Foto-Business

Vom Projektmanager im Konzern zum selbständigen Fotografen

Von 20. November 2014 16 Kommentare

florian-200Gastbeitrag von von Florian Eisermann

Das hört sich natürlich super an:

Ich habe mein Hobby zu meinem Beruf gemacht!

oder

Ich werde für mein Hobby bezahlt!

Davon träumen sehr viele Hobbyfotografen.

Ich, Florian Eisermann, habe tatsächlich den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt.

Ich bin Quereinsteiger und Autodidakt. Habe mir das Fotografieren, die Bildbearbeitung, den Umgang mit Blitzen und Models selbst beigebracht. Dazu habe ich viele Bücher gelesen, Videos geschaut und den einen oder anderen Workshop besucht.

Alles neben meinem damaligen Beruf: Projektmanager im internationalem Umfeld in einem Konzern. Ja, ich bin Maschinenbauingenieur. Hört sich gar nicht so kreativ an, oder? Ist das Studium auch nicht und hat so gar nichts mit der Fotografie zu tun.

Genauso wenig, wie als Fotograf selbstständig zu sein. Naja, ok, letzteres schon ein wenig mehr, aber nicht viel.

Ihr fragt euch jetzt sicherlich: „Was schreibt der denn da?“ Warum sollte man denn als Fotograf so wenig mit der Fotografie zu tun haben!?! Das macht doch keinen Sinn, Florian!“

Ich muss euch leider sagen, dass es tatsächlich so ist. Auf den Auslöseknopf der Kamera drücke ich im beruflichen Alltag vielleicht 10 % der Zeit.

Der Rest sind Arbeiten, die in der Regel vom Schreibtisch aus erledigt werden und nein, die Bildbearbeitung spielt auch hier nur eine sehr geringe Rolle.

Hochzeitsfoto schwarz weiß

Vielmehr geht es darum das „Business“ zu organisieren:

  • E-Mails schreiben
  • Telefonate
  • Persönliche Gespräche
  • Marketing
  • Branding
  • Buchhaltung
  • Versicherungen
  • etc.

Also alles, was halt so anfällt im Alltag eines Unternehmens. Und genau das ist der Punkt. Mit dem Zeitpunkt der Selbstständigkeit bin ich nicht mehr Fotograf, sondern Unternehmer.

Ich muss Menschen auf meine Arbeit aufmerksam machen und sie davon überzeugen, mich für einen bestimmten Preis zu buchen. Denn wenn mich niemand bucht, habe ich nichts zu essen im Kühlschrank.

Ich muss mir einen Businessplan erstellen, um zu wissen, welche Ausgaben ich habe bzw. wie viele Einnahmen ich wann benötige.

Eine unbändige Leidenschaft muss vorhanden sein, um in der Selbstständigkeit zu bestehen. Meiner Meinung nach muss diese Leidenschaft nicht nur für die Fotografie vorhanden sein, sondern genauso, wenn nicht sogar noch mehr, für die Business-Themen.

Hochzeitsfoto schwarz weiß

Sagt euch SEO, Edge-Rank, ROI, Abschreibungen, etc. gar nichts? Dann solltet ihr euch mit solchen Themen beschäftigen, wenn ihr ernsthaft vorhabt, euch selbstständig zu machen.

Ich hatte das relativ früh erkannt und schon vor meinem Schritt in die komplette Selbstständigkeit angefangen,mich intensiv in Business-Themen weiterzubilden. Ich würde sogar behaupten, mehr als in Fotografie-Themen.

Das Ganze hört sich jetzt sehr mahnend und negativ an. Soll es aber gar nicht. Es soll einfach einen realistischen Blick auf die Selbstständigkeit eines Fotografen werfen.

Ihr müsst für euch entscheiden:

Will ich nur für mich fotografieren, was mir Spaß macht? Dann behaltet euren „normalen“ Job und betreibt die Fotografie als Hobby.

Oder wollt ihr euch in die Selbstständigkeit stürzen, mit allen o. g. Konsequenzen, aber auch allen Vorteilen (z.B. Freiheit über den Arbeitsalltag)?

Ich habe mich vor 1,5 Jahren für letzteres entschieden und bereue es kein bisschen. 🙂

Autor dieses Artikels ist Florian Eisermann, der als Werbefotograf und Hochzeitsfotograf arbeitet. Außerdem veröffentlicht er regelmäßig Videos für Fotografen in seinem Videoblog.

