Fotografen-MarketingFragen an FOTOGRAFRHochzeitsfotografie

Warum bekomme ich keine Aufträge als Hochzeitsfotograf?


Das ist ein Beitrag aus der Reihe „Fragen an FOTOGRAFR„.

Tony schreibt mir:

ich lese gerne ihre Berichte und bin immer auf ihre Quicktipps gespannt. Es ist sehr wertvoll, was sie in den Tipps wiedergeben.

Ich war bis vor 2 Monaten als Portraitfotograf unterwegs und habe sehr Spaß an der Fotografie. Die Hochzeitsfotografie hat mich mehr interessiert und deshalb entwickelte ich mich durch Seminare weiter. Das letzte hat mir auch sehr weitergeholfen! Ich bin an einem Punkt angelangt, wo ich mir die Frage stelle, wieso ich keine Aufträge bekomme! Das wurde leider nie explizit besprochen.

Ich glaube, ich weiß woran das liegen könnte. Auf meiner Webseite kann ich kein Hochzeits-Portfolio anbieten, weil ich in meiner Umgebung entweder auf Personen treffe, die schon einen Hochzeitsfotografen haben oder schon verheiratet sind.

Gibt es evtl. von ihrer Seite aus einen Tipp, wie ich an eine Möglichkeit komme und mein Portfolio, sowie das Hochzeitsbuch mit meinen Fotos zu füllen? Das kann doch nur daran liegen, oder?

Hallo Tony, vielen Dank für Deine Frage.

Ich habe mir Deine Homepage angesehen. Du bezeichnest Dich darauf als Hochzeitsfotograf und bietest Hochzeitsfotografie an. Soweit so gut. Aber es ist (wie Du ja auch selber schreibst) nicht ein einziges Hochzeitsfoto zu sehen.

Wie sollen Deine zukünftigen Kunden Deine Leistungsfähigkeit einschätzen?

Das ist ungefähr so, als wenn Du in einen Metzger-Laden gehst, in dem nicht ein Stück Wurst ausgelegt ist und der Inhaber Dir sagt: Kein Problem, wenn Sie Wurst haben möchten, schlachte ich ein Schwein und mache Ihnen schnell eine Wurst. Du wirst ihm nicht glauben und lieber zu einem anderen Metzger gehen, der nicht nur behaupt, er könnte Wurst herstellen, sondern es auch dadurch nachweist, indem er diese Produkte in der Auslage liegen hat.

Deine zufünftigen Kunden werden vermuten, dass Du noch nie eine Hochzeit fotografiert hast, denn wenn Du es hättest, könntest Du ja auch Fotos davon zeigen.

Wie kommst Du nun also an Referenz-Fotos?

Ein paar Möglichkeiten möchte ich Dir aufzeigen:

Halb-professionelle Aufträge im Freundeskreis

Deine fehlende Erfahrung als Hochzeitsfotograf kannst Du offen zugeben, die sieht ohnehin jeder. Da Du aber ein guter Fotograf bist, kann man darauf aufbauen. Du sagst einfach: „Ich möchte in das Feld der Hochzeitsfotografie einsteigen und suche daher Paare, die einem Einsteiger eine Chance geben.“ Es gibt immer wieder Paare, die eben nicht 2.000 Euro oder mehr für einen Fotografen ausgeben möchten, sondern nur 300 Euro Budget haben. Ein erfahrener Fotograf wird für diesen Betrag keine Hochzeit fotografieren, aber für Dich ist das eine Chance.

Wichtig ist nur, dass Du die 300 Euro nicht als üblichen Preis für Hochzeitsfotografie anbietest, sondern als einmalige Ausnahme, weil Du erst noch Erfahrungen sammeln möchtest. Du solltest daher auch jetzt schon kommunizieren, in welcher Region Deine späteren Preise liegen sollen, nämlich deutlich über den 300 Euro.

Nachstellen von Hochzeitsfotos

Deine Freunde sind bereits verheiratet? Aber vielleicht haben sie trotzdem Lust, an einem gestellten Hochzeits-Shooting teilzunehmen. Die Braut kann ihr Brautkleid noch einmal auftragen und der Bräutigam seinen Smoking, der ansonsten ohnhin im Schrank verstaubt. Man wird den Fotos dann zwar unter Umständen ansehen, dass es keine „echte“ Hochzeit war, aber das ist immer noch besser, als gar keine Hochzeitsfotos zu zeigen.

Assistenz eines Hochzeitsfotografen

Da Du ja grundsätzlich ein guter Fotograf bist und Erfahrungen und Referenzen in der Hochzeitsfotografie sammeln möchtest, kann Du Deine Mithilfe einem erfahrenen Hochzeitsfotografen anbieten. Wenn Du nicht nur sein Equipment schleppen, sondern quasi als zweiter Fotograf agieren darfst, sammelst Du nicht nur Erfahrungen, sondern bekommst auch Referenzmaterial für Dein Portfolio.

Sinnvollerweise klärst Du im Vorfeld ab, ob das Hochzeitspaar mit einer Veröffentlichung der Fotos einverstanden ist.

Es kann sein, dass Du in Deinem näheren Umfeld keinen Fotografen findest, der Dich als Assi mitnimmt, weil er Angst hat, dass Du ihm anschließend Konkurrenz machst. Wenn das so ist, kannst Du einen Fotografen fragen, der weiter weg von Deiner Heimatregion arbeitet, denn dann ist das Thema „Konkurrenz“ nicht ganz so relevant.

Teilnahme an einem Hochzeitsfotografie-Workshop

Wenn Du an einem Hochzeitsfotografie-Workshop teilnimmst, einstehen auch dabei ansprechende Fotos. Wenn Du das vorher mit dem Workshop-Leiter abgeklärt hast, darfst Du eventuell die Fotos für Dein Portfolio nutzen. Zwar wird es so sein, dass ein Teil der künstlerischen Leistung vom Workshop-Leiter erbracht wird, aber es gibt Workshops, bei denen die Teilnehmer sehr eigenständig arbeiten können und in einem solchen Fall sind es dann auch wirklich Deine eigenen Fotos, die die fotografierst, und nicht einfach nur die Ideen des Trainers, die Du nachfotografierst.

Was gar nicht geht

Keinesfalls solltest Du

  • Fotos von Webseiten anderer Fotografen klauen
  • Stockfotos nutzen, selbst wenn sie lizenziert sind

aber da ist ja ohnehin klar.

Vielleicht haben meine Leser noch zusätzliche Ideen, wie Tony zu Referenzfotos kommen kann? Ich würde mich freuen.

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About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als zertifizierter Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können. Mehr

34 Kommentare

  • Pascal sagt:

    Hab ich am Anfang genau so gemacht wie von dir beschrieben. Erst eine Saison bei einer reinen HZ Fotografin mitgelaufen und eine Menge Bildmaterial zusammen bekommen was fürs erste reichte. Da das alles aber nur halbe Sache war habe ich mich dann dazu entschieden einfach ein Weddingshoot nachzustellen. Die örtliche Brautaustatterin hat mir dazu bereitwillig Kleider zur Verfügung gestellt bei Namensnennung was natürlich im eine Hand wäscht die andere Prinzip super geklappt hat, sind Mittlerweile gute Freunde (Netzwerk ist alles) dann beim Floristen um die Ecke erklärt was ich tue und ob sie mit ins Boot wollen. ZACK für 20 Euro Materialkosteb und eine Namensnennung einen Brautstrauß aller erster Qualität. Dann habe ich mir ein junges Paar aus der Nachbarschaft gezogen die schon das ein oder andere mal da waren (ansonsten Fotocommunity, Modelkartei nach unverbrauchten Gesichtern durchsuchen). Ein paar engl. Hochzeitsblogs durchgeschaut und mir ein Konzept zusammen gestellt (z.b. White Vintage Wedding, Farmhouse whatever…). Dann ein wunderbares Wochenende ein Portfolio vom feinsten durchgepifft und siehe da das ganze auf 3-4 Blogs, Facebook, Website und ins Portfolio und innerhalb von wenigen Monaten war der Terminkalender ausgebucht.

    Ich drück dir die Daumen, Wedding ist ein Knochenjob mit knallharten Anforderungen und einer enormen Verantwortung deinen Kunden gegenüber aber wenn du dich durchbeißt dann rollt das Ding.

    Wichtig war für mich auf jedenfall das Jahrespraktikum welches ich nie missen möchte, ich denke ohne wäre ich bitterböse überrascht worden in vielen Situationen denn obwohl jahrelanger Erfahrungen war und ist Wedding etwas ganz anderes und nur schwer mit dem Rest der Fotografie zu vergleichen.

    Toi toi… 😉

  • Danke Pascal, toll geschrieben, und Du hast so Recht 😉

  • Hallo Michael und Tony,

    ich hatte das gleich Problem und habe einfach eine kostenlose Hochzeitreportage ausgeschrieben. Nun kann ich mir die Vielversprechenste aussuchen und es sind wirklich viele. Ich bin der Meinung dass man entweder den vollen Preis verlangen sollte oder eben komplett kostenlos. Dann muss natürlich klar sein dass die Fotos für Werbezweke eingesetzt werden.
    PS. Ich finde die Quick-Tipps auch klasse.

    Grüße Christian

  • Ich finde es wichtig, dass die Fotos, die man zeigt wirklich selbst gemacht sind. Also auch auf eigenen Ideen basieren. Workshop-Fotos finde ich dafür nicht geeignet, weil sie nicht deinen eigenen Stil zeigen, sondern den des Workshopleiters, selbst wenn du den Auslöser drückst.

    Besser: Lege einen kleinen Flyer aus, auf dem du schreibst, dass du 1. schon Fotograf bist und weisst, was du tust (mit Beispielen) und 2. Brautpaare suchst, die die besondere Gelegenheit nutzen möchten, günstig an deine Dienste zu kommen, in dem sie dir erlauben, die Fotos ihrer Hochzeit später in deinem Portfolio zu zeigen.

    Wenn du glaubst, dass du das kannst, sei ruhig entsprechend selbstbewusst. Die Paare tun nicht dir einen Gefallen (aus Mitleid gar), sondern sie profitieren von der Gelegenheit, günstig an einen tollen Fotografen zu kommen. Das soll auch nicht arrogant wirken, aber eben wie eine Win-Win-Situation.

    Mach dir schon vorher Gedanken über deine Preise, wie sie bald sein sollen. Dann denk dir aus, wieviel Nachlass du den ersten Paaren gibst.
    ich habe keine Ahnung, wie gut du bist. Aber wenn du in der 2000,- EUR Klasse arbeiten möchtest, nimm jetzt nicht 300,-
    Sei realistisch in der Selbsteinschätzung und gib dann von mir aus 50% Nachlass. Und mach erstmal kleinere Jobs, nicht unbedingt gleich die Ganztagesreportage auf einer 100-Personen-Hochzeit.

    Und erwarte nicht, dass das Paar dich nur nach einem Flyer bucht. Biete den persönlichen Kontakt an, um Vertrauen aufzubauen. Zeige auch etwas von dir und deiner Persönlichkeit.

    Oha, das ist ein langes Thema. Vor allem, wenn man den Fotografen nicht kennt. Ich hör hier mal auf.

  • Ich bin zunächst auch bei mehreren Hochzeiten „mitgelaufen“. Dann habe ich eine 2tägige Hochzeit im Freundeskreis allein fotografiert. Hilfreich ist es auch, ein sogenanntes kostenloses Engagementshooting (hier werden nur die Fotos bei Gefallen vom Kunden bezahlt) für Hochzeitspaare anzubieten. Hier lernen sich Fotograf und Hochzeitspaar kennen und arbeiten auch das erste Mal zusammen. Ich mache solche Shootings immer ein paar Wochen, manchmal auch bis zu 4 Monate vor Hochzeitstermin mit den Paaren. Idealerweise als Outdoorshooting bei einem Spaziergang und lockeren Gesprächen. Die so entstandenen Bilder werden von den Paaren sehr gerne für die Einladungskarten genutzt (die ich auch anbiete). Das Paar lernt mich und meine Arbeitsweise kennen und kann entscheiden, ob es den Stil meiner Fotografien mag. Bisher hatte ich eine 100%ige Erfolgsquote. Das sollte Mut machen, es auch einmal so zu probieren. Das Paar geht ja keinerlei Risiko ein. Was vielleicht auch noch eine Idee ist und sich anbietet, da Du als Portraitfotograf Erfahrung hast: Biete, insofern Du eine(n) gute(n) Visagisten/In an der Hand hast, ein „Brautteststyling“ mit nachfolgendem Studioshooting, ein paar Wochen vor der Hochzeit an. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht. Viele Bräute nehmen das sehr gerne an, da sie ohnehin unsicher betreffs Ihres Stylings sind. Das ist auch nochmal eine Möglichkeit, auf sich und seine (Zusatz)Leistungen aufmerksam zu machen. Im Übrigen: Gestellte Fotos sind immernoch besser wie gar keine. Du solltest aber immer dazu schreiben, dass diese Bilder nicht im Zuge einer HochzeitsREPORTAGE entstanden sind, sondern bei einem „Extrashooting“. Nichts ist schlimmer, als wenn sich ein Kunde vera…. fühlt. Und glaub mir, Kunden achten teilweise auf kleinste Details. Ein fehlender Ehering bei so einem „Beispielpaar“ wäre z. B. schon ein absolutes No Go. Also achte, wenn Du sowetwas machst unbedingt auf kleinste Details. Ich wünsch Dir viel Erfolg!

  • Christoph sagt:

    Hallo an alle, die Erfahrungen auf dem Weg dahin sind soweit alle nachvollziehbar. Einen Teil davon hab ich auch mitgemacht um zum Erfolg zu kommen. So fotografiere ich mittlerweile auch rund 30 Hochzeiten pro Jahr.
    Nur eins versteh ich nicht so ganz: Ihr schreibt alle unter 2.000 EUR, also anders ausgedrückt unter einem vierstelligen Betrag, arbeitet kein Profi. Ihr solltet aber ruhig dazu sagen, dass wir da in der Regel meist von Ganztagsreportagen oder Begleitungen ab 8h sprechen. Meist hat der Profi für 2.000 EUR aufwärts auch 1-2 Assistenzmenschen dabei.
    Die Ganztagsreportage ist aber eigentlich nicht die Regel. Finde es daher nicht gerecht, die Kollegen die eine kürzere Zeitspanne begleiten als indirekt als „Nicht-Profis“ zu bezeichnen.
    Oder krass ausgedrückt: auch die Leute die für 300 EUR Hochzeiten (dann auch nur 2-3h meist) fotografieren, können gute und ansprechende Bilder machen. Und letztendlich variieren die Preise in Deutschland regional stark, nicht vergessen bei der Betrachtung.

  • Frank sagt:

    Finde ich ja witzig das hier so oft erwähnt wird das man nur eigene Fotos ins Portfolio nimmt. Ich denke das steht außer Frage oder?

    Wir haben bei Hochzeiten im Freundes- bzw. Bekanntenkreis und deren Freunden angefangen. 2-3 auch nur für ein „Taschengeld“ für das ich heute nicht mehr arbeiten würde. Aber es hat unser Startportfolio geliefert und es kamen weitere Anfragen weil die Bilder gefallen haben.

    Aber wie oben schon erwähnt….das Hochzeitsgeschäft ist echt hart. Meistens den ganzen Tag und wenn im entscheidenden Moment was nicht klappt bist du der Depp vom Dienst. Diesen Moment kann man nicht wiederholen.
    Ich persönlich mache inzwischen eher selten Hochzeiten….aber es ist der „leichteste“ Einstieg in die bezahlte Fotografie (meiner Meinung nach).

    Viel Erfolg

    VG
    Frank

  • Roger sagt:

    Als Porträtfotograf kennst du dich mit den „offiziellen“ Fotos (Paar, Familie etc.) aus und kannst gut damit umgehen, ebenso ist die Fotografie der eigentlichen Zeremonie (Standesamt, Kirche) auch kein eigentliches Problem. (Alle sitzen ruhig und angespannt, auf die Lichtverhältnisse kann man sich einstellen, als vermutlich einziger Fotograf hat man niemand, der im Wege steht)
    Schwieriger ist die Fotografie der eigentlichen Feier. Ich glaube, da braucht man schon ein paar Probeläufe.
    Wie wäre es mit einem Paket nur für den offiziellen Teil mit der Vereinbarung, bei der Feier kostenfrei zu fotografieren?
    Es gibt ein, meiner Meinung nach, gutes Schulungsvideo von den Obermanns, erhätlich bei Video2Brain (Praxistraining Fotografie: Hochzeit). Da werden, mit nachgestellten Szenen, alle Phasen der Hochzeit besprochen.

    Roger

  • Den Beitrag von Christian finde ich gut. Von „billigen Preisen“ kann ich nur abraten. Da kommst Du in eine Schiene rein aus der Du nur schwer wieder raus kommst. Entweder geschenkt oder den normalen Preis. Und wenn geschenk, dann mach das vorher schriftlich fest, dass Du auch die Fotos verwenden darfst. Wenn dem Paar hinterher einfällt, dass sie doch keine Veröffentlichung möchten, hast Du sonst die Arschkarte gezogen.

  • Hallo alle zusammen,

    mein Name ist Michael Epke-Wessel, ich bin Hochzeitsfotograf und musste erst mal schlucken, als ich das hier las. Danach habe ich eine Nacht darüber geschlafen um mich zu beruhigen und will dann jetzt mal so konstruktiv wie möglich darauf Antworten, bzw. meine Einschätzung dazu abgeben. Einfach auch weil es mir wichtig ist.

    Die ursprüngliche Frage behandelt das Thema, wieso bekomme ich keine Aufträge als Hochzeitsfotograf. Aus dem Text geht hervor, dass der „Fotograf“ sich auf seiner Homepage als Hochzeitsfotograf verkauft, aber keine Fotos in seinem Portfolio hat. Um es mal knall hart zu sagen, ist diese Person dann ganz einfach auch kein Hochzeitsfotograf. Vielleicht möchte er mal einer werden, möchte diesen Dienst anbieten, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist er kein Hochzeitsfotograf. Hart, aber wahr. Im Grunde wurde das ja auch korrekt erklärt (Beispiel Metzger).

    Mehr als Negativ empfinde ich aber die Aufzählung der Möglichkeiten wie man sein Portfolio dahingehend erweitert. Ich möchte auch im Detail darauf eingehen, auch um zukünftige Paare davor zu beschützen.

    Die erste Möglichkeit mit den Halb-professionellen Aufträge im Freundeskreis sind im Grunde schon bekannt, aber was nicht geht ist eine Leistung weit unter Wert zu verkaufen. Ich muss es mal ganz deutlich sagen, dass man damit nicht nur den Markt schädigt und was noch viel schlimmer ist, man schädigt das Paar. Wenn jemand noch nie eine Hochzeit fotografiert hat, dann sollte er auch keine Hochzeitsfotografie anbieten, egal zu welchem Preis. Die Verantwortung die man hat ist hoch, man darf sich keine großen Fehler erlauben und sollte schon einigermaßen sicher sein. Ich kann es nur noch mal betonen, dass die Hochzeitsfotografie nicht direkt mit der Portrait-Fotografie zu vergleichen ist. Sollte man eine Trauung fotografieren, sind schlechte und wechselnde Lichtverhältnisse an der Tagesordnung. Blitzen oder durch andere Lichtquellen aufhellen ist tabu, weiterhin geht es um ein respektvolles Auftreten. Man hat als guter Hochzeitsfotograf nicht so viele Möglichkeiten die beste Position einzunehmen z.B. in einer Kirche. Das Paar soll sich schließlich an Ihre Trauung erinnern und nicht an den ständig blitzenden und laut auftretenden Fotografen. Auch lässt der Tagesablauf oftmals nicht viel Spielraum ein ausgedehntes Shooting einzuplanen. Es ist nicht vergleichbar mit einem Model oder der Schwester, die man per TFP mal 2 oder 3 Stunden fotografiert. Es gibt immer besondere Situationen wo der Fotograf sich auf die Situation einstellen muss. Auch hier sollte immer das Paar im Vordergrund stehen und nicht das was der Fotograf will. Weiterhin der Punkt des Budgets. Hat man jetzt genügend Erfahrung gesammelt (Ich komme später darauf zurück wie man daran kommt) und begleitet seine erste Hochzeit alleine, egal ob Bekannte, Arbeitskollegen oder Freunde, so ist auch hier ein Preis gerechtfertigt, der Marktüblich ist. Was nicht heißt, dass man gleich 2.500.- Euro für ein paar Stunden nehmen kann, aber es sollte deutlich höher sein als 300.- Euro für sagen wir mal 8 Stunden vor Ort. Sollte man später in der Hochzeitsfotografie Fuß gefasst haben, ist es später auch umso schwerer seine Preise zu etablieren. Eine Erhöhung von sagen wir mal 300 Euro auf 1.500 Euro ist wesentlich schwieriger als z.B. von 1.100.- Euro. Paare die kein Budget haben für einen Hochzeitsfotografen, aber deren die Fotos wichtig sind, die sollten Ihr Budget überdenken und sich professionell beraten lassen um vielleicht auch einen Kompromiss zu finden. Sprich wenn aus Budget-Gründen eine Ganztagesreportage nicht möglich ist, vielleicht würde aber eine deutlich reduzierte Variante funktionieren von sagen wir ca. 8 Stunden oder vielleicht gibt es andere Möglichkeiten bei der Hochzeit etwas einzusparen, was nicht so wichtig erscheint im Gegensatz zu den Fotos. Ich möchte hier keine Preisdiskussion anfangen, aber ein professioneller Fotograf hat nun mal seinen Preis und das nicht nur weil er erfahren und sicher ist, auch weil die Arbeitsintensität für eine Hochzeit recht hoch ist, neben Equipment, Versicherungen usw.

    Der nächste Punkt, dass nachstellen von Fotos ist eine gute Möglichkeit zu üben, aber auch keine Alternative um professionell Hochzeitsfotograf zu werden. Nachgestellte Fotos oder After-Wedding-Shootings, haben nichts mit dem Alltag eines Hochzeitsfotografen zu tun. Die Situation ist eine andere. Alles kann wiederholt werden, man kann Lichter setzen, man hat Zeit und das Paar ist bei weitem nicht so emotional wie am Tag der Hochzeit. Es ist „nur“ ein Portrait-Shooting. Zeigt man als Fotograf nur nachgestellte Fotos und suggeriert zukünftigen Paaren was am Tag der Hochzeit möglich sein könnte, dann ist das schlichtweg nicht wahr und das Paar wird nach der Hochzeit enttäuscht sein. Das ist leider auch ein Fakt. Auch hier hat niemand gewonnen, weder das Paar, noch der Fotograf. After-Wedding-Shootings oder nachgestellte Hochzeitsfotos sollten auch als solche gekennzeichnet sein.

    Die nächste Möglichkeit als Assistenten oder Second-Shooter eines erfahrenen Hochzeitsfotografen zu arbeiten ist die einzige Möglichkeit genügend Erfahrungen zu sammeln und in den Beruf des Hochzeitsfotografen zu schnuppern. Das kann man nicht oft genug betonen und hier sollte man auch lieber mehr Hochzeiten mit begleiten als zu wenig. In erster Linie sollte man das aber nicht nutzen um sein Portfolio aufzubauen, sondern um sich selbst genug zu trainieren die Verantwortung dann irgendwann übernehmen zu können. Neben Erfahrungen lernt man auch viel über die Abläufe und den Umgang mit dem Hochzeitspaar, den Gästen usw. Auch hier unbedingt im Portfolio kennzeichnen, dass es sich hierbei um Fotos als Second-Shooter handelt.

    Bei dem Punkt mit den Hochzeitsworkshops, ist es ähnlich wie bei den oberen Punkten. Workshop-Fotos haben Nichts, aber auch überhaupt nichts mit der Hochzeitsfotografie zu tun und sollten erst recht nicht zum Aufbau eines Portfolios dienen. Auch wenn man vielleicht auf dem Workshop relativ selbstständig fotografieren darf, hat der Workshop-Leiter doch so einiges dazu beigetragen. In den meisten Fällen handelt es sich bei den zu fotografierenden Paaren um ein Brautpaar, wo der Workshop-Leiter die Hochzeit begleitet hat. Das Paar kennt die Situation usw. und ist ganz anders gebrieft als bei einer Hochzeit. Ich kann es auch nur noch mal betonen, dass Workshop-Fotos nicht die Fotos des Workshopteilnehmers sind, sondern die des Workshopgebers und es hat einfach nichts mit einer echten Hochzeit zu tun.

    Doch wie wird man denn jetzt Hochzeitsfotograf und baut sich sein Portfolio auf?
    Wie schon erklärt gibt es nur die Möglichkeit als Second-Shooter anzufangen um dann fit genug zu werden die erste Hochzeit selbstständig zu fotografieren, damit baut sich dann auch automatisch das Portfolio von alleine auf. Ich möchte an dieser Stelle auch mal betonen, dass sich nicht jeder als Hochzeitsfotograf eignet und nur unter der Prämisse zu arbeiten, dass man sich vielleicht mal ein Objektiv leisten kann, was man sich normalerweise niemals zugelegt hätte, ist schlichtweg der falsche Ansatz. Im letzten Jahr hatte ich so unglaublich viele Anfragen von Paaren die enttäuscht waren von Ihrem Hochzeitsfotografen und wo es darum ging die Fotos zu retten oder vielleicht mit einem After-Wedding-Shooting vernünftige Fotos nachträglich zu schießen. Im Studio kann ich jede Situation wiederholen. Ist der Kunde unzufrieden, geht man noch mal ins Studio. Bei einer Hochzeit geht das nicht. Man sollte das ernst nehmen und auch ehrlich zu sich selbst sein, denn wie schon mehrfach erwähnt hat man eine recht große Verantwortung, denn die Fotos sind neben Ring und Partner das einzige was bleibt.

  • Ralf Badera sagt:

    Ich denke, besser als Michael kann man es nicht beschreiben – top!
    Ich habe inzwischen 8 Hochzeiten mit-fotografiert* und traue mir immer noch nicht zu, mal eine Hochzeit alleine zu übernehmen.

    * Wir waren immer mindestens zu zweit, wobei es keinen wirklichen Erstfotografen gab.

  • Harald sagt:

    Ich habe nichts mit Hochzeitsfotografie im Sinn, bin aber sehr beeindruckt von den teils sehr fundierten Stellungnahmen hier. Vielen Dank dafür.

  • Danke für Eure konstruktiven und hilfreichen Kommentare.

    @Michael Epke-Wessel:
    Deine Bedenken kann ich nachvollziehen und teile sie. Leider kommt es in der Praxis sehr häufig vor, dass Einsteiger-Fotografen den Kunden verschweigen, dass sie keine oder wenig Erfahrungen mit der Hochzeitsfotografie haben und dann eventuell sogar mit fremden Fotos werben (das ist mir selber tatsächlich zweimal passiert, dass andere „Fotografen“ mit MEINEN Fotos auf Kundenfang gegangen sind).

    Das ist nicht nur unfair, sondern überschreitet die Grenze zum Straftatbestand.

    Und wenn diese Leute dann mit Kampfpreisen an den Markt gehen, verderben sie diesen Markt und jeder anständig kalkulierende Fotograf, der ernsthaft und verantwortungsbewusst handelt, hat Schwierigkeiten, den Kunden zu vermitteln, warum die professionelle fotografische Begleitung einer Hochzeit eben nicht für wenige 100 Euro zu haben ist.

    Daher hatte ich Tony ja auch geraten, auf jeden Fall mit offenen Karten zu spielen. Wenn dann ein Hochzeitspaar darauf eingeht, einen Newcomer zu engagieren, kennt es das Risiko und kann sich hinterher nicht beschweren, wenn die Fotos nicht optimal werden.

    Danke, dass Du trotz Deines Ärgers eine Nacht drüber geschlafen hast und einen wertvollen Beitrag zur Diskussion geliefert hast. Und im übrigen: Dein Portfolio ist Spitzenklasse.

    Gruß Michael

  • D. Bamberger sagt:

    Ja, es klingt selbstverständlich, dass man sich nicht fremden Federn schmücken soll. Wenigstens in den USA scheint das aber sehr weit verbreitet zu sein. Dort ist natürlich auch mit Hochzeitsfotografie noch viel mehr Geld zu verdienen. Woher ich weiß, dass dies weit verbreitet ist: Es gibt eine ganze Website von einer Fotografin, die solche Fälle aufdeckt. Sehr interessant: http://stopstealingphotos.com/

  • Hier wird mir einmal wieder mehr bewusst warum es meiner Meinung nach wichtig ist auch eine fundierte Ausbildung absolviert zu haben.
    Durch die Bank weg habe ich das Gefühl, dass hier durch Unwissenheit über das Arbeitsfeld eines „Hochzeitsfotografen“, nur über die reine Reportagefotografie nachgedacht wird. Hochzeitsfotografie ist mehr, viel mehr. Hierzu zählt der Portraitbereich genauso, wie die Studiofotografie. Eine fundierte Kundenberatung und das Wissen über die Kosten einzelner Posten der Hochzeit gehören da genauso hinzu. Nur so kann ich einen reellen Preis meiner Arbeit durchsetzen und mir gegenüber den Mitbewerbern einen Vorteil durch Flexibilität und Qualität verschaffen. Das umherwerfen mit Preisen nutzt eh niemandem etwas, ohne die Anforderungen für den jeweiligen Auftrag zu kennen. Bevor man sich überhaupt Gedanken machen sollte wie man an Fotos kommt, sollte man seinen Marktwert berechnen lernen.
    Und selbstverständlich gehört Blitz und Aufhellung mit zur Hochzeitsfotografie, es sind sogar sehr elementare Gestaltungswerkzeuge. Jemand der diese Gestaltungswerkzeuge ungenutzt lässt, hat einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil. Und das wichtigste Alleinstellungsmerkmal gegenüber seinen Mitbewerbern ist die kreative Umsetzung der eigenen Bildidee, wenn es hieran hapert, nutzt auch der beste Assijob beim Superfotografen nix.
    Ich bestreite sogar, dass hier bisher ein richtiger „Hochzeitsfotograf“ gepostet hat – Warum?

    Der Anfang für Tony sollte also in der theoretischen Planung liegen und erst wenn die abgeschlossen und positiv ist, kann man sich ernsthaft Gedanken darüber machen, wie man Aufträge generiert und an Bildmaterial kommt.
    Und um zu üben ist nunmal ein Assijob über mehrere Monate das einzig adäquate Mittel. Hier lernt man und kann dann irgendwann vom Beobachtungsmodus in den Modus des Zweitfotografen wechseln seine Erfahrungen. sammeln.
    Und dieses Prozedere dauert zwar, kommt aber den zukünftigen Brautpaaren zu Gute.

    Gut Licht allen hier

    Gerhard

  • Sorry,

    die Antwort auf die Frage „Warum?“ ist irgendwies aus dem Post geflogen, deshalb hole ich sie hier nach.

    Ich bestreite es aus folgenden Grünen.

    Den „Hochzeitsfotografen“ gibt es nicht!

    Alle profesionellen Fotografen / Berufsfotografen arbeiten werden außerhalb der Hochzeitssaison in anderen Arbeitsfeldern tätig sein. Wer etwas anderes behauptet lügt entweder, oder beschäftigt sich mit der Hochzeitsfotografie nebenberuflich und davon nicht gerade wenige außerhalb der rechtlichen Legitimität. Denn einen nebenberuflichen „Hochzeitsfotografen“ kann es nur geben, wenn dieses Arbeitsfeld auch legitim betrieben wird. Und hier kann ich jedem Brautpaar nur empfehlen auch nachzufragen und sich dafür den Beweis einzuholen. Auch durch die Änderung in ein Zulassungfreies Handwerk unterliegt die Hochzeitsfotografie weiterhin dem aktuellen Handwerks- und Wettbewerbsrecht.

  • Claudia P. sagt:

    Tony sollte sich unter anderem auch im Vorfeld darüber klar werden zu welcher Spezies an Hochzeitsfotografen er eines Tages gehören möchte. Zu den sich immer noch stark verbretenden „Ich schmeiße meinen Kunden alle Fotos vor die Füße“ – Hochzeitsfotografen oder zu den vermutlich aussterbenden „Klasse statt Masse“-Hochzeitsfotografen.

    Ich habe nämlich den Eindruck, dass die Kunden – von heute und morgen – die letztere der beiden Spezies nicht wirklich versteht oder verstehen möchte. Und wem haben wir das alles zu verdanken?

  • Hallo,

    erst mal vielen lieben Dank für das positive Feedback zu meinem Beitrag und natürlich auch für das Kompliment zu meinem Portfolio. Für mich war es im Artikel einfach nicht deutlich genug und es wurde auch für mich nicht klar genug herausgestellt wie wichtig es ist auch offen zu kommunizieren woher die Fotos kommen oder wie erfahren man ist.

    Ich bin professioneller Hochzeitsfotograf, bin schon einige Jahre dabei und habe schon einiges an Hochzeiten fotografiert. Ich muss allerdings auch sagen, dass es in einigen Punkten derzeit wirklich schlimm ist. Hier mal ein paar Fakten aus meinem Arbeitsalltag.

    Es klingt immer so unglaublich romantisch, wenn man auf Mallorca oder auf Sylt am Strand ein Paar begleitet, wenn man dann in Italien noch ein bisschen die Sonne genießen kann und dann beim Sonnenuntergang nach Hause fliegt. Keine Frage, es ist großartig, aber was man oftmals nicht sieht sind die „negativen“ oder Seiten.

    In der Regel arbeitet man in der Saison locker um die 200 bis 250 Stunden, am Wochenende ist man niemals Zuhause oder sehr selten. Wenn Die Frau oder der beste Kumpel an einem Samstag seinen Geburtstag feiert, dann ist man nicht dabei. Das sind alles Dinge, die das privat Leben auch sehr stark einschränken und auch durcheinander bringen. Das muss klar sein, wenn man hauptsächlich Hochzeiten fotografiert oder in diesen Berufszweig möchte.

    Dazu kommen Tätigkeiten, worum man sich eigentlich nicht kümmern möchte. Alleine am letzten Wochenende habe ich die meiste Zeit damit verbraucht mich um jemanden zu kümmern, der unter anderem meine Bilder als seine ausgibt. Auch aufgrund der Vielzahl der Hobbyfotografen die mal eben ein oder zwei Hochzeiten zu Dumpingpreisen anbieten um sich ein besseres Equipment mal eben leisten zu können verzerren das Gesamtbild. Man muss sich vorstellen, dass der Begriff Hochzeitsfotograf bei Google mehr vorkommt, als abgefragt wird. Hier ist auch sehr viel Aufklärungsarbeit, so wohl bei den Paaren, als auch bei den Fotografen notwendig. Bitte nicht falsch verstehen, ich will nicht alle über einen Kamm scheren. Aber es ist ein hartes Geschäft und bei weitem nicht so einfach wie man sich das alles vorstellt und Artikel wie diese machen es nicht einfacher zu vermitteln, dass Kundenorientiertes und Qualitätsbewusstes Arbeiten an erster Stelle stehen sollte.

    Ich möchte dann noch auf ein paar Punkte von Gerhard eingehen, weil ich denke das es da ein paar Missverständnisse gibt.

    Ja, ich redete auch nur von der Hochzeitsfotografie im Reportagebereich. Natürlich gibt es immer noch ein paar Kollegen, die z.B. nur Portraitfotos am Tag der Hochzeit anbieten und vereinzelt gibt es auch immer noch den einen oder anderen Studiofotografen wo das Brautpaar im Studio auch fotografiert wird. Die Nachfrage dahingehend ist aber relativ klein geworden. Ich selbst bin spezialisiert auf Hochzeitsreportagen und biete „nur“ Portraitfotos am Tag der Hochzeit, egal in welcher Art nicht an. Vor der Hochzeit als Engagement Session und nach der Hochzeit als After-Wedding-Shooting natürlich schon. Bezüglich der Preise gebe ich Dir absolut recht. Es ist auch schwierig dieses komplexe Thema in ein oder zwei Sätzen zu formulieren. Ich kann jedem nicht gelernten Fotografen auch nur empfehlen sich in diesem Bereich kundig zu machen. Es gibt z.B. Seminare bei der IHK zum Thema Preiskalkulation. Dann wird auch ganz schnell klar wie man sich und seine Leistungen zu berechnen hat.

    Selbstverständlich ist das Blitzen und aufhellen ein wichtiger Punkt und natürlich wird auch aufgehellt und geblitzt, aber ich schrieb während der Trauung und wenn diese in z.B. der Kirche statt findet, dann ist Blitzen einfach Tabu. Bei allen anderen Gelegenheiten wie z.B. der Portraitsession natürlich ein wichtiger Punkt und sollte selbstverständlich auch als kreatives Mittel genutzt werden.

    Ich gebe Dir recht, dass es nicht DEN Hochzeitsfotografen gibt, aber ich bin Hauptberuflich nicht Fotograf, sondern Hochzeitsfotograf und nein, ich lüge auch nicht, wenn ich das behaupte und habe auch keinen Nebenjob. Selbstverständlich habe ich auch andere Aufträge wie z.B. Babybauch, Babyfotos oder auch mal ein Event oder ein Business-Shooting. Diese Aufträge sind allerdings so gering, dass es nicht erwähnenswert ist. Mehr als 95% meines Jahreseinkommens besteht aus Hochzeiten. Um das vielleicht auch mal deutlich zu machen mal eine kleine Jahresübersicht. Die Hochzeitssaison ist für mich durchgehend ca. von April bis Oktober. Hier sind die meisten Hochzeiten. Im November gönne ich mir meinen jährlichen Sommerurlaub und im Dezember fängt für mich, neben der Weihnachtszeit, auch die Zeit an, wo ich anfange mein Jahr zu reflektieren und das erst mal fotografisch. Sprich ich schaue mir alle meine Hochzeiten noch mal genau an, schaue wo ich besser werden kann usw. Ab Januar fängt dann die Zeit an, wo ich endlich mich mal um Dinge kümmern kann die auch sehr wichtig sind, sprich Homepage aktualisieren, Prozesse optimieren, vielleicht auch mal neues ausprobieren, wie z.B. neues Equipment oder eine neue Software. Ich teste auch fotografisches aus, wo ich dann mit einem Testpaar Dinge ausprobiere die ich im Kopf hatte. Vielleicht auch mal etwas neues anbieten, also Ideen die im laufe des Jahres kamen in die Tat umzusetzen. Weiterhin bilde ich mich weiter, tausche mich mit Kollegen aus, führe Interviews und kümmere mich um das Marketing. Vereinzelt kommt auch mal die eine oder andere Hochzeit im Februar oder März und dann ist auch schon April und die Saison geht von vorne los. Wenn ich alleine dieses Jahr nehme, dann bin ich erschrocken wie wenig Zeit ich hatte um meine offenen Punkte hinter den Kulissen zu realisieren. In der Saison ist es richtig schwierig Zeit für was zu finden, außerhalb der Hochzeitsfotografie. Ab ca. Mitte Mai wird die Zeit immer knapper. Fotos wollen gesichtet und bearbeitet werden, Hochzeitsalben wollen fertig werden usw. Etwas was das ganze Jahr statt findet sind natürlich auch die Kundengespräche. Ich empfehle jedem Kunden sich mit Ihrem Wunsch-Hochzeitsfotografen zu treffen, sich mit ihm zu unterhalten und sich eine komplette Hochzeitsreportage oder eine komplette Portraitserie (wenn es nicht um eine Hochzeitsreportage geht) anzuschauen. Als Paar weiß man dann auch ganz schnell ob es der richtige ist oder nicht. In der aktuellen Ausgabe des MarryMAGs ist ein Interview mit mir wo ich auch diesbezüglich ein paar Tipps gebe und ich zitiere mich dann mal selbst: „Wenn man dann seinen Hochzeitsfotografen gefunden hat, sollte man Ihn nie wieder los lassen“.
    Diese Gespräche kosten auch Zeit und müssen geplant werden. Aber sie sind wichtig und unerlässlich.
    Ich denke ich kann, ohne mich außerhalb der rechtlichen Legitimität zu bewegen, von mir behaupten, dass ich ein hauptberuflicher Hochzeitsfotograf bin, der auf Hochzeitsreportagen spezialisiert ist.

    LG Michael

  • Hallo Michael,

    mit der rhetorischen Nutzung des Wortes „lügt“, wollte ich dir die natürlich nicht nicht unterstellen. Ich wollte vielmehr auf die Situation in der Hochzeitsfotografie ansich hinweisen. Ich stimme deinen Ausführungen, nachdem deine Aussage mit dem Blitz/Aufhellung von mir nicht in direkter Verbindung zur kirchlichen Trauung erkannt wurde, voll zu.

    Ich finde es nur wichtig, dass man zum Ausdruck bringt, dass diese Art von Fotografie mit viel verantwortungsvoller Planung und Hingabe umgesetzt werden sollte. Schnellschussleute und Absahner mit schlechter Billigqualität gibt es genug auf diesem umkämpften Markt und man ist es sich und den zukünftigen Brautpaaren schuldig in diesem Bereich über die Norm hinaus hochqualitative Arbeit abzuliefern, die über das reine Erstellen von Fotos hinaus geht.

    Ich wünsche dir weiterhin guten Erfolg. Sorgen um Mitbewerber bracuhst du dir bei deiner Qualität und Herangehensweise an dieses Arbeitsfeld eher nicht machen.

    Gut Licht und gute Geschäfte dir.

    Gerhard

  • Hi Gerhard,

    was willste trinken? 🙂

  • Hallo,

    mal wieder eine sehr interessante Diskussion. Was mir auffällt ist, dass mehrfach geraten wird, ein paar mal mitzulaufen oder Hochzeiten billiger anzubieten, und schon hat man sein Portfolio.

    Ist es tatsächlich so, dass Fotografen alle Bilder auch selbst nutzen? Ich kenne einige AGB, die eine entsprechende Klausel enthalten, was ich frech finde. Ich sehe die Sache so, dass bezahlte Bilder ausschließlich dem Kunden gehören und ich diese nicht nutze. Egal, ob Hochzeit oder Business Portraits. Wenn ich diese nutzen will, lege ich das vorher Vertraglich fest. So entgehen mir zwar schöne Bilder für mein Portfolio, aber mein rechtliches Verständnis verbietet mir, die Bilder ebenfalls zu nutzen.

    Ich wundere mich…

  • Oleg sagt:

    Meine Kunden bekommen einfach ein Rabat in Höhe von … dann kann ich die Hochzeitsfotos veröffentlichen, alles steht in Vertrag und alle sind zufrieden.

  • Hey Leute,
    auch hier wieder ein interessantes Thema !
    Um seine Portfolio kreativ zu erweitern finde ich den Punkt „Nachstellen von Hochzeitsfotos“ eine sehr gute Idee oder man bietet als Serviceleistung bei gewissen Paketen ein After Wedding Shooting mit an.
    Ich kann aus Erfahrung sagen, dass man dort seiner kreativität freien lauf lassen kann und es kommen wundervolle Bilder bei raus die perfekt für die Portfolio sind.
    Und das Brautpaar freut sich immer über so Serviceleistungen immer !
    Aber man kann sich auch wunderbar etwas von der Konkurrenz abheben 🙂

    Viele Grüße

    Sebastian Sachs

  • Das ist ja mal ein sehr guter Bericht genauso ist es.

    lg frank hedrich

  • Holger Reich sagt:

    Ein neuer Trend zum Thema:

    „Hochzeitsfotografen ZAHLEN dafür dem Paar, Bilder machen zu dürfen, nur um sich ein Portfolio aufzubauen und sich Hochzeitsfotograf nennen zu dürfen.

    Eine tolle Idee – ich heirate prompt nochmal 🙂 (Ironie OFF)

  • Peter sagt:

    Ich hatte mal ein Hochzeitspaar, das einen Hochzeitsfotografen engagierte und sehr enttäuscht war. Sie kamen drauf, dass er nur mit Stockfotos seien Seite aufpeppte. Aber es gibt leider alles.

    Lg peter

  • Christian sagt:

    Hallo,
    ich hätte eine Frage an den Fischer Christian.
    Christian, ich stehe vor dem gleichen Problem die Hochzeitsfotografie im Raum München zu starten. Wo hast Du denn das kostenlose Shooting inseriert? Habe Deine Internetseite besucht und habe gesehen dass Du dieses Angebot dort auch inseriert hattest. Nur, hat Deine Internetseite so viele Besucher wenn Sie noch gar nicht bekannt ist?

    Oder hast Du einen Tipp wo ich am besten inserieren soll?

    Hast Du das ganze dann eigentlich nicht mehr fortgeführt? Das wäre schade. Denn auf Deiner Homepage sehe ich nur eine Hochzeit.

    Grüße
    Christian (heiße auch so)

  • Stefan Stegmüller sagt:

    Hallo Liebe Freunde,

    ich bin momentan Doktorand und möchte mir Schritt für Schritt eine Existenz als Hochzeitsfotograf aufbauen, um zunächst nebenberuflich, dann aber hauptberuflich Hochzeiten zu fotografieren. Ich würde mich immernoch als Anfänger im Bereich des Fotografierens von Personen bezeichnen und zum jetzigen Zeitpunkt meine Dienste niemals entgeltlich anbieten. Deshalb habe ich mir einen groben Plan aufgestellt und mir vorgenommen, diese Existenz innerhalb von ca 2-3 jahren aufzubauen und dazu zunächst versuchen als Assistent eines Hochzeitsfotografen unterzukommen. Jeder Hobbyfotograf, welcher ernsthaft das Ziel verfolgt Hochzeitsfotograf zu werden, soll dies auch tun und sich weiterentwickeln. Das Problem ist nur, dass viele dieser Fotografen gar nicht merken, dass ihre Bilder einfach nur schlecht sind, bzw. nur wenige wirklich gut, der Rest aber Müll sind. Natürlich ist die Komposition, das Motiv, der Umgang mit dem Brautpaar und und und usw äußerst wichtig, wenn allerdings RAW, Lightroom, Photoshop und ein kalibrierter Monitor Fremdwörter sind, verstehe ich die Welt nicht mehr.
    Ein befreundetes Paar hat mich letztens gefragt, ob ich nicht ihre Hochzeit komplett fotografieren möchte, weil sie meine Bilder (Landschaft, Architektur, Natur, Makros) supertoll finden. Ich habe abgelehnt und ihnen erklärt wieso ich es nicht machen kann. Ich habe ihnen erklärt das der Besitz einer DSLR mit fettem Glas noch lange keinen guten Fotografen macht und dass ich die Verantwortung nicht tragen kann. Auch habe ich versucht Ihnen zu erklären wie wichtig ein erfahrener Hochzeitsfotograf ist. Dieser Tag ist immerhin einmalig und für jene Bilder gibt es nur eine Chance. Letztlich habe ich dnakend abgelehnt und lediglich angeboten, neben dem professionellen Fotografen Bilder zu machen. Andererseits gibt es leider genügend selbsternannte Hochzeitsfotografen, die sich selbst überfordern, sich nicht über ihre Verantwortung im Klaren sind und schlechte Qualität liefern. Zudem fehlt vielen die Fähigkeit, die eigene Arbeit kritisch zu betrachten und sich zu verbessern. Und genau deshalb tun mir jene Hochzeitsfotografen leid, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen und mit jenen „Hobby-Hochzeitsfotografen“ konkurrieren müssen. Haltet ihr folgende Strategie für das erste Jahr sinnvoll: 1. Assistenz eines Hochzeitsfotografen über eine Hochzeitssaison lang (falls möglich), 2. Gleichzeitig anbieten, als ZWEITfotograf auf Hochzeiten unbezahlt Bilder zu machen sowie Paar-Shootings (es stehen in meinem Freundeskreis nächstes Jahr 2 Hochzeiten an!). 3. Workshops zur Weiterbildung im Bereich Photoshop, Bildstile, 4. Zusammenstellen eines Portfolios und einer Website. Noch ein wichtiger Punkt: Momentan bin ich Doktorand (Bereich „Krebs-Grundlagenforschung“) und habe demnach nur für Hochzeiten an Wochenenden Zeit. Falls ihr Tips habt, wie ich diesen Plan ergänzen könnte, nur zu ! 🙂

  • Me2 sagt:

    … eines kann ich sagen. Wenn man die Technik nicht im Schalf beherscht und auf jede Situation suverän reagiert kann auf jeden fall der Job auf der HZ scheitern. Mich hat immer mein Herzschlag gestört der die Kamera zu wackeln gebracht hat. 600 Fotos in ein Paar Stunden, davon ca. 200 mal etwas geduckt und 2-3 Sekunden in die Kniee gegangen bei 30 Grad Hitze… da weiss man was man körperlich getan hat. Da ist nix mehr mit nachdenken und probieren. Das Brautpaar muss auch einwenig zu den guten Foto hingeführt werden schll sind die ja keine Modells. Der HZF muss sich auch eine gewisse pentranz zutrauen wenn er ganz nah ran gehen muss – in der Kirsche. Unsicherheit macht unsichere Motive. Über das Motiv – Bildkomposition usw. – entscheidet die Kreativität des F. und nicht die Technik.
    Hast du kein Erfahrung und bist dir nicht 100 % sicher was ein gutes Bild ist – willst wirklich da hin? Umsonst? Ohne Erfahrung? NEIN! Da hilft auch kein mal eben mitgehen zum Üben…
    Bist du kreativ, verückt, machst krasse Motive und die Kamera ist dein 3. Auge und du schläfst mit deiner K.? Dann solltest du dich Fortbilden um den langweiligen 08/15 HZF zeigen was gut ist. Ich freu mich auf sollche Kollegen. Me2

  • Paul sagt:

    Ich habe mal eine rein „rechtliche“ Frage zu dem Thema. Ich weiß, Ihr seid (wahrscheinlich) keine Anwälte, aber vielleicht habt Ihr schon mal von so einem Fall gehört:
    Ein Hochzeitsfotograf wirbt mit Flyern für (seine) Hochzeitsfotografie, mit Bildern die er nicht gemacht hat (Stockfotos). Wie sieht das rein rechtlich aus? Ist das sowas wie Wettbewerbsverzerrung? Betrug am Kunden? Vielleicht könnt Ihr mir hier weiter helfen.

  • Also bei mir ist/war es folgendermaßen.
    Ich habe als erstes beschlossen mich ausschließlich auf Hochzeiten zu konzentrieren und habe es überall über Monate publik gemacht. Anschließend habe ich im Freundes- und Bekanntenkreis angefragt ob ich nicht kostenlos Hochzeiten fotografiere könne. Das kam bei Einigen selbstverständlich gut an!

    Allerdings muss ich sagen, dass diese Brautpaare im Endeffekt keinen großen Wert auf schöne Fotos, bzw. eine großartige Hochzeit gelegt haben. Dennoch hatte ich dadurch die ersten Portfolio-Bilder sowie ein paar Weiterempfehlungen.

    Als nächstes habe ich mir Mentoren gesucht. Hochzeitsfotografen mit langjähriger Erfahrung. Dabei habe ich mir viele Seminar-Aufzeichnungen angeschaut, aber auch bei meiner Meinung nach den besten Hochzeitsfotografen in meiner Stadt direkt angerufen und gefragt ob ich mich nicht mal vorstellen könne. Daraufhin wurde ich sogar von ihm etwas gecoached.

    Anschließend bin ich mit einem anderen Fotografen und einem Hochzeits-DJ eine Partnerschaft eingegangen und habe meine Website für Google optimiert. So habe ich mehrere Akquise-Kanäle wodurch ich Kunden generiere.
    Ich hoffe das konnte ebenfalls etwas helfen.

    Viele Grüße!

    Martin Kleinheinz

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