Fotografen-Marketing

Wie ich den richtigen Fotografenverband finde


Von Jana Mänz und Dr. Susan Brooks Dammann

Jeder, der als freiberuflicher Fotograf oder Fotografin tätig ist, hat sich sicherlich schon die Frage gestellt, ob es sinnvoll ist, einem der vielen Berufsverbände beizutreten. Zum einen, um sich als Einzelkämpfer in einer Gemeinschaft austauschen zu können oder um sich in den verbandseigenen Seminaren weiterzubilden und zum anderen, um die Mitgliedschaft als Marketinginstrument zu benutzen. Vor allem Letzteres hat mich sehr interessiert, denn ich fragte mich, wie mich mein potentieller Kunde über das Fotografenverzeichnis des Verbandes findet bzw. wie ich die Mitgliedschaft für mein Marketing verwenden kann.

Und so begab ich mich auf die Suche nach der Antwort und interviewte dafür verschiedene Fotografen. Das Ergebnis hat mich am Ende sehr überrascht.
Doch ich möchte nichts vorweg nehmen.

Ausgangspunkt meiner Recherche waren die zwei größten Verbände für Fotografen in Deutschland: freelens und BFF. Ich interviewte vor allem Fotografen, die im freelens-Verzeichnis zu finden sind. Nicht nur einmal wurde mir erzählt, dass mein Anruf über diese Plattform der erste in der ganzen Zeit sei, seit sie sich dort angemeldet hatten. Ich wurde stutzig. War die Eintragung im Fotografenverzeichnis des Verbandes nicht ein wichtiger Marketinggrund? Sollten nicht darüber Anfragen und Aufträge hereinkommen?

Ich recherchierte weiter und entdeckte Hochzeitsfotografen, die vor allem in internationalen Hochzeitsfotografenvereinigungen Mitglied waren und befragte sie nach ihren Beweggründen. So erfuhr ich, dass diese Fotografen auch gerne international arbeiten und die Mitgliedschaft als Aushängeschild verwenden. Doch wie funktioniert das? Und was ist der Unterschied zu einem allgemeinen Fotografieverband und einem, der auf eine bestimmte Sparte wie z.B. die der Hochzeitsfotografie ausgerichtet ist?

Obwohl die Unterschiede im ersten Augenblick als nicht allzu groß erscheinen, offenbaren sie sich in den Details. Zum einen ist die Spezialisierung wichtig. Das Berufsfeld des Fotografen ist so groß, dass man einen Hochzeitsfotografen nicht mit einem Foodfotografen und diesen wiederum nicht mit einem Landschaftsfotografen vergleichen kann. Nur wenn die entsprechende Spezialisierung vorhanden ist, trifft man genau auf die Kollegen, mit denen man sich austauschen und gemeinsame Seminare besuchen kann. Das ist ein Punkt. Ein viel wichtigerer ist jedoch der Marketingaspekt.

An dieser Stelle möchte ich einen Ausschnitt aus einem Interview veröffentlichen, das wir zu dem Thema Marketing mit Herrn Belz vom bpp (Bund professioneller Portraitfotografen) geführt haben:

Interview mit dem bpp

Delighted Magazine: Wie hoch ist der Nutzen einer Mitgliedschaft im bpp im praktischen Berufsalltag? Natürlich haben Sie alle möglichen Vorteile auf Ihrer Website aufgelistet, doch mein Gedankengang ist, dass alles intern, in der Fotografenszene, wenn man so will, abläuft. Wenn ich als normaler Kunde einen Fotografen buchen will, kenne ich den bpp zumeist gar nicht. Meist beschäftige ich mich gar nicht damit, sondern suche nur einen guten Fotografen in greifbarer Nähe. Also gibt es doch von der Seite her keinen Vorteil einer Mitgliedschaft für den Fotografen. Oder sehe ich das komplett falsch?

Zunächst wird ein Kunde, der online einen Fotografen sucht, aufgrund der Suchmaschinenoptimierung unserer Website sehr schnell auf den bpp und die Mitgliederdatenbank stoßen. Unsere Website verzeichnete im Jahr 2011 über 340.000 Seitenaufrufe und erscheint bspw. bei der Stichwortsuche nach „Portraitfotografie“ oder „Fotostudio“ recht schnell in der Auflistung.