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16 Kommentare

  • Klaus Gruber sagt:

    Hallo Florian, danke für den sehr gut geschriebenen Artikel. SEO und all die anderen Themen sind mit Sicherheit nicht besonders „sexy“, aber äußerst notwendig, auch wenn das viele Fotografen vielleicht noch nicht so richtig erkannt haben.
    Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg!
    Klaus

  • Hallo Klaus,
    Ich danke dir! 🙂
    Das stimmt, nicht solo sexy, machen aber doch trotzdem sehr viel Spaß! 🙂
    Dir auch weiterhin viel Erfolg!
    Viele Grüße
    Florian

  • Frank sagt:

    SEO ist sexy! 🙂

    Schöner Beitrag…ich bin auf einem ähnlichen Weg. Tschacka! 🙂

    VG
    Frank

  • Björn sagt:

    He,

    sehr schöne Beitrag und sehr inspirierend. Es ist shcön zu sehen, dass man es als Quereinsteiger schaffen kann :-).

    Ich bin gerade dabei diese Abenteuer anzugehen, und hoffe zumindest die Workload in meinem Hauptjob zu reduzieren.

    Dir weiterhin eine gute Zeit.

    Gruß

    Björn

  • HL-Photo.com sagt:

    Hallo Florian, toll geschrieben, du sprichst mir aus dem Munde! Ist mir vor ca. 2 Jahren gleich „gegangen“. Ich war Gebietsleiter eines mittelgroßen Unternehmens und dirigierte 150 Mitarbeiter und 20 Niederlassungen, bis ich sagte NO!!!!!!, so nicht weiter. Ich will wieder Lebensqualität, und auch wenn ich dafür kräftige finanzielle Einbußen hinnehmen musste – was soll’s. Ich entschied mich für Letzteres und bin heute glücklich dabei. Aber es ist genau wie du sagst. Auch ich verbringe ca. 80-90% meines Jobs mit E-Mails, SEO, Telefonate, Marketing etc. etc. – das muss jedem klar sein, der sich als Fotograf selbstständig machen will. Die Fotografie kann man dann nicht mehr zu 100% betreiben, ist so, aber was soll’s – that’s it!! und trotzdem bin ich heute wesentlich glücklicher und zufriedener als in meinem letzten Angestellten-Job, denn irgendwann werden auch die Letzten kapieren, dass man Geld nicht essen kann in unserer total konsumorientierten Gesellschaft!

  • Florian, vielen Dank für den Bericht über deinen Weg in die Selbstständigkeit! Was mich interessieren würde ist, ob du schon mal daran gedacht hast, bestimmte Dinge durch Andere machen zu lassen bzw. ob du das generell für realistisch/sinnvoll hältst? Ein schönes Ziel wäre ja sicherlich, mehr Zeit fürs Fotografieren zu haben 😉

    VG Christian

    • Danke für Eure Kommentare.
      Ich gebe auch einmal meinen Senf zur Diskussion, da ich einen ähnlichen Weg hinter mir habe wie Florian (Ingenieur –> Manager –> Fotograf).
      An Christian: Ich lasse konsequent alles von anderen machen, was mir nicht liegt. Also zum Beispiel Buchführung, Steuererklärung etc.
      Aktuell habe ich Pfad-Freisteller an einen Bildbearbeiter gegeben.
      Marketing, Branding, Akquisegespräche etc. kann man aber nur sehr eingeschränkt an andere geben, das ist Chefsache 😉
      Gruß Michael

  • Oh wow, danke für die vielen Kommentare! 🙂

    @Frank & Björn: Viel Erfolg wünsche ich euch weiterhin! 🙂

    @HL-Photo: Ja kann ich so auch unterschreiben! 😉

    @Christian: Klar, daran denke ich ständig! 😉 Also so Sachen wie die Steuererklärung gehen ganz klar zum Buchhalter. Aber ich versuche auch meine Arbeitsabläufe so zu strukturieren, dass ich sie jederzeit relativ „einfach“ einer anderen Person übergeben kann.
    Und so wie Michael schon sagt: Marketing, Akquise, etc. kann man meiner Meinung nach nur sehr, sehr schwer von jemand anderem machen lassen, wenn das Unternehmen so eng mit der Person verknüpft ist, bzw. die Person die Firma ist. 🙂
    Gibst du denn was an andere ab?

