Foto-Business

Schwarze Liste für Fotografen als Warnung vor schlechten Kunden?


Das ist ein Beitrag aus der Reihe „Fragen an FOTOGRAFR“.

B. (hauptberuflicher Fotograf) fragt mich:

Allgemein bin ich dafür, den Beruf und die Branche Fotografie aufrecht zu erhalten und sozusagen auch mehr „Aufklärung“ zu geben, da einfach viel zu oft Fotografen mit Unwissen oder Halbwissen Aufträge entgegennehmen und aber auch von Kundenseite über den Tisch gezogen werden. Eine Idee ist, daß eine Art „Blacklist“ Datenbank aufgebaut wird. So können zb. prof. hauptberufliche Fotografen, die registriert sind, diese DB nutzen um das Risiko eines Kundenauftrags abzuschätzen.

Auf der andere Seite sollte diese Liste auch PR technisch gepusht werden, damit Kunden / potentielle Kunden wissen, wenn Sie schlechte Zahlungsmoral haben, dass sie evtl. nie wieder professionelle Fotos bekommen.

Die Liste sollte nicht nur auf die Zahlungsmoral beziehen sondern auch so was wie: Kein Fotocredit Kunden, Kunde die die Fotos selbstbearbeiten, Kunden die das Konzept klauen etc…

Meine Frage an dich wäre, siehst du darin eine potenzielle Möglichkeit des Erfolgs für uns Fotografen?

Danke für Deine Frage, B.

In meiner bisherigen Laufbahn als Fotograf habe ich glücklicherweise nur sehr wenige Leute kennengelernt, die ich auf eine schwarze Liste setzen würde, auch wenn es durchaus ein paar wenige Leute gibt, mit denen ich nicht mehr zusammenarbeiten möchte.

In einer zentralen und mehr oder weniger öffentlichen Liste sehe ich allerdings eine ganze Reihe von Problemen, auch rechtlicher Art:

  • Wer entscheidet, was in einer solche Liste steht?
  • Müssen Anschuldigungen bewiesen werden?
  • Wird vor einem Eintrag die „andere Seite“ angehört?
  • Und wenn ja, was ist, wenn quasi Aussage gegen Aussage steht?
  • Was ist, wenn sich jemand verleumdet fühlt oder gar dagegen klagt?
  • Wer von uns hat soviel juristischen Background, dass er sich guten Gewissens eine redaktionelle Betreuuung einer schwarzen Liste zu trauen würde?

Du siehst, es gibt eine ganze Menge Fragen zu klären, bevor man ein solches Vorhaben angeht.

Wahrscheinlich wird es darauf hinauslaufen, dass (wie auch heute schon) die Mundpropaganda (positiv wie negativ) oder das Gespräch abends beim Bier eher genutzt wird als eine formale Liste. Vermutlich wird sich im  Zweifelsfall niemand den Mund verbrennen wollen.

Ich habe mir angewöhnt, eventuelle negative Dinge sehr schnell zu vergessen und nicht weiterzutragen. Und schon gar nicht, wenn ich sie nicht selber erlebt habe. Sehr schnell ist aus einer Mücke ein Elefant geworden und ein Kollege oder Kunde hat einen schlechten Ruf weg, den er nicht verdient hat. Ich konzentriere mich eher auf die positiven Erlebnisse und lasse mich von den wenigen negativen nicht hinunterziehen.

Ich meine mich zu erinnern, dass ich in einem großen deutschen Model-Portal einmal eine schwarze Liste gesehen habe. Ich habe das aber nicht näher beobachtet und weiß auch nicht, ob diese Liste überhaupt noch existiert.

Wie sehen das meine Leser: Habt Ihr selber schon schlechte Erfahrungen mit Fotografen, Models oder Kunden gemacht? Wie habt Ihr darauf reagiert? Was haltet Ihr von der Idee einer schwarzen Liste?

Aber gleich vorneweg gesagt: Hier auf FOTOGRAFR wird es eine solche Liste nicht geben, weder öffentlich noch in einem geschützten Bereich. Und ich selber werde mich auch nicht an einer solchen Liste beteiligen, wenn sie woanders gegründet wird.

