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Facebook für Fotografen – Sinnvoller Marketingkanal oder Pakt mit dem Teufel?

Angeregt durch sehr kontroverse Kommentare zu meinem Artikel „Schluß mit dem Magazin für Fotografie“ habe ich beschlossen, einen separaten Artikel zum Thema „Facebook-Marketing“ zu erstellen. Denn es gibt zum Thema Facebook tatsächlich sehr unterschiedliche Meinungen und Einstellungen.

Es gibt Facebook-Fans, die dieses Tool, auch zur Kundengewinnung, aus ihrem Leben nicht mehr wegdenken mögen. Und es gibt Gegner, die eine Arbeit mit Facebook einem Pakt mit dem Teufel gleichsetzen.

Wer hat nun Recht?

Facebook-Marketing: Die Chancen

Facebook bietet für einen Berufsfotografen verschiedene Möglichkeiten zum Selbstmarketing

Kunden können auf der Pinwand des Fotografen ein Kundenfeedback hinterlassen. Dieses wird von anderen potentiellen Kunden gelesen und vermittelt einen ersten Eindruck über die Leistungsfähigkeit des Fotografen.



Kunden können auf der eigenen Pinwand oder der eigenen Seite ein Foto veröffentlichen und mit der Seite oder dem Profil des Fotografen verbinden. Freunde des Kunden werden so darauf hingewiesen, wer das Foto gemacht hat. Eine mögliche Reaktion der Art „Oh, so ein schönes Foto möchte ich auch von mir haben“ ist möglich und führt unter Umständen zu neuen Kunden.

Der Fotograf kann auf seiner Timeline oder seiner Seite ein Foto des Kunden veröffentlichen und mit dem Profil des Kunden verknüpfen. Automatisch erscheint dieses Foto dann auch in der Timeline des Kunden, wo es die Freunde des Kunden sehen können. Auch hier ist wieder die Möglichkeit gegeben, dass daraus neue Interessenten entstehen.



Und es besteht die Möglichkeit, sehr zielgruppenspezifische (bezahlte) Werbeanzeigen zu erstellen. Es ist beispielsweise möglich, eine bestimmte Werbung nur Frauen zwischen 25 und 30 Jahren die im Umkreis von 20 km von Frankfurt wohnen, anzubieten.

Facebook Marketing: Die Risiken

Facebook insgesamt ist eine riesige Informationsverarbeitungs-Maschinerie. Und häufig ist es relativ wenig transparent, welche Daten nun tatsächlich weitergegeben werden. Wenn man sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, ist es zwar einigermaßen möglich, diesen Datenaustausch zu steuern, aber es kommen bei Facebook kontinuierlich neue Funktionalitäten dazu, die es erst einmal zu durchschauen gilt. Einen falschen Knopf gedrückt, und der gesamte Inhalt des persönlichen Adressbuchs landet bei Facebook. Für viele Nutzer ein extrem unangenehmer Gedanke.

Ganz unabhängig von den rechtlichen Risiken: Bei all seinen Aktivitäten sollte der Fotograf die Belange seiner Kunden im Auge behalten. Ist der mit einer Veröffentlichung seiner Fotos einverstanden? Will er überhaupt, dass seine Freunde die Fotos sehen?

Meine eigenen Erfahrungen

Ich habe über Facebook bereits sehr schöne Rückmeldungen von meinen Kunden bekommen und damit die Mundpropaganda angeschoben. Inwieweit sich das allerdings direkt in Aufträgen niedergeschlagen hat, kann ich nicht genau sagen.

Und ich habe erlebt, dass ein Model (!) das ich von einer Modelagentur vermittelt bekam (!) sehr erbost war, als ich ein Foto von ihr auf Facebook veröffentlicht und mit ihrem Namen getaggt habe. Dieses Foto war dann auf ihrer Timeline zu sehen. Sie hat argumentiert: Ihr Vater wäre schließlich Politiker, was sollen die Leute sagen?! (Selbstverständlich hatte ich eine schriftliche Bildfreigabe / Modelrelease).

Mein Fazit

Facebook bietet für einen Berufsfotografen viele Möglichkeiten, das eigene Marketing zu unterstützen. Aber es beinhaltet auch viele Fallstricke. In jedem Fall sollte man vermeiden, die eigenen Kunden zu verärgern, indem man Fotos veröffentlicht, die nicht für eine Veröffentlichung vorgesehen sind.

Um rechtlich einwandfrei zu arbeiten, lasse ich mir jede geplante Veröffentlichung vom Kunden schriftlich genehmigen.

Und wer seinen Namen oder sein Foto auf Facebook nicht sehen möchte, muss das auch nicht. Dafür habe ich größtes Verständnis.

