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BERLIN NOW edited by Dagmar von Taube

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© BERLIN NOW edited by Dagmar von Taube, published by teNeues, www.teneues.com. Photo © Mario Testino. All rights reserved.

Buchrezension von Markus Mayer

Im Oktober 2009 – zum 20. Jubiläum des Falls der Mauer – erschien Dagmar von Taubes Bildband „Berlin Now“ im teNeues Verlag. Die Namensliste der Fotografen liest sich dabei wie ein Who is Who der Fotografie: Helmut Newton, Elliott Erwitt, Peter Lindbergh und über zwanzig weitere Fotografen tragen mit ihren Bildern dazu bei, auf rund 250 Seiten ein Portrait der Hauptstadt zu zeichnen.

Zwei Vorworte von Literaturpreisträger und Wahlberliner Imre Kertész sowie Dagmar von Taube selbst führen in deutscher und englischer Sprache in das Szenario ein: Berlin, glanzvolle Metropole der 20er und 30er Jahre, zerbombt und wiederaufgebaut, geteilt und wiedervereint – heute: Eine Stadt mit dreckigem Charme und schnodderiger Schnauze, Autoabgasen in den Venen, einer Untergrundkultur, der Kunst, dem Geschäft und der Politik.

Das Buchzeigt Portraits vieler bekannter Personen und Persönlichkeiten, Freunde und Förderer Berlins, reißt die Geschichte der Stadt an – Grenzübergänge, Fall der Mauer, Love Parade – und zeigt die Parties und den Glamour der High Society, sowie namhafte Orte und Locations. Es wirft Blicke in Villen, Botschaften und Nachtleben gleichermaßen und zeigt, dass das moderne Berlin trotz Baustellen und Flicken seiner Geschichte als glamouröse Metropole in nichts nachsteht.

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Photo © 2009 Daniel Biskup. Alle Rechte vorbehalten. www.danielbiskup.de

Persönlich bin ich von dem Buch ein wenig enttäuscht:  Ich  bin in Berlin groß geworden. Ich habe als Kind auf einem Hinterhof gewohnt, bin im Osten und im Westen zur Schule gegangen, habe den Mauerfall dazwischen miterlebt, fahre täglich mit U- und S-Bahn, besuche manchmal den Trödelmarkt am Mauerpark und die muffigen Antiquitätenläden in Kreuzberg, schiebe mich durch die Mengen von jugendlichen Goths und Punks am freitagabendlichen Alexanderplatz, wechsle um ein Uhr morgens freundliche Worte mit dem überraschten Busfahrer, habe türkische und polnische Nachbarn und treffe ab und zu die vietnamesische Putzkraft im Treppenhaus. Von all diesen Eindrücken – dem Berlin, wie ich es erlebe – zeigt das Buch so gut wie nichts.

Dennoch empfehle ich das Buch, denn es hat fotografisch einiges zu bieten: Von People- und Street-, Reportage- und Architektur- bis hin zur Fashionfotografie ist jedes Genre vertreten.

Alle Bilder sind von durchweg hoher Qualität und werden in einem abschließendem Kapitel noch einmal zusätzlich kommentiert. Aus der Menge an Fotografen folgt ebenfalls eine Menge unterschiedlicher Handschriften und Stile, so dass Fotoenthusiasten eine Menge aus diesem Buch ziehen können. Das knapp drei Kilo schwere Buch ist hervorragend verarbeitet.

Berlin Now
in Zusammenarbeit mit der führenden Berliner Fotogalerie Camera Work
Herausgegeben von Dagmar von Taube
264 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
ca. 300 Farbfotografien und Duplexabbildungen, 1 Altarfalz
Text in Englisch und Deutsch
Preis: 79,90 €
ISBN: 978-3-8327-9353-1
Format: 26,2 x 32,4 cm

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können. Mehr

6 Kommentare

  • Stefan sagt:

    Sehr nette Rezension von Markus. Aber € 80 ist mir dann für ein Berlin-Fotoband etwas zu teuer. Gibt es Alternativen?

  • omori sagt:

    Hallo Stefan,

    bevor Markus das Buch bekommen hat, war es bei mir, und ich habe es mir auch angeschaut.
    Ich denke, der Preis geht alleine anhand des riesigen „Coffee-Table-Formats“ in Ordnung.
    Und die Bilder aus der Glitzer- und Glamour-Welt sind wirklich sehenswert.

    So wie Markus das schreibt, hat er aber unter dem Titel „Berlin Now“ einfach andere Inhalte erwartet. Und das kann ich nachvollziehen.

    Viele Grüße
    Michael

  • Markus sagt:

    @Stefan: 80 Euro sind in der Tat happig, aber „riesig“, wie es Michael sagte, ist keine Übertreibung – das Ding fühlt sich an, wie ein kleiner Beistelltisch: 33x27x3,5 cm³.

  • Stefan sagt:

    Also – ich meinte auch nicht, dass es zu teuer ist. Eher das ein solcher Preis schon den Einen oder Anderen wie z.B. mich erstmal abschreckt. Vielleicht kann der Weihnachtsmann was machen…verdammt, den gibts bei mir ja seit 25 Jahren nicht mehr! 😉 Dann muss es doch erstmal auf die Wunschliste bei Amazon und dort warten.

    Was nicht zum Thema gehört: Es wäre ganz schon, wenn man hier bei neuen Kommentaren benachrichtigt wird. Das würde eine enorme Erleichterung auf Deinem Blog sein Michael.

  • omori sagt:

    Ja, das Subscribe-to-comments-Plugin hatte ich vor einiger Zeit abgeschaltet, weil es Probleme mit einer neuen WP-Version gab. Hab es jetzt mal wieder eingeschaltet, mal sehen, ob es jetzt gut geht.

  • fotopunk sagt:

    wow, promis ganz in der nähe… rosenthaler ist nicht weit!

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