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können. Mehr

18 Kommentare

  • Ralf Schmitz sagt:

    Solch eine Liste ist absolut indiskutabel!

  • Frank Reuter sagt:

    Hallo,

    einer schwarze Liste würde ich auf keinem Fall zustimmen. Kollegen denen die Kompetenz fehlt oder die ihre Kunden ablocken wollen, werden sich am Markt nicht behaupten können. Denn nichts ist so wirksam wie Werbung. Gerade nrgative Werbung zeigt ihre Wirkungs ehr schnell und nachhaltig.
    Wer als Fotograf einige Zeit am Markt ist wird sich auch nicht so schnell über den Tisch ziehen lassen. Am besten alles wirklich Wichtige schriftlich fest halten. So hat mann immer etwas in der Hand. Es kann keiner sagen „das war aber anders“.

    Gruß
    Frank

  • Geht überhaupt nicht!

  • Dieter Fröhling sagt:

    Ein „Gütesiegel“ als Positivum wäre gut. Jedoch der Aufwand wie bei der genannten Liste. Und welche Instanz darf diese Liste füttern? Eben. Gibt es nicht.

    Im Prinzip gibt es im gesetzlichem Rahmen alle notwendigen Hilfmittel um Geschäfte zur allerseitigen Zufriedenheit zu machen.

    Man muß sich nur trauen…

  • peter sagt:

    statt über ein solche Liste nachzudenken, sollte lieber versucht werde auch einen „schlechten“ Kunden zufriedenzustellen. hat man bei einer zusammenarbeit mit einem solchen Kunden ständig im Hinterkopf, dass es ein schlechter Kunde ist, kann man sich nicht auf die Arbeit konzentrieren und liefert wahrscheinlich keine guten Ergebnisse ab. Man denkt: „das wird ja sowieso nix“.
    Also: möglichst alle Kunden gleich behandeln und versuchen auf die Wünsche einzugehen. Ist das nicht möglich, im Vorfeld mit dem Kunden andere Lösungen suchen. Ist das auch nicht möglich, dem Kunden das vernünftig erklären und evtl. den Auftrag ablehen oder einen anderen Fotografen empfehlen, der für diesen Auftrag besser geeignet ist. Wichtig ist die ständige Kommunikation mit dem Kunden.

  • Oliver sagt:

    Außerdem spielt die Chemie wohl auch noch eine Rolle. Ein Kunde mit dem ich absolut nicht kann mit dem kann evtl. ein anderer Fotograf besonders gut zusammenarbeiten. Von so einer Brandmarkung mit Stern halte ich nichts! So etwas könnte auch vom Fotografen ausgenutzt werden, ja nachdem wie gut einer Zahlt bekommt er mehr oder weniger Sternchen. Wir wollen heutzutage Menschen die anders sind als der Durchschnitt auf keinen Fall mehr abstempeln, finden es OK wenn Kinder zwei Väter haben aber ein Kunde der evtl. mal einen schlechten Tag hatte. missverstanden wurde soll gebrandmarkt werden?!?! ich was für einer Zeit leben wir eigentlich, dass solche Vorschläge gemacht werden????
    Gruß
    Oli

  • Matthias sagt:

    Nun, so eine Liste würde zumindest den „Trend der Zeit“ spiegeln!
    Schufa, Kununu, Bonusmieter, Fahrerbewertung etc. Die Liste dieser Listen könnte sicher endlos weiter geführt werden 🙂
    Allerdings sehe ich so eine Liste (ebenso wie all die anderen oben genannten) in der jetzigen Form als wenig hilfreich. Manchmal „kann“ man einfach nicht mit Person YX, eine andere Person sagt darauf „ich weiss gar nicht was Du hast, YX ist doch sehr nett!“
    Ich fürchte das wird, zusätzlich zu den weiter oben bereits aufgeworfenen Fragen, doch eine zu sehr persönliche und nur in diesem Moment und nur für diesen Personenkreis gültige Angelegeheit werden – zu wenig verlässlich für andere.
    Auch wenn so eine Liste doch hin und wieder wünschenswert wäre.