Aber auch davon unabhängig dienen die Aktivitäten des bpp keinem Selbstzweck: Das, was natürlich aus Sicht des Kunden größtenteils „intern“ abläuft, ist alles einzig auf die Stärkung der Studios und Fotografen ausgerichtet – der Erfolg „im praktischen Berufsalltag“ ist daher natürlich das übergeordnete Ziel: Je professioneller mein Geschäftsmodell und meine Außendarstellung sind, je aktueller ich Marktanforderungen begegne, umso erfolgreicher bin ich auch in der täglichen Berufspraxis.

Aber auch über diese Strategie „von innen heraus“ hinaus, tritt der bpp mehr und mehr als Orientierungskriterium für qualitative Portraitfotografie ins Licht der Öffentlichkeit, in unterschiedlicher, den Mitgliedern dienlicher Form. Und darum geht es. So erhält jedes Mitglied, das zertifiziert wird, dazu auch einen Pressetext inkl. detailliertem Briefing für die Pressearbeit in seinem Umfeld. Wir von der bpp Geschäftsstelle versenden regelmäßig Pressemitteilungen für die Gewinner und Platzierten der bpp Wettbewerbe und Qualifikationen, was zu hohem Medien-Echo bis hin zu TV-Berichten für die Studios führt.

Und auch die Titel und Auszeichnungen selbst erleben die Fotografen als sehr förderlich für ihre Eigenwerbung und ihr Renommee. Erst kürzlich haben wieder IPQ-Ausgezeichnete berichtet, wie positiv sich etwa ein „International Photographer of High Quality“ in der Kundenreaktion bemerkbar macht. Darüber hinaus betreiben wir zu einzelnen Themen immer wieder Öffentlichkeitsarbeit, engagieren uns im Interesse der Mitglieder in politischen/rechtlichen Belangen und haben natürlich auch ein öffentliches Facebook-Profil und bspw. im vergangenen Jahr eine große Facebook-Kooperation mit monster.de umgesetzt. Bei dieser Service-Aktion rund um das Thema Bewerbungsfotos erreichten wir über verschiedene kommunikative Kanäle mehrfach Kontaktzahlen im fünf- und sechsstelligen Bereich.

Das Interview zeigt, welche positiven Marketingeffekte mit der Mitgliedschaft erzielt werden können. Das Thema Fotowettbewerb ist vor allem in internationalen Vereinigungen beliebt. Fotografen können sich hier besonders profilieren, wenn Sie mit ihren Arbeiten in diversen Wettbewerben gewinnen. Denn die ausgezeichneten Fotografien werden zusätzlich in internationalen Fotozeitschriften und anderen Medien veröffentlicht. Wer als deutscher Fotograf internationale Ambitionen hat und gerne Kunden im Ausland begleiten möchte, der hat in den Vereinigungen z.B. ISPWP oder WPJA sehr gute Möglichkeiten. Die Aufnahmekriterien sind zwar sehr streng und die Jahresgebühren nicht unbedingt preiswert, doch machen gerade diese Kriterien die Verbände zu einer exklusiven Adresse, mit der man auch in Deutschland werben kann.

Fazit: Die Aufnahme in einem Verband sollte gut überlegt und kalkuliert sein. Nicht jeder Verband ist sinnvoll. Grundsätzlich sollte die Auswahl danach erfolgen, was für persönliche Ziele bestehen und auf welchen Schwerpunkt man sich als Fotograf festgelegt hat.

 

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Jana Mänz und Dr. Susan Brooks Dammann

About Jana Mänz und Dr. Susan Brooks Dammann

Wir von delighted magazine organisieren Webinare für FotografInnen und KünstlerInnen. Die Themenbereiche, die wir abdecken sind von “A” wie “Als Fotograf selbständig machen” über F wie “Fotos online verkaufen”, über S wie “Social Media Marketing” bis hin zu ….? Wer tiefer in die Social Media Marketing Welt eintauchen will, der kann sich auf unser neues e-Book “Social Media Marketing für Fotografen” freuen, in dem wir in aller Tiefe auf Themen wir Pinterest, Facebook, Blog & Co. und deren Nutzung als Marketinginstrument eingehen werden.

4 Kommentare

  • Nicht einfach für mich, da wir uns alle persönlich kennen.

    Dennoch:
    Die kritische Herangehensweise zu Beginn fand ich interessant, sogar mutig.

