Natur + Landschaft

Moderne 3D-Techniken in der Panoramafotografie

Ein Interview mit Florian Busch

Die Durchsetzung der digitalen Fotografie in den letzten Jahren hat der Panoramafotografie einen neuen Aufwind beschert. Fotografen, Webdesigner und Marketing-Verantwortliche haben gleichermaßen ein Herz für die neuen Techniken gewinnen können.

Der Hamburger Fotograf Florian Busch arbeitet im Bereich Panoramafotografie, betreibt einen Fotografie-Blog mit Schwerpunkt Panoramen, und gibt fotografr im Interview einen Einblick in Technik und Möglichkeiten.

Erzähl doch mal kurz, wie Du zur Panoramafotografie gekommen?

Ich habe an einer Hamburger Fotoschule handwerkliche Fotografie gelernt und schon bald nach der Ausbildung angefangen, als Hotelfotograf Interieur-Shootings zu machen. Irgendwann habe ich dann das erste Mal auf ein interaktives Panorama gestoßen. Ich war fasziniert, und dachte, sowas könnte ich nie :  )

Dann hab ich mich informiert, Equipment bestellt und mich ein paar Monate fast ausschließlich mit Panoramafotografie beschäftigt. Heute ist mein Panoramafotografie-Portfolio der meistbesuchte Teil meiner Homepage geworden.

Trotzdem bin ich auch nach wie vor als Fotograf in anderen Bereichen wie Interieur, Gastronomie und People unterwegs.

Ist der Anfang in die Panoramafotografie sehr schwer? Was empfiehlst Du als Einstieg für Fotografen, die mal ein Panorama fotografieren wolllen?

Das kommt natürlich sehr auf die Ansprüche an. Der Begriff Panoramafotografie fasst ja verschiedene Techniken zusammen.

Einmal gibt es die Möglichkeit, den Bildwinkel über den eines Weitwinkelobjektivs zu erweitern, um z.B. 160 Grad in der Breite zu bekommen. Das geht auch am Anfang, solange man nicht in engen Räumen unterwegs ist, mit der Photomerge-Funktion in Photoshop überraschend einfach.

Man sollte dabei aber auf jeden Fall folgende Grundregeln beachten:

  • ca. ein Drittel Überlappung zwischen den Fotos
  • alles was geht (Fokus, Belichtung und Blende, Farbtemperatur) manuell bei allen Bildern gleich einstellen.
  • Um auch nach oben und unten einen größeren Bildwinkel zu erreichen, empfielt es sich, das Experiment im Hochformat auszuprobieren

So kann man für den Anfang schon mal sehr hohe Auflösungen und weite Winkel erreichen. Selbst ein 360-Grad-Bild ist so noch recht einfach möglich, wenn man keine Details in der Nähe auf dem Bild hat

Aber nicht alles in der Panoramafotografie ist so einfach, oder?

Leider nicht.

Ich arbeite viel im Interieur-Bereich, und da kommt man um spezielle Stativköpfe (sog. Nodalpunktadapter) nicht herum. Erstes Auftretendes Problem ist, dass man, selbst wenn man mit einem normalen Stativ fotografiert, bei jedem Teilbild einen leicht anderen Aufnahmestandpunkt hat, da das vordere Ende des Objektivs, das ja (zumindest ungefähr) den genauen Aufnahmestandpunkt ausmacht, sich beim weiterdrehen des Stativs immer leicht ändert. Das macht bei einem entfernten Bergpanorama noch nicht so viel aus, aber in Innenräumen kommt es sofort zu fiesen Verschiebungen zwischen den Einzelbildern, und man kann das Bild höchstens als Andenken an den Versuch nutzen.

Man arbeitet hier immer mit Nodalpunktadaptern. Das sind Stativköpfe, die grob gesagt das vordere Ende des Objektivs zum Drehpunkt hin zurücksetzen – man muss sich auf sein eigenes System, seine Kombination aus Kamera und Objektiv einarbeiten.

Bei interaktiven Panoramen ist, wenn man der Zeit nicht hinterherhinken will, fast immer auch 180 Grad nach oben/unten angesagt. Man muss dafür entweder mehrere Reihen Fotos übereinander fotografieren, oder anfangen, mit Fisheye-Objektiven zu arbeiten, die dann im Hochformat 180 Grad erreichen.

Beide Varianten haben ihre Vorteile: Wer mehrere Reihen Fotos übereinander macht, kann riesige Auflösungen fotografieren. Dafür dauert das Fotografieren länger, da ein Panoramabild meist aus mindestens 14 Einzelbildern (mal 3 Belichtungen für HDR) besteht.