    Die Gefahr ich dabei sehe: Die weniger reflektierenden Mitmenschen unter uns nehmen solche Einträge in diesen Listen dann als unumstößlichen und immer geltenden Fakt…

  • Eine „schwarze Liste“ finde ich auch wenig sinnvoll – vor allem, wenn sie sich auf anderes als harte Fakten (z.B. Zahlungsfristen) bezieht. Allerdings habe ich selbst schon sehr positiv erlebt, wenn man unter Kollegen mal offen über Kunden reden kann und von einem auch mal eine Warnung vor einem Kunden bekommen, die mich dazu bewogen hat von einer Zusammenarbeit Abstand zu nehmen (und dem warnenden Kollegen einen echten Stein im Brett bei mir verschafft hat). Ich finde, wir als „Einzelkämpfer“ (sind wir ja meist) sollten wir uns untereinander unterstützen – auch durch gegenseitige Offenheit (was ja nichts damit zu tun hat, Geschäftsgeheimnisse von Kunden auszuplaudern).

  • Ralf Badera sagt:

    Pranger und Denunziantentum scheinen gerade wieder auf dem Vormarsch zu sein. Degeneriert die Gesellschaft gerade wieder? Pranger und Denunzieren sind für mich ein absolutes No-Go!

  • Martin sagt:

    Von solchen Listen halte ich gar nichts. Michael hat schon einige sehr gute Gründe dagegen genannt.
    Ich verlasse mich eher auf mein Bauchgefühl bei neuen Kunden und erbitte die Hälfte des Honorars als Abschlagszahlung vorab – nenne dafür auch Gründe (Studiomiete, Fahrtkosten, Modellkosten – je nachdem).
    Meine Erfahrung – wer damit nicht einverstanden war, dann habe ich meist später gehört, dass diese Leute schlecht, spät oder gar nicht gezahlt haben und zwar nicht nur für Fotografen. Sozusagen ist das ‚Abends-beim-Bier‘-Gespräch da sehr hilfreich bzw. einfach die Ohren offen zu halten.

  • Klaus Manns sagt:

    So hilfreich eine weitere Quelle vertrauenswürdiger Auskünfte über potentielle Kunden auch wäre, so wenig tauglich ist eine solche Datenbank – von Blacklist möchte ich gar nicht reden – geht gar nicht!

    Neben den genannten Problemen wäre eine Blacklist auch noch höchst Missbrauchs-gefährdet und würde sich auch noch selbst überflüssig machen:
    Fall A) sie fände keine Beachtung – dann wäre sie gar überflüssig
    Fall B) sie fände Beachtung, dann sorgte ich schnell dafür, daß die interessantesten Kunden auf die Blacklist kämen und wäre der einzige, der sie noch bediente – was mittelfristig zu Fall A) führen würde.

  • Harald sagt:

    Der persönliche Kontakt zwischen Kollegen/Mitbewerbern ist besser als alle „Negativlisten“, die immer auch eine persönliche Sichtweise enthalten können. Das kann man allerdings leicht dahersagen, da die Praxis zwischen Kollegen/Mitbewerbern unter den Fotografen oft nicht von Offenheit geprägt ist. In dem Zusammenhang empfehle ich die Mitgliedschaft in Fotografen-Vertretungen (Gewerkschaft o.ä.) und die regelmäßige Teilnahme an regionalen Treffen. Dort klappt der direkte Infoaustausch zumindest hier recht gut.