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Michael Omori Kirchner

About Michael Omori Kirchner

Ich arbeite als Fotograf in Heidelberg und gebe mein Wissen und meine Erfahrung als Business-Coach für Kreative weiter. Mehr

12 Kommentare

  • Michael sagt:

    Ich finde die Darlegungen etwas hanebüchen, jeder Nutzer kann doch ganz gezielt entscheiden, was in der Timeline tatsächlich sichtbar ist. Desweiteren gibt es die entsprechende Einstellung „Markierungen bestätigen“, bevor etwas in der Timeline überhaupt erscheint, da sollten die betroffenen Personen sich erst mal mit den Grundlagen von Facebook auseinandersetzen und festlegen, was für wen sichtbar sein soll.

  • Aus unternehmerischer Sicht kommt man tatsächlich nicht um Facebook herum. Es nicht zu nutzen, wäre einfach töricht. Als private Person ‚braucht‘ man es eigentlich nicht – aber meistens ‚muß‘ man es ja nutzen… ;o) Witzigerweise reden viele User bei Facebook über Datenschutz und Privatsphäre usw., geben aber auf anderen Plattformen alles von sich preis. Ist wie bei dem Model. Da werden wohl auch Bilder und Daten auf der Seite der Modelagentur zu sehen sein – aber auf Facebook darf das doch um Himmels Willen nicht stehen…. ;o)

  • In diesem Fall nicht, Sven, die Agentur hat sich (aus anderen Gründen) von dem Model getrennt.

  • MaWoSch sagt:

    Schöne Zusammenfassung. Wobei schon bei dir heraussticht, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen. Außer den Datenschutzthemen steht da eigentlich nichts dagegen. Ich handhabe das so, dass alles was bei Facebook steht für die Öffentlichkeit ist. Somit belasten mich auch mögliche künftige Datenlecks nicht.

  • Oliver Teske sagt:

    Hallo,
    die technischen Möglichkeiten die Facebook liefert sind ohne Frage einiges wert. Nur der Knackpunkt und da möchte ich S. Wickenkamp wiedersprechen, dass ich bitte selbst darüber bestimmen möchte was, wann und wieviel ich über mich und vorallem anderen Preisgebe. Klar darf mir meine Frau die Kleider vom Leib reißen, aber deswegen darf das noch lange nicht jeder. Daher ziehe ich z.B. WordPress vor, natürlich kann ich mir auch da nicht zu 100% sicher sein, aber dort ist Mißbrauch wenigstens noch nicht bekannt geworden. Ich möchte Facebook auch nicht verteufeln oder die es verwenden, ich möchte nur das der Anwender sich darüber bewust ist in wie weit er blankzieht und wenn’s für alle OK ist dann wird es schon OK sein.
    Gruß
    Oli

  • Lars Heinemann sagt:

    Aus meiner Sicht ist Facebook, aber auch Pinterest, in Sachen Fotoverbreitung, Bekanntheitsgrad erhöhen und zum Ende, durch die neuen Besucher auf der eigenen Webseite, ein wichtiger Kanal, Neukunden und Umsätze zu generieren. Wichtig ist nur, dass man peinlich genau auf die Rechte achtet, ansonsten ideal für jeden Fotografen, sich bekannter zu machen und Aufträge zu generieren.

  • Andreas R sagt:

    Wie man es nun dreht oder wendet. Die sozialen Medien kosten Zeit, benötigen Know How, und sind teilweise relativ intransparent, d.h benötigen Investition, wenn man sie richtig nutzen will.

    Wenn man sich in einem Medium engagiert, sollte man es richtig und mit ausreichend Power machen, d.h., daß man sein Portfolio insgesamt sorgsam wählen sollte, um auch alles unterstützen zu können, was einem selbst hilft.

    Meiner Erfahrung nach lohnen sich bis zu einem bestimmten Bekanntheitsgrad eigene Blogs, Flickr, etc eher, wo man seine Fotos zeigt, mehr als ein intensives Chatting in Facebook. Google+ gefällt mir inzwischen besser, wenn man oft eigene Events macht,…, und Fotos an eine überschaubare Community verteilt.

  • Ja, das stimmt.
    FB hat aber einen unschätzbaren Vorteil: Wenn Deine Kunden in Internet unterwegs sind, dann sicher auf FB. Fast nie auf G+
    oder Flickr
    Das kann man finden, wie man will, ist aber so.

  • Vielleicht ganz interessant in diesem Zusammenhang: http://kelbytv.com/thegrid/2012/07/26/the-grid-episode-62-the-future-of-photography-on-the-web-google-flickr/ – Hatte ich seinerzeit auch als Video-Tip auf meiner Homepage….