Fisheye-Objektive hingegen bringen keine ganz so hohe Auflösung, jedoch reichen die Ergebnisse immer noch aus, um qualitativ gut aussehende interaktive Fullscreen-Panoramen (= über den ganzen Bildschirm) zu erstellen

Mit einem Fisheye kann man 360×180-Grad-Fotos aus 4 Einzelbildern machen.

Für das Zusammensetzen der Bilder ist Photoshop bei mehrreihigen oder Fisheye-Panoramen dann aber auch nicht mehr das richtige Programm, und man greift auf spezielle Panorama-Software zurück.

Wenn man einmal eingearbeitet ist, wie aufwändig ist dann die Erstellung eines solchen Panos?

Vom ersten Auslösen bis zum fertigen Panorama braucht es 5 Minuten bis mehrerere Tage, je nach dem : )

Das reine Fotografieren geht, wenn man mit Fisheye-Objektiven arbeitet, sehr schnell. Man kann mit vier Fotos (alle 90 Grad eins) ein komplettes 360×180-Grad-Panorama erstellen, und dabei so schnell sein, das man ein Panorama inmitten einer Menschenmenge schießen kann (was natürlich ganz neue Problemchen mit sich bringen wird).

Die reine Belichtungszeit ist also recht kurz – selbst bei einem Interieur-Panorama mit Belichtungsreihe selten länger als 2-3 Minuten für alle Teilbilder zusammen.

Doch bei der benötigten Zeit ist es wie in der herkömmlichen Fotografie: Das reine Abbelichten  macht noch kein gutes Bild.

Wenn ich z.B. eine Hotelsuite fotografiere, habe ich einen vergleichbaren Aufwand wie bei einem herkömmlichen Foto. Ich versuche, eine Vorstellung zu entwickeln, wie das Panorama von welchem Standpunkt aus aussehen wird, und beginne dann häufig, die Möbel leicht zu verschieben, damit der Bildaufbau des Panoramas optimal wird. Dann kümmere ich mich um das Styling (im genannten Beispiel meist Blumen etc.), und schlussendlich baue ich Licht. Bei letzterem geht es mir weniger um die Helligkeit (die ließe sich auch mit HDR alleine regeln), sondern darum, eine interessante Lichtstimmung zu blitzen, das die Gesamtatmosphäre des Raumes unterstreicht.

Hierfür nehme würde ich für die genannte Hotelsuite vielleicht eine Stunde einkalkulieren, natürlich manchmal auch deutlich mehr oder weniger.

Die benötigte Zeit für das Fotografieren ist also sehr unterschiedlich, und die genannten Punkte sind sicherlich auch die, wo starke Unterschiede in der Qualität der Fotografen deutlich werden. Wer zum günstigsten Panorama-Fotografen greift, braucht sich dann hinterher nicht zu wundern, wenn hinterher ein Student zum Fotografieren vorbeigeschickt wird, der sich mit den genannten Punkten mit Bildaufbau und Licht noch nicht beschäftigt hat.

Bei der Bildbearbeitung am Computer ist die mögliche Zeitspanne ähnlich groß.

Wer sich sehr gut in einer Software eingearbeitet hat, kann tatsächlich die Bilder auf den Laptop spielen, und hat, ohne sehr viel tun zu müssen, in wenigen Minuten ein erstes Ergebnis. Diese Möglichkeit nutze ich manchmal, um Kunden schon während des Shootings eine Voransicht der Panoramen zu präsentieren.

Um qualitativ vorzeigbare Ergebnisse zu erreichen, braucht man aber auch hier länger – grob Geschätzt vielleicht ab 20 Minuten für ein Panorama wie der genannten Hotel-Suite. Nach dem Zusammenfügen der Einzelbilder muss das Stativ (Blick senkrecht nach unten) retuschiert werden, dann folgt meist entweder ein HDR Prozess oder eine Art manuelles HDR, bei der für Fensterdurchblicke Ebenenmasken etc angelegt werden.

Das Umwandeln eines 360×180-Grad-Panoramafotos in eine interaktive Flash-Version geht dann wieder sehr schnell, quasi innerhalb weniger Sekunden automatisiert.

Und das Zusammenfügen der einzelnen interaktiven Panoramen zu einer virtuellen Tour kann wieder sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, wenn man kompliziertere Ideen umsetzen möchte.

Was hat sich in der interaktiven Panoramafotograrfie in den letzten Jahren getan?

Die hat sich rasend entwickelt. Noch vor 3 Jahren sah man häufig noch Touren mit recht zurückhaltender Auflösung in Quicktime oder java.