  • Birgit sagt:

    Solche Listen wären nicht sehr hilfreich, weil Außenstehende die näheren Umstände eines solchen verpatzten Auftrags nicht kennen. Meistens gibt es nämlich zwei Seiten. Abschlagszahlung finde ich dagegen gut. Ich schaue mir gerne die Webseite eines neuen Kunden an – ich finde es aufschlussreich, wie gut oder schlecht sie gestaltet ist – dann habe ich schon einen ersten Eindruck. Kunden, die einem das „Blaue vom Himmel“ versprechen – z.B. diverse Folgeaufträge mit einem Hinweis auf Preisnachlass – sind mit Vorsicht zu genießen!
    Listen wären eher interessant im Bereich Stockfoto – da gibt es Firmen, die sich ungeniert und frech im Internet bedienen.
    Die Meinung von Petra Vogt finde ich sehr gut: als Einzelkämpfer den Kontakt zu Kollegen zwecks Meinungsaustausch aufbauen. DAS findet leider viel zu selten statt !!

  • Hey Leute,

    eigentlich gar keine schlechte Idee *grins*
    Spass bei Seite .. klar gibt es immer „schwierige“ Kunden aber aus „Fehlern“ lernt man ja bzw. sollte man draus lernen .
    Von daher -> wenn man seinen Nerven behalten möche, einfach nicht jeden folgen Auftrag annehmen, wenn man diesbezüglich schon beim vorigen Auftrag schlechte Erfahrungen gemacht hat

    Viele Grüße

    Sebastian Sachs

  • Juergen Wachtler sagt:

    ich bin zwar nicht als Fotograf selbstständig, aber in der freinen Wirtschaft ist dies ein
    absolutes no go….egal was für eine Branche dies ist

  • Mikeam sagt:

    Moin moin,

    ich bin als semi-professioneller Hobbyfotograf nur stiller Mitleser auf Michael´s Blog. Meine Brötchen verdiene ich als Jurist und als solcher kann ich zu der angesprochenen Negativliste nur sagen: NO GO! Wäre rechtlich absolut unzulässig und die oder der BetreiberIN der Liste wäre dann vermutlich nicht mehr beim Fotografieren sondern bei Gerichtsverhandlungen. Es würde Abmahnungen, Unterlassungs- und vermutlich auch Schedensersatzklagen hageln. Und das kann sehr teuer werden.

    Gerade und insbesondere wenn es darum geht, die Qualität anderer Fotografen zu beurteilen. Stichwort: Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts bis hin zur üblen Nachrede oder gar Verleumdung. Die Qualität der Leistung kann immer nur der Markt regulieren, gerade bei Arbeiten, die wie die Fotografie in hohem Maße von subjektiven Dingen abhängen. Was dem einen missfällt und als schlecht bewertet wird, findet ein anderer dann doch wieder recht ordentlich.

    Aber auch bei säumigen Kunden. Wer sich dafür schützen möchte, sollte die Scoringagenturen (Creditreform, InfoScore, Bürgel etc.) in Anspruch nehmen, was aber i.d.R. viel Geld kostet und für einen freiberuflichen Fotografen kaum machbar ist. Die werten die offiziellen Schuldnerlisten und Schufa-Daten aus und geben gegen Geld Bonitätsauskünfte. Zahlt aber ein Kunde nicht, ohne in den offiziellen Schuldnerlisten registriert zu sein, führt auch dieser Weg nicht weiter.

    Wer Zweifel an der Bonität oder dem Zahlungswillen seiner Kunden hat, sollte sich lieber einen Vorschuss geben lassen. Machen die Anwälte als Freiberufler auch so.

    Gruß Mikeam

  • Stefan Braas sagt:

    Die Idee ist prinzipiell vielleicht gar nicht so schlecht, allerdings habe ich auch sehr große Bedenken bezüglich anprangern von Menschen.

  • Elli12347 sagt:

    Ich halte davon gar nichts. Denn Positiv od.Negativbewertungen zeigen nur einen subjektiven Eindruck ohne die wahren Hintergründe zu kennen. Es ist genauso mit Friseuren. Der eine sagt, oh super war toll. Der nächste wurde völlig entstellt. Denkt doch daran, wie es wäre, wenn lediglich ein Foto gemacht wurde auf dem sich der Kunde nicht gefällt. Soll man daher die gesamte Arbeit des Fotografen beurteilen? Ich finde nicht. Außerdem handelt es sich bei dieser Art von Einschätzung um kein Feedback, sondern lediglich um eine Art schulische Zensur.

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