Foto-Business

10 Tipps für Fotografen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten

Von 1. Februar 2009 15 Kommentare

von Photoconsultant Dr. Martina Mettner

Niemand weiß, wie schwer es jeden einzelnen Fotografen treffen, und wie lange das finanzielle Desaster andauern wird. Die Umstände kann keiner von uns ändern, aber man kann die Zeit nutzen, um an sich selbst zu arbeiten.

1: Preise stabil halten

Auf keinen Fall die Preise ermäßigen. Wer jetzt mit seinem Tagessatz runter geht, wird auch in wirtschaftlich besseren Tagen nicht mehr das alte Niveau erreichen. Mal abgesehen davon: Das ist unsolidarisch und ruiniert die Existenz von allen.

2: Sparsamkeit

Es ist immer einfacher, etwas einzusparen, als es zu verdienen. Man sollte daher genau prüfen, ob es wirklich nötig ist, beispielsweise die Miete für ein Studio aufzubringen, obwohl man auch von Zuhause aus arbeiten könnte. Einer meiner Klienten im teuren München hat seine komplette Ausrüstung nebst Mac und Schreibtisch in einem Raum, der kleiner ist als bei anderen Münchnern der Schrank.

3: Bessere Fotos!

Technik alleine reicht schon lange nicht mehr. Wenn man zu einem Kunden geht, müssen die Fotos, die man zeigt, wirklich etwas Besonderes sein. „Everyone and their sister is a photographer“, wie die Amerikaner so schön dazu sagen. Wenn man etwas zeigt, was die Art-Direktoren oder Bildredakteure schon tausendmal gesehen haben, kann man gleich Zuhause bleiben. Und aus meiner Praxis kann ich sagen: Jeder denkt, seine Fotos seien besonders. Vor allem, wenn er/sie weit dafür gefahren ist. Ich aber habe allein schon in diesem Jahr (also in rund 3 Wochen!) drei Klienten mit (teilweise tollen) Fotos aus Shanghai gehabt. Eine Klientin kam aus Shanghai, um sich beraten zu lassen, und ist damit ein Sonderfall, aber trotzdem würde ich gerne mal wieder etwas anderes sehen. Und ganz sicher nicht Fotos aus Indien!

Bevor jetzt alle, die im Studio fotografieren, erleichtert sind, hier die Testfrage: Haben Sie interessante Bildstrecken? Leider träumen immer gerade die von einer Bildstrecke in der Vogue, die total uninspirierte Einzelfotos mit preisgünstigen Models produzieren.
Wer das jetzt desillusionierend oder gemein findet, sollte umschulen. Wer besser werden will, sollte sein Profil herausarbeiten.

4: Mission Statement

Wichtig ist es, ein „Mission Statement“ zu haben. Oder anders gesagt: Wenn Sie in einem Satz Ihre Dienstleistung anbieten müssten, was sagen Sie dann? Wenn Sie das nicht wissen, wie soll sich das ein Kunde merken, was Sie anzubieten haben?

5: „Persönliche Hymne“

Und wenn wir schon beim „Mission Statement“ sind, dann überlegen Sie sich doch (wie einst „Ally McBeal“) auch gleich noch eine persönliche Hymne, also ein Musikstück, das Sie aufbaut, wenn Sie es dringend brauchen – beispielsweise um halbwegs entspannt beim Kunden aufzulaufen. Denn natürlich darf der nie spüren, dass Sie den Auftrag ganz dringend brauchen.

6: Website

Beginnen Sie endlich, Ihre Webseite aufzuräumen. Kein professionell mit Fotografie arbeitender Mensch will sich mehr als 20 Fotos ansehen! Die Site ist die virtuelle Mappe. Alles, was nicht absolut perfekt ist, hat da nichts zu suchen!