Doch die zunehmende Durchsetzung schnellerer Internetzugänge war ein Punkt, der für den Durchbruch von Fullscreen-Panoramen (Anzeige über den ganzen Bildschirm) geführt hat. Dann hat es bei der Darstellung der der Panoramen mit flash, die lange eher ruckelig war, in den letzten 2 Jahren riesige Fortschitte gegeben. Auch das gesamte Design der Touren hat sich geändert, die Bedienelemente wie Navigationskarten liegen heute im Panoramafeld, was moderner aussieht, und lassen sich manchmal soft verkleinern, ausblenden etc .

Doch auch die Auseinandersetzung mit der Darstellngssoftware braucht viel Zeit, die nicht jedem Fotografen liegt. Beim meiner Meinung nach derzeit besten Panoramaplayer krpano z. B. kommt man zumindest über leichte Programmierkenntnisse nicht herum. Wer da professionell mithalten will und kein Programmierer ist, könnte tagelang vorm Computer sitzen und experimentieren.

Eine ganze Reihe von Hotels haben ja sind ja bereits 360  Grad Ansichten auf ihren Websites. Hast Du den Eindruck, das sich im Hotelbereich die Panoramadarstellung dort  durchsetzt und die herkömmliche Fotografie vielleicht sogar ablöst?

Meiner Wahrnehmung nach ist die Nachfrage im Hotelbereich in den letzten Jahren schon stark angewachsen. Eine Studie der Hotelgruppe „Best Western“ z. B. belegt einen deutlichen Buchungsanstieg bei Hotelwebsites mit virtuellen Touren.

Trotzdem sind virtuelle Touren ein anderes Medium als die Fotografie.

Beides existiert eher nebeneinander, als das es ein Konkurrenzverhältnis beider Medien gibt. Fotos werden wahrscheinlich immer einfacher zu erfassen sein als ein interaktives Panorama. Daher lässt sich mit dem Panorama zwar ein genauerer Eindruck verschaffen, jedoch kann man mit einem Foto pointierter Werbung betreiben. Man kann in der herkömmlichen Fotografie besser einzelne Details herausarbeiten, und natürlich auch besser Details ausblenden.

Wie gut lassen sich Panoramafotos in einen bestehenden Web-Auftritt integrieren?

Interaktive Panoramen werden immer in einem HTML-Code ausgeliefert, den jeder Webdesigner problemlos weiterverarbeiten kann.

Wenn man bereits über eine Homepage verfügt, ist es häufig der einfachste Weg, den HTML-Code der virtuellen Tour auf den Server zu laden und dann als Pop-UP-Fenster (oder moderner, wie bei mir auf der Homepage, in einer Lightbox) aufspringen zu lassen. Das gehört noch zur einfachsten Dingen im Webdesign und ist sehr unkompliziert…

Gibt es eigentlich noch Probleme, wenn einem Betrachter die möglichen Plugins fehlen?

Das war früher häufig ein Problem, weil noch viele Touren in java oder quicktime gebaut waren. Flash hingegen, das heute bevorzugt verwendet wird, hat eine Verbreitung von 99%. Die Probleme sind also sehr minimal.

Kannst Du abschließend vielleicht noch von einem Shooting berichten, das Du besonders Interessant fandest?

Jeder Job hat seine eigene Faszination, und macht auf seine eigene Art Freude.

Schön war es z. B, ein Panorama eines Friseur-Studios für Wella zu fotografieren. Hier kamen mehrere Herausforderungen zusammen. Einmal hat meine Assistentin die Panoramen direkt während des Shootings auf dem Laptop gerendert, damit der Art Director sehen konnte, was er bekommt. Dann sollte das Motiv mit Menschen im Bild fotografiert werden. Da die genaue Position des Models noch nicht feststand, habe ich erst das Panorama ohne Model fotografiert, und letzteres dann an verschiedenen Stellen im Panorama nachfotografiert, um beide Versionen übereinander zu legen, und der Agentur hinter zu ermöglichen, auszusuchen, an welcher Stelle sie das Model haben will. Solche Shootings, bei denen ich auch blitze und gleichzeitig hohe Auflösungen erwartet werden, machen natürlich besonders Spaß.

Großartig waren auch mehrere Ausstellungen, die ich im letzten Jahr mit meinem freien Projekt „Wohnen ohne Fundament“ hatte, und für das ich Panoramafotos in bewohnten Bauwägen fotografiert habe. Das war nicht zuletzt deshalb sehr schön, weil die Möglichkeit, als Fotograf in einem Raum zu stehen und zu sehen, wie fasziniert Menschen von Bildern sein können, etwas ist, was es im Internet so nicht geben wird.

Florian Busch

Fotografen-Portolio

Panoramafotografie-Blog

Das wird Dir auch gefallen:

Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Fotograf in Heidelberg und gebe mein Wissen und meine Erfahrung als Business-Coach für Kreative weiter. Mehr

2 Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

shares