  • Marcus sagt:

    Ich lebe nicht davon, aber ich glaube nicht, dass man über FB Kunden oder Aufträge gewinnt, mit „likes“ kann man keine Rechnungen bezahlen….
    Sucht ein Kunde einen Fotografen, googelt er nach Fotografie und der geografischen Nähe und sollte dann auf einer Homepage landen wo ihn das Portfolio und der Preis überzeugt diesen Fotografen zu wählen. Just my 5 cents…….

  • daniela sagt:

    So, nachdem ich die Beiträge auch etwas verfolgt habe, meine Meinung:
    FB ist ein wirklich wunderbares Werbemittel, welches (noch) völlig kostenlos ist.
    Dadurch, dass viele meiner Kunden auf FB sind, ist es für mich die allerbeste Werbung deren Fotos (natürlich nur, wenn sie freigegeb sind) auf FB zu veröffentlichen und die Person zu verlinken. Ab da verselbstständigt sich das ganze dann und wird zu einer großen Lawine. Freunde des Kunden liken, kommentieren, sehen was fotografisch möglich ist, und wollen selbst solche Bilder. Ich bekomme meine Aufträge zu 80 % über FB und die dortige Mund-zu-Mund Propaganda. Da bringt meine Homepage bei weitem nicht so viele Aufträge ein. Diese wirkt eher unterstützend.

    Info: Ich betreibe die Fotografie als Nebengewerbe.

  • Martin Lopez sagt:

    @S. Wickenkamp: Danke für den Link. Zwar ein wenig viel geschwafel ;), aber da fielen ein paar wichtige Aspekte.

    Ich denke man sollte kommerzielle und Hobbyfotografie trennen. Der, der damit seine Brötchen verdienen will – oder eben muss- streut selbstverständlich seinen Namen und seine Diensteislungen wo es auch nur geht. Liegt ja auch auf der Hand, denn es kostet ja erst mal nichts, außer Zeit. Der Schneeballeffekt tritt dann von selbst ein. Je mehr da ist, desto mehr Bewegung ist im Gange. Facebook hat den größten Vorteil noch in der Hand: Es ist die einfach die Masse an Menschen die da sind. 1 Milliarde, waren es, oder?

    Ob aber nun die ganzen Profis auch im Vertrag des Kunden vermerken, das sie damit einer automatischen Veröffentlichung auf z.B. Facebook zustimmen, sei mal dahin gestellt. fairerweise sagt man das, besser noch zeigt ihnen mal die Terms of use von Facebook. Und wer nicht selbst bei Facebook ist, wird da mal ganz schnell die Augenbrauen hochziehen. Jede Wette. Ich glaube nicht das dies bei den meisten Profis der Fall ist. Klar, will man doch damit selbst Werbung machen.

    Davon ab: Gibt es überhaupt einen einzigen Fall wo Facebook mit irgendeinem der trillionen Fotos Schindluder betrieben hat? Ich glaube nicht. Fair muss man also auch bleiben.

    Noch was anderes: Habt ihr schon mal versucht über die Google Suche Leute oder Content innerhalb von Facebook zu finden? Bingo. Google schottet das nicht zufällig so ab. Facebook hat ein soziales Netzwerk, Google hat eine Suche UND ein soziales Netzwerk. Glaubt man den Statistiken die Google selbst raus haut (letztens waren es bereits 400 Millionen Benutzer), so wird Google+ sehr sehr spannend werden. Für Fotografen sowieso! Nicht nur das es für Fotos rein technisch schon mal besser da steht (Vollbildmodus, mit der Tastatur links/rechts für die Diashows), sondern eben das ganze über die Google Suche ganz wunderbar funktionieren wird, es bereits heute schon tut.

    Noch hat Facebook wegen die Nase vorn. Irgendwo hat der Erfolg der Plattform ja dann doch auch seine Gründe. Das Torschlagargument ist schlicht…. alle sind bei Facebook, ende das Ansage. Facebook ist aber auch keine Fotoplattform.

    Ich war schon immer der Meinung das eine alternative zu Facebook her muss, und mit Google+ könnte sie nun gekommen sein. Denn nur Google hat die Power so etwas zur Zeit zu machen, und sie sind auf dem besten Weg dort hin.

    Ich selbst bin nicht bei Facebook und hatte bis heute kurioserweise auch nie das Bedürfnis dort hin zu gehen, denn rein aus fototechnischer Sicht erwarte ich dort nicht viel bis gar nichts. Eigenwerbung ja, gut. Aber Werbung ist nicht das was ich primär Suche …

    Einen Fotografen der keine _eigene_ aussagekräftige Seite hat, ist aber dennoch nicht wirklich ernst zu nehmen. Facebook hin oder her.

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