  • In der „Fotoindustrie“ findet man heute eine Menge Leute, die früher was ganz anderes gemacht haben. Oft sind die Quereinsteiger sogar erfolgreicher. Weil sie meist schon etwas älter sind, Lebens- und Businesserfahrung haben und deshalb wissen, dass ein eigenes Geschäft als Fotograf mehr bedeutet als zu fotografieren.
    Von älteren, handwerklich ausgebildeten Fotografen, hört man häufig, dass diese sich den Meisterzwang zurück wünschen. Ja, warum wohl? Weil die eben nicht erkannt haben, was heute dazu gehört. Wenn ich mir anschaue wie die Webseiten von Innungsvorsitzenden des Fotografenhandwerks aussehen, komm ich aus dem Lachen nicht mehr raus. Gilt natürlich nicht für alle, aber für einige!
    Weiterhin viel Erfolg Florian. Den Erfolg wünsche ich natürlich auch den anderen Kollegen!
    Schönes Wochenende!

  • Andreas sagt:

    Auch ich habe vor 2,5 Jahren meinen Job geschmissen und mich selbständig gemacht. Das, was Florian schriebt, kann ich unterschreiben. Früher habe ich viel mehr fotografiert. Heute sitze ich viel zu viel am Schreibtisch.
    Du kannst es hier ausführlich nachlesen: http://www.andreas-fotoblog.de/18-monate-selbstandig-und-der-lange-weg-dorthin-teil-1-3/1217
    Woran ich mich bis heute nicht wirklich gewöhnt habe, ist das UNregelmäßige Einkommen.

  • Leni Moretti sagt:

    SEO ist wirklich ein wichtiges Thema, mit dem sich jeder Fotograf, der die Selbstständigkeit anpeilt, von Anfang an auseinandersetzen sollte. Denn fängt man zu spät damit an, hat man schnell das nachsehen. Als ich mich vor etwas mehr als einem Jahr selbstständig gemacht habe mit Familienfotografie, habe ich sehr viel in SEO-Themen investiert und das ist ein großer Teil meines Erfolgs gewesen.

    Für Emails kann ich übrigens sehr das Programm Boomerang (Gmail) empfehlen, wo man Email Templates erstellen kann. Diese nutze ich für alle meine Email-Kommunikation und verbringe heute nicht annähernd soviel Zeit mit Mails schreiben wie früher. Und ich versuche soviel wie möglich über Telefon mit meinen Kunden abzusprechen. Hilft auch. 🙂

  • SunShooter sagt:

    Kann Dir zu deinem Beitrag auch ziemlich beipflichten.

    Als ich noch rein Hobbymäßig Fotografiert hatte habe ich viel Fotografiert und war viel unterwegs.
    Ich war recht entspannt, es hat Spaß gemacht.

    Aufgrund der schlechten Arbeitsmarktlage war ich dann aber eine weile ohne Job und so habe ich mich breitschlagen lassen meine Gedankenspiele zur Selbständigkeit umzusetzen, zunächst als Nebengewerbe.

    Nun Fotografiere ich kaum noch, sitze dafür permanent im Büro…mein Rücken bedankt sich auch vielmals dafür…

    Man sitzt auch viel länger an der Bildbearbeitung als man unterwegs ist und Shootet. Naja wenn man mehr Fotodesigner ist als Fotograf dann ist das wohl Normal. Es gibt ja auch Fotografen die ihre Bilder völlig unbearbeitet herausgeben, hier ist die Büroarbeit wesentlich niedriger. Allerdings dennoch höher als man denkt, denn man muss ja mit Kunden sprechen, Termine machen, Marketingmaßnahmen treffen usw.

    Inzwischen würde ich lieber irgendwo 30-40h die Woche fest tätig sein und Fotos nur noch Privat nebenbei machen oder als echtes Nebengewerbe so alle paar Monate mal ein gut bezahlter Auftrag und sonst aus Spaß… leider hat sich die Arbeitsmarktlage in den letzten Jahren nicht gebessert, weshalb das auch flach fällt. Also versucht man sich so durch zu kämpfen.