7: Suchmaschinen

Sobald Sie wissen, was Ihr Profil ist, können Sie die Webseite dahin gehend verschlanken. Suchmaschinenoptimierung ist das Stichwort. Da die Mehrheit der Fotografen Homepages hat, die nicht für sie arbeiten, kann man sich dadurch immer noch einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

8: Freies Projekt

Denken Sie nicht länger darüber nach, ein freies Projekt zu beginnen, sondern tun Sie es! Nur das befördert die Entwicklung einer individuellen Bildsprache.

Und hören Sie auf, zu „experimentieren“. Niemand will Fotos sehen, die mit Photoshop-Filtern verfremdet wurden. Wenn Ihnen langweilig ist, gucken Sie sich gute Fotos von berühmten Fotografen an. Das schult den Blick. (Die 10 lehrreichsten Fotografen finden Sie hier: )

9: Ihre besten Bilder

Drucken Sie Ihre wichtigsten Motive aus. Wem wollen Sie die Entscheidung, was Ihre besten Bilder sind, sonst überlassen? Nur so entwickeln Sie sich.

10: Yes, you can!

Und wenn Sie alleine nicht weiterkommen, lassen Sie sich von mir helfen. Das ist nicht schmerzlos, aber effektiv. Falls Sie, wie die Banken, bereits staatliche Hilfe in Anspruch nehmen: Fragen Sie bei Ihrem Jobcenter, ob die Kosten für die Beratung übernommen werden! Das wird regional sehr unterschiedlich gehandhabt. Vielleicht klappt es.

Autorin: Photoconsultant Dr. Martina Mettner

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15 Kommentare

  • Rico sagt:

    Die Zeiten sind sicherlich enorm schwer für professionelle Fotografen im Zeitalter der digitalen Bildbearbeitung. Jedoch gute Fotografen die ihr Handwerk von der Pike an erlernt haben werden noch immer gerne in Anspruch genommen um ein geniales Foto entstehen zu lassen das der Laie so nicht kann.

  • Mike sagt:

    Vieles aus dem Artikel sollte der gesunde Menschenverstand gebieten. Die lieben Mitbewerber hier in der Gegend haben sich aber trotzdem für 1.) entschieden und die Preise gehen gerade den Bach runter. So stark, dass es selbst die Sparfüchse der lokalen Werbeagenturen nicht fassen können. Zitat eines Art-Directors: Das ist Preisdumping.

  • Uwe Nölke sagt:

    Sehr klare Tipps von Frau Dr. Mettner, die bekannt ist für ihre direkte und offene Art. Wir sollten alle beherzigen, was sie sagt. Gefällt mir gut.

  • Florian sagt:

    … #1 ist halt schwierig zu erreichen, ohne dass man sich ggs. abspricht.

    wenn die anzahl der aufträge runtergeht, scheinen die fotografen also fast auch unter eigenen kosten bzw. zu geringen tagessätzen ihre shootings zu machen.

  • jan sagt:

    Naja, eigene Preise stabil halten ist das A und O… natürlich nur wenn man Qualitativ hochwertig arbeitet. Im Edeffekt vgibt es eine Menge Kunden im kommerziellen Bereich, und die Menge der „teilselbständigen“ Amaterufotografen schwindet auch wieder. Eine ähnliche Situation haben wir vor vielen Jahren schon einmal gehabt und am Ende ist ein guter Fotograf trotzdem nicht verhungert.

    Cheers,

    –jan

  • Gute Tipps, auch für mich als absoluten Laien interessant.

  • Thomas aus Hürth sagt:

    Persönliche Hymne

    Das ist die Gesichtsynchronation mit Gefühlen und Gedanken auf das Gesicht. Bei Vorwerk durften wir kein Verkäufergesicht haben. Die Kunden haben das gelesen was auf dem Stirn stand und entsprechend abgeblockt. Wir sollten nur Ihren verdammten Teppich reinigen. Mehr nicht. Dann kam das Standartprogramm und erst am Tisch haben wir verkauft.

    Die Methode klappte auch beim Flirten. Das Gesicht von Mann zu Frau. Habe es geschafft mehr Frauen zu kriegen in dem ich das Gesicht „Ich will F…“ ausgelöscht habe. Ich will ja nur das Harmlose. Nur Hallo sagen und da mal gucken. Ganz kühn. und Normal.