    „Was sagen Fotografen, die man über die jeweilige Plattform kontaktiert, zu deren Nutzen?“

    Aber dann: folgt ein völlig unkritisches Interview mit dem bpp, das einfach so im Raum stehen bleibt. Und dessen Mitglieder hatte man im Vorfeld auch nicht befragt.

    Tut mir leid, aber für mich ist das zuviel Cross-Marketing und auch nicht als Sponsored Post gekennzeichnet, wie es hier sonst bei Werbeposts üblich ist.

  • Juergen sagt:

    …oder kreative Fotoblogger vernetzen sich untereinander, ist im Endeffekt billiger und effizienter, denn die Performance einer intakten Blogosphäre ist nicht zu verachten und in Deutschland eher unterentwickelt – Stichwort Linkgeiz – gerade in Zeiten einer derzeit ausufernden Facebook Orgie und wo eine teilweise teure Mitgliedschaft in einem (elitären) Verband zum guten Ton gehört, könnte die anspruchsvolle Bloggerszene schon heute ein solides Gegengewicht zu Massen Social Media und Verbänden darstellen und als Nebeneffekt von besseren Suma Rankings profitieren;-)

  • Danke Dir, Hendrik, für die kritischen Worte.

    Beiträge kennzeichne ich immer dann als „Sponsored Posts“, wenn sie es sind. Das war hier nicht der Fall.

    In meinen Augen haben die Autoren des Beitrags auch deutlich darauf hingewiesen, dass man die Marketing-Aussagen der Verbände nicht unbedingt glauben muss.

    Ich freue mich auch in Zukunft auf Deine kritischen Kommentare, denn so etwas ist sehr bereichernd.

    Gruß Michael

  • Dann will ich die Ausführungen um einen Verband ergänzen: dem DJV

    Der DJV ist der Deutsche Journalisten Verband –> http://www.djv.de
    Seine Schwerpunkt liegt also bei den schreibenden, filmenden und fotografierenden frei und feste hauptberufliche Journalisten.

    Ich bin seit 2004 Mitglied als Bildjournalist. Im Herbst 2006 ging das DJV-Bildportal online, dem ich seit Ende 2006 angehöre. Hierüber können DJV-Mitglieder an ca. 1000 Kunden aus Deutschland, Österreich, Schweiz und den Ostblockländern über die Webseite oder das Redaktionssystem Picturemaxx ihre Pressebilder vermarkten. Der Monatsbeitrag liegt bei 35,70 Euro, was verglichen mit anderen Vertriebswegen sehr preiswert ist. Wer als Fotograf sich selber Picturemaxx zu legt, ist jeden Monat mit einigen hundert Euro dabei. –> http://www.djv-bildportal.de / http://www.mypicturemaxx.de

    Mein Bestand von einigen tausenden Bildern findet man hier –> http://www.ksfoto.djv-bildportalde

    Der Mitgliedsbeitrag im DJV selber beträgt um die 30 Euro je nach Bundesland, dafür bekommt Rechtsbeistand, Mitgliedszeitschrift, Presseausweis.

    Ich selber bin ebenfalls über die Bildjournalistendatenbank auf der Webseite des DJV zu finden von Anfang an. Bisherige Anfragen: Null (0).
    Also nicht erfolgreich diese Datenbank.

    Kann ich den DJV für Fotografen empfehlen? Nein, nur bedingt. Selber bin ich enttäuscht vom DJV, der Informationsfluss wurde schlechter, es wird nur noch von schreibenden Journalisten gesprochen, von Aktionen für Fotografen hört man selten was außer Fotografen haben Namen, Webinare, Bildportal, … Ich persönlich fühle mich wie viele andere Fotografen im DJV unterpräsentiert und man kommt zu wenig Zugehör. Wenn das DJV-Bildportal nicht gebe, wäre ich sicherlich schon lange zu Freelens gewechselt. Gegenwärtig verhandelt der DJV mit den Verlegern einen Mindesthonorarsatz für Fotografen auf Basis der gesetzlichen Regelung der Schröderregierung. Was ärgerlich ist, im Internet bekommt man mit, dass in einigen Landesverbänden die Zahlen bekannt sind, in anderen wird es verschwiegen. Keine offizielle Stellungnahme mit akutellem Stand zu der Verhandlung.

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