    Was Kommunikation angeht ist es schon nervig, insbesondere wenn man auch noch TfP mit drin hatte für Referenzfotos bekommt man immer wieder Fragen für Shootings, wenn man dann sagt es kostet was sind die Leute schnell wieder weg. Nervig ist auch das immer wieder Anfragen für Praktikas kommen, dabei hat man selber kaum Aufträge und bei der Büroarbeit braucht man eher niemanden der Kaffee holt 😉

    Auch nett das trotz Werbemitteln wie die eigene Webseite etc. immer wieder Fragen kommen von Interessenten die so lauten wie „kann man dich buchen?“ oder „Was kostet ein Shooting bei Dir?“ … alleine das herausfinden was für ein Shooting die Kunden eigentlich wollen kann Stunden beanspruchen…viele Wissen es wirklich selber nicht….sie fragen einfach wegen Fotos… aber wissen nicht ob Indoor, Outdoor, Studio, Fashion, Portrait, Bewerbung etc….

    Auch wer ein Studio hat kennt sowas… Kunde kommt rein…. ich brauche Passbilder….so dann im kurzen Gespräch so… für ne Bewerbung…. ah also Bewerbungsbilder……
    Lediglich bei Hochzeiten ist recht klar was es wird.

    Die Meiste Zeit ist wirklich 1. Kommunikation/Marketing 2. Nachbearbeitung (RAW-Shooter mit Qualitätsansprüchen) 3.Buchhaltung 4. Weiterbidung 5. Das eigentliche Shooten. 6. Die Fahrt zum Termin

    In etwa die Reihenfolge nach meiner Erfahrung.

    Ansonsten wenn man mit Kolleginnen und Kollegen so plaudert merkt man auch immer das es auf den Standort ankommt. Hier sind alle sehr scheu, wollen Exclusivrechte, am besten ohne Aufpreise. Nicht das jemand die Fotos sieht… in anderen Ecken Posten die Kollegen permanent Kundenfotos auf ihren FB Seiten. Die Kunden freuen sich auch und Kommentieren dies dort, hier undenkbar, viele haben scheinbar nicht mal Internet…
    Einmal hatte ich ein Paar für eine Hochzeit… da habe ich die Fotos auf DVD übergeben und dann hieß es „Wir haben keinen Computer“ …. sowas sagt man am besten vorher….

    Einige sehr gute Fotografen entpuppten sich am ende als Hobby-Fotografen (die teilweise unter der Hand dann noch Aufträge machen). Also wirklich, man denkt es sind sehr Professionelle, ihre FB Seiten haben auch Fans im 5 Stelligen Bereich und dann im Gespräch erfährt man „Mache ich nur aus Hobby“, macht es für die Profis nicht einfacher.

  • Stefan sagt:

    Sehr schöner Artikel! Bin ebenfalls Ingenieur und am Anfang mir etwas mit der Fotografie aufzubauen. Und, dass man als Berufsfotograf mehr Zeit mit anderen Dingen als Fotografieren verbringt gar nicht schlimm. Finde Marketing, Kundenbetreuung etc. sehr spannend, vor allen Dingen auch, da ich weiß für wen bzw. was ich das tue.

  • MikaSixLima sagt:

    Hi Florian,
    vielen lieben Dank für deinen Beitrag. Es kling nach einer spannenden aber in gewisser Weise herausfordernden Zeit.
    LG Mika

  • Pfauli sagt:

    Ich habe den gleichen Weg hinter mir 🙂

    Viele Grüße

    Dipl.-Ing. Sören Münzer 😉

  • Daniel sagt:

    Hallo Florian,

    toller Beitrag! Mich würde interessieren, ob du noch immer als Fotograf selbständig bist? Ich selbst betreibe es im Nebengewerbe und auch da ist es nicht leichter. Ich würde behaupten, dass ich die Kamera noch weniger in der Hand habe, da man nach der Arbeit und am Wochenende mit dem Bürokram beschäftigt ist.
    Was ich aber auch sagen muss, es ist einfach genial, wenn man sieht wie sich alles entwickelt.
    Ich stimme dir auch zu, wenn man für die beiden Themen Fotografie und Business nicht brennt, sollte man es sofort lassen und gar nicht erst damit anfangen!

    Viele Grüße, Daniel

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