    Somit setze ich dann weiter mit Systemberatungen. Denn ich will ja kein Geld. Ich will nur Beraten und Kunden dienen. Ruhig und gelassen. Ab und zu mal Show. Mehr nicht.

    Das Geld kam dann von aleine hinterher geschmissen.

  • Von einer Krise habe ich und viele Kollegen in meinem Umfeld nichts bemerkt. Ganz im Gegenteil, es wird überall fotografiert und die Kundschaft hat vor allem im Business und Messebereich jetzt nicht nur Kataloge zu drucken sondern benötigt umfassende Fotos für Webseiten die es vor einigen Jahren in dieser Qualität auch noch nicht überall gab. Immer mehr Kunden verstehen jetzt durch den Umgang mit der eigenen Kamera, was ein Foto von einem guten Bild unterscheidet und wie hart die Arbeit als Fotograf sein kann (muß). Ich hoffe niemanden zu verärgern, muß mich jedoch völlig gegen eine Krise aussprechen. Gruß aus Köln, Dirk

  • Chubby sagt:

    Naja ich finde das sich die Krise noch in grenzen hält. Es geht immer noch schlimmer. Dennoch sollte man auch auf schlechtere Zeiten eingestellt sein. Denn es kann schneller passieren als man denkt.

  • Meine persönliche, musikalische Hymne: La Vie en Rose, von Grace Jones. Das zieh ich mir jetzt gleich rein.

    Ich kann von der Kriese auch nicht so viel spüren – vielleicht kommt das noch. Ich denke, dass der persönliche Stil ein wichtiges instrument ist um an Aufträge zu kommen. Das ist etwas das mich immer und immer wieder beschäftigt. Warum finde ich ein Bild schön, gelungen und genial umgesetzt? Die Antwort auf diese Frage auf freie Projekte und auf die Aufträge umsetzen zu können ist wohl die hohe Kunst der fotografie…. das und die richtigen Leute zur rechten Zeit zu treffen.

    Gruss
    Carlo

  • oliver sagt:

    sehr gute tipps. leider ist so ein schöner beruf nicht mehr geschätzt und viele fotografen müssen ums überleben kämpfen.

    mit freundlichen grüßen

  • Oliver sagt:

    Nochmal Glückwünsche zu dem tollen Artikel! Besonders wichtig finde ich den Tipp mit der aufgeräumten Homepage. Meiner Meinung nach ist dies heutzutage das wichtigste, was man machen muss. Eine gut strukturierte Homepage macht einfach einen besseren Eindruck.
    Außerdem ist es ebenso wichtig, dass man, wie Sie sagten nicht auf einmal „Ramschpreise“ macht. das rächt sich sofort.

    Ich wünsche schöne Weihnachten!

  • Ich denke, der Fotograf der heutigen Zeit sollte Fotografie und Bildbearbeitung gleichzeitig beherrschen.
    Ein Tagespickel ist nun mal zufällig im Gesicht, deswegen hat sich am kunden am nicht wesentlich etwas verändert.

  • Alex Schwarz sagt:

    Der wirklich gute Fotograf wird seinen Platz behalten und auch von seiner Arbeit gut leben können. Jene, die ihre Existenzangst verströmen wie ein schlechtes Parfum, sägen selbst an ihrem Stuhl.
    Dennoch muss ich schon rein aus logischen Erwägungen dem Artikel voll beipflichten, auch als „Ungelernter“.
    Gerade die Homepages sind bei den meisten Fotografen eine massive Katastrophe. Auch wenn ich mit meiner Präsentation selbst nicht unbedingt die 20-Bilder-Vorgabe einhalte, leuchtet mir dieser Tipp ein, und ich werde ihn wenn auch nicht vollständig dennoch umzusetzen wissen. Vielen Dank!.

  • Schöner Beitrag. Wie sagte schon Helmut Newton: Wenn man reich werden will, sollte man nicht Fotograf werden.

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