Bildbearbeitung

HDR-Fotografie – Das umfassende Handbuch

hdr-fotografieBuchrezension von Jan Schättiger

In vielen Online-Magazinen, Zeitschriften, Internetforen, etc. wird seit einigen Jahren über das Thema HDR-Fotografie geschrieben und diskutiert. Ganze Bücher, mit mehreren hundert Seiten werden zu diesem Thema geschrieben. Eins davon ist das Praxisbuch von Jürgen Held „HDR-Fotografie – Das umfassende Handbuch“

Ich glaube, jeder, der sich ein Buch zu einem bestimmten Thema zulegt, durch das man sich erhofft, möglichst viele Informationen und auch Praxisbeispiele zum Nachmachen zu finden, ist bereits das ein oder andere Mal auf die Nase gefallen. Denn häufig sind solche s. g. Praxisbücher so dermaßen überlagert mit technischen Details, die schon sehr tief in die Physik und Mathematik gehen, dass man zu bestimmten Kapiteln eines Buches ein weiteres Buch benötigt, um zu verstehen was man eigentlich gerade gelesen hat.

Der Autor dieses Buches verspricht gleich zu Beginn im Vorwort, dass zwar technische Inhalte ausführlich vermittelt werden, es jedoch in diesem Buch keine Abhandlungen zu den komplizierten HDR-Formaten und programminterne Verarbeitungsalgorithmen zu finden gibt, was für meine Begriffe schon mal ein großer Pluspunkt ist.

Was mir gleich auf den ersten Seiten sehr positiv aufgefallen ist, sind kleine Kästen, in denen u. a. Erklärungen verschiedener Begriffe, Tipps, Hinweise, etc. zu finden sind.
Zu Beginn des Buches wird, wie es sich für ein gutes Praxisbuch gehört, selbstverständlich auf einige wissenswerte Details eingegangen. Zum Beispiel wird beschrieben, was überhaupt HDR ist, was damit möglich ist und was man unter „Tone Mapping“ versteht. Wie vorab angekündigt, erstrecken sich diese Details über einige wenige Seiten, sodass man nach dem Lesen dieser Seiten einen groben Überblick hat, womit man sich bezüglich der HDR-Fotografie eigentlich beschäftigt. Und das gute an diesen Erläuterungen ist, man versteht sie!
Nicht zu vergessen ist die Aufzählung von Programmen, die für eine HDR Erstellung geeignet sind. Jürgen Held hat sich in seinem Praxisbuch für das Programm „Photomatix Pro“ entschieden.

Auch wird auf das Thema Hardware sowie sinnvolles Zubehör eingegangen, was sicherlich gerade für „HDR-Anfänger“ sehr hilfreich sein kann.

Was mir nicht sehr gut gefällt, dass gerade am Anfang des Buches oftmals über sogenannte „Pseudo-HDR´s“ gesprochen wird. Natürlich habe ich die Möglichkeit, bei entsprechenden Voraussetzungen, aus nur einer Datei ein HDR ähnliches Bild zu generieren, nur hat das in meinen Augen „nichts“ mit HDR zu tun, da ich mir keine nicht vorhandenen Bildinformationen zaubern kann. Meiner Meinung nach wird der Leser bei den s. g. Pseudo-HDR´s verunsichert. Denn erst wird erläutert was denn alles erforderlich ist (Software + Hardware) und dann wird plötzlich von einer Möglichkeit gesprochen, mit der ich mit nur einer Datei ein HDR erstellen kann. Selbstverständlich habe ich diese Technik auch schon einige Male verwendet, aber der qualitative Unterschied hinterlässt ggf. einen negativen Eindruck. Zum Experimentieren ist diese Methode allerdings gut geeignet. Zweifelsohne darf dieses Thema in diesem Buch nicht fehlen, nur hätte ich mir das lieber am Ende des Buches gewünscht.

Um ein gutes HDR-Foto zu erstellen ist einiges an Vorbereitung erforderlich, was zum Glück auch sehr schön und detailliert erläutert wird und dennoch nicht zu langatmig, was bei mir ansonsten zum Überblättern diverser Seiten führen würde. Genau zum richtigen Zeitpunkt kommt die erste Praxisanleitung. Die Erstellung einer Belichtungsreihe. Ich persönlich bevorzuge zwar eine andere Vorgehensweise als die hier beschriebene, konnte allerdings in Kombination mit meiner Vorgehensweise einen Vorteil und dadurch eine kleine Zeitersparnis und Vereinfachung feststellen.

Ein komplett eigenes Kapitel bezieht sich nur auf das Thema „RAW-Dateien“, was mir persönlich sehr gut gefällt. Denn die Voraussetzung für eine gute HDR-Arbeit ist nun mal das „RAW-Format“, auch wenn es da sicher andere Meinungen gibt. Auch hier hat der Autor für meine Begriffe sehr gut und verständlich das Thema „RAW“ behandelt. Glücklicher Weise wurde auch ausführlich erläutert, mit welcher Software ich eine „RAW-Datei“ bearbeiten/entwickeln kann.

Wie bereits erwähnt, hat sich der Autor für Photomatix entschieden und erläutert in diesem Zusammenhang sehr detailliert die Vorgehensweise zur Erstellung einer HDR-Datei mit Photomatix. Zusätzlich wird auch wichtiges Hintergrundwissen vermittelt, was den Einsatz der verschiedenen Einstellungen betrifft, bis hin zur Erstellung von DRI-Fotos. Gerade was die diversen Einstellungen in Photomatix betrifft, hat der Autor sehr gute Arbeit geleistet, denn es wird hier ganz klar geschrieben, welche Einstellungen Sinn machen und welche Einstellungen getrost unbeachtet bleiben können oder sollten. Was meiner Meinung nach allerdings zu sehr ausgeweitet wurde, ist die Funktion „Batch-Verarbeitung“. Gute sechs Seiten lang wird darüber geschrieben, was mich persönlich absolut nicht interessiert. Schön mal davon gehört zu haben und sicher auch bei der Findung des eigenen Workflow´s interessant. Ein paar kurze Sätze und der Hinweis auf die Dokumentation von Photomatix hätten auch gelangt.

Jürgen Held erwähnt in seinem Buch, dass Vorkenntnisse in der Bildbearbeitung und der Bedienung der verwendeten Bildbearbeitungssoftware die Voraussetzungen sind, schicke HDR-Fotos zu erstellen. Somit darf man auch nicht damit rechnen, dass sämtlich Bildverbesserungen, hier z. B. in Photoshop, ausführlich erläutert werden. Es wird zwar auf die Tonwertkorrektur sowie einige andere Bildverbesserungsfunktionen eingegangen, aber um hier detailliertes Wissen zu erlangen, ist das Lesen anderer Bücher erforderlich, was absolut in Ordnung ist. Trotz allem werden zahlreiche Möglichkeiten, aus einem Tonemapped Foto ein Kunstwerk zu machen, genannt und mit Beispielen untermalt. In diesem Zusammenhang ist noch zu erwähnen, dass auch interessante und nützliche Filter genannt und beschrieben werden, die oft zu dem gewissen Etwas in der HDR-Fotografie führen.

Wer sich für die Panoramafotografie interessiert und in diesem Zusammenhang ebenfalls die HDR-Technik anwenden möchte, bekommt die Vorgehensweise sehr detailliert erläutert. Über die erforderliche Hardware und Software, bis hin zur Verwendung dieser, wird wirklich sehr ausführlich geschrieben.

Der, wie ich finde, mit am interessanteste Bereich des Buches ist der Workshopbereich. Zum einen werden hier verschiedene Photomatix und Photoshop Funktionen in der praktischen Anwendung gezeigt und zum anderen hat man in diesem Zusammenhang die Möglichkeit die Workshops nachzuarbeiten, da sich das verwendete Material auf der beiliegenden DVD befindet. Die Workshops sind nach Themen aufgeteilt, so dass man das was vorher gelesen wurde, jetzt praktisch umsetzen kann.

Zusammenfassung

Das Buch ist rundum sehr gelungen und bringt die verschiedenen Voraussetzungen für das Erstellen von HDR-Fotos detailliert und verständlich rüber. Einzelne Themen sind nicht unnötig in die Länge gezogen. Eine wichtige Voraussetzung für das Lesen des Buches ist: man sollte schon einiges an Hintergrundwissen im Bereich der Bildbearbeitung mitbringen. Auf der beiliegenden DVD befinden sich neben verschiedenen Fotos zum Üben, auch Demoversionen der im Buch vorgestellten Programme.

Weitere Meinungen zum Buch finden sich bei Amazon

Diese Buchrezension ist ein Gastartikel von Jan Schättiger.

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Fotograf in Heidelberg und gebe mein Wissen und meine Erfahrung als Business-Coach für Kreative weiter. Mehr

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