahrscheinlich davon aus, dass er genau diesen Betrag (oder sogar mehr) beim Verkauf wieder erlösen kann.

Haben Deine Fotos einen Wiederverkaufswert? Das hängt auch wieder mit dem Namen und dem Ruf als Künstler zusammen.

Schmerzensgeld

Ich kenne Künstler, die trennen sich nur sehr ungern von ihren Werken. Für die ist der Verkaufspreis eine Art Schmerzensgeld, weil sie auf ihr geliebtes Bild verzichten müssen.

Materialkosten

Das kann aber auch in genau die andere Richtung gehen: Künstler freuen sich, wenn sie die Werke mit der Welt teilen können. Und dann sollte der erzielte Preis deutlich über den Materialkosten liegen, um weitere Kunstwerke erstellen zu können.

Marktpreis

Wie Du selber schreibst, gibt es für Deine Art Bilder kaum einen Markt und dadurch auch kaum Vergleichspreise. Ansonsten wäre das natürlich ein guter Anhaltspunkt.

Wie ich vorgehe

In meiner Zeit als Fotograf habe ich Fotokunstwerke für den 3 bis 4 fachen Materialwert verkauft. Und ich weiß, dass viele Kollegen ähnlich kalkulieren.

Wenn du also 800 Euro Herstellungskosten hast, liegst du bei 2.400 bis 3.000 Euro.

Das ist ein Preis, den Liebhaber durchaus bereit sind zu zahlen.

Über Michael Omori Kirchner

Nach vielen Jahren als Berufsfotograf arbeite ich heute als Mentor und Coach für kreative Unternehmer. Mehr über mich

6 Kommentare

  • Sam sagt:

    Ja, das ist eine schwierige Einschätzung. Künstler verkaufen vor allem durch ihren Namen. Kunstwerke wie Picasso kann man schwer vergleichen, weil es dort nur ein Original gibt, während ich durchaus mehrere (unendlich viele) Abzüge eines Werkes verkaufen könnte.
    Ich glaube auch bei Gurski sind die Werke jeweils Originale, es gibt nicht mehrere Drucke von „Rhein II“, oder?

    Der Faktor für den Preis ist da vermutlich der einzig sinnvolle Weg. Ich hatte bisher beim vorsichtigen Faktor 2 angefangen, aber 3-4 ist vermutlich realistischer, wenn ich meine Vorarbeit sehe. Und auch, dass ich erstmal für eine Ausstellung Bilder für etliche tausend Euros produzieren lasse, bevor sie verkauft werden können.

  • Matthias sagt:

    Spannend! Ich würde gerne Mal ein Foto in der Größe sehen – klingt echt interessant. Wo druckt man soetwas überhaupt? Und auf was? So viele Fragen 😉

    Gute Tipps zur Preisfindung jedenfalls!

  • Harald sagt:

    Ich kenne mich mit dem Thema nicht aus. Aber wäre eine Kunstgalerie dafür nicht ein möglicher Ansprechpartner? Ich würde mir für „den Vertrieb“ einen solchen professionellen Partner suchen. Das schafft auch für mögliche Kunden ein Umfeld, das ein Gefühl vermittelt, tatsächlich Kunst zu kaufen.

  • Tim sagt:

    Ein sehr interessantes Thema und schwierig zu gleich. Bei Bildern der Größe würde ich den Preis allerdings auch nicht zu tief ansetzen ( ohne das ich jetzt Ahnung davon hätte ) . Aber alleine die Größe ist ja schon ein Alleinstellungsmerkmal das eine Preisstellung meines Erachtens ein wenig vereinfacht, da wenig Konkurenz. Würde mich mal interessieren wie es ausgeht.

    Gruß Tim

  • Peter sagt:

    Hallo undja, diese Fragestellung hatte ich vor 6 Wochen auch. Bildmotive im Bereich 250-300cm Breite. Es gibt diverse
    Lösungen diese an die Wand zu bringen. Ich habe das Preisgestaltungsproblem für mich so gelöst: Meine kalkulierte
    Arbeitszeit ( es handelte sich hier um eine Auftragsarbeit ) und die vom Labor berechnete Arbeit – also Druck und die
    Wandmontage. Da ich keinen „Namen“ habe, ist der Preis so „handwerklich“ kalkuliert, gut zu verkaufen. Bei bekannten
    Fotografen laufen solche Fragen über Agenten und Galeristen. Pi mal Daumen = Whitewall mal 3.
    Gruß Peter

  • Claudia P. sagt:

    So eine Frage stellt sich Jeder. Sogar die Hausfrau, die bei Etsy/Dawanda ihre gefilzten Schlüsselbänder oder genähten Plüschtiere im Patchwork-Look anbietet. Haralds Vorschlag ist eine Mölichkeit, die mir auch als erstes in den Sinn kam. Alternativ gibt es noch Kunsthändler, die in den meisten Fällen Bilder von Künstern aus dem gleichen Ort bzw. der Umgebung zum Kauf anbieten.
    Eine andere Möglichkeit der Kostendeckung, auf die ich mich aber nicht 100% festlegen möchte da ich sie vor einigen Jahren irgendwo gelesen habe, ist: Materialkosten + Arbeitszeit + 50%. In dem Artikel Stand allerdings auch das der Prozentsatz bei dem ein oder anderen mal etwas niedriger bzw. höher